Gegensätze ziehen sich an

„Guck mal Papa“, ruft ein kleines Mädchen, als sie ihr tragbares Windrad direkt auf der Poperze des herausgestreckten Allerwertesten einer, von einer Dessouswerbung herablächelnden Schönheit, legt und kräftigt pustet. Ich muss grinsen. Ihr Vater hingegen hat kein Auge für den Humor seines Sprösslings. Seine Aufmerksamkeit verweilt ganz wo anders.

Hilfiger. Burberry. Rolex. Apple. Marco Polo. Boss. Eine Boutique neben der anderen. Dazwischen wirbt Madonna für Hardcandy Fitness und Miranda Kerr für die neue Kollektion von Swarovski. Der Kurfürsten-Tauentzien-Damm im Westen Berlins ist eine Einkaufsstraße der Superlative. Wohin das Auge auch reicht, vollgestopft mit den schönen Dingen des Lebens. Wohan man die Nase dreht, erfüllt von den Gerüchen des Wohlstands. Wohin man seine Ohren hält, durchdrungen von Klängen, die den Kaufreiz anheizen sollen.

Versunken in die materialistische Welt der Vielfalt, die sich hier bietet, vergisst man schnell, dass es neben all dem Reichtum und Konsum auch die andere Seite der Medaille gibt: Die Armut. Die Probleme in der Welt. Nur wer genau hinsieht in dieser blendenden Shoppingwelt, erkennt die hin und wieder aufblitzenden Stillen Anzeichen des Protests. Die kleinen Hinweise auf die Kehrseite. Denn wo Licht ist, da ist auch Schatten.

Die alte Frau, die verschämt nach einer Pfandflasche angelt, die der geschäftig telefonierende und von einer Parfümwolke umgebene Anzugträger gerade achtlos in den Müll geworfen hat. Der einsame Straßenmaler, der ein Portrait mit einer herausgestreckten Zunge malt, vielleicht weil ihm kaum jemand Beachtung schenkt. Ein neongelbes Graffiti mit der Aufschrift „Putin = Hitler“, was direkt an einem Bauzaun neben dem KaDeWe am Wittenbergplatz prangt und an die aktuellen Probleme in der Welt erinnert. Die Bettler, die sich hier ebenfalls positioniert haben, um etwas vom locker sitzenden Geld abzugreifen und sich damit die nächste Mahlzeit zu sichern. Das schwule Pärchen an der Gourmettheke, die sich nach reichlicher Inspektion der Auslage doch eine Currywurst an der Imbissbude nebenan holen.

Oder aber das kleine Mädchen, mit seinem herrlich erfrischenden, kindlichen und noch nicht gänzlich konsumzerstörten Blick auf all den Firlefanz.

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Humor macht sexy

ZUM PODCAST

Gerade las ich die Schlagzeile: „Humor macht sexy.“ Was für ein Klopper. Mir jedenfalls schossen sogleich etliche Fragen in den Kopf und tanzen dort nun lustig Polka. Machen wirklich ausnahmslos alle Arten von Humor sexy oder nur bestimmte? Inwiefern wirkt Humor sexy? Und, und, und…. Wissbegierig konsumierte ich also den Artikel und musste dabei, wie so oft, einfach nur den Kopf schütteln. Interessant ist nämlich, wie der Artikel dieses eigentlich jubelwürdige Ergebnis – Hallo, Humor macht sexy, dass bedeutet es ist etwas dran an der Aussage ‚Es kommt auf die Inneren Werte an!‘ – belegt. Fakt ist, der Artikel kann damit sehr wohl die humorvolle Seite eines Jeden erwecken, nämlich die Lachmuskeln.

Gehen wir also näher ins Detail der Studienergebnisse. „Sie suchen noch einen Partner? Dann lachen Sie!“, „Ihre Haare sitzen heute schlecht? Und das, obwohl Sie ein Date haben? Kein Problem, lachen Sie einfach drüber!“, um nur zwei Situationen zu zitieren, die besagter Artikel als ‚man besitzt Humor‘ ausweist. Na wunderbar… Das klingt ja wie Lachyoga. Herzlich willkommen in der Esoterik. Erstens: Lachen allein macht meiner Meinung nach noch lange keinen Humor aus! Zweitens sind 250 Probanden ebenfalls meiner Meinung nach nicht unbedingt repräsentativ. Und Drittens: Humor wirkt sicherlich anziehend, aber der Grund dafür ist bestimmt nicht die Gabe über schlecht sitzende Haare oder ähnliche alltägliche Malörchen schmunzeln zu können. Natürlich ist mir bewusst, dass besagte Situationen wohl aussagen sollen: ‚Wer Stärke und Selbstbewusstsein besitzt und über Malörchen wie diese lachen kann anstatt zu weinen, der ist bei sich selbst und wirkt damit attraktiv und eben auch sexy.‘ Aber trotzdem, warum muss man denn gleich wieder alles auf die Beziehungsschiene ziehen? Als wenn Humor nur für Partner-Suchende von Belang wäre. Und als ob es bei der Partnersuche wirklich nur auf Humor ankäme…

