Weil wir es können…

Konsum. Verschwendung. Sinnlose Zerstörung. Und warum das alles? Weil wir es können??? So sollte man meinen, wenn man die eine oder andere Stelle unserer Gesellschaft mal genauer betrachtet.

Schlimm genug, dass es bei so manchem Erdenbewohner immer die neuste Technik sein muss, jeden Monat neue Klamotten im Schrank hängen müssen, etc. Wirklich erschreckend ist aber, dass z.B. jeden Tag tonnenweise Lebensmittel einfach so weggeschmissen werden, weil man sie nicht verkauft bekommt. Weil mehr produziert, als gebraucht wird. Und auch privat, hat man sicherlich schon den einen oder anderen Konsumgüter weggeworfen, den einen oder anderen Speiserest in den Müll verschwinden lassen, anstatt ihn noch zu verwerten. Die Gründe dafür sind unzählbar. Bei manchen ist es vielleicht nur eine überpenible Vorstellung von Hygiene oder die Panik vor Krankheiten oder nicht mithalten zu können. Bei manchen ist es aber leider tatsächlich der Überfluss. Die Lust am Konsum. Denn wir haben’s ja…

Doch warum das Ganze?

Wir wollen immer mehr, immer höher, immer weiter. Um mitzuhalten, um das Gefühl von Leere zu füllen, etc. Auch hier könnten die Gründe nicht unterschiedlicher sein. Um letztlich nicht am eigenen Konsum zu ersticken, müssen wir uns auf der anderen Seite bestimmter Dinge entledigen. Um die entstandene Leerstelle sogleich mit etwas Neuem zu füllen.

Getoppt wird das Dasein der Wegwerfgesellschaft durch die Lust an Zerstörung. Ohne Sinn und Verstand. Mutwillig. Der Schaulust wegen. So z.B. in TV-Sendungen, deren Essenz es tatsächlich ist, Dinge – und mit ihnen auch Personen und Existenzen – zu zerstören oder wenigstens zu deformieren. Ein treffendes Beispiel ist die Sendung „Elton zockt“. Dieses Format spielt mit dem Streben des Menschen nach mehr. Gewinnt der Kandidat ist er um einige tausend Euro reicher. Verliert er, muss er bei der Vernichtung eines ihm geliebten Gegenstandes zuschauen. Und mit ihm das Publikum vor den Bildschirmen. Da werden also Instrumente, Fahrzeuge, etc. zerlegt. Einfach so. Aus Spaß an der Zerstörung von Konsumgütern. Aus Begeisterung für Erniedrigung, Schockierung und das Vorführen von Überschätzung. Aus Freude daran zu demonstrieren, wie nah Konsum und Verschwendung beieinander liegen. Einfach unfassbar! Wenn man die verzockten Gegenstände wenigstens spenden, an jemand anderen verschenken oder verlosen würde… Aber nein, es muss zerstört werden. Um Macht zu demonstrieren und das Scheitern zu symbolisieren. Denn wir können’s ja…

Da fragt man sich doch: Was ist aus unserer Gesellschaft geworden? Geht es uns zu gut? Und vor allem: Wo soll das Ganze noch hinführen?

Natürlich zurück zum Menschen. Wenn das Wegwerfen und sinnlose Ruinieren von Konsumgütern nicht mehr ausreicht, muss man sich eben gegenseitig selbst zerstören. Wie nah wir diesem Zustand sind, zeigt nicht nur ein neuer erschreckender Trend namens „KnockOut Games“. Hier werden wahllos Passanten mit einem einzigen harten Schlag niedergestreckt. Nur um den Kick von Macht und Destruktion zu spüren. Nur um die eigene Leere und unzulänglichkeit zu füllen. Genauso schlimm ist der Einzug vom „Konsumieren und Wegwerfen“ von Menschen und Emotionen. Weil wir nie zufrieden sind. Weil wir Angst haben. Weil wir gelernt haben, die emotionale Leere mit etwas anderem zu füllen. Weil wir denken etwas zu verpassen. Weil der Hinterkopf sagt, dass da noch etwas Besseres kommen könnte. Aber was ist, wenn wir das Beste im eigenen Konsumwahn einfach schlichtweg übersehen? Wenn da nichts Besseres kommt?

Wir sollten also den Blick wieder mehr auf das richten, was uns lieb und teuer ist. Und es für kein Geld der Welt verschwenden, zerstören oder eintauschen! Weil wir es können!!!

Advertisements

Das arme Vieh

Der Mensch ist ein sehr wissbegieriges und neugieriges Wesen. Ein experimentierfreudiges obendrein. Das sind wohl auch die Gründe dafür, weshalb der Mensch das geworden ist, was er ist. Und weshalb die Gesellschaft so existiert, wie sie existiert. Und es sind die Motive, weshalb sich der Mensch herausnimmt über andere Lebewesen zu herrschen. Sie für seinen Wissensdurst und seine Experimentierfreude zu „missbrauchen“.

