Menschen gibt’s…

… die gibt’s gar nicht. Oder zumindest versetzen sie einen aus den unterschiedlichsten Gründen in kleines oder großes Erstaunen. Und damit meine ich jetzt nicht die „Großen“, die die Welt retten oder Rekorde aufstellen. Nein, das fängt schon direkt neben dir an. In deiner kleinen Welt. Menschen, die persönliche Tolranzgrenzen überschreiten, weil sie in intime Bereiche vorpreschen. Ein kleiner Ausflug gefällig?

Begegnungen, Erlebnisse und Ereignisse mit Personen dieser Art sind oft jene, die im Gedächtnis hängen bleiben. An die man sich mit einem Kopfschütteln, Schmunzeln, etc. zurück erinnert. Die nie langweilig werden, wenn man sie erzählt. Die noch Stunden, Tage, Wochen, Jahre danach immer wieder Verwunderung oder einen Lacher provozieren.

Da gibt es zum Beispiel ganz flüchtige Begegnungen. Minuten oder sogar nur Sekunden die sich ins Hirn einbrennen. Die so intensiv sind, dass man sie einfach nie vergessen wird. Weil sie so bizarr, so außergewöhnlich sind. Mir sind Erfahrungen und Menschen dieser Art eigentlich immer nachts passiert und begegnet. Ein Mann, der hinter einem im Nachtbus sitzt, wahnsinnig kichert und einem den Finger in den Rücken bohrt. Gruselig… Noch prägender waren jedoch meine Erfahrungen mit fremder Sexualität ;) So saß ich mal in einem Zug. Nachts. Auf dem Weg von Berlin nach Potsdam. Und schräg gegenüber von mir machte ein Mann komische Bewegungen unter seinem Shirt. Ich dachte mir nichts dabei, bis er  mich an seiner Freude teilhaben lies. Er holte sich einen runter. Ganz öffentlich. Brrr… Und es muss damals so eine Zeit gewesen sein. Oder aber ich wirke magisch auf derlei Gefährten. Denn schon kurze Zeit später meinte der nächste seine sexuellen Freuden in aller Öffentlichkeit mit mir teilen zu müssen. Wieder des Nachts. Auf dem Weg vom Rosa-Luxemburg-Platz zum Rosenthaler Platz. Ich zu Fuß unterwegs, er an einer Hauswand gelehnt. Der Unterschied zu seinem Vorgänger: Er schien keine Lust zu haben. Da frage ich mich doch: Warum? Also ich habe ja nichts gegen sexuelle Entfaltung. Aber ich würde dann doch lieber selbst entscheiden, an welcher ich beteiligt sein möchte. Aber es gibt auch „harmlosere“, oder sollte ich eher sagen jugendschutztauglichere erstaunliche Menschen und Erfahrungen. Ein Typ beispielsweise, der einem im Club mit „Hey, hier stinkts. (Pause) Aber ich bins nicht.“ anspricht und dann Bauklötzer staunt, wenn man in schallendes Gelächter ausbricht. Schön sind auch Anmachsprüche wie: „Ich mag dein Waschmittel nicht.“ Vielen Dank für diese Information, vielleicht möchtest du mir ein neues kaufen? Ja ja… Das sind also die Momente, in denen man denkt im falschen Film zu sein. Ereignisse, die im Entstehungsmoment einfach nur seltsam, unangenehm, wenn nicht gar ein wenig angsteinflößend sind. Die aber im Nachhinein immer eine gute Geschichte bereithalten. Genauso gut kann es natürlich auch ein positives Erlebnis sein, was sich in den Hirnwindungen festsetzt. Ein strahlendes Lächeln zum Beispiel, was einem ein Fremder auf der Straße schenkt.