Aber es kommt noch besser. Männer, so die Aussage des Artikels weiterhin, würden Humor guten Aussehens vorziehen, weil Witz noch mehr als der äußerliche Zustand einer Frau ‚Jugend und Fruchtbarkeit‘ signalisiere. Hm… Und warum stehen dann so viele Männer immer nur auf die schönen Frauen? Frauen hingegen fänden humorvolle Männer attraktiver als Schöne, weil sie in verspielten Männern eher ihren Wunsch nach einem nicht aggressiven Partner erfüllt sähen. Die Chance dass diese Männer ihrem Nachwuchs also keinen Schaden zufügen ist größer als bei nicht humorvollen Männern. Also bei aller Liebe… Ihr wollt mir doch nicht erzählen, dass Frau (und eben auch Mann) beim Kennenlernen die für sich attraktiv wirkenden Männer (bzw. Frauen) ausklammert weil sie schädlich für potenziellen Nachwuchs sind?! Also ich checke jedenfalls beim ersten Kennenlernen nicht zu aller erst ab, ob das Gegenüber meinen potenziellen Nachwuchs gefährden könnte. Aber vielleicht sollte man das hin und wieder tun, denn wer den Nachwuchs gefährdet, gefährdet vielleicht auch die eigene Persönlichkeit? Hm… Sollte mir das also zu denken geben? Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich beim ersten Blick natürlich immer auch für Diejenigen interessiert, die einen optisch ansprechen (und da liegt natürlich im Auge des Betrachters, was anziehend und sexy wirkt). Aber gut, das Eine (Optik) muss ja das Andere (Humor) nicht ausschließen. Oftmals ist es aber leider nicht der Fall und man fällt erst einmal auf die nette Fassade herein, hinter der sich dann Abgründe verbergen… ;P

Fazit des Artikels ist es dann: „Lachen ist nicht nur gesund und macht sexy, sondern hilft uns auch, den perfekten Partner zu finden!“ HaHaHaHa…. in Endlosschleife. Also wirklich! Wir haben ja kapiert, dass Humor anziehend wirkt, aber ich denke da gehört weitaus mehr dazu, als die Bereitschaft über sich lachen zu können und nicht alles bierernst zu nehmen. Mir ist durchaus bewusst, dass hier lediglich steht ‚hilft‘. Und mir ist auch klar, dass der Artikel wohl weniger auf die Situation des eigentlichen, ersten Kennenlernens abzielt, als vielmehr auf ein ‚man kennt sich schon länger und lernt den anderen zu schätzen‘. Dennoch! So einfach ist das eben nicht. Oder warum gibt es so viele humorvolle Singles? Na, na?

Ein Freund offenbarte mir angesichts dieser Frage, dass Humor und Sexyness oftmals zu viel des Guten sind. Wie jetzt? Ich bekam große Kulleraugen mit tausend Fragezeichen darin. „Na humorvoll UND sexy zusammen macht Angst.“ Puh, wenn das so ist… Dann beweine ich an dieser Stelle all Diejenigen, die beides besitzen und noch keinen Partner haben. Eure Chancen durch euren Humor Jemanden anzusprechen sind also eingeschränk ;P

Schlussendlich muss ich wohl wieder einmal hinnehmen, nicht auf all meine wissbegierigen Fragen eine zufriedenstellende Antwort zu erlangen. Denn letzten Endes liegt auch hier wieder einmal Alles im Auge des jeweiligen Betrachters. Eines bleibt aber festzuhalten, dass es nichts bringt sich an bestimmten Eigenschaften zu verbeißen und diese katalogartig zu erwirtschaften, denn Perfektionismus wirkt verbissen und demnach unsexy. Und wer krampfhaft versucht Humor zu versprühen tut wahrscheinlich alles Andere als das. Und letztlich spielt wie immer vieles Zusammen. Also sollten wir uns, inklusive mir, wohl einfach über diese neue bahnbrechende Erkenntnis freuen. Juhu! Immerhin haben so also auch die schrägsten Typen die Chance Jemanden zu bezirzen. :) Es lebe der Humor!!!

Nachtrag: DIESER ARTIKEL IST MIT HUMOR ZU NEHMEN ! :)