Und das beginnt nicht erst im Labor, bei der Gentechnik, in der Kosmetikindustrie, etc. Nein, es beginnt bereits auf der heimischen Couch. Da gibt es z.B. Menschen dir ihrer Katze im Schlaf die Zunge aus dem Maul ziehen, um zu testen wann sich das arme Tier aus der Ruhe bringen lässt. Lustig oder gemein? Da gibt es Menschen, die ihrem Vierbeinern schreckliche Textilien auf dem Leib schneidern lassen, nur um ihren Wohlstand zu demonstrieren. Nicht weiter schlimm oder Quälerei? Und da gibt Menschen, die im Dienste der Wissenschaft Fernsehsendungen machen und ansehen, in denen Tiere vorgeführt werden.

Ja, Tiere im Fernsehen sind eine Sache für sich. Und ich spreche hier nicht von Dokumentationen, in denen Tiere z.B. in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt werden. Ich spreche von Fernsehsendungen, in denen man Tiere zu Anschauungszwecken ins Studio holt. Es sei mal dahin gestellt, ob man den Tieren damit Leid zufügt, oder ob sie es gar nicht als so schlimm empfinden. Das wird wohl niemand eindeutig belegen können, denn das Tier vermag es dem Menschen wohl nicht eindeutig genug vermitteln zu können. Bzw. schreibt sich der Mensch ja auch hier die Fähigkeit zu, es aufgrund von Tests, etc. belegen zu können. Er spielt mal wieder allwissend. Fakt ist aber, es wird nie einen unumstößlichen Beweis dafür oder dagegen geben. Aber zurück zum Thema. Ungeachtet dessen, ob es für ein Tier Stress bedeutet sich in einem Studio aufhalten zu müssen: Muss man denn so ein armes Tier auch noch zu Anschauungszwecken verwirren? Ich für meinen Teil sehe das sehr zwiespältig und habe damit letztens zur Erheiterung einiger Freunde beigetragen, als ich voller Inbrunst Partei für ein im Fernsehen vorgeführtes Reh ergriff.

In einer Ratesendung des deutschen Privatfernsehens ging es um Rotwild, ihr Brunftverhalten und dessen Sound. Zu Anschauungszwecken hatte man einem feingliedrigen, großäugigen Reh ein Gatter ins Studio gestellt, in dem es zugegebener Maßen friedlich graste. Was schon mal absolut bewundernswert ist, wenn man bedenkt, dass es dort von hunderten Live-Zuschauern begafft und von grellem Licht in Szene gesetzt wurde. Zumindest machte es äußerlich den Anschein als würde es in sich ruhen. Denn wer weiß, ob das kleine Herzchen nicht bereits bis zum Anschlag raste. Sollte das kleine Herzchen bis jetzt tatsächlich noch im Ruhezustand gewesen sein, würde sich das gleich ändern… Der Herr, der das Reh angeschleppt hatte, hatte auch eine Tröte bei sich. Eine Tröte die bei richtigem Gebrauch den Brunftschrei eines Hirsches imitieren sollte. Und er trötete fröhlich vor sich hin. Auch die an der Sendung beteiligte Prominenz gab ihr Bestes. Und das arme Reh? Erst wackelte es nur aufgeregt mit seinen Ohren, dann trabte es völlig beunruhigt durchs Gatter und schaute mit einem Wahnsinnsblick hin und her. Und ich? Ich echauffierte mich lautstark wie gemein es doch ist, das arme Reh so zu verwirren und spitz zu machen. Erst tröten da alle und suggerieren dem armen Vieh, dass es gleich begattet wird und dann? Nix und dann! Das ist doch frustrierend für das arme Reh. Zieht man mal hinzu, dass weibliche Tiere den Paarungsakt oft nicht nur voller Freude absolvieren, sondern durch das Balzverhalten ihrer brunftigen männlichen Artgenossen wohl auch in eine Art Stress versetzt werden, wird das Szenario noch absurder. Dann ist das Reh in der Fernsehsendung nicht nur spitz sondern auch noch panisch. Spitzpanisch. Und genau diesen Eindruck machte das anfangs so ruhige Tier dann auch. Die großen friedlichen Kulleraugen waren plötzlich noch größer und irrten wahnsinnig blickend hin und her. Der feingliedrig, sich so geschmeidig bewegende Körper wackelte plötzlich aufgeregt und drohte zu kollabieren. Das Reh rannte von einem Gatterende zum nächsten. Flucht war ja nicht möglich…

Und all das zu Unterhaltungszwecken… Ich, empathisch wie ich nun mal bin, fühlte auf jeden Fall mit dem armen Reh mit. Was würde denn der Mensch sagen, wenn da ein Tier daherkäme, an ihm herummachen würde und sich dann mit seinen Artgenossen darüber freuen würde, dass es funktioniert und ihn dann aber unbefriedigt zurücklassen? Jap… Das will doch auch keiner. Also meine Damen und Herren vom und vorm Fernsehen: Muss das sein? Ist das noch lustig? Oder ist es gar nicht so schlimm (für das Reh) wie ich denke?

An und für sich sind Neugierde und Interesse an Wissen und Information ja eine sehr gute Sache. Eigenschaften, die ich durchaus beführworte. Denn Stillstand ist ist nicht gerade erstrebenswert. Und Interesse an etwas zu haben, bedeutet Leidenschaft. Und leidesnchaftliche Menschens sind oft glücklichere Menschen. Die Frage die aber bleibt ist: Muss man andere Lebewesen in ihrer Leidenschaft beirren um seine eigene zu befridigen? Hm….