Von Elefanten…

Da bist du gut gelaunt und nichts ahnend unterwegs, willst dir mal wieder etwas richtig Schönes gönnen und dann das… Du wirst mit einer Geschichte konfrontiert, die du gerade in die unterste Schublade abgelegt hattest. Eine Sache, die du gerade in Sack und Tüten verpackt hattest. Eine Erinnerung, über die endlich das erste bisschen Gras gewachsen war. Und dann kommt da Jemand und reißt die Schublade wieder auf, rupft den Sack lieblos auseinander, trampelt die zarten Grashalme wieder nieder. Manchmal ist es nur eine kleine Bemerkung, die dir augenblicklich die Gesichtsmuskeln einfrieren lässt, aber nach einem kurzen Schockmoment überwunden ist. Aber manchmal ist es eben nicht nur eine kurze Aussage. Manche Menschen schaffen es wie wild in einer gerade verschlossenen Wunde zu bohren als hätten sie Spaß daran den Finger immer weiter und weiter hineinzudrehen. Soll ja auch nen Effekt haben nicht wahr?! Und den hat es, wenn es um verletzte Gefühle geht. Und du denkst dir. Herzlichen Glückwunsch: Der Kandidat erhält 100 Punkte. Jackpot. Guten Tag, lieber Elefant im Porzellanladen.

So geschehen erst letztens einem guten Freund von mir. Und ich war dabei :(

Kurz zur Vorgeschichte. Er hatte Jemanden kennengelernt und schnell bemerkt, dass es nicht passte. Denn die junge Frau die er da kennengelernt hatte, war eigentlich noch nicht über ihren Ex hinweg und nutze ihn nur als Ablenkung, Sprungbrett, Egobooster… Und doch traf er sich immer wieder mit ihr. Der Himmel verstehe warum, aber er mag seine Gründe gehabt haben. Irgendwann war aber auch sein Fass an emotional erträglichen Gräueltaten ihrerseits übergelaufen und er hatte den Kontakt abgebrochen. Doch wie es der Zufall so wollte lief er ihr immer wieder über den Weg und ließ sich schließlich doch wieder breitschlagen. Traf sich erneut. Um erneut festzustellen: Das tut mir nicht gut. Was habe ich doch für Stoßgebete zum Himmel geschickt, dass diese unsägliche Geschichte mit der ihm nicht gut tuenden Frau, ein Ende haben würde. Nicht, dass ich ihm keine Freundin gönne. Nein, ganz im Gegenteil. Ich wünsche ihm sogar ganz sehr, dass das Glück auch endlich an seine Tür klopft. Aber eben nicht mit dieser emotional unentschlossenen Dame. Und was für Lobeshymnen und Dankesreden habe ich geschwungen, als er es abermals schaffte sich von ihr loszusagen.

Aber er hatte wohl etwas geflunkert. Oder seine Wunschgedanken waren seinem Seelenleben um Meilen voraus. Denn plötzlich stand da auf einer Party ein Elefant –  in Form einer Freundin der jungen Dame – vor uns und sprach ihn auf eben diese Dame an. Und begann die gerade abgeschlossene Geschichte wieder hochzukochen. Und beim Anblick meines Freundes musste ich feststellen: Da war wohl doch noch mehr Emotion im Spiel als ich es ihm in diesem Moment wünschte. Denn wie ich später erfuhr, war es gar nicht er gewesen, der nach dem zweiten Anlauf den Kontakt abgebrochen hatte. Vielmehr war der Kontakt eingeschlafen. Oder noch präziser gesagt, besagte Dame meldete sich einfach nicht mehr und er ließ es geschehen, konnte sich denken warum und sah es als Chance die Geschichte endlich ein für allemal zu begraben. Die Verletzung hatte sich wohl dennoch tief in sein Herz gegraben. Nun denn, wir standen also vor dieser aufgedrehten jungen Frau, die plötzlich haltlos über ihre Freundin und ihren Ex-Ex zu tirilieren begann. Dass die beiden doch einfach wie Topf und Deckel seien. Dass sie sich doch schon seit der Grundschule kannten und immer wieder zusammen und getrennt waren. Dass da nie wirklich Jemand anderes eine Chance hatte. Dass dies doch ein Zeichen sei, dass sie einfach zusammengehören würden, bla bla bla. Während sie sich immer weiter in ihren Redeschwall vertiefte ohne zu bemerken, dass sie meinem Freund damit sämtliche Zäune auf einmal über den Schädel zog, sprach ich innerlich die schrecklichsten Verwünschungen aus. „Ah ah ah, wirst du wohl deine so süße, rot geschminkte Zuckerschnute halten, aus der gerade nur Gift spritzt!?“ Gedanklich band ich sie an einer Rakete fest, zündete sie an und wünschte einen guten Flug. Und mit ihr, ihre emotional unenschlossene Freundin. Ich überlegte krampfhaft wie ich meinen Freund aus dieser Situation „befreien“ konnte. Denn ganz offensichtlich war er selbst nicht mehr dazu in der Lage. Aber es war bereits zu spät. Ich sah seine Gute Laune, die er noch vor wenigen Sekunden hatte, quasi die Beine in die Hand nehmen und davonrennen. Ich sah wie das Leuchten in seinen Augen verschwand und sich stattdessen dieser traurige Schleier um seine Pupillen legte. Ich spürte, wie sich die gerade verdauten miesen Gefühle wie Klebstoff um sein angegriffenes Herz legten und sich festklammerten. Und ich mochte den Elefant in diesem Moment außerordentlich wenig, auch wenn er wohl keine bösen Absichten hatte und unter anderen Umständen hätte ganz nett sein können. Ich wollte, dass es meinem Freund gut ging. Ich wollte, dass auch ihn endlich mal das Glück heimsuchte und nicht ständig das Pech an seine Tür klopfte. Aber es war zu spät. Mühsam hatte er sich wieder aufgebaut und in Sekunden war dieses noch etwas wackelige Gerüst durch den besagten Elefanten im Porzellanladen wieder eingerissen worden. Und ich fragte mich einmal mehr. Warum sind manche Menschen vom Glück verfolgt und andere müssen sich so wahnsinnig anstrengen um auch nur ein Quäntchen davon abzubekommen. Das hat er nicht verdient!

Und dann durchstöberte ich mein Gefühlsleben und musste feststellen, dass es auch bei mir Personen und Ereignisse gibt, die ich sorgfältig verpackt habe. Die aber jederzeit, trotz „Akte geschlossen“ dank eines Elefanten wieder aufgerissen werden können. Denn da hängen nun einmal Erinnerungen und Gefühle dran, die bei jeder noch so kleinen Stimulans wieder akquiriert werden können. Egal ob einem dieser Mensch oder dieses Ereignis noch etwas bedeutet oder nicht. Einfach nur weil sie eine Furche hinterlassen haben über die jede ähnliche Erfahrung, jedes ähnliche Erlebnis stolpert und die Alarmglocken zündet. Und dann schrillt es von allen Seiten und alles was man tun kann ist: weg. Elefant stehen lassen, Füße in die Hand nehmen und einfach nur weg. Bevor der Elefant die zartgrüne Wiese wieder in einen Morast verwandelt.

Und so zerrte ich meinen Freund weg von diesem Elefant, pustete wie blöde, dass die Worte von eben sofort wieder seinen hübschen Kopf verlassen würden und begann abermals Stoßgebete gen Himmel zu schicken…

Advertisements

Trennung 2.0 – Beziehungsstatus: Zwischen den Stühlen

ZUM PODCAST

Ein Beziehungsaus war noch nie einfach. Aber in Zeiten von Facebook und Co. ist eine Trennung oftmals nicht nur schmerzlicher denn je, sondern auch um einiges langwieriger als noch zu Zeiten ohne Internet.

Man hat sich verbal voneinander verabschiedet, die Güter getrennt, sich physisch aus dem Leben des Anderen ausgeklinkt… Aber das bedeutet heute noch lange nicht, dass man nichts mehr vom Expartner erfährt. Denn Facebook und Co. machen es möglich auch nach der Trennung am Leben des Anderen teilzuhaben. In Erfahrung zu bringen, wo sich der Expartner herumtreibt, mit wem er sich trifft, was ihn bewegt, ob er gar einen neuen Partner hat… So habe ich erst letztens Aussagen gehört wie: „Mein Ex hat seinen Beziehungsstatus bei Facebook geändert. Jetzt hat er wohl abgeschlossen.“ oder „Ich hätte nicht aufs Profil meiner Ex gehen sollen. Jetzt geht’s mir scheiße!“ Ja, was um alles in der Welt habt ihr denn angenommen? Das ihr darüber hinweg seid? Dass es nichts mehr ausmacht? War es pure Neugierde? Oder einfach nur ein Hang zur Selbstkasteiung? Was der Grund in den einzelnen Fällen auch sein mag, man fühlt sich danach doch nur wie erschlagen. Die Denkmurmel springt wieder an und pumpt Gedanken in die Venen. Das Herz rast. Und man durchlebt Vieles noch einmal. Steht am Ende erneut am Anfang…

Ein psychisches Lebewohl findet also oftmals nicht statt und führt auch nach dem Beziehungsende zu Gefühlen wie Eifersucht, Wut und Verletzung. Das macht den Prozess der Abnabelung nicht nur zähflüssig wie Gummi, sondern schmerzt auch viel länger als es müsste. Man verschließt sich vor neuen Kontakten, schließlich hängt man noch immer irgendwie wie ein zappelnder Fisch am Haken. Man igelt sich so richtig in seinem Leid ein. Auf die Idee, dass der Expartner eventuell absichtlich falsche Dinge postet um den Anderen zu kränken oder aus der Reserve zu locken, kommen Viele nicