Sprücheklopfer

ZUM PODCAST

Es gibt Sprüche die sind lustig. Es gibt Sprüche die sind schlagfertig. Und es gibt Sprüche die sind einfach nur zum Schreien. Weil man sie immer wieder hört, weil sie eingebildet klingen, oder weil sie einfach unüberlegt und geschmacklos sind. So wurde ich erst letztens wieder in einem Club gefragt: „Sag mal kennen wir uns nicht irgendwoher?“ Wer kennt diesen Spruch nicht und – Asche auf mein Haupt – ich habe diesen Spruch sicher auch schon gebracht. Aber dann war es auch wirklich der Fall. Kommt ja eben hin und wieder vor, dass man meint den Einen oder Anderen schon einmal gesehen zu haben. In den meisten Fällen kommt diese Frage aber nur aus mangelnder Kreativität oder aus Verlegenheit. Aus Verlegenheit ist auch noch irgendwie „süß“, aber gepaart mit einem vor Selbstbewusstsein strotzenden, selbstverliebten Menschen finde ich diesen Spruch einfach nur zum wegrennen. Eine Freundin erzählte mir, sie habe da einen ganz besondere Antwort, mit der sie in solchen Fällen jede weitere Annäherung sogleich unterbindet: „Kann sein, ich arbeite in einer Klinik für Geschlechtskrankheiten.“ Autsch…

Das ist also eine Möglichkeit einem lästigen „Sprücheklopfer“ zu begeben. Mit den eigenen Waffen schlagen und ebenfalls Sprüche klopfen. Was für ein Fest, wenn in einem solchen Moment ein passender Spruch ins Gehirn schießt und sich seinen Weg übers Sprachzentrum nach außen bahnt. Was für eine Freude, wenn dem Gegenüber dann die Gesichtszüge entgleiten. Nein, eigentlich bin ich nicht schadenfroh, aber es gibt doch hin und wieder Situationen in denen ich nicht übel Lust habe zu kontern und das mitunter nicht zimperlich. Zwei weitere Varianten einem „Sprücheklopfer“ entgegenzutreten sind: Erstens, das Ignorieren – die wohl einfachste und durchaus auch effektive Variante um Jemanden abzuschütteln. Allerdings nicht bei ganz hartgesottenen Fällen. Diese sind nämlich in der Regel so von sich selbst überzeugt, dass sie glauben es würde sich dabei um ein Spiel handeln und man signalisiere nur „nein“, meine aber „ja.“ Die zweite Möglichkeit ist es, blöd zu gucken und irgendwas Unüberlegtes zu entgegnen – die wohl häufigste, weil intuitivste Variante.

Gleichwohl ist das Voranpreschen mit derbem Kontern nicht immer die beste Wahl. Eher sollte man sehr genau prüfen, welche Reaktion für welchen „Sprücheklopfer“ angebracht ist…

Denn da gibt es auch die gutgemeinten Sprüche. Jene, womit der „Sprücheklopfer“ seine eigentliche Anteilnahme ausdrücken möchte, es aber hinter irgendwelchen Floskeln versteckt, weil er/sie das Thema nicht direkt ansprechen mag. So zum Beispiel die liebe Family. So höre ich jedes Mal wenn man mich sieht: „Kind, du bist schon wieder dünner geworden.“ Fakt ist: Wenn das der Tatsache entsprechen würde, wäre ich bereits nicht mehr existent. Bin ich aber. Und wie. Also alles halb so wild und auch nur ein Spruch der aus ihrem Drang heraus entsteht, unbedingt etwas zu meinem Äußeren sagen zu müssen. Deshalb verfehlt er aber zumeist auch die gewünschte Wirkung, denn ähnlich wie bei „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“, geht dieser Spruch bei mir ins eine Ohr hinein, dreht ein paar Kreise im Gedankenkarussel, und geht dann unkommentiert zum anderen Ohr wieder hinaus. Nicht die feine Art, aber was soll man da schon jedes Mal drauf antworten? „Da bin ich auf den Rad wenigstens schön windschnittig.“, „Dafür spar‘ ich beim Duschen Wasser!“, oder „Aber sehen kannste mich schon noch?“. Wohl etwas zu hart für meine liebe Family, sie meint es ja nur gut. Und die Family darf ihre Anteilnahme auch mal mit Sprücheklopfen ausdrücken. Bei Anderen hingegen kann es durchaus witzig werden, die Auswirkungen dieser Antworten zu testen: Schnappatmung und verdutzte Gesichter :)

Und da wären wir schon beim nächsten Spruch: „Was machst du denn für ein Gesicht?“ Was ist denn das für eine blöde Frage?! Als ob ich mich selbst sehen könnte. Da helfen also nur Antworten wie: „Ich habe versucht gleich blöd zu schauen wie du.“ Oder Gegenfragen wie: „Was mache ich denn für ein Gesicht?“ Allein das reicht meistens schon aus, um das Gegenüber ins Stottern zu bringen.

Also merken: Wirklich lästigen „Sprücheklopfern“ legt man das Handwerk nur, indem man ihre eigenen Waffen aufgreift. Bei allen Anderen sollte man ein Auge zudrücken. Immerhin wird man sich auch selbst irgendwann man in der Lage befinden in die Kategorie des „Sprücheklopfers“ gerutscht zu sein. Und dann hofft man ja auch, dass das Gegenüber Gnade vor Recht ergehen lässt.

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