Frühlingsgefühle

„Hatschi, ich habe gesprochen!“

Die Sonne scheint wieder. Wärmt mit ihren Strahlen Gemüter, weckt Lebensgeister. Die Vögel schmettern unermüdlich ihr klangvolles Konzert aus ihren kleinen Kehlen. Die Temperaturen werden angenehmer, die Kleidung luftiger und kürzer. Die Menschen strömen in die Straßen und durch die Stadt, lachen und schnattern. Reden sich den stummen Winter von ihrer Seele. Starten erste Annäherungsversuche oder lassen ihre Liebe neu erblühen.

Mit all dieser Schönheit erwacht auch der Wahnsinn der Großstadt wieder zum Leben. Hach, was haben wir ihn vermisst…

Yeah, endlich wieder sichtbare Hundehaufen, Pollenalarm, Parcourmöglichkeiten durch herumstehende Kinderwägen, wildgewordene Jogger, volle Cafes und Grünanlagen,… Ein Pulk an Radfahrern, der sich den Weg in Schlängellinien durch Straßenverkehr bahnt. Wütend hupende Autofahrer, die aufgrund des gesteigerten zweirädrigen Verkehrsaufkommens ihre Geduld verlieren. Menschenmassen, die sich durch die Grünanlagen schieben. Den sich gerade regenerierenden Rasen wieder platt walzen. Schicken mit ihren Grillinseln Rauchsignale in den Himmel und verwandeln ihn in ein offenes Buch. Überfüllte Cafes in denen man dem Tischnachbarn schon fast auf dem Schoß sitzt und Zeuge interessanter Gespräche wird – ob man will oder nicht: Tuchfühlung ist angesagt. Planlos umherirrende und unermüdlich gurrende Ratten der Lüfte. Immer mitten rein in das nächste Fahrrad oder die nächsten Fußgänger.

Und dennoch. Man liebt diesen Wahnsinn. Muss ihn lieben, vermittelt er doch endlich wieder das Gefühl von Lebendigkeit. Die Stadt erwacht aus ihrem Winterschlaf, die Menschen in ihr aus ihrer Lethargie. Dann reißen sie die Fenster auf, um die ersten lauen Luftströme in ihr Leben zu lassen. Um den Winterstaub hinfort zu wehen. Und wundern sie sich, dass sie die Grippe überrennt, denn noch ist das Interior überheizt und der Organismus Mensch kann mit der vielen frischen Luft nicht umgehen. Dann sitzen sie da, rotzen und niesen. Trompeten vor sich hin. Doch auch das kann die Frühlingsgefühle nicht dämpfen.

Endlich, die Hormone sind auf einem Hoch, komme was da wolle…

Auch bei mir im Büro ist das große Niesen ausgebrochen. Ein regelrechter Wettstreit. Und während ich noch denke: Da mache ich nicht mit, kribbelt es in meiner Nase, kratzt es im Hals. Und bevor ich mit rauer Stimme etwas sagen kann: HATSCHI!

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