Neurose Weiblichkeit

Wann ist eine Frau eine Frau? Wann wirkt eine Frau feminin? Wann finden Männer eine Frau attraktiv? Was macht eine Frau aus? Und vor allem, wann empfindet sich eine Frau selbst als Frau?

Lässt man Männer über ihre Männlichkeit referieren blühen sie auf. Sie bekommen rosige Wangen, gute Laune, stellen Vergleiche an und schießen gar ein paar Zentimeter in die Höhe. Da erkennen manche in der Gunst des Augenblicks ihre angeblich unverwechselbare Ähnlichkeit mit Collin Firth, ihr bierbäuchiger Sixpack ist außergewöhnlich und sie versprühen mehr Charme und Witz als manch alteingesessener Entertainer. Sie sind einfach stolz darauf, ein Mann zu sein.

Spricht man im Gegenzug Frauen auf ihre Weiblichkeit an, werden viele von ihnen nervös, fangen an zu drucksen und reden sich um Kopf und Kragen. Ein wahrer Aufzählmodus beginnt. Nicht jedoch über all die Dinge, die sie an sich und ihrem Körper für weiblich und attraktiv halten, sondern über die unzähligen Körperstellen, Angewohnheiten und Eigenschaften, die sie teilweise zwar für weiblich, kurioserweise deshalb aber auch für unschön befinden. Dann fällt ihnen ein, dass ihr Hintern zu dick ist, ihr Busen zu klein, sie mal wieder eine ordentliche Frisur bräuchten, die letzte Rasur lieber gestern als heute hätte stattfinden sollen und ihre Fingernägel auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Ihren Charakter blenden sie dabei oft völlig aus. Und desto länger man Frauen in diesem Aufzählmodus verweilen lässt, desto schwerer stürzt man sie in eine mittelschwere Krise.

Halt! Da stimmt doch was nicht…

Klar, ein bisschen neurotisch sind vielleicht alle Frauen, was ihren Körper betrifft. Und ein Müh neuropatisch sind sicherlich auch die Männer, wenn es um ihr Antlitz geht. Aber wenn man machen Frauen so zuhört könnte man fast denken, bei „Weiblichkeit“ handele es sich um eine Krankheit mit ernstzunehmenden Folgen. Und das schlimme daran ist: Sie ist auch noch ansteckend. Fängt ein weibliches Wesen an lautstark darüber zu referieren, greift der Virus wie eine Seuche um sich und infiziert alle anwesenden Frauen. Die eine mehr, die andere weniger. Immun jedoch? Eine solche Frau habe ich noch nicht persönlich kennengelernt, bin aber wie immer jederzeit bereit meine Meinung zu revidieren, wenn sich mir das Gegenteil beweist.

Bei alledem drängt sich die Frage nach dem „Warum“ auf. Warum tun wir Frauen das? Warum erleben viele Frauen ihre Weiblichkeit als eine Bedrohung? Warum ist Weiblichkeit etwas, was man bekämpft? Oder anders herum: Warum ist Weiblichkeit etwas, was man sich erarbeiten, erobern, ja fast schon verdienen muss? Warum ist Weiblichkeit etwas, was man lernt sich aufzumalen und abzuschminken wie eine Maske, anstatt sie wie eine schützende Haut mit Wohlbefinden zu tragen?

Weil Weiblichkeit oft mit körperlicher Attraktivität und Schönheit gleichgesetzt wird. Weil Weiblichkeit häufig anhand bestimmter Maße, Proportionen und Kleidergrößen festgemacht wird. Gibt man z.B. bei google „Weiblichkeit“ ein, bekommt man zunächst ein paar Bilder weiblicher Körper und Geschlechtsorgane präsentiert. Es folgen Seiten mit Ratgebern, Tipps und Seminaren wie man zum „Vollweib“ wird, wie man seine körperliche Weiblichkeit unterstreichen kann, wie man „mehr Weiblichkeit“ ausstrahlt. Na herzlichen Dank. Denn laut Definition handelt es sich bei Weiblichkeit eben nicht um weibliche Körpermerkmale sondern umfasst der Frau zugeschriebene kulturelle und gesellschaftliche Eigenschaften. Eigenschaften!!! Wer Femininität also mit Körperlichkeit gleichsetzt untergräbt das Weibliche regelrecht. In diesem Sinne sollten wir (auch wir Frauen selbst) dringend unsere „Vorurteile“ und Maßstäbe unserem Geschlecht gegenüber überdenken. Ferner werden die Begrifflichkeiten „Frau sein“ und „Frau werden“ oft schon frühzeitig mit etwas negativen besetzt. Ein blöder Spruch über zu kleine oder zu große Brüste, das Einsetzen der Menstruation oder aufkommende Zickerein. Das Verbot sich zu schminken, geifernde Blicke auf Familienfeiern, etc. Frau lernt also mitunter schon früh, dass körperliche Weiblichkeit etwas ist, was man eventuell verstecken sollte, was man gut portionieren muss, worüber sie definiert wird. Die Frage nach Weiblichkeit ist also immer auch eine Frage nach der eigenen Identität!

