Oh du Fröhliche!

Ich sitze im Zug und blicke aus dem Fenster. Verhuscht zieht die Stadt an mir vorbei. Der Tag ist trüb, so dass es bereits am Nachmittag wirkt, als stände die Nacht in den Startlöchern. Um mich herum herrscht Stimmengewirr. Hier raschelt es in einer Tüte. Dort wird telefoniert. Weiter hintern streitet sich ein altes Ehepaar über den Ablauf der nächsten Tage und neben mir kuschelt ein junges Pärchen in meinem Alter. Ihr kleiner Hosenscheißer singt lautstark und emsig ein Weihnachtslied nach dem anderen. Versucht es zumindest, denn noch ist der kleine Fratz nicht wirklich Herr der deutschen Sprache. Vielmehr singt er in seiner eigenen Sprache und erheitert das ganze Zugabteil. Zumindest noch!

Und wie ich da so sitze und aus dem Fenster blicke, springt mal wieder mein Gedankenkarussell an und rattert vor sich hin. Der Blick verklärt sich. Das Stimmengewirr tritt in den Hintergrund und unermüdlich klopfen irgendwelche Erinnerungen und Sehnsüchte an meine Schädeldecke, drängeln und provozieren ein explosives Feuerwerk. „Hej, etwas Zurückhaltung bitte, bis Silvester sind es noch ein paar Tage!“ Doch sie geben keine Ruhe, springen beharrlich auf und ab, fordern den Rückblick auf Zeiten in denen ich selbst noch ein Dreikäsehoch war. Und dann passiert es: miss sophie wird sentimental & wehmütig…

Als ich wieder erwache aus meiner kleinen Retrospektive sehe ich, wie der Hosenscheißer beherzt in die Lebkuchentüte greift, die Mama ihm unter die Nase hält, weil der schmetternde Gesang nun doch ein paar Nörgler aufs Spielfeld befördert hat. Das Tirilieren setzt augenblicklich aus, die Augen des kleinen Fratzes beginnen zu leuchten und die kleinen Pausbacken mahlen freudig drauf los. Das Weihnachtsdrama – ein Streit unter Reisenden – wurde in letzter Sekunde erfolgreich abgewendet. Beruhigt tauche ich wieder in meine Gedankenwelt ab.

Ja, das Jahresende ist doch immer eine ganz besondere Zeit… Während es für Viele eine Zeit ist, in der sie das Jahr noch einmal Revue passieren lassen, auswerten was gut und was schlecht war,  Pläne schmieden was im nächsten Jahr alles anders werden soll und eine Liste von Vorhaben erstellen, die sie dann – je nach Typ – gleich am ersten Tag des neuen Jahres wieder über Board werfen oder verbissen daran arbeiten, beobachte ich in dieser Zeit immer viel und stelle mir vor, wie die einzelnen Personen, die ich da beobachte wohl die letzten Tage des Jahres verbringen. Und das kann eben sehr unterschiedlich sein. Von ’beneidenswert’, über ’zum brüllen komisch’, bis hin zu ’verschone mich’…

Hach ja….gemütlich und friedlich beisammen glucken. Wer das tut, hat das Prinzip der Weihnachtszeit verstanden: Nämlich das harmonische Zusammensein mit seinen Lieben. Gut, in manchen Familien artet die eigentlich besinnliche Weihnachtszeit oft auch in eine Zeit der ’sportlichen’ Höchstleistungen aus. Es folgt und kreuzt nämlich ein Marathon den Nächsten. Der Essmarathon. Der wir-hasten-von-einem-Familienmitglied-zum-nächsten-Marathon. Der wir-rupfen-den-Geschenkeberg-auf-Marathon. Oder aber auch der wir-lassen-die-Festzen-fliegen-Marathon und holen mal alles auf den Tisch, was sich das ganze Jahr über so angestaut hat. Ja, die Gunst der Stunde, da man mal wieder alle an einen Tisch bekommen hat, wird nicht zuletzt oft genutzt um endlich mal wieder einen kräftigen Streit vom Zaun zu brechen.

Noch mitten in Gedanken, drängt plötzlich bitterliches, sirenenartiges Schluchzen an mein Ohr. Der Hosenscheißer hat das Lebkuchenessen beendet, um stattdessen beherzt mit seinen Schokoladenfingern nach Mamas Seidenbluse zu greifen. DIE Seidenbluse, die sie eigentlich furchtbar hässlich findet, die doch aber ein Geschenk der lieben Schwiegereltern war, was sie heute extra vorführen wollte. Und während Mama noch nicht weiß ob sie lachen oder weinen soll, hat sich der Hosenscheißer eben für lautstarkes Heulen entschieden. Zum einen, da Mama und Papa im Eifer des Gefechts wohl ein sehr betroffenes Gesicht gemacht haben. Zum anderen, weil sich die lieben Mitreisenden mal wieder einmischen… Und während die eine Hälfte meines Hirns das Gedankenreich nur sehr langsam verlässt, ist der andere Teil meines Geistes sofort hellwach in der Realität zurück und kommentierte lustig drauf los: „Oh du Fröhliche!“

Wir sind anti…

Antikörper. Antibabypille. Antiallergikum. Antichrist. Antibiose. Antibakteriell. Antidepressivum. Antivirus. Antiheld…. Und inzwischen ganz brandaktuell auch Antischwarm. Ja, dieses Wort kam mir letztens wirklich unter die Augen und ich fragte mich: Ist unsere Gesellschaft denn nur noch anti? Allein 350 Wörter lassen sich auf Anhieb im Netz finden, wenn man nach Worten mit „anti-“ sucht. Die Trefferquote für Seiten zum Inhalt „anti“ liegt bei ungefähr 1.600.000.000.

Diese uralte kleine Vorsible mit der griechischen Herkunft hat sich klammheimlich in unseren Sprachgebrauch geschummelt und ist zu einem eigenständigen Wort geworden. Geradezu zu einem Modewort. Vor 14 Jahren hieß es bei den Ärzten in ihrem Song „Rebell“ noch schlicht und ergreifend „Ich bin dagegen…“. Heute ist man einfach nur noch anti. Na wenn das mal kein Statement ist… ;)

Das spannende daran ist, dass sich der Klang und der Gebrauch dieser kleine Vorsilbe so enorm geändert hat. Von der Vorsilbe zum Wort. Und wurden Worte mit „anti-“ früher noch verwendet um sich gewählt auszudrücken, ist es heute ein Ausdruck cooler Gebärden. So hört man z.B. Jugendliche im Park pöbeln: „Ey was bis’n du so anti?“. Das Wort wird also nur noch so dahingerotzt und drückt damit eine eher extreme Abwehrhaltung aus, als das laut Duden ursprüngliche „gegen / entgegen / nicht“. Das kleine anti ist zu einem Gemütszustand umgewandelt worden, hat etwas Endgültiges. Etwas, was keine Widerrede oder Nachfrage zulässt. Und ist dem heutigen abgekürzten Sprachstil damit ja auch viel zuträglicher als zu fragen: „Was hast du denn heute nur? Was ist los? Was bedrückt dich?“

In gewisser Weise spiegelt also auch die veränderte und rapide zugenommene Anwendung dieses kleinen Wortes, die Wandlung unserer Gesellschaft wieder. Man ist nicht mehr wirklich an den Belangen Anderer interessiert. Deswegen fragt man eben nicht nach dem Befinden, sondern nimmt ebendieses einfach gleich ziemlich hart vorweg. Wie gesagt wenn man anti ist, klingt das nach einem endgültigen Statement. Und wenn man jemand Anderem unterstellt anti zu sein, nimmt dies ebenfalls den Wind für weitere Erörterungen aus dem Segel. Also nicht, dass der „Beschuldigte“ nicht anfangen könnte zu widersprechen. Nein, das auf keinen Fall. Aber sagt jemand „Du bist anti“ drückt es doch in gewisser Weise seine nicht vorhandene Bereitschaft für eine Diskussion aus. So nach dem Motto: „Ah ich seh’ schon, du bist dagegen, also brauchen wir auch gar nicht weiter drüber reden.“ Und eigentlich drückt man damit nur seine eigene Abwehrhaltung aus. Umso schöner ist es doch, wenn man da ein paar Menschen weiß, die sich noch für die Stimmung hinter dem eventuellen anti interessieren.

Natürlich kennt wohl jeder das Gefühl, hin und wieder gegen eine bestimmte Sache eine Abwehrhaltung zu entwickeln. Für meinen Teil passiert dies vor allem bei Dingen die so extrem gehypt werden und davon ausgegangen wird, dass jeder mitmachen MUSS. Ja doch, da kann ich dann auch schon mal anti werden. Und dennoch würde ich meine nicht vorhandene emotionale Anteilnahme an besagten Hypes nicht als anti bezeichnen, sondern schlicht und ergreifend als „nicht dafür“„nicht begeistert“ oder „nicht interessiert“ … :)

Alles in Allem frage ich für meinen Teil lieber weiterhin erstmal einmal nach, was den Emotionshaushalt meiner Mitmenschen betrifft, bevor ich sie als anti deklariere und bleibe dann  gegebenenfalls lieber beim guten alten „Ich bin dagegen…“ ;)

Generation Roboter

Eine sehr weise Person fragte mich einmal: „Sie denken wohl auch Sie sind ein Roboter?“ Im ersten Moment empfand ich diese Aussage nur als eines: komisch. Ich, ein Roboter? Eine lustige Vorstellung. Wie kam Sie nur darauf? Nach gründlichem Nachdenken, Sackenlassen und immer wieder Hin-und-Her-Drehen befand ich jedoch, dass diese Person wohl etwas Recht hatte. Nicht zu wenig wurde ich auch schon von Anderen als ‚Hans Dampf in allen Gassen‘ oder als ‚Hamster im Laufrad‘ betitelt. Das war also meine Erkenntnis. Doch dann kam die weitaus schwierigere Frage: Warum?

Und dann fiel mir auf, dass es vielen Menschen in meinem Alter so geht. Auch in meinem Bekanntenkreis. Also kein Einzelfall, sondern fast schon ein Generationsproblem.  Viele +-30er stecken mehr oder weniger mitten in der Frage fest: Was will ich eigentlich vom Leben? Und was will das Leben von mir? Und wie kann ich das Eine mit dem Anderen verbinden? Und das möglichst im Einklang.

