Der Nächste bitte…

„Du bist noch Single? Warum? Du hast doch sicher keine Probleme einen Mann kennen zu lernen…?!“ So ungefähr der Wortlaut, der einer guten Freundin immer wieder fassungslos entgegen gebracht wird, wenn das Gespräch darauf kommt, dass sie schon eine ganze Weile Single ist. Ihre Reaktion: Sie könnte kotzen. Warum?

Dazu sollte man die Frage stellen: Wer stellt ihr solch eine Frage? Die Antwort lautet: Männer. Unbefriedigende Antwort? Ok, dann noch näher ins Detail. Welche Art von Männern stellen ihr so eine Frage? Die Antwort… Entschuldigung, ich muss erstmal kurz ausrasten, wieder runterkommen, und… Ja, es geht wieder. Jetzt kann ich antworten: Männer, die sie daten. Viel pikanter aber: Männer die sie daten und bereits eine Freundin haben oder sie nach zwei bis vier Wochen wieder stehen lassen, weil ihnen einfällt, dass sie gerade doch eher keine Beziehung haben wollen, oder meine Freundin es nicht „wert“ ist…. So liebe Männer, ich hoffe ihr erkennt an diesem Punkt, dass ihr euch die Frage mit eurem Verhalten oder Dasein eigentlich selbst beantworten könntet.

Klar, „die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Und man kann Liebe oder auch erstmal Interesse eben einfach nicht erzwingen. Aber ich finde es erschreckend, dass scheinbar vor allem Männer daten, die eigentlich besetzt sind und auch nicht vorhaben ihre Freundin zu wechseln, oder eben Männer die zwar physisch frei sind, aber eben psychisch noch lange nicht bereit… Ja, dann sind die Voraussetzungen von Vornherein schon einmal unfair. Und wer muss am Ende dran glauben? Meine „arme“ Freundin. Denn so langsam beschleicht sie das ungute Gefühl, dass es etwas mit ihr zu tun haben muss. Nicht zuletzt, weil die Männer, die ihr erklären, dass sie doch noch nicht bereit sind für eine Beziehung, nach ein paar Wochen fröhlich gebunden mit einer Anderen durchs Leben scharwenzeln.

Wie sagte einmal jemand zu mir: „Das Aussehen ist die Eintrittskarte, Charakter der Aufenthalt.“ Da frage ich mich doch: Was sehen all diese Männer in ihr? Ne schnelle Nummer? Ne Affäre zwischendurch? Und ist das letztlich der Grund, weshalb es immer wieder schief geht? Denn ja, meine Freundin ist sehr gut darin, einen auf locker zu machen. Den Typen zu suggerieren, dass sie erstmal auf alles gefasst ist, dass sie noch nichts festzurren will. Wie soll man auch, nach zwei bis drei Treffen. Und dennoch bin ich der Meinung, dass vielleicht gerade dort der Hase im Pfeffer begraben liegt. Sie suggeriert. Denken und fühlen tut sie etwas anderes. Denn ganz tief in ihr drinnen ist wohl der Wunsch nach einer festen Partnerschaft, nach einem Mann, den sie endlich von den Socken haut, viel zu groß um ihn gekonnt zu verbergen. Kann es also sein, dass die Herren der Schöpfung genau an diesem Punkt das Interesse verlieren? Weil ihnen bewusst wird, dass sie nicht auf das schnelle Abenteuer aus ist und nicht so cool ist, wie sie zunächst scheint. Sondern sich im Grunde ihres Herzens einen Mann wünscht der nicht nach einem Monat wieder das Interesse verliert? Bekommen sie es dann mit der Angst zu tun? Ist sie mit ihrem Verhalten vielleicht sogar selbst schuld, weil sie sich, wenn sie auch nur den Ansatz des Gefühls bekommt schon wieder in eine solche Geschichte hineingeraten zu sein, verschließt oder sogar ein wenig widerborstig wird? Strahlt sie dann etwas Angsteinflößendes aus? Oder sind es eher zu viele Erwartungen und eine gewisse Bedürftigkeit, die sie ausstrahlt? Was nicht heißen soll, dass sie ein bedürftiger Fall ist, der sich bei jedem Mann gleich eine Beziehung vorstellen kann. Ganz im Gegenteil. Natürlich hat auch sie ihre Vorstellungen und ist dann eben lieber Single, als sich irgendjemand ans Bein zu binden. Aber sie besitzt scheinbar eben trotz allem das Gespür, genau immer die Männer näher kennen lernen zu wollen, die am Ende nur eine weitere NoGo-Kerbe im Holz und meine Freundin in ihrem Singledasein hinterlassen.

Das Problem an der Sache ist nun: Keiner der Männer würde offen und ehrlich sagen woran es liegt, dass sie sich letztlich gegen sie entscheiden. Dass sie es nicht „wert“ ist (unglaublich, aber ja, dieses Wort fiel ihr gegenüber tatsächlich mal). Dass sie sie nicht von den Socken haut. Das bedeutet, dass sie wohl auch an ihrem Verhalten nichts ändern kann. Und das wiederum lässt den traurigen Schluss zu, dass sich daran auch nichts ändern wird… Einmal Single, immer Single? The same procedure as every time? Neeeiiiiin, so wollen wir gar nicht erst anfangen!!! Denn auch wenn ich verstehen kann, dass das ständige gedate irgendwann auf die Nerven geht, es ist wohl besser sich an dieser Stelle zu sagen: „Dann hat es eben einfach nicht gepasst.“ Und auch wenn es heißt „Je früher, desto besser“, sollte man hier vielleicht eher sagen „Gut Ding will Weile haben“.

In diesem Sinne: Keine Müdigkeit vortäuschen! Go for it! Irgendwann scheppert’s dann dafür gewaltig!

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Denn sie wissen nicht was sie tun

Schlagzeilen. Überall. Jeder sieht sie. Jeder liest sie. Jeder kennt sie. Auch die, die es nicht zugeben wollen. Ein Entkommen ist ja auch gar nicht möglich. Mich beispielsweise springen sie schon beim Öffnen meines Mailpostfachs geradezu an. Also lese ich sie hin und wieder und rege mich in regelmäßigen Abständen darüber auf. Natürlich nicht ernsthaft. Aber ich werde einfach den Eindruck nicht los: Sie wissen nicht was sie tun. Sie widersprechen sich. In einer Tour!

Heute ist Kaffee schädlich und sollte nicht zum täglichen Flüssigkeitsbedarf dazugezählt werden. Morgen heißt es, dass Kaffee sehr wohl als Feuchtigkeitszufuhr angerechnet werden kann. Eben ist ein Gläschen Wein am Abend gesund und gut für den Schlaf, im nächsten Moment sind tägliche Weintrinker bereits Alkoholabhängige. Heute ist er der Held schlechthin, morgen hat er den großen Absturz und ist ein freakiger Drogenabhängiger. Eben noch haben ihre Beine Streichholzformat, die sie in den Weiten Baggypants versteckt und macht macht sich Sorgen um ihren Appetit. Drei Tage später hat sie Cellulite und sollte sich lieber überlegen ob sie dieses oder jenes Kleidungstück tragen kann.

Also in gewisser Weise ist es ja fast auch schon amüsant. Zumindest mit dem notwendigen Abstand betrachtet und in diesen, sage ich mal ‚bedeutungslosen Randsphären‘, des menschlichen Seins. Aber: Diese Unentschlossenheit zieht sich durch sämtliche Bereiche des Lebens. Vom großen Ganzen bis hin zum einzelnen Individuum. Ein weiterer ‚Trend‘ unserer Gesellschaft?

Ja! Wir sind sprunghaft. Wir sind ambivalent. Wir legen uns ungern fest. Wir probieren gern ein bisschen herum. Vielleicht lernt man sogar etwas dabei. Und wenn nicht: Try and error. Try again. Und dann sitzen wir da, mit den ganzen Erkenntnissen und Erfahrungen. Und haben vielleicht doch nichts gelernt. Oder gar zu viel gelernt. Denn zu viel macht den Verstand mürbe, das Herz taub. Und dann versenken wir unser geistiges Hab und Gut im nächsten Getränk. Schließlich müssen sie schnell schwimmen lernen, die Gedanken. In der großen weiten Einheitsbrühe. Aber was macht uns so ambivalent?