Ich habe mir deshalb selbst einmal die Frage gestellt, was ich als weiblich empfinde? Interessanter Weise ist es weder die Form eines Körpers, noch die Größe eines Busens oder eines Hinterns. Natürlich ist Weiblichkeit ein stückweit auch an all diesen Dingen festzumachen. Immerhin sind dies bereits die Merkmale, die eine Frau optisch von einem Mann unterscheiden können. In erster Linie sind es für mich aber ganze andere Dinge, die Femininität ausstrahlen: Sinnlichkeit, Genussfähigkeit und Hingabe. Persönlichkeit und auch die Fähigkeit Spaß haben zu können und sich wohl zu fühlen. Und wann fühlt man sich als Frau wirklich wohl? Wenn man von etwas hingerissen ist. Wenn man sich voll und ganz, mit allem was man ist und hat, in etwas hineinstürzen kann. Wenn man sich fallen lassen kann. Sprich, wenn man sich aufgehoben fühlt und merkt/weiß, so wie man ist richtig zu sein.

Fakt ist also: Eine Frau kann noch so schön sein, wenn sie sich selbst nicht wohl fühlt und eben diese Hingerissenheit, Hingabe und Lust nicht spürt, wirkt sie mitunter nicht weiblich. Dann fehlt ihr dieses weiche, sensible. An dessen Stelle treten dann oft Verbissenheit den Körper in bestimmte Formen zu pressen, Unsicherheiten und vieles mehr. Und das lässt sie hart und unnahbar erscheinen. Was wiederum Attribute sind, die man nicht mit Weiblichkeit verbindet.

Frauen und ihre Weiblichkeit sind also oft nicht nur für Männer, sondern in erster Linie auch für Frauen selbst ein Mysterium. Anstatt nun dieses Geheimnis ergründen zu wollen, sollten wir alle gemeinsam anfangen Frauen einfach so zu lieben wie sie eben sind: Weiblich. Denn Liebe macht glücklich. Und nichts ist schöner, weiblicher und anziehender als eine glückliche Frau!

Advertisements

Humor macht sexy

ZUM PODCAST

Gerade las ich die Schlagzeile: „Humor macht sexy.“ Was für ein Klopper. Mir jedenfalls schossen sogleich etliche Fragen in den Kopf und tanzen dort nun lustig Polka. Machen wirklich ausnahmslos alle Arten von Humor sexy oder nur bestimmte? Inwiefern wirkt Humor sexy? Und, und, und…. Wissbegierig konsumierte ich also den Artikel und musste dabei, wie so oft, einfach nur den Kopf schütteln. Interessant ist nämlich, wie der Artikel dieses eigentlich jubelwürdige Ergebnis – Hallo, Humor macht sexy, dass bedeutet es ist etwas dran an der Aussage ‚Es kommt auf die Inneren Werte an!‘ – belegt. Fakt ist, der Artikel kann damit sehr wohl die humorvolle Seite eines Jeden erwecken, nämlich die Lachmuskeln.

Gehen wir also näher ins Detail der Studienergebnisse. „Sie suchen noch einen Partner? Dann lachen Sie!“, „Ihre Haare sitzen heute schlecht? Und das, obwohl Sie ein Date haben? Kein Problem, lachen Sie einfach drüber!“, um nur zwei Situationen zu zitieren, die besagter Artikel als ‚man besitzt Humor‘ ausweist. Na wunderbar… Das klingt ja wie Lachyoga. Herzlich willkommen in der Esoterik. Erstens: Lachen allein macht meiner Meinung nach noch lange keinen Humor aus! Zweitens sind 250 Probanden ebenfalls meiner Meinung nach nicht unbedingt repräsentativ. Und Drittens: Humor wirkt sicherlich anziehend, aber der Grund dafür ist bestimmt nicht die Gabe über schlecht sitzende Haare oder ähnliche alltägliche Malörchen schmunzeln zu können. Natürlich ist mir bewusst, dass besagte Situationen wohl aussagen sollen: ‚Wer Stärke und Selbstbewusstsein besitzt und über Malörchen wie diese lachen kann anstatt zu weinen, der ist bei sich selbst und wirkt damit attraktiv und eben auch sexy.‘ Aber trotzdem, warum muss man denn gleich wieder alles auf die Beziehungsschiene ziehen? Als wenn Humor nur für Partner-Suchende von Belang wäre. Und als ob es bei der Partnersuche wirklich nur auf Humor ankäme…