Oft am erstaunlichsten sind jedoch Menschen aus dem direkten Umfeld. Bekannte, Verwandte, Freunde. Weil man sie anders eingeschätzt hat. Weil sie plötzlich Haken schlagen, mit denen man nicht gerechnet hat. Weil sie mit Kleinigkeiten ganz viel bewirken können. Freude, Wut, Erstaunen, eben die ganze Palette an Befindlichkeiten. Und doch sind auch hier oft die skurrilen Erlebnisse die, die im Gedächtnis bleiben. An die man sich auch Jahre danach noch erinnert und abfeiern muss. Aber auch die herzerweichenden sind nicht von der Hand zu weisen.

Da kommt beispielsweise jemand mit einem liebevollen Mitbringsel daher. Einem Geschenk, mit dem man auf dem ersten Blick nichts anfangen kann, was den Schenker aber als wahnsinnig aufmerksam und liebend entpuppt. So bekam eine Freundin von mir z.B. einen Käse von ihrem Freund überreicht. Freudestrahlend und ganz aufgeregt war er. Und alles was sie zunächst dachte, war: Ein Käse? Was will er mir denn damit sagen? Nach näherem Betrachten und Lesen kam die Erleuchtung. Der Käse hatte einen Namen. Er trug den Namen einer Stadt. Einer Stadt, in der sie einmal gewesen und eine wunderschöne Zeit miteinander verbracht hatten. Und als er den Käse beim Einkauf so da liegen sah, musste er an seine Liebste denken und hat ihn eben mitgebracht. Hach ja, da macht mein Herz doch gleich einen freudigen Hüpfer. Es gibt sie also noch, die versteckten Romantiker.

Aber zurück zu den grotesken Momenten. Vor gar nicht langer Zeit saß ich in lustiger Runde auf einer Party. Mit mir lieb gewonnenen Menschen, die ich noch nicht all zu lange kenne. Der Alkohol floss und so fielen die Masken der Anständigkeit. Resultat war ein unmoralisches Angebot: Man bot mir einen Schlafplatz an. Also einen anderen, als ich geplant hatte. Nicht den harten Boden sondern ein Hotelzimmerbett. Jedoch mit Einschräkung. Ich sollte mich auf der einen Seite vergnügen, während man mir dabei zusehen wollte. Ich dachte ich höre nicht recht, fiel vor Lachen fast vom Stuhl. Das passte einfach nicht in mein Bild, was ich bisher von dieser Person hatte. Aber ich lasse mich gern überraschen. Sofort hatte ich also eine Liedzeile im Kopf: „Free your mind…and your ass will follow!“ Denn wer weiß was sich aufgrund der Hemmungslosigkeit sonst noch so an männlichen Phanatsien in Erfahrung bringen ließe. Viel interessanter ist jedoch die Frage: Besteht bei dieversem Herren eine Erinnerung an dieses Gespräch? Wenn ja, keine Angst, ich nehms locker. Und damit würde ich sagen, bin ich aufgenommen in der Hood!? Jaja, der böse Alkohol. Unglaublich? Denkste. Es geht noch besser. Es gibt nämlich auch diejenigen, die ihren Freunden gleich einen Dreier anbieten. So geschehen einer Freundin von mir. Nun ja, man könnte es so sehen: Es bleibt ja in der ‚Familie‘, quasi. Und man soll doch alles Mal ausprobiert haben. Ja, das sind sie, die Situationen in denen man vor Erstaunen aufpassen muss, dass die Kinnlade nicht augenblicklich an Halt verliert und unkontrolliert nach unten klappt. Situationen, in denen man bestimmte Menschen plötzlich in einem anderen Licht sieht. In denen man anerkennen muss: Geht nicht, gibts nicht.

Aber mal ganz ehrlich… Genau das sind doch auch die Momente, die das Leben lebendig machen! Situationskomik, ich liebe sie. In diesem Sinne: Ein Hoch auf Menschen, die mit Wenig ganz Viel bewirken. Ein Hoch auf die Skurrilitäten des Lebens!

Werbeanzeigen