Chapeau!

Letztens im Kino… Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss und so kam die wirkliche Tragödie und wahre Komik erst am Ende meines letzten Kinobesuchs.

Der Abspann lief, ich war noch ergriffen vom Film, stimmte mich aber bereits auf den weiteren Abend ein, als eine Reihe vor mir hektisches Treiben ausbrach. Zunächst war nicht ganz klar was da abging. Lediglich eine aufgeregt Frau, die wild umhersuchte. Schließlich war zu vernehmen, was suchte: „Das Tuch“. Völlig panisch zerlegte sie fast die Kinobestuhlung und stellte immer wieder einfach nur fest: „Das Tuch“. Der immer weinerlich werdenden Stimme nach zu urteilen hatte sie es wohl verloren. Und tatsächlich, nach weiterem hin- und hersuchen der ausschlaggebende Hinweis: „Vielleicht habe ich es im Restaurant vergessen.“ Sie wurde immer panischer, geradezu hysterisch. Ich fragte mich die ganze Zeit, was dieses Tuch nur für eine Wichtigkeit besäße, dass sie hier so einen Aufstand machte. Und warum suchte sie noch immer in allen Ritzen ihres und der umliegenden Stühle, auf dem Boden, etc.? Hatte sie nicht eben selbst festgestellt, dass sie das Tuch wohl im Restaurant vergessen haben musste? Oder wollte sie der Oscarreifen Darbietung, die eben noch über die Leinwand geflimmert war, Paroli bieten?

Angesichts ihrer wachsenden Hysterie musste ich mir das Lachen ehrlich verkneifen, was für ein Theater wegen eines Tuchs. Und die arme Freundin, die da neben ihr saß und nicht ein noch aus wusste. Was sollte man auch angesichts dieser Verzweiflung tun? Beruhigen? Zwecklos, glaube ich und das nahm wohl auch die Begleitung dieser Dame an, denn sie sagte und tat einfach gar nichts. Als dann das Licht im Saal anging, sprang die Frau augenblicklich auf, zerrte die Person neben sich hinter sich her und stürmte gen Ausgang. Und ich erkannte, dass ihre Begleitung ein Mann war. Ich kann für diese Frau nur hoffen, dass dies nicht ihr erstes Date mit ihm war, denn dann wird es wohl auch das Letzte gewesen sein :P

Dennoch eine überzeugende Darbietung. Dramatik und Komik pur und das beides gleichermaßen. Chapeau! Ich ziehe meinen Hut. Das war wahre Schauspielkunst, das war Gefühlskino pur.

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Slalomlauf

Ich wohne in einem kinderfreundlichen Bezirk. Genauer gesagt in DEM Kinderbezirk in Berlin. Nicht umsonst trägt dieser Bezirk einschlägige Spitznamen wie Pregnancy Hill Das war und ist mir durchaus bewusst. Immerhin bekomme ich es täglich mit. Aber was zu viel ist, ist zu viel und hier wird man als Kinderloser definitiv der freien Entfaltung beraubt. Das beginnt schon sobald man einen Fuß vor die Tür setzt. Es ist wahrscheinlich, dass man dabei gleich erstmal über einen Kinderwagen oder ein Kind auf einem Laufrad fällt. Wenn man diese erste Hürde unbeschädigt überwunden hat, heißt es Slalomlauf. Immer wieder blockieren Gruppen plaudernder Muttis mit Kinderwägen und mit Kind auf Laufrad und mit brüllendem Kind, weil das Eis heruntergefallen ist, etc. den gesamten Gehweg. Will man nett sein und versucht sich um die Muttis herum zu schlängeln, um sie nicht bei ihrem Plausch zu stören, kann es durchaus passieren, dass dieser nett gemeinte Zug nicht honoriert, sondern auch noch Anlass für wüste Beschimpfungen wird. Vielen Dank auch! Das nächste Mal werde ich einfach mitten durch preschen.