Aber es kommt noch besser. Männer, so die Aussage des Artikels weiterhin, würden Humor guten Aussehens vorziehen, weil Witz noch mehr als der äußerliche Zustand einer Frau ‚Jugend und Fruchtbarkeit‘ signalisiere. Hm… Und warum stehen dann so viele Männer immer nur auf die schönen Frauen? Frauen hingegen fänden humorvolle Männer attraktiver als Schöne, weil sie in verspielten Männern eher ihren Wunsch nach einem nicht aggressiven Partner erfüllt sähen. Die Chance dass diese Männer ihrem Nachwuchs also keinen Schaden zufügen ist größer als bei nicht humorvollen Männern. Also bei aller Liebe… Ihr wollt mir doch nicht erzählen, dass Frau (und eben auch Mann) beim Kennenlernen die für sich attraktiv wirkenden Männer (bzw. Frauen) ausklammert weil sie schädlich für potenziellen Nachwuchs sind?! Also ich checke jedenfalls beim ersten Kennenlernen nicht zu aller erst ab, ob das Gegenüber meinen potenziellen Nachwuchs gefährden könnte. Aber vielleicht sollte man das hin und wieder tun, denn wer den Nachwuchs gefährdet, gefährdet vielleicht auch die eigene Persönlichkeit? Hm… Sollte mir das also zu denken geben? Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich beim ersten Blick natürlich immer auch für Diejenigen interessiert, die einen optisch ansprechen (und da liegt natürlich im Auge des Betrachters, was anziehend und sexy wirkt). Aber gut, das Eine (Optik) muss ja das Andere (Humor) nicht ausschließen. Oftmals ist es aber leider nicht der Fall und man fällt erst einmal auf die nette Fassade herein, hinter der sich dann Abgründe verbergen… ;P

Fazit des Artikels ist es dann: „Lachen ist nicht nur gesund und macht sexy, sondern hilft uns auch, den perfekten Partner zu finden!“ HaHaHaHa…. in Endlosschleife. Also wirklich! Wir haben ja kapiert, dass Humor anziehend wirkt, aber ich denke da gehört weitaus mehr dazu, als die Bereitschaft über sich lachen zu können und nicht alles bierernst zu nehmen. Mir ist durchaus bewusst, dass hier lediglich steht ‚hilft‘. Und mir ist auch klar, dass der Artikel wohl weniger auf die Situation des eigentlichen, ersten Kennenlernens abzielt, als vielmehr auf ein ‚man kennt sich schon länger und lernt den anderen zu schätzen‘. Dennoch! So einfach ist das eben nicht. Oder warum gibt es so viele humorvolle Singles? Na, na?

Ein Freund offenbarte mir angesichts dieser Frage, dass Humor und Sexyness oftmals zu viel des Guten sind. Wie jetzt? Ich bekam große Kulleraugen mit tausend Fragezeichen darin. „Na humorvoll UND sexy zusammen macht Angst.“ Puh, wenn das so ist… Dann beweine ich an dieser Stelle all Diejenigen, die beides besitzen und noch keinen Partner haben. Eure Chancen durch euren Humor Jemanden anzusprechen sind also eingeschränk ;P

Schlussendlich muss ich wohl wieder einmal hinnehmen, nicht auf all meine wissbegierigen Fragen eine zufriedenstellende Antwort zu erlangen. Denn letzten Endes liegt auch hier wieder einmal Alles im Auge des jeweiligen Betrachters. Eines bleibt aber festzuhalten, dass es nichts bringt sich an bestimmten Eigenschaften zu verbeißen und diese katalogartig zu erwirtschaften, denn Perfektionismus wirkt verbissen und demnach unsexy. Und wer krampfhaft versucht Humor zu versprühen tut wahrscheinlich alles Andere als das. Und letztlich spielt wie immer vieles Zusammen. Also sollten wir uns, inklusive mir, wohl einfach über diese neue bahnbrechende Erkenntnis freuen. Juhu! Immerhin haben so also auch die schrägsten Typen die Chance Jemanden zu bezirzen. :) Es lebe der Humor!!!

Nachtrag: DIESER ARTIKEL IST MIT HUMOR ZU NEHMEN ! :)