Wie man sich bettet, so liegt man

ZUM PODCAST

… lautet ein sehr altes und ebenso bekanntes Sprichwort, das in vielerlei Hinsicht eingesetzt werden kann. So umschreibt es metaphorisch, dass man für die Konsequenzen seines eigenen Handelns selbst verantwortlich ist. Ich jedoch hatte letztens eine sehr erheiternde Unterhaltung, die es mir nahe legte mich mal mit der offensichtlichen Bedeutung dieses Sprichwortes auseinanderzusetzen. Nämlich dem Schlafen, der Schlafsituation und dem sich daraus ergebenden Schlafkomfort.

Wie ich nämlich erfahren habe gibt es Menschen, die müssen gar nicht mehr liegen um zu schlafen, haben sie nur das richtige Schlafdress. So hieße es dann in diesem Falle wohl eher: Wie man sich kleidet so schläft man. So erfuhr ich von kuscheligen Ganzkörperschlafanzügen – bzw. Schlafoveralls, denn man muss ja wenigstens begrifflich modisch bleiben – im Leolook. Mit  Kapuze UND Ohren. Die seien so kuschelig und warm wie eine Decke, dass man damit sogar im Stehen schlafen könne. Wahnsinn! Ich kann mir Schöneres vorstellen. Also nicht nur, dass ich die Waagerechte der Senkrechten vorziehe, wenn ich mich zu Ruhe lege – es heißt ja nicht umsonst ‚legen‘. Nein, ich kann mir auch etwas Attraktiveres vorstellen als einen Ganzkörperanzug. Allein die Vorstellung eines solchen Schlafdresses löst bei mir das Bild eines Säuglings aus. Und dann auch noch mit Kapuze UND Ohren. Das wiederum beflügelt meine Phantasie und projiziert sofort diverse Szenarien von Kinderfasching in meinen Kopf. Zusammen ergibt es dann das Bild einer Meute schlafender Säuglinge in lustigen Strampelanzügen. Kein Bild was mich jetzt sofort in einen geruhsamen Schlaf versetzen könnte angesichts der Tatsache, dass diese kleinen Wesen auch irgendwann einmal wieder wach werden und dann mörderischen Terz machen. Allein also die Gedanken, die eine solche Schlafklamotte in mir auslösen, würden mich am Schlafen hindern bzw. zumindest einen erholsamen Schlaf unterbinden.

Dennoch möchte ich die Vorliebe für eine derartige Kleiderwahl nicht abwerten. Wer darauf steht (Hihi, steht!!!), der soll seinen Schlafkomfort gern damit verbessern.

Und da gibt es ja noch ganz andere Kandidaten. Die nämlich, die sich an den unmöglichsten Orten zur Ruhe betten. Wie oft hängt jemand nach einer feuchtfröhlichen Party schlafend über der Kloschüssel? Mir unbegreiflich, allein angesichts der geruchlichen Tatsache. Und selbst wenn sie wohl viel zu abgedriftet sind, um den Geruch wahrzunehmen: Spätestens nach dem Erwachen dürfte sich ihre Schlafplatzwahl rächen und in den Gebeinen bemerkbar machen. Guten Morgen Rückenschmerzen! Zumindest mit zunehmendem Alter werden besagte Gliederschmerzen das Erwachen an derartigen Schlafplätzen beschwerlicher machen. Oder sind wir durch die Angewohnheit uns auf anschmiegsame Matratzen zu betten nur verhätschelt? So hatte ich letztes Jahr beim campen mit dünner Isomatte zwar zunächst Probleme mich an all die Wurzeln und Steine in meinem Rücken zu gewöhnen, schlief aber letztendlich besser als zu Hause. Ja, dort vermisste ich die kleinen Huckel regelrecht.

Und Kinder können ja bekanntlich auch immer und überall schlafen. Jedenfalls wenn es sie denn nach einem langen Kampf dagegen wirklich mal ereilt. Dann ereilt es sie aber auch schlagartig, sofort, auf der Stelle. Und das provoziert dann die eigentümlichsten Schlaforte und Positionen hervor. Meine Geschwister waren als Kinder auch solche Kandidaten. Meine Schwester hatte neben dem nächtlichen Erzählen bzw. Schimpfen die Angewohnheit die embryonale Drehung einer Geburt nachzuspielen. Also sich während des Schlafens einmal um 180° zu drehen. An und für sich kein Problem, solange sie allein im Bett war. Durchaus problematisch jedoch in einer Almwanderhütte, bei der zwanzig Menschen wie Ölsardinen auf engstem Raum nebeneinander liegen. In einer großen Koje. Ohne Abtrennungen. Ich meine, wir waren ja daran gewöhnt während des Schlafens neben meiner Schwester hin und wieder Arme, Beine, Hände, Füße oder einen Hintern im Gesicht zu haben, wenn sie sich mal wieder drehte, aber die anderen Bergsteiger… Verstanden da nicht so viel Spaß und so wurde meine arme kleine Schwester kurzerhand auf den Boden verfrachtet. Mein Bruder hingegen hatte eine Vorliebe fürs Hängen. Ober- oder Unterkörper, eines von beiden hing oft aus dem Bett heraus. Und ich? War wohl damals schon ein langweiliger Schlafender. Oder ein Spießiger? Auf jeden Fall gibt es von mir leider nicht so lustige Geschichten. Weder geräuschvolle, noch aktionsreiche. Oder doch? Vielleicht zeichnete sich ja schon damals ab, dass ich nicht schlafen konnte. So hielt ich beispielsweise als Dreijährige nicht den verordneten Mittagsschlaf sondern verging mich stattdessen an der Großpackung Penatencreme, verteilte diese sorgfältig auf meinem Gesicht, versteckte mit hinter einem gelben Vorhang und verkündete, als meine Eltern mich wieder wecken wollten, stolz aber zu deren Entsetzen: „Dolle einetremt!“ Horroffilm lässt grüßen. Vielleicht also schon damals auch ein Zeichen, dass es mich einmal ins Filmgeschäft ziehen würde?

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