Vielleicht ist es die Angst etwas zu verpassen. Die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen und nicht mit den Konsequenzen umgehen zu können. Vielleicht ist es auch der Drang nach dem Perfekten. Doch auf der Suche danach, verlieren wir es oft aus den Augen. Lassen uns Chancen entgehen. Verpassen die kleinen Freuden, die veilleicht das große Ganze ergeben könnten. Und winden uns in Aussagen. Die sich stetig ändern. Heute hü, morgen hott. Gerade sehen sie sich verliebt an und haben ernstes Interesse aneinander, im nächsten Moment ist einer der Beiden nicht mehr bindungsbereit, wär doch lieber wieder allein. Stagnation und Unzufriedenheit im Job, aber sie suchen dennoch keinen Neuen. Das Gefühl in einer Beziehung unglücklich zu sein und trotzdem bleiben sie zusammen. Wer soll denn da mitkommen… Und da schließt sich der Kreis: Das Individuum in seinem sozialen Gefüge ist nunmal von anderen Individuen ‚abhängig‘. Schlingert einer, schlingern sie alle. Oder?

Oder ist es eher eine Typfrage? Immerhin gibt es Menschen, die fällen Entscheidungen wie andere aufs Klo rennen. Ganz selbstverständlich. Ist es vielleicht auch? Sollte es sein? Oder entscheiden sie am Ende zu schnell? Sind sie diejenigen, die man Egoisten schmipft? Weil sie nicht nach rechts und links, weder vor noch zurück schauen, sondern einfach machen? Und ihr soziales Umfeld außer acht lassen?

Wie man es auch dreht und wendet: Der ‚Trend‘ zum „Vielleicht“ ist da. Das Potenzial mitzumachen bei der Gruppe „Lieber Morgen…“ schlummert in jedem. Und was bleibt übrig? Richtig eine Entscheidung. Hahaha. Dabeisein oder nicht? Ja. Nein. Vielleicht. Hin und wieder. Mal mehr mal weniger. Und letztlich ist es wohl jedem selbst überlassen, wo man sich einreiht. Wo man zögert und wo man handelt. Wo man eine Meinung vertritt und darauf beharrt, oder wo man sich vom Gegenteil überzeugen lässt.

In diesem Sinne: Es lebe die goldene Mitte!

Anfälle von Dämlichkeit

ZUM PODCAST

Hin und wieder leide ich an Anfällen von Dämlichkeit. Oder eigentlich ziemlich häufig und in regelmäßigen Abständen. Bei mir resultieren diese zumeist aus einer melancholischen Stimmung heraus. Und auch oft nur aufgrund der modernen Technik und meiner Gabe zu kommunizieren. Würde man mir in diesen Momenten sämtliche Kommunikationsmittel entwenden, die Hände fesseln oder auch den Mund zukleben, wäre sicher schon der eine oder andere Fall von Dämlichkeit an mir vorübergegangen bzw. hätte ich ihn nicht aktiv ausüben können. Es tröstet mich jedoch, dass ich damit nicht allein bin. Oder sollte mich dies eher in Bestürzung versetzen?

Wie dem auch sei, wie ich aus diversen Gesprächen mit Freunden weiß, gibt viele Schwachsinnige. Vornehmlich Frauen. Ich habe schon überlegt, ob ich eventuell eine Marktlücke entdeckt habe, die es zu füllen gilt: Ein Mittel gegen Schwachsinnige (Frauen). Ein Mittel gegen Anflüge von Dämlichkeit. Ich bin aber zu der Erkenntnis gekommen, dass dagegen wohl kein Kraut gewachsen ist. Man muss also durch, durch diese Anfälle von Dämlichkeit. Was damit konkret gemeint ist?

Ein besonders treffendes Beispiel: Frauen stehen auf Ärsche. Also nicht den Arsch als Körperteil (vielleicht auch das, aber der sollte sich hier nicht angesprochen fühlen), sondern den Arsch in Person. Zwar betonen sie immer wieder, dass sie ja eigentlich einen Mann haben wollen, der sie so liebt wie sie ist, der sie auf Händen trägt, der lieb ist, etc, aber all zu oft macht ihnen ihr Hang zur Dämlichkeit einen Strich durch die Rechnung. Denn letztlich landen sie dann doch wieder bei den Typen, bei denen sie um Aufmerksamkeit, Beachtung und Ansehen kämpfen müssen. Sind wir Frauen also sadistisch? Ich will natürlich wie immer nicht behaupten, dass es diese Geschichten nicht auch genau anders herum gibt: Also Frau verarscht Mann. Leider ist mir nur eben der andere Fall öfter zu Ohren gekommen. Frauen sind und bleiben eben oft gefühlduseliger als Männer. Oder sollte ich sagen,  Frauen verspüren öfter als Männer den Drang nach Beständigkeit und verschwenden deshalb wertvolle Minuten ihres Lebens an völlig aussichtslose Geschichten?! Wie auch immer: Ich würde wirklich gern eine ‚Pille dagegen‘ entwickeln, die dagegen immun macht…

Umso feierlicher, wenn einer Frau der Absprung von der Dämlichkeit gelingt. Und genau aus diesem Grund habe ich einen Sekt aufgemacht. Und angestoßen. Auf Rike. Eine Freundin, die es endlich geschafft hat auf ihr Wohlergehen zu achten. Rike ist frisch verliebt in einen wirklich „lieben“ Typen. Und das ist das Beste was ihr passieren konnte. Denn anderenfalls wäre sie vielleicht nie von diesem unsäglichen Exemplar Mann weggekommen, an das sie die letzten Wochen und Monate ihre Energie verschwendet hat und so viele Anflüge von Dämlichkeit heraufbeschworen hat.

Mitunter glaube ich aber, dass diese unsäglichen Gefühlsautisten nicht einmal mit Absicht so sind. Sie wissen einfach selbst nicht was sie wollen. Sie hoffen auf Besseres. Warten auf das große Los, die Explosion. Und verpassen darüber vielleicht die Chance einfach nur glücklich werden zu können. Denn oftmals sind die großen Feuerwerke leider auch die Geschichten, die verbrannte Erde hinterlassen. Die einfach nicht gut tun. Die das Herz in einen Kasper verwandeln.

Aber zurück zum Paradebeispiel Rike. Sie hatte also ihr Herz, oder ihren Verstand, an einen Mann namens David gekettet. Einen Mann, dem sie immer wieder Chancen ermöglichte, die er nicht ergreifen wollte und stattdessen unter dem Deckmantel der Freundschaft all die Dinge mit ihr tat, die Freunde eben nicht tun. Man war also offiziell nur befreundet, wobei dieser Begriff bei den Beiden eben sehr dehnbar war… Da dreht sich mir der Magen um. Sex mit einem Freund? Also jedem das Seine, aber angesichts der Tatsache, dass Rike damit nicht wirklich glücklich war eben eher fragwürdig. Und deshalb fragte ich auch: „Hast du dich mal gefragt, ob er das mit jeder seiner ‚Freundinnen‘ macht?“, „Bist du es nicht leid eine unter Vielen zu sein, die sein Ego boosten?“. Und sie schaute mich betroffen an und erklärte: „Ja ich weiß auch nicht warum ich mir das antue. Aber ich… Ach ich weiß es doch auch nicht…“ Ich war gelinde gesagt geschockt. Da saß eine schöne Frau vor mir und dieser komische Kauz sollte der Einzige sein, der ihr etwas Zuneigung schenken wollte/sollte? In meinem Kopf ratterte es. Der Wunsch nach einer ‚Pille dagegen‘ schoss augenblicklich wieder in mein Hirn.

Das erstaunliche an diesen Geschichten aber ist, dass wenn Frau von ihren Anfällen von Dämlichkeit genesen ist, der Mann nachzieht. Denn just in dem Moment, als Rike kein weiterreichendes Interesse mehr an David hatte als Freundschaft, wurde dieser von Anfällen von Dämlichkeit geradezu geschüttelt. Nun beginnt er zu fühlen und zu handeln. Meint, er müsse um sie kämpfen. Glaubt, dass da doch noch mehr ist als bloße Freundschaft. Sieht seine Fälle schwimmen. Paddelt wie wild auf sie zu. Und alles was ich hoffe ist, dass sie fest in ihrem neuen Boot sitzt. Mit einem strahlenden Lächeln ihr gegenüber. So, dass sie den Sonnenschein, der sie plötzlich umgibt, gar nicht mehr bemerkt. Denn: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Tja und damit ist nun plötzlich David derjenige, dessen Gedanken nur noch um sie kreisen. Der sich einreden muss, dass sie eigentlich eine dumme Gans ist, nur um sich nicht eingestehen zu müssen, dass er seine Chance verpasst hat. Ich bin gespannt was er noch so anstellen wird, zu welchen Taten und Handlungen ihn die Anflüge von Dämlichkeit treiben werden… Und ich kann es nicht lassen, aber die Pille dagegen scheint mir eine rechte Goldgrube ;P

Hilfe, Ratgeberdschungel!