Ja, es ist schon faszinierend, wie sich die Produktioner dieser kleinen Wesen in diesem Bezirk zusammenhorten. Wie eine Invasion. Erst letztens bin ich an einem Cafe vorbeigelaufen und dachte ich laufe an einem Laden für Kinderwägen vorbei. Gehweg? Was ist das? Ungelogen, dort standen Minimum 20 Kinderwägen vor einem 30m² Cafe. Es ist mir völlig schleierhaft, was Eltern dazu veranlasst mit ihrem Spross an einem sonnigen Sonntagnachmittag in einem überfüllten Cafe zu sitzen. Was ist denn mit raus in die Natur, spielen unter freiem Himmel, Platz und der Enge der Großstadt zu entfliehen geworden? Nun ja, die Zeiten haben sich scheinbar geändert. Und aus diesem Grund muss nun also für die Kinderlosen eine Lösung her. Und wie sagt man so schön: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten. Deshalb habe ich beschlossen: Wenn sich hier alle horten, dann gehe ICH eben wo anders hin.

Das Liebesleben der Pflastersteine

Als ich letztens durch „meine“ von Baggern aufgebuddelte Kopftseinpflasterstraße lief und die lieblos aufgeschütteten Steinhaufen sah, kam mir ein Gedanke in den Kopf geschossen. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit. Warum? Nun ja, es gab zu dieser Zeit einen Raum mit der Nummer 302. Der Raum meiner Deutschlehrerin von der siebenten bis zur zehnten Klasse. Aus Datenschutzgründen werde ich ihren Namen nicht nennen. Zur Geschichte dieses Raumes muss gesagt werden, dass dort viele Aufsätze erteilt wurden. Wenn ein Schüler fragte über welches Thema er referieren soll, antwortete sie stets mit: „Über das Liebesleben der Pflastersteine natürlich!“ In Anbetracht dieser lieblos aufgeschütteten Pflastersteine „meiner“ Straße ist es mir sogleich ein Anliegen gewesen, jenes Thema näher unter die Lupe zu nehmen. Ich ahnte Schlimmes, denn wie soll angesichts der bestürzenden Lage und der stetigen Verdrängung von unseren Straßen ein Liebesleben möglich sein? Nun ja… und wie sollte es anders sein, meine Vermutung hat sich bestätigt: Ich habe lediglich erschreckende Neuigkeiten in Erfahrung gebracht.

Geschichtlich betrachte ist es so, dass der Urpflasterstein, der so genannte Katzenkopf, vom Aussterben bedroht ist. Wir finden ihn heute nur noch in ländlichen Regionen. Der Nachfolger, der etwas kleinere Pflasterstein ist auch in Großstädten noch ab und an zu finden. Die Entwicklung von Asphalt und anderen neuerlichen Spielereien um Fahrwege gefälliger zu machen hat jedoch dazu geführt, dass eine ganz neue Art von Straßenbelag existiert: durch Teer verbundene Pflastersteine unterschiedlichster Größe und Form. Ihrem freien Liebesleben wird dadurch jedoch nicht mehr viel Raum gelassen. Vielmehr handelt es sich heute nur noch um Zwangs-Zweckgemeinschaften mit den Nachbarn. Dies entspricht jedoch nicht dem ursprünglichen Naturell des historischen Pflastersteins. Der historische Pflasterstein neigt zwar zur Beständigkeit in seinen Liebesbeziehungen, aber er liebt die romantische Idee dahinter, nicht eine gezwungenermaßen herbeigeführte Verbundenheit durch Teer und anderlei Schnickschnack. Aufgrund seiner Lebensbedingungen ist der Pflasterstein ohnehin nur in der Lage, eine Liebesbeziehung zu seinem nördlichen, südlichen westlichen oder östlichen Nachbarn einzugehen. Mit steinerner Gemütsruhe kann diese dann über Jahrhunderte hinweg dauern. Jedenfalls war es einst so. Das fürchterlichste für einen Pflasterstein ist es deshalb, aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen und von seinem Partner getrennt zu werden. In früheren Zeiten ist das fast nie vorgekommen. In der heutigen Zeit allerdings Gang und Gebe. Eine große Tragödie für den Pflasterstein.

Unfähig an einer anderen Stelle neue innige Beziehungen aufzubauen, verkümmert das Liebesleben der heutigen Pflastersteine immer mehr. Sie fühlen sich nur noch als Abtreter der Gesellschaft. Besonders schlimm sind die Pflastersteine auf städtischen Wegen und Fußgängerzonen belastet. Jegliche Romantik dieser Pflastersteine ist abhanden gekommen.