Ich will hier mitnichten an die alte Leier: „Früher war Alles besser.“  anknüpfen oder befürworten. Und ich will hier auch keinesfalls eine Mitleidshymne auf die Generation +-30 halten, aber ich würde dennoch behaupten: „Früher war (Alles) anders!“

Die Generation +-30 hastet durchs Leben. Ihre ‚Mitglieder‘ sind, anders als in den Generationen vor Ihnen, auf sich selbst gestellt.  Sie haben gelernt die Bedürfnisse Anderer zu erfüllen und darüber verlernt ihre Eigenen zu erkennen. Sie sind darauf geeicht, dass Scheitern etwas Schlimmes ist und sind deshalb oftmals nicht in der Lage (privat) klare Entscheidungen zu treffen. Sie sind versiert darauf zu funktionieren und scheuen sich deshalb davor wahre Gefühle zuzulassen bzw. tun sich schwer damit. Sie haben verlernt zu wissen was sie wollen und sich darüber ein stückweit selbst verloren. So sind viele heutzutage gerade einmal mit dem Studium fertig und fühlen sich schon ausgebrannt und leer. Denn sie pendeln ständig zwischen der Suche nach Selbstverwirklichung und dem Druck sich anpassen zu müssen. Dann wird man belächelt. Man solle sich nicht so haben, nicht so jammern. Aber wir jammern nicht. Wir haben nur andere Lebensumstände, die offenbar diskrepant sind. Vielmehr ist es auch so, dass diese Generation verlernt hat ‚Probleme‘ zuzugeben, Schwächen einzugestehen und darüber zu sprechen, sich zu offenbaren. Und das ist ein Zustand, der Viele daran hindert sich und ihrem Weg zu vertrauen. Der viele umhertreibt…

Aber was treibt uns so an? Wer ist hinter uns her? Wer oder was hindert uns?

Die Familie? Die Freunde?  Die Gesellschaft? Die Gesellschaft verlangt Fachidioten mit Rundumwissen, Allwissende mit Fachkenntnissen. Sie erwartet konstante Leistung und das teilweise über menschliche Grenzen hinaus. Die Gesellschaft verlangt nach ‚Robotern‘. Wer keiner ist fällt durchs Raster. Wird als gescheitert abgetan. Also hasten wir. In der Hoffnung unser Leben zu füllen und das aufkommende Gefühlsdesaster nicht spüren zu müssen. Die Freunde befinden sich in ähnlich chaotischen Lebenslagen. Auch auf der Suche nach ein bisschen Ordnung. Und die Familie hat sich von den Idealvorstellungen hin zu Individualkonstellationen entwickelt. Zwar sind wir zugegeben in angenehmeren politischen und sozialen Umständen aufgewachsen als unsere Vorfahren, dafür wurden wir schneller auf unsere eigenen Füße geworfen. Anleitung gab es kaum, nur Hinsehen und ein Gespür dafür entwickeln was gefragt ist und was nicht. Das fordert nicht nur, sondern überfordert auch. Deshalb klammern sie sich hin und wieder an ‚Dinge & Personen‘ um einen Anker zu haben, aus Angst sonst allein zu sein. Und dennoch: Die Generation +-30 ist ständig am Ausloten, am Suchen, am Testen. Ein Missverhältnis. Sie hat gelernt, dass es etwas wie den Idealzustand & Zufriedenheit nicht gibt. Hat man etwas erreicht darf man sich nicht ausruhen, sondern ist angehalten die nächste Stufe zu erklimmen um Eltern, etc. stolz zu machen, Anerkennung zu erlangen, sein Leben für wertvoll zu erachten.

Aber wo bleibt bei alledem Platz fürs ‚Leben‘? Wo bleibt Raum fürs Spüren? Oder warum fällt es uns so schwer das ‚Leben‘ zuzulassen? Ist es wirklich das Raster, durch welches wir glauben zu stürzen, wenn wir uns ein bisschen mehr selbst kennenlernen? Wenn wir den Roboter ein bisschen mehr ablegen und unser wahres Gesicht zeigen?

Und wäre es tatsächlich so oder würde sich die Gesellschaft mit etwas Anlaufzeit auch darauf einstellen? Bzw. sind wir nicht selbst mit dafür verantwortlich die Gesellschaft zu gestalten? Sollten wir nicht wenigstens versuchen unser Leben zu leben? Sind wir nicht eigentlich von Denen fasziniert, die es schaffen ihr Leben zufrieden, energiegeladen und frei zu leben und auszukosten? Und kann das nicht  anstecken? Ein Versuch lohnt!

Zugegeben: Es braucht einen Hauch ‚Ansteckung‘ und Faszination, die den Schubs gibt. Und eine große Portion Mut den Roboter zu verlassen, seinen Weg zu gehen und zu genießen. Es ist wohl schwierig, aber nicht unmöglich….

Die lieben Nachbarn…

Berliner Hinterhöfe. Ein Imperium für sich. Jedes noch so kleine Geräusch hallt zwischen den Wänden wieder und lässt keine Geheimnisse zu. Man weiß, was die Nachbarn so treiben…

Ich für meinen Teil habe in meinem kleinen Heim kulturelle Beschallung jeglicher Art. Da gibt es einen Opernliebhaber, der hin und wieder die ganze Nachbarschaft an seiner Leidenschaft teilhaben lässt. Vor allem mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden wird man Zeuge voluminöser Arien und hofft jedes Mal inständig, dass die Gläser im Küchenschrank den hohen akustischen Schallwellen standhalten. Dann gibt es den Trompetenspieler, der zugegebenermaßen sehr selten übt. Das dürfte jedoch auch daran liegen, dass wenn er es tut, denn Groll eines Nachbarn auf sich zieht. Man kann die Minuten fast zählen, bis nach seinem Beginn ein Fenster zum Hof geöffnet wird und eine wütende Stimme brüllt: „Ruhe da draußen!“  Ich für meinen Teil habe meine Trompete deshalb auf den Zwischenboden verbannt. Und dann gibt es da noch den Nachwuchs: Flöte übende Kinder. Verlieren sie nach nur fünf Minuten selbst die Lust an ihrer quietschenden Performance ist alles gut, finden sie jedoch gefallen an dem schauerlichen Klang, wird es zur Geduldsprobe für alle Nachbarn, fördert jedoch im Gegenzug starke Nerven. Vielleicht kann man die ja noch gebrauchen… ;)

Neben diesen kulturellen Beschallungen gibt es natürlich auch diverse gefiederte Freunde, welche die freundliche Nachbarschaft auf eine harte Probe stellen. Liebestolle Tauben am frühen morgen? Drei Stunden nonstop gurren? Auch das kann durchaus einen Nervenzusammenbruch provozieren. Umso schadenfroher ist man, wenn dann plötzlich Frau Elster auf einen Besuch vorbei kommt. Für Mr. & Mrs. Gurr nämlich kein gern gesehener Gast. Da haben die Beiden lieber ganz schnell die Biege gekratzt. Doch leider nicht lange. Nach drei Tagen Kreisen über dem Innenhof schien auch Frau Elster keine Gefahr mehr, man arrangierte sich mit dem ungebetenen Gast und gurrt wie eh und jeh.

Streitende Paare, genervt diskutierende oder gar schreiende Eltern und vor Schadenfreude krakeelende Kleinkinder sind eine weitere Spezies Berliner Hinterhöfe. Am allerschönsten ist es jedoch, wenn der Spross sprechen lernt. Was für eine Freude für den Nachbarn die Fortschritte mitzuverfolgen. Da kann es am frühen Morgen neben dem Taubengegurre auch zu stundenlangen Vokabelübungen zwischen Mutter und Tochter kommen: „ Mama, Mama, Mama, Mama!“ „Lisa, Lisa, Lisa, Lisa*!“ (*Der Name wurde aus Personenschutzgründen geändert) „Mama, Mama, Mama, Mama!“ „Lisa, Lisa,…*“ Ja doch, ich weiß inzwischen wie ihr heißt und zueinenander steht. Aber was tun gegen die uneingeforderte Beteiligung an der Sprachstunde? Mein erster Instinkt war es an die Wand zu klopfen. Schnell überlegte ich mir diesen Handgriff jedoch anders. Nicht auszudenken, wenn Lisa* realisiert, dass es da einen Mann bzw. eine Frau in der Wand gibt, die man mit Klopfen an eben diese nerven kann. Nein, lieber keine unnötigen Kontakt provozieren. Stattdessen Ohropax rein und ruhig durchatmen. Aber lieber das, als ein vor Wut brüllender Vater und weinende Kinder. Inzwischen kann ich sogar am Klang des Weinens erkennen, um welches Kind es sich handelt. Am allerschönsten wird es jedoch, wenn der Nachwuchs den Wortschatz erweitert hat, und es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen Erzeugern konsequent zu widersprechen, Fragen zu stellen oder ihre Forderungen zu überhören. Ja, so durfte ich unlängst, wie immer ungewollt, erfahren, dass Lisa* lieber spielt anstatt zu frühstücken. Die anschließenden Diskussionen und Wutausbrüche lohnen den Griff zum Ohrstöpsel. Ja, auch das kann hin und wieder die häusliche Ruhe aus dem Gleichgewicht bringen.

Und dann gibt es da noch die ordnungsliebenden und umräumwütigen Obermieter. Zumindest könnte man dies anhand des andauernden Lärmpegels von oben annehmen. Es beginnt mit dem Wackeln der Bücher im Regal. Wenn dann die Gläser anfangen zu vibrieren weiß man: jetzt kommt gleich ein lauter Kracher. Und tatsächlich. Wumps! Da is’ er ja schon. Ich bin ja echt nicht neugierig was solche Dinge anbelangt, denn letztlich ist es mir egal was meine Nachbarn so treiben, aber hier frage ich mich doch immer wieder: Was tun sie da? Dauerrenovieren? Man weiß es nicht, aber wie ich im Austausch mit anderen Hinterhofgeübten in Erfahrungen bringen konnte, ist dies eine gängige Form der der unfreiwilligen Anteilnahme am Leben des Übermieters. Nun ja… Aufregung lohnt wohl nicht. Bringt auch nichts außer graue Haare und Falten und wer will die schon freiwillig ?!

Aber der absolute Hammer sind doch die nächtlichen Aktivitäten der Nachbarn. Währenddessen ich wie bereits erwähnt nur streitende Pärchen und Kindergeschrei höre und von mir deshalb unfreiwilligerweise der Tages- bzw. Nachtrhythmus einer frischgebackenen Mutter abverlangt wird, haben Andere da ganz andere Vergnügen. So erzählte mir letztens Jemand von einem benachbarten Pärchen, die wohl wie alle Anderen aufgrund der wärmer werdenden Temperaturen des Nachts auch die Fenster offen stehen lassen. Und so wurde dann Jeder, dem ebenfalls der Sinn nach frischer Frühlingsluft stand, Zeuge eines nicht-enden-wollenden Liebesspiels. Wie schön, dass es auch so was gibt!!! Der Jemand berichtete folgende, durchaus amüsante Entwicklung. Zunächst verstellt er im Gespräch mit mir seine Stimme zu einem tiefen Brummen und spricht sehr langsam: „Er so `ooohhh, ooohhh`.“ Dann wohl ein Rollenwechsel, denn seine Stimme wird schrill, hoch, kurzatmig-quitschend und abgehakt: „Sie so `ah, ah`.“ Und das ging wohl ewig so, laut seiner Schilderung. „Mein Kumpel würde sagen: nach allen Regeln der Kunst.“, so sein Fazit. Doch einer seiner Nachbarn hatte das wohl anders gesehen, denn nach einer Stunde dieses lautmalerischen Dialoges brüllte er in den Innenhof: „Nun komm doch endlich, die ist doch schon voll fertig!“ Und augenblicklich war Ruhe im Karton, kein Rappeln mehr in der Kiste.

Na dann auf eine gute Nacht(-barschaft)! :D

Singles – Die Solisten der Gesellschaft

Nachdem mir letztens zu Ohren gekommen ist, dass Großstadtsingles neurotisch sind und sich deshalb nicht wundern bräuchten, wenn sie Single bleiben, habe ich mal wieder meine Argusaugen und -ohren geschärft & gespitzt und mich ein wenig umgehört. Natürlich will ich nicht abstreiten, dass es neurotische Singles gibt. Ein Klischee hat ja auch seinen Ursprung. ;) Aber oft wird dieses Bild eben von den Schrulligsten geprägt und hat mit der breiten Masse wenig zu tun. Das jedoch nur am Rande. Viel fragwürdiger fand ich die eigentliche Botschaft dieser Aussage: ‚Single sein ist ein Mangel.‘ Sogleich stellte sich deshalb mein Gerechtigkeitssinn ein und fragte sich: Wer sagt denn, dass der Single nicht auch gern ein Single ist und bleiben will? Wer sagt, dass er/sie unter dem ‚Zustand‘ leidet? Ich nenne es auch im Folgenden einfach weiterhin ‚Zustand‘, denn oft wird ja so getan, als wäre es eine absolut unerträgliche Situation, aus der man möglichst schnell erlöst werden müsse. Und wieso wird sofort davon ausgegangen, dass etwas am Single nicht stimmen kann, weil er/sie single ist? Denken wirklich die meisten so, oder ist oben genannte Aussage nur eine Ausnahme?

Zwar wird heute immer wieder von einer Singlegesellschaft gesprochen – es gibt angeblich immer mehr, man kann immer öfter kleine Wohnungen mieten, es gibt kleine Verpackungsgrößen im Supermarkt, etc. – gleichwohl ist die Gesellschaft nicht auf Singles ausgerichtet. Alles dreht sich immer nur um Paare, Partnerschaft und Beziehungen. Indirekt herrscht eine Pärchendiktatur. Und so bleibt der Single meist Einzelkämpfer. Besonders schwierig ist es für diejenigen, die sich als einziger Single unter lauter Pärchen befinden. Und das sind dann wohl auch die, die ihren Status hin und wieder selbst beweinen und damit wunderlich wirken. Zwar hat man auch andere gesellschaftliche Rollen als nur Partner oder Freund zu sein, aber was sie immer wieder vor Augen geführt bekommen ist: Da fehlt was, wenn da Niemand ist. Denn wer als Single unter Pärchen seine Freizeit nicht rechtzeitig organisiert schaut oftmals dumm aus der Wäsche. Paare warten nämlich nicht auf die Frage: „Lust was zu unternehmen?“ Und Paare sehen auch nicht die Notwendigkeit augenblicklich darauf zu antworten, damit besagter Single bei einer Negativantwort gegebenenfalls noch ein anderes Pärchen fragen kann. Wenn es der Single dann doch geschafft hat seine Pärchenfreunde zu mobilisieren bekommt er/sie die volle Dröhnung. Denn dann sitzt er/sie mutterseelenallein zwischen zärtlich turtelnden oder auch streitenden Pärchen. Und das was er am Singleleben hat verpufft. Was für ein Horror. Doch letztlich ist es dann wieder der Single der sich anstellt und den anderen ihr Glück nicht gönnt – angesichts streitender Pärchen ein eher lächerlicher Vorwurf :P

Dem Single der heutigen Gesellschaft wird oft persönliches Versagen auf emotionaler Ebene und damit einhergehend, eine gewisse Lebensleere unterstellt. Das ist für betreffende Personen nicht nur wahnsinnig kränkend, sondern irgendwie auch ein trauriges Zeugnis unserer Gesellschaft. Natürlich denken nicht alle so über Singles. Und viele tragen diese Meinung sicher auch ehr unbewusst mit sich herum, meinen es wohl gar nicht böswillig. Aber warum herrscht inzwischen überhaupt ein solches Bild in der Gesellschaft vor? Waren es nicht einst noch die Singles, die beneidet wurden? Die als rebellisch und bewundernswert galten? Warum sind sie nun die mit dem monströsen Problem, mit dem schweren Schicksal?

Der Grund für das in vieler Augen beklagungswürdige Bild des Singles mag unter anderem darin liegen, dass Familie und Partnerschaft heute wieder einen viel größeren Stellenwert einnehmen. Aber dann heißt es bei Singles oft: „Ach wie, du kommst allein, du Armer!“ Wobei, vielleicht sollte es auch eher noch heißen: „Du Arme!“ Denn wie ich ebenfalls beobachtet habe, macht die Gesellschaft da noch einen gehörigen Unterschied zwischen Singlemännern und Singlefrauen. Während Männer doch hin und wieder noch für ihren ‚Zustand‘ beneidet werden, werden Frauen eher bemitleidet. Ja, während man Männern noch zuschreibt, dass sie ihr Solistendasein frei wählen, unterstellt man Frauen oft genug einfach nur einen Defekt. Man geht davon aus, dass sie ihre Situation verabscheuen und eigentlich immer auf der Suche nach ‚Mr.Perfect‘ sind, den sie aber ohnehin nicht finden, weil es ihn gar nicht gibt. Wer das nicht zugeben will, gilt schnell als seltsam. Wenn man aber einräumt, doch auch gern einen Partner haben zu wollen, wird gleich der letzte übrig gebliebene Singlefreund des Abends vorgestellt. Und wieder bekommt der Single damit den Stempel ‚Allein bist du Nichts!‘ aufgedrückt. Wenn sich besagter Single dann auch noch erdreistet den Angebotenen zu verschmähen, wird er/sie als undankbar, zu anspruchsvoll und demnach ohnehin nicht für eine Beziehung geeignet abgetan. Dabei lassen Personen, die solche Verkupplungsaktionen starten, hin und wieder außer Acht, dass auch ein Single ein menschliches Wesen mit eigenem Willen, Interessen und Vorlieben ist. Und vielleicht möchte sich dieses Wesen eben nicht einfach mit jedem X-Beliebigen verpaaren lassen, nur um nicht mehr Single zu sein. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass Freunde vielleicht sogar ein Gespür dafür haben können, wer zusammen passt und wer nicht, aber all zu oft ist es eben doch nicht der Fall, weil die Auswahl derer, die überhaupt noch in Frage kommt, bereits sehr aufgeräumt ist.
Zudem wird dabei auch immer wieder gern außer acht gelassen, dass es durchaus Frauen und Männer gibt, die diesen ‚Singlestatus‘ frei wählen. Aus welchen Gründen auch immer, die Bandbreite ist ja groß. Sie wollen einfach nicht!!! Sie haben Spaß daran Single zu sein. Denn sind wir mal ehrlich: Es gibt so viele schreckliche Beziehungen, so viele grässliche Ehen. Und warum bleiben sie zusammen? Druck der Gesellschaft? Angst vor dem Alleinsein? Damit man einen Zeitzeugen seines eigenen Daseins hat? Aber nein, niemand fragt: „Warum hast du denn jetzt einen Partner?“ oder „Warum bist du denn noch immer mit deinem Partner zusammen?“ Aber alle fragen: „Warum hast du denn keinen Partner?“

Der heutige Single – egal ob freiwillig oder notgedrungen – steht dadurch permanent unter einer Art Rechtfertigungsdruck. Ständig muss er sich vor anderen und auch vor sich selbst erklären und hinterfragen.  Warum bin ich Single? Will ich das? Wenn nicht, warum bin ich immernoch allein? Kein Wunder also, dass man da als Single schlechte Laune bekommt und eigentümlich wird. Irgendwann färbt sowas ja schließlich auch ab und am Ende glaubt man vielleicht selbst noch daran beziehungsunfähig zu sein und sucht die Fehler bei sich. Und obendrauf wird der arme Single dann dafür auch noch als neurotisch beschimpft. Na herzlichen Glückwunsch lieber Gesellschaftssolist. 100 Punkte für den Kandidaten.

Ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen, Akzeptanz und bis zu einem gewissen Grad vielleicht auch Verständnis auf beiden Seiten würde eine Annäherung begünstigen. Dann wäre das Bild der Singles vielleicht weniger von Neurosen geprägt und das der Pärchen nicht mehr so klischeebeladen dominant.

Feinripp ist der Tod für jeden Arsch

Wie sagte letztens Jemand zu mir: „Feinripp ist der Tod für jeden Arsch!“ Und nein, damit war nicht Feinrippunterwäsche im allgemeinen Gebrauch gemeint. Auch wenn Feinripp nicht unbedingt als sexy verschrien ist, bedeutet die Verwendung dessen natürlich noch lange nicht den Tod. Gemeint war die Verwendung von Feinrippunterwäsche unter Radlerklamotten. Ob wundgescheuert oder nur ein eingesessenes Muster auf dem Hintern… Man kann sich in der Tat bildlich vorstellen, dass Feinripp bei ausdauernden Radtouren nicht unbedingt zuträglich für die schmerzfreie Beschaffenheit des zarten Gesäßes ist.

Darüber gerieten wir in eine Unterhaltung über Sportklamotten und Radlerhosen im Besonderen. Also diese wunderschönen Exemplare, die einen gepolsterten Arsch haben, damit eben dieser nach ausufernden Radtouren keine Blessuren davonträgt. Die, die das Gefühl von Windelärschen widerbeleben. Besonders sexy sind natürlich die Exemplare mit Trägern. Ja, es gibt die unterschiedlichsten Formen und Passformen, um dem Unterleib auch wirklich den größtmöglichen Komfort zu bieten. Und was tut man nicht alles um das sportliche Pensum ohne Quetschungen und Blessuren zu überstehen ;)

Viel interessanter war jedoch die Frage nach dem Darunter. Ich war der Meinung, dass man unter diesen Hosen sehr wohl noch seine Unterwäsche trägt. Meine Gesprächspartnerin hingegen offenbarte mir, dass man eben nichts darunter trägt. Um dem Scheuern auch ohne Feinripp keine Chance zu geben. Nun denn, ich habe mich in den hierfür unzählig vorhandenen Foren belesen und in der Tat hat sie Recht: man trägt normalerweise nichts darunter. Aber angenommen man plant dann eine länger andauernde Radtour, also über mehrere Tage und Wochen, müsste man ja eine ganze Palette dieser absolut nicht platzsparenden Wäschestücke mitnehmen. Nagut mindestens zwei + Waschmittel. Also haben wir überlegt, ob es auch andere Varianten gibt, das Hinterteil profilaktisch vor Muskelkater, Schmerzen, etc. zu schützen, ohne diese so entenärschig wirkende Radlermontour tragen zu müssen.

Laut einem Globetrotterverkäufer kann man auch Gesäßcreme verwenden. Gesäßcreme? Was soll das sein? Hämoriedensalbe? Nein, es gibt in der Tat Gesäßcreme und auch hierfür etliche Foren in denen die richtige und beste Gesäßcreme diskutiert wird. Man lernt nie aus! Auch wenn ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass diese wirklich vor Taubheitsgefühlen und Abnutzungserscheinungen schützen soll. Eher im Gegenteil, scheuert das nicht umso mehr? Nun denn, um dieser Frage wirklich auf den Grund zu gehen, bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich starte eine Umfrage und verlasse mich auf Testberichte Anderer. Ooooooder ich betreibe selbst Feldforschung… Aber ob ich Letzteres machen möchte…? Dann greife ich doch, sollte die Notwendigkeit mal bestehen, lieber zum Entenarschdress mit Unterwäsche, aber ohne Feinripp :D

Wuff, ich habe gesprochen

Letztens, ich saß gerade mit einem Freund in einem Cafe, hustete es ganz erbärmlich hinter meinem Rücken. Mitleidvoll drehte ich mich herum, um das kläglich prustende Geschöpft auszumachen. Ob sich da Jemand am neusten It-Getränk Bubble-Tea verschluckt hatte? Nein! Weit gefehlt. Das arme Wesen war ein Mops. Und das Husten war kein Husten, sondern sollte vielmehr ein Bellen darstellen. Nicht, dass ihr nun denkt, mein Mitleid verfolg. Nein, es steigerte sich sogar noch. Quasi ins Unermessliche. Das arme Tier. So überzüchtet, dass es nicht einmal mehr bellen kann. Und so hustete das kleine Vieh unentwegt vor sich hin, bis Herrchen und Frauchen nach endlos langen 15 Minuten endlich Notiz davon nahmen und dem kleinen Fellknäul den Kopf tätschelten. Aber wie…. ‚Klatsch, Klatsch‘ Kein Wunder, dass man da als Hund blöd wird. Es heißt zwar immer „Ein Klaps auf den Hinterkopf fördert das Denkvermögen“, aber das da? Und dann täglich? Ich würde mal behaupten, dass dadurch eher das Gegenteil passiert. Die Gehirnzellen werden nach vorn geklopft und dann? Dann muss das arme Vieh wieder husten. Raus mit dem nun auf der Zunge kitzelndem Hirn. Was dann bleibt ist ein dümmlicher – oft auch als treudoof bezeichneter – Gesichtsausdruck. In Großstädten wie Berlin, wo Hunde oft nicht mehr als Hunde sondern als Accessoires fungieren, leider kein Einzelfall…

Und man sagt ja so einiges, über Hunde in der Stadt. Unter anderem, dass Hundehaltung in der Stadt unangemessen ist. Lange Zeit dachte ich: Was für ein Quatsch. So lange man seinem Vierbeiner genug Auslauf, etc. verschafft kein Problem. Aber nachdem mir in der letzten Zeit immer mehr eigenartige vierbeinige Zeitgenossen begegnet sind (oder vielleicht nehme ich sie auch erst aufgrund des Mops-Vorfalls so richtig wahr), kann ich diese Aussage verstehen. Zumindest bin ich nun der Meinung: Vierbeiner in der Stadt sind prädestinierte Irre. Instinkt und Orientierungssinn existieren nicht mehr. Wie auch bei so vielen unterschiedlichen Einflüssen. Und da verwandelt sich so manches Hundetier in einen echt schrägen Vogel. Sie röcheln beim Laufen wie Wildschweine, bellen als würden sie husten oder Luft ausstoßen „Pff“... Wo bleibt denn da der Hund im Hund?

Auch nimmt man doch an, dass Hunde so etwas wie ein Gespür für nahende Gefahr besitzen. Einen Sensor für brenzlige Situationen. Aber nein, ähnlich wie todessehnsüchtige Stadttauben, preschen sie geradewegs in ein Rad oder das nächstbeste herannahende Auto. Ohne Umschweife. Vor allen diejenigen unter ihnen, die allgemein auch als Fußhupe bekannt sind. Leiden sie an Größenwahn und Selbstüberschätzung? Oder suchen sie gar die Gefahr? Ist es ihr Jagdtrieb der sie dazu verleitet es mit jedem – und sei es ein Fahrrad – aufzunehmen? Oder wollen sie gar ihr „Rudel“ beschützen? Haben sie also gar noch das Wesen und die Seele eines richtigen Hundes in sich – und damit meine ich ein großes, stattliches Tier – und sind in diesen kleinen, krüppeligen Körpern gefangen? Oder haben sie das Stadtleben einfach satt? Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum sie so unerschrocken mitten in den Tod stürzen wollen.

Neben diesen für die allgemeine Bevölkerung durchaus auch gefahrvollen Situationen – Ja, bei einer Vollbremsung kann es einen schon mal über den Lenker katapultieren – gibt es natürlich auch noch jene Momente, in denen die lieben Kleinen (oder auch Großen) zur allgemeinen Belustigung oder fassungslosem Kopfschütteln beitragen. So ist es doch immer wieder schön zu sehen, wie gut sich manche dieser Artgenossen mit sich selbst beschäftigen können. Man reiche ihnen nur ihren eigenen Schwanz und sie haben zu tun. Stundenlang. Nagut, etwas schlauere Exemplare dieser Erdenbewohner verlieren bereits nach ein paar Minuten das Interesse, aber ich habe erst letztens einen Pekinesen – ich nenne ihn mal ’Muff’, weil sich mir dieser Name sofort unweigerlich aufdrängte – in meiner Mittagspause dabei beobachtet. Und diese dauert eine Stunde. Und selbst als ich aufbrach, um mich wieder meiner Arbeit zu widmen, hatte ’Muff’ noch nicht genug von seinem Puschel am hinteren Ende seines behäbigen Körpers. Wenigstens ihr Jagdtrieb scheint also noch nicht ganz ausgelöscht. Obgleich auch er verkümmert ist. So müssen sich die Armen – aufgrund dessen in der Stadt nicht eben mal ein Reh vorbeispringt – mit dem nächstbesten achtlos weggeworfenen Kaugummipapier begnügen. Was ihnen dann oftmals jedoch sogleich entrissen und von vorwurfsvollen Schimpftiraden in Babysprache begleitet wird. Denn Viele (nicht alle!) Hundebesitzer reden mit ihrem vierbeinigen Freund als wäre er/sie etwas minderbemittelt. Da kann ein Hund ja nur zum Schatten seiner selbst werden, denn man sagt ja nicht umsonst: „Der Ton macht die Musik.“

Gerade deshalb gibt es vielleicht inzwischen so viele Exemplare, bei denen man nicht einmal genau erkennen kann, worum es sich eigentlich handelt. Willst bzw. sollst du ein Hund sein? Hm… du siehst aber eher aus wie ein explodierter Hamster. Einfach zum schreien diese überzüchteten Artgenossen. Noch erschreckender finde ich  es jedoch, dass es Menschen gibt, die beim Anblick eines solchen Wesens in Entzücken und hysterisches Jauchzen geraten. Das kann doch nicht euer Ernst sein!!! Und da liegt wohl auch der ’Hund’ im Pfeffer begraben: Man muss den Vierbeinern nämlich nachsehen, dass sie selbst ja weder etwas für ihr Aussehen, noch ihr Gebaren können. Schließlich ist es der Mensch, der sich solche Accessoires heranzüchtet und bestimmte Klischees, die es nunmal über so manchen dieser Artgenossen gibt, tatkräftig unterstützt. Ein schauriges Bespiel sieht man hier. Mit dem kann man’s ja machen…

Tja… bei all der Belustigung kann einem das liebe Vieh also oftmals nur Leid tun. Ich hoffe deshalb inständig für sie, dass sie nicht doch noch das Wesen eines richtigen Hundes in sich haben. Wenn doch wünsche ich ihnen, dass Jemand so gutherzig ist, den verwunschenen Wolf zu küssen und ihn damit aus seiner hin und wieder lächerlichen Hülle zu befreien.. Und dann werden wir mal sehen, wer hier an der längeren ’Leine’ sitzt…