Miau, ich habe gesprochen

So ein Katzenleben, denkt man immer, ist schön. Schlafen, essen, Maus jagen, schlafen, essen, stromern,… Aber fragt mal eure Katzen. Sie werden sagen: So ein Katzenleben ist nicht einfach. Das fängt beim Essen an, geht über die Unsäglichkeiten der Kommunikation und reicht bis hin zu unliebsamen Mitbewohnern. Ja, eine Katze hat es wirklich nicht leicht.

Ich werde das natürlich wie immer an einem bzw. mehreren Beispielen belegen. Bei den Katzen meiner Oma und Tante ist das nämlich wie folgt…

Zunächst einmal gibt es Zwei. Eine alte Lady und einen Herren in seinen besten Jahren. Beide können sie sich auf den Tod nicht ausstehen. Wie gut, dass das Haus zwei Etagen und zwei menschliche Mitbewohner hat. So darf quasi jede Katze einen Menschen und eine Etage ihr eigen nennen. Kommt man sich dann dennoch mal in die Quere ist Katzenjammer angesagt. Beziehungsweise machen es Katzen, genau wie Menschen, hin und wieder erstmal weitaus subtiler, bevor sie dann tatsächlich lauthals das Gefecht antreten. Der Katzenjammer ist also eher der unüberhörbare Gipfel diverser vorangegangener stiller Kampfansagen. Vorangegangene Sticheleien reichen vom Haare sträuben, über sich gegenseitig einfach mal eine mit den Krallen über den Deez zu hauen, bis hin zu den ersten verbalen Anzeichen wie Fauchen. Bekommst du als Mensch derartige Auseinandersetzungen mit, haben es die lieben Kleinen wunderbar drauf die oder den Unschuldigen zu spielen. Dann schauen sie dich mit großen Augen an, ihr Blick sagt „Ich war die bravste Katze der ganzen Welt!“. Ähnlich verhält es sich in Situationen, in denen das liebe Fellknäuel etwas getan hat, was es nicht tun darf. Möbel zerkratzen, die Bude auf den Kopf stellen, etc. pepe.

Aber selbst wenn man als Katze keinen unliebsamen Mitbewohner hat, es gibt genug andere Probleme. Da wäre zum Beispiel die Kommunikation. Ihr wusstet es vielleicht noch nicht, aber nicht jede Katze spricht gleich. Auch sie haben zumindest so was wie einen Dialekt. Zumindest sprechen bzw. maunzen allein die beiden Katzen meiner Family unterschiedlich. Während sich die Dame mit dem gewöhnlichen „Miau“ auszudrücken pflegt, redet der kleine Herr ständig von irgendeinem „Mack“. Sitzt neben dir, schaut dich mit triefenden Augen an und alles was er sagt ist „Mack!“. Und zwar in einem herzzerreißenden Tonfall. Ich nehme also an, dass „Mack“ gleich „Hunger“ ist, denn er spricht auch nur zu dieser Gelegenheit. Bei allem anderen Belangen schweigt er still und versucht sich stattdessen, wie es Katzen eigentlich von Natur aus gegeben ist, via Gesten und Mimik zu artikulieren.

Wie also bereits erwähnt, beruht die Kommunikation der lieben Vierbeiner eher auf Gestik und Mimik. Und da hat es das arme Tier auch wieder nicht leicht, müssen die Menschen auch immer alles missverstehen… Aber mal etwas zu unserer Verteidigung. Wir Menschen neigen eben dazu Zeichen stereotyp zu deuten. Eine Katze die um die dir Beine schmiert oder ihren Kopf ständig in deine Handfläche drückt, will gestreichelt werden. Eine Katze die mit dem Schwanz wackelt, ist angepisst, etc. Aber denkste. Wie auch bei Menschen, gibt es diejenigen Exemplare unter Katzen, die etwas signalisieren aber was ganz anderes meinen. Oder aber sie können sich einfach nicht entscheiden, was sie eigentlich wollen.

Ich kenne ein solches Exemplar. Eine zwischenzeitliche Mitbewohnerin meiner Family. Sie schmierte einem so heftig um die Beine, dass man Gefahr lief über sie zu stolpern. Wenn man sich nach etlichen Fluganfällen „erbarmte“ und sie streicheln wollte, hatte man blitzschnelle ihre Krallen in der Hand. Autsch! Kaum, dass sie das gemacht hatte, fing sie wieder an zu schmieren. Hm… Will se nu oder nich? Hat man also noch einen Versuch gewagt, so nach dem Motto „Jeder hat eine zweite Chance“ verdient, hat man wieder eine gefaunzt bekommen. Nun denn, aus Fehlern wird man klug… …und das arme Tier bekam fortan weniger Streicheleinheiten.