Ja, die Pflastersteine der Geschichte waren sehr romantische Wesen. Auf einsamen Alleen konnten sie unter dem Blätterdach der Bäume, bei Vogelgezwitscher und spielendem Sonnenlicht ein sehr aktives Liebesleben führen. Nur hin und wieder wurden sie durch einsame Wanderer, Pferdehufen oder vorbei rollende Pferdekutschen gestört.

Sich vorzustellen, wie es dem Pflasterstein in der heutigen Zeit ergeht, braucht nicht viel Fantasie. Zur Verdeutlichung jedoch trotzdem ein kleines Zwiegespräch aus dem Alltag zweier verliebter und noch nicht auseinandergerissener Pflastersteine, was ich durch aufmerksames Beobachten und Ohren spitzen mitbekommen habe.

Werktags – Morgens 7.30 Uhr:

Pflasterstein 1:  „Morgen Liebling, hast du auch so schlecht geschlafen wie ich?“

Pflasterstein 2: „Oh ja, es war eine schreckliche Nacht. Es gab ja überhaupt keine Ruhe. Diese betrunkene Horde, noch in den frühen Morgenstunden, fürchterlich!“

Pflasterstein 1: „Ja ja, und nun geht es auch schon wieder lo… auuha! Diese Damen. Müssen die immer solche Hackenschuhe tragen? Die bohren sich ja richtig in den Kopf.“

Pflasterstein 2: „Achtung, zieh den Kopf ein Liebling. Da kommt eine ganze Schulklasse. Die trampeln ja wie die Elefanten.“

Pflasterstein 1: „AU au auhh!“

Pflasterstein 2: „Was hast du Liebling?“

Pflasterstein 1: „Jemand hat seine Zigarettenkippe auf  meinem Kopf ausgetreten.“

Pflasterstein 2: „Hast du große Schmerzen? Unser Leben ist wirklich nicht einfach. Aber immerhin sind wir noch zusammen, hast du gesehen wie sie letzten die Liesbeth und den Harry getrennt haben? Nun hockt er da allein und sie liegt auf dem Haufen zwischen all den jungen Wilden“

Pflasterstein 1: „Oh Schatz, du stinkst bestialisch.“

Pflasterstein 2: „Sorry, ein Straßenköder. Wie spät kommt die Straßenreinigung Liebling?“

Pflasterstein 1: „Ich glaube nicht vor 21.00 Uhr mein Schatz. Du musst es noch lange aushalten. Aber bei der Hitze trocknet der Haufen hoffentlich schnell aus.“

Pflasterstein 2: „Aber die Fliegen. Das kitzelt immer so gemein.“

An dieser Stelle möchte ich den Einblick in das Gespräch der Beiden beenden, denn trotz aller Widrigkeiten wurde es dann doch noch etwas intimer zwischen den Beiden und die wenige noch verbliebene Intimsphäre wollte ich den Beiden nicht auch noch stehlen und habe mein Gehör wieder dem Straßenlärm gewidmet. Dennoch trieb es mir einen Dolch in die Brust. Was für ein Schicksal… Und da beschwert sich unsereins über hässliche Schuhe am Objekt der Begierde oder ähnliches.

Ich hoffe ich konnte einen guten, kleinen Einblick in das Leben und Liebesleben der noch übrig gebliebenen Population von Pflastersteinen verschaffen. Auf dass ihr in Zukunft daran denkt, wem ihr so alles auf dem Kopf herumtanzt. Vielleicht unterbrecht ihr gerade ungewollte das Schäferstündchen zweier Liebender….