ZUM PODCAST

„Was Sie schon immer über … wissen wollten!“, „Wie Sie am besten…“, „Der beste Weg zum…“, etc pepe. Ratgeber hier, Ratgeber da. Ratgeber-Dschungel. Hilfe! Reiz- und Wissensüberflutung pur. Und noch dazu oft unnützes Wissen, wenn auch die Herausgeber und Verfasser dieser Ratgeber wohl anderer Meinung sind. Schließlich ist Ihr Ratgeber der Weg zum Erfolg schlechthin. Aber ist das so? Beziehungsweise warum lassen sich Menschen das immer wieder einreden und kaufen diese ‚Dinger‘? Sind wir überfordert? Können wir keine eigenen Entscheidungen mehr treffen? Oder redet man uns mit all diesen Ratgebern nur ein, wir seien es? Oder noch schlimmer, werden wir es gar erst durch all diese Ratgeber? Wie dem auch sei. Fakt ist: Der Ratgeber-Markt boomt. Täglich schießen neue, erfolgsversprechende, absolut „erkenntnisreiche“ Werke dieser Gattung aus dem Boden. Und wenn man dann wirklich mal einen Rat oder eine Information braucht, z.B. wenn man verreisen möchte, steht man da und reist zunächst einmal durch besagten Ratgeberdschungel…

Diejenigen unter euch, die jetzt stolz denken: Ich habe mir noch nie einen Ratgeber gekauft und bin diesem Wahn noch nicht auf den Leim gegangen…. Irrtum. Noch keinen Ratgeber gekauft zu haben, bedeutet noch lange nicht, dass man nicht auch schon „Opfer“ dieses dubiosen Ratgebermarathons geworden ist. Denn dieser fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Ja, er beginnt bereits im Internet und hat sich klammheimlich in alle Sphären unseres Alltags gedrängelt. Denn schwubs erhascht uns eine Schlagzeile und wir lesen Tipps und Tricks und sind mitten drin im Ratgeberwust.

Auch ich war bis vor Kurzen stolz noch keinen Ratgeber gekauft zu haben und diesem Trend noch nicht verfallen zu sein. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Denn mir fiel auf, dass mein wissbegieriges Hirn – oder sollte ich in diesem Fall lieber sagen mein Emotionsknotenpunkt – auch nicht vor bestimmten Schlagzeilen immun ist. Und nun muss ich mich wohl leider outen: Auch ich bin hin und wieder eine typische Frau. Und so erhascht mich besagter Ratgeberwahn z.B. wenn meine Augen Schlagzeilen wie „Was Männer wirklich wollen…“ oder „Wie Frauen zur Verführerin werden“ lesen. In Sekundenschnelle hat mein Gehirn in solchen Fällen folgenden Auftrag an meine rechte Hand gesendet: Link anklicken. Und schwubs führt meine Hand diesen Befehl aus und meine Augen konsumieren Ratschläge. Natürlich – so muss ich auch gestehen –  lese ich diese Artikel mit Hingabe, gerade weil sie so lustig sind. Und jedes Mal hoffe ich, dass man mir etwas Neues erzählt – denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und auch jedes Mal lese ich dann doch wieder das Gleiche. Und somit muss ich mir eben eingestehen: Ja, auch ich bin besagtem Ratgeberurwald verfallen. Doch immer wenn ich die ach so tollen, frischen Informationen in mich aufgesogen habe, frage ich mich aufs Neue: Warum in aller Welt habe ich das jetzt gelesen? Warum habe ich dafür Zeit verschwendet? Habe ich denn tatsächlich gehofft, dass mir besagte Ratgeber Wissen vermitteln können, wie ich Männer besser verstehen kann? Ein schier wahnwitziger Gedanke. Denn wenn ich ehrlich zu mir bin, ist mir natürlich von vorherein bewusst: Würden all diese Tipps, Hinweise und Analysen stimmen und wirklich etwas bringen wäre doch jeder glücklich gepaart, es würde keinerlei Missverständnisse zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht geben und alles wäre Friede-Freude-Eierkuchen. Und doch erhofft mein Emotionsknotenpunkt wohl genau dies in regelmäßigen Abständen und konsumiert Ratschläge. Da kann ich nur den Kopf über mich selbst schütteln…

