Denn sie wissen nicht was sie tun

Schlagzeilen. Überall. Jeder sieht sie. Jeder liest sie. Jeder kennt sie. Auch die, die es nicht zugeben wollen. Ein Entkommen ist ja auch gar nicht möglich. Mich beispielsweise springen sie schon beim Öffnen meines Mailpostfachs geradezu an. Also lese ich sie hin und wieder und rege mich in regelmäßigen Abständen darüber auf. Natürlich nicht ernsthaft. Aber ich werde einfach den Eindruck nicht los: Sie wissen nicht was sie tun. Sie widersprechen sich. In einer Tour!

Heute ist Kaffee schädlich und sollte nicht zum täglichen Flüssigkeitsbedarf dazugezählt werden. Morgen heißt es, dass Kaffee sehr wohl als Feuchtigkeitszufuhr angerechnet werden kann. Eben ist ein Gläschen Wein am Abend gesund und gut für den Schlaf, im nächsten Moment sind tägliche Weintrinker bereits Alkoholabhängige. Heute ist er der Held schlechthin, morgen hat er den großen Absturz und ist ein freakiger Drogenabhängiger. Eben noch haben ihre Beine Streichholzformat, die sie in den Weiten Baggypants versteckt und macht macht sich Sorgen um ihren Appetit. Drei Tage später hat sie Cellulite und sollte sich lieber überlegen ob sie dieses oder jenes Kleidungstück tragen kann.

Also in gewisser Weise ist es ja fast auch schon amüsant. Zumindest mit dem notwendigen Abstand betrachtet und in diesen, sage ich mal ‚bedeutungslosen Randsphären‘, des menschlichen Seins. Aber: Diese Unentschlossenheit zieht sich durch sämtliche Bereiche des Lebens. Vom großen Ganzen bis hin zum einzelnen Individuum. Ein weiterer ‚Trend‘ unserer Gesellschaft?

Ja! Wir sind sprunghaft. Wir sind ambivalent. Wir legen uns ungern fest. Wir probieren gern ein bisschen herum. Vielleicht lernt man sogar etwas dabei. Und wenn nicht: Try and error. Try again. Und dann sitzen wir da, mit den ganzen Erkenntnissen und Erfahrungen. Und haben vielleicht doch nichts gelernt. Oder gar zu viel gelernt. Denn zu viel macht den Verstand mürbe, das Herz taub. Und dann versenken wir unser geistiges Hab und Gut im nächsten Getränk. Schließlich müssen sie schnell schwimmen lernen, die Gedanken. In der großen weiten Einheitsbrühe. Aber was macht uns so ambivalent?

Vielleicht ist es die Angst etwas zu verpassen. Die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen und nicht mit den Konsequenzen umgehen zu können. Vielleicht ist es auch der Drang nach dem Perfekten. Doch auf der Suche danach, verlieren wir es oft aus den Augen. Lassen uns Chancen entgehen. Verpassen die kleinen Freuden, die veilleicht das große Ganze ergeben könnten. Und winden uns in Aussagen. Die sich stetig ändern. Heute hü, morgen hott. Gerade sehen sie sich verliebt an und haben ernstes Interesse aneinander, im nächsten Moment ist einer der Beiden nicht mehr bindungsbereit, wär doch lieber wieder allein. Stagnation und Unzufriedenheit im Job, aber sie suchen dennoch keinen Neuen. Das Gefühl in einer Beziehung unglücklich zu sein und trotzdem bleiben sie zusammen. Wer soll denn da mitkommen… Und da schließt sich der Kreis: Das Individuum in seinem sozialen Gefüge ist nunmal von anderen Individuen ‚abhängig‘. Schlingert einer, schlingern sie alle. Oder?

Oder ist es eher eine Typfrage? Immerhin gibt es Menschen, die fällen Entscheidungen wie andere aufs Klo rennen. Ganz selbstverständlich. Ist es vielleicht auch? Sollte es sein? Oder entscheiden sie am Ende zu schnell? Sind sie diejenigen, die man Egoisten schmipft? Weil sie nicht nach rechts und links, weder vor noch zurück schauen, sondern einfach machen? Und ihr soziales Umfeld außer acht lassen?

Wie man es auch dreht und wendet: Der ‚Trend‘ zum „Vielleicht“ ist da. Das Potenzial mitzumachen bei der Gruppe „Lieber Morgen…“ schlummert in jedem. Und was bleibt übrig? Richtig eine Entscheidung. Hahaha. Dabeisein oder nicht? Ja. Nein. Vielleicht. Hin und wieder. Mal mehr mal weniger. Und letztlich ist es wohl jedem selbst überlassen, wo man sich einreiht. Wo man zögert und wo man handelt. Wo man eine Meinung vertritt und darauf beharrt, oder wo man sich vom Gegenteil überzeugen lässt.

In diesem Sinne: Es lebe die goldene Mitte!

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