Koloss

In der Dunkelheit vor einer geschlossenen Bahnschranke. Ein Güterzug rollt vorbei. Große Kolosse, die mit einer enormen Wucht vorbeiratterten. In den Augenblicken, wo ein Wagon endet und der nächste beginnt, entsteht durch das schnelle Fahren und die vorbeigleitende Luft ein seltsam dumpfes Geräusch. Wuump, Wuump, wuump,…

Dieses Geräusch verursacht ein komisches Gefühl. Eine gewisse Beklemmung, aber auch irgendwie große Freiheit. Ein fast schwermütiges Gefühl. Etwas, was ganz tief im Zwerchfell sitzt. Etwas Pulsierendes, was wie wogende Wellen an- und abschwillt. Ein Gefühl von Leben…

Fundamental

Foto: PaulaB, 2012Foto: © PaulaB, 2012

Er sagte: „Du?!“

Sie fragte wie immer „Ja?“ und erwartete die übliche Reaktion, ein Kopfschütteln oder ein „Nichts!“. Aber…

Er sagte: „Ich liebe dich!“

Es öffnete ihr Herz. Doch die Emotionen, alles was so lange darauf gewartet hatte, und nicht mehr geglaubt hatte, es jemals zu hören, brach in ihr zusammen und löste ein Gefühl aus, was sie nicht recht beschreiben konnte. Sie wollte weinen vor Glück, doch die Tränen versiegten noch in ihren Augen.

Die Geburtsstunde der miss sophie reloaded

Blogs. Bloggen. Blogger. Das Internet ist voll davon. Jeder kann es, jeder macht es, jeder liest sie. Nur ich nicht. Also lesen schon, aber machen und können? Wollen auch, jaaaaa! Aber der Schritt zu diesem ersten Eintrag war schon irgendwie ein Akt der Unmöglichkeit. Und nicht, weil ich nichts zu sagen habe – ob es nun interessiert oder nicht ist eine andere Frage – sondern weil ich Kraft meines Amtes als lebendes Hindernis meiner Selbst mal wieder genau dies getan habe: Mir mit Gedankenkauderwelsch selbst im Wege zu stehen.

Das geht schon los mit Fragen wie: Wann ist ein Text zu lang oder zu kurz? Wie groß muss die Schrift sein? Wer liest das überhaupt? Welchen Anbieter nehme ich? Was habe ich zu sagen? Wie soll mein Blog aussehen? Etc. pepe. Sicher keine unbegründeten Gedanken und ein erster Schritt jeden Bloggers. Aber kann man damit Stunden, Tage, Wochen verbringen? Also ich schon. Aber was genug ist, ist genug. Schließlich habe ich nicht vor mich plötzlich in „Täglich grüßt das Murmeltier Reloaded“ zu befinden.

Also fragte ich einen internetaffinen Freund. Der lachte nur und sagte: „Einfach machen.“

Und ich dachte mir: „Ok, nichts leichter als das. Ich mache einfach mal.“

Motiviert rief ich meine Textordner auf und dann saß ich an meinem PC und schaute… und dachte… und nach einer halben Stunde gedanklosem Denken konnte ich angesichts meines Voranschreitens – nämlich gar Keinem – nur den Kopf schütteln. Und plötzlich schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: „The same procedure as every…“ Und dann musste ich lachen, denn vielleicht ist das ja meine Bestimmung. Und vielleicht ist das des Rätsels Lösung auf das ich so lange wartete. Nicht umsonst trage ich den bedeutungsvollen Namen Sophie. Wenn das mal keine Wink mit dem Zaunpfahl ist. „Miss Sophie“ und ihre „same procedure as…“

Und damit erhob sich miss sophie reloaded wie Phönix aus der Asche. Ich sah meinen roten Faden, das Licht am Ende des Tunnels….

Dies war mein Anstoß die unergründlichen Gedanken der miss sophie  in die Weiten der Cyberwelt hinauszubloggen und Teil der schnelllebigen und mehr oder minder gut durchdachten Hirnwichserei (entschuldigt diesen vulgären Ausdruck, aber ich finde er passt) des Internets zu werden, anstatt die Gedanken gut in meinem Hirn zu horten und zu hüten. Vielleicht auch besser so.Wer weiß, welche Form mein Kopf sonst eines Tages angenommen hätte…. Nicht auszudenken, wenn sich miss sophie optisch auf einmal zu den Bewohnern von Mars Attacks verwandeln würde…

Und hier bin ich also: MISS SOPHIE mit meinem Blog WORTGETRIEBE. TOTGEDACHT UND DOCH LEBENDIG.