Die größte aller Fragen dabei bleibt jedoch: Warum lesen Menschen so viele Ratgeber anstatt auf ihre eigenen Impulse zu vertrauen? Haben wir es verlernt Probleme und Konflikte alleine lösen zu können? Oder sind wir zu stark von unseren Mitmenschen abhängig? Hoffen wir damit immer noch besser, effizienter, etc. zu werden? Ist es wieder dieses Gesellschaftsphänomen sich keine Fehler erlauben zu dürfen oder zu wollen? Wir konsumieren also Ratgeber und hoffen auf Lösungen von unseren Zeitgenossen, auf die Antworten unserer Freunde, auf fremde Impulse die uns den Weg weisen und die richtige Entscheidung erleichtern. Aber warum fällt es uns so schwer eigene Entscheidungen zu treffen?

Letztlich gibt es drei verschiedene Wege Erkenntnisse zu erlangen und Entscheidungen fällen zu können: Durch Lernen – die aufwendigste und unpersönlichste Form, durch Beobachten und Nachmachen – die einfachste Variante, und durch das Sammeln eigener Erfahrungen – der wohl schwierigste, oftmals bitterste, aber auch effizienteste Weg, wenn es darum geht wirklich eine EIGENES zu erwirtschaften. Indem wir nun also Ratgeber konsumieren, wählen wir den einfachsten Weg und hoffen so, mögliche Unannehmlichkeiten umgehen zu können. Wir fügen uns unwillkürlich in eine große, wabernde Masse ein. Man schwimmt mit dem Strom, fällt nicht weiter auf, denn das Schwimmen im Strom führt zu Anonymität. Und am Ende fühlt man sich vielleicht irgendwie nicht ganz bei sich selbst. Denn um sich selbst zu entwickeln ist wohl das Verlassen der Strommitte notwendig. Und das fällt schwer…

Dennoch, manch einer braucht vielleicht den Schubs eines Ratgebers. Doch wieviel Ratgeber ist zu viel Ratgeber? Denn ist es nicht letztlich vielleicht sogar so, dass die Entscheidung nach dem durchforsten des Ratgeberdschungels noch schwieriger wird als vorher? Zumindest wenn man sich nicht nur für eine Liane entschieden hat, sondern gleich den ganzen Urwald durchforstet hat. So ergibt sich dann bei manchen Hilfesuchenden folgendes Szenario. Er/sie hat einige Ratgeber gelesen, tagelang online recherchiert, was genau den Kern der Sache ausmacht, wie er/sie es am besten anzupacken hat. Dann ist der Kopf voll mit Daten, Fakten, Tipps, Verbesserungsvorschlägen, Anregungen, etc. Und dann sitzt man da, will los und ist gehemmt. Anstelle einer klaren Idee rauschen nun die ganzen Ratschläge durch den Kopf. Und die klare Entscheidung? Bleibt aus. Vielleicht machen all die Hinweise bereits getroffene Entscheidungen leichter verständlich und helfen bereits Erlebtes besser einzuordnen. Aber sie blockieren die Neufindung. Bedröppelter als vorher sehnt man sich dann an den Punkt zurück, bevor man zum ersten Ratgeber griff. Ohne Tipps und Ratschläge. Einfach nur die ursprüngliche Naivität, das anfängliche Unwissen, das pure Gefühl :)

Auch ich hätte so manches Mal gern eine Patentlösung parat. Die Entscheidung die dann auch 100% zur Zufriedenheit führt. Aber gibt es die überhaupt? Ich denke nicht. Aber letztlich muss wohl jeder für sich selbst eine Antwort finden. Ob mit oder ohne Ratgeber ist dabei ebenfalls jedem selbst überlassen…