Auch das Thema Essen ist ein eher heikles. Katzen sind wählerisch. Da kann es schon mal vorkommen, dass man es sich mit dem lieben Fellknäuel verscherzt, weil man es doch tatsächlich gewagt hat, das falsche Futter auszusuchen. Ohweh… Es kann schon eine Weile dauern bis sie bereit sind diesen Fauxpas zu verzeihen. Logisch, anderenfalls würde man wohl immer wieder so doof sein, ihnen dieses Futter unterjubeln zu wollen. Es sei ihnen also verziehen. Schwieriger wird es da schon, wenn das einstige Lieblingsfutter plötzlich zum absoluten Ekelobjekt wird. Aber auch das sei den lieben Vierbeinerner natürlich zugestanden. Wer mag schon immer das Gleiche essen…

Bei anderen Dingen hingegen ist die Katze ein Gewohnheitstier. Rituale sind hoch im Kurs. Und wehe da kommt jemand und meint sie durchbrechen zu können. Deshalb gestaltet sich beispielsweise der Fütterungsakt bei so eigenwillige Katzen wie denen meiner Verwandten eher schwierig. Der liebe Herr Kater würde verhungern, wenn sein Mensch mal in den Urlaub fahren sollte. Denn der liebe Herr nimmt sein Essen nicht von jedem an. Von mir zum Beispiel nicht. Als ich bei meinem letzten Besuch die Güte besaß ihn zu füttern, nachdem er mich mit weinerlichen Augen anschaute und mir mit einem Dauer-„Mack“ seinen Hunger klagte, zog er es vor die Diva zu spielen. Essen aus meiner Hand war dem feinen Herren nicht gut genug. Stattdessen tänzelte er zunächst um den vollen Napf, um ihn dann den Arsch zuzudrehen und weitere „Mack“-Ausrufe zu starten. Solange bis sein Mensch kam und den Napf an sich nahm. Natürlich nicht um einen neuen Beutel Futter einzufüllen, sondern um ihn abermals auf den Boden zu stellen. Und ihr werdet es nicht glauben, aber Herr Mack fraß…

Wie ihr unschwer erkennen könnt, so ein Katzenleben ist tatsächlich sehr nervenaufreibend. Der Mensch macht es dem armen Tier aber auch wirklich nicht leicht. Bei all dem Eigenwillen kann das liebe Tier mit seinen Aktionen natürlich auch sehr zur Belustigung des Menschen beitragen. Ich für meinen Teil finde die Wortschöpfung „Mack“ jedenfalls so kreativ, dass ich sie in meinen eigenen Wortschatz übernommen habe. Und auch so besitzen die lieben Vierbeiner doch wahnsinnig viel komödiantisches Potenzial. Manche springen dir auf den Buckel, wenn es mit dem Essen zu lange dauert, wieder andere rammeln ihren Kopf einfach mal selbst in die Trockenfutterpackung. Denn natürlich schmeckt das Futter aus der Packung viel besser, als aus dem Napf. Noch amüsanter wird es allerdings, wenn der liebe Vierbeiner auf Drogen ist. So geschehen mit meinem Lieblingskater. Eines Abends, ich saß nichtsahnend auf der Eckbank meiner Großeltern und schlürfte einen Baldriantee für die gute Nacht, sprang er neben mich. Das allein war keineswegs besorgniserregend, machte er das doch immer. Aber er war Zeit seines Lebens ein sehr ruhiger und anständiger Kater. Bedeutet, er sprang nicht einfach auf den Tisch. Angesichts meines Baldriantees verlor er jedoch jede Hemmung. Er maunzte und sprang und war gar nicht mehr zu beruhigen. Bis wir ihm einen kleinen Schluck des begehrten Gebräus in seinen Napf gossen. Das Schauspiel was sich uns dann bot, werde ich nicht vergessen: Er aalte sich darin, rammelte seinen kleinen Kopf immer wieder in den Napf und hatte schlussendlich glückselige, aber völlig bekifft aussehende Augen. Auch das noch, eine teeabhängige Katze…

Harmlos! Aber welchen Schabernack die werten Stubentiger auch treiben, man kann ihnen einfach nicht lange böse sein. Denn wir wissen ja, so ein Katzenleben ist nicht einfach. Miau!

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