Trennung 2.0 – Beziehungsstatus: Zwischen den Stühlen

ZUM PODCAST

Ein Beziehungsaus war noch nie einfach. Aber in Zeiten von Facebook und Co. ist eine Trennung oftmals nicht nur schmerzlicher denn je, sondern auch um einiges langwieriger als noch zu Zeiten ohne Internet.

Man hat sich verbal voneinander verabschiedet, die Güter getrennt, sich physisch aus dem Leben des Anderen ausgeklinkt… Aber das bedeutet heute noch lange nicht, dass man nichts mehr vom Expartner erfährt. Denn Facebook und Co. machen es möglich auch nach der Trennung am Leben des Anderen teilzuhaben. In Erfahrung zu bringen, wo sich der Expartner herumtreibt, mit wem er sich trifft, was ihn bewegt, ob er gar einen neuen Partner hat… So habe ich erst letztens Aussagen gehört wie: „Mein Ex hat seinen Beziehungsstatus bei Facebook geändert. Jetzt hat er wohl abgeschlossen.“ oder „Ich hätte nicht aufs Profil meiner Ex gehen sollen. Jetzt geht’s mir scheiße!“ Ja, was um alles in der Welt habt ihr denn angenommen? Das ihr darüber hinweg seid? Dass es nichts mehr ausmacht? War es pure Neugierde? Oder einfach nur ein Hang zur Selbstkasteiung? Was der Grund in den einzelnen Fällen auch sein mag, man fühlt sich danach doch nur wie erschlagen. Die Denkmurmel springt wieder an und pumpt Gedanken in die Venen. Das Herz rast. Und man durchlebt Vieles noch einmal. Steht am Ende erneut am Anfang…

Ein psychisches Lebewohl findet also oftmals nicht statt und führt auch nach dem Beziehungsende zu Gefühlen wie Eifersucht, Wut und Verletzung. Das macht den Prozess der Abnabelung nicht nur zähflüssig wie Gummi, sondern schmerzt auch viel länger als es müsste. Man verschließt sich vor neuen Kontakten, schließlich hängt man noch immer irgendwie wie ein zappelnder Fisch am Haken. Man igelt sich so richtig in seinem Leid ein. Auf die Idee, dass der Expartner eventuell absichtlich falsche Dinge postet um den Anderen zu kränken oder aus der Reserve zu locken, kommen Viele nicht.

Studien zufolge – und da sei mal außen vor gelassen, wie repräsentativ sie  sind – schaffen es nämlich die Wenigsten, den Expartner bei Facebook zu löschen. Allenfalls zu einem Blockieren können sie sich durchringen. Erschreckend! Denn auch das ist doch nur ein Vorgaukeln von Unabhängigkeit, wo man sich doch die Hintertür offenhält, jederzeit wieder am Leben des Anderen teilhaben zu können. Und so bleibt die Versuchung groß. Der Geist hängt an etwas was nicht mehr ist, verhindert die Weiterentwicklung. Und der Schmerz ist schier endlos.

Verarbeiten? Kaum möglich. Abschließen? Undenkbar. Fakt ist aber: So kommt man nie wirklich darüber hinweg, denn ein Neuanfang ist nur möglich, wenn man einen klaren Cut macht. Also fragt man sich doch: Warum tun sich Menschen das an? Warum tun sie sich so gern selbst weh, suhlen sich im Kummer? Ist es die Angst davor, wenn man das Herzeleid loslässt, gar nichts mehr zu haben?

Bin ich froh, dass ich nicht bei Facebook bin, dachte ich mir… Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. Blöd nämlich, wenn der Ex dann plötzlich über den Bildschirm flimmert… Gut, dass mein Verarbeitungsprozess ohne Facebook und Co. bereits lange abgeschlossen ist und ich es somit sportlich nehmen kann. Aber es zeigt doch einmal mehr: Heute ist man wirklich nirgends mehr sicher ;)

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3 Kommentare zu “Trennung 2.0 – Beziehungsstatus: Zwischen den Stühlen

  1. Hmmm. An sich stimm ich dir zu.
    Aber nur weil es früher keine Social Networks gab, heißt es nicht, dass man sich nicht auch im Kummer gesuhlt hat. Da hat man eben gemeinsame Bekannte ausgefragt oder sich die Infos irgendwie anders besorgt. Nur, dass es eben nicht so einfach war. Heute sind die Informationen nur einen Klick entfernt. Aber ich denke, zum endgültigen Cut gehört es auch, das Interesse zu verlieren. Immerhin war der Partner lange ein Teil des Lebens. Da wäre es komisch, wenn man nicht irgendwann wissen will, wie es ihm geht. Wenn das allerdings zu früh war, schmerzt es, egal ob man es offline oder online erfährt.
    Allerdings ist die Versuchung heute natürlich größer, einfach mal einen Klick zu riskieren und sich eben dieses kleine Hintertürchen offen zu lassen. Aber vielleicht ist das auch die Trennungsarbeit 2.0. Denn irgendwann tut der Klick aufs Profil nicht mehr weh und plötzlich weiß man ganz genau, dass es nun wirklich vorbei ist.

    • In dem Punkt, dass der Mensch sich wohl auch früher schon gern in seinem Kummer gesuhlt hat, gebe ich dir recht. So ist er wohl, der Mensch ;) Das ist wohl keine neue Erscheinung. Dennoch glaube ich, dass Viele heute gar nicht merken, dass sie es sich selbst schwerer machen als notwendig, weil sie eben so leicht an Infos kommen. Denn genau da liegt der Punkt: Früher musste man vielleicht die Freunde ausquetschen und die haben einen irgendwann mal die Leviten gelesen und zu verstehen gegeben, dass es jetzt auch mal genug ist ;) Heute muss man diesen Zeitpunkt selbst erkennen und oft quält man sich dann doch länger als es notwendig wär. Natürlich braucht sowas seine Verarbeitungszeit. Und natürlich ist das Interesse am Anderen nicht sofort auslöschbar, ob mit ob ohne Internet. Aber mit stellt meiner Meinung nach sehr wohl eine extreme Verzögerung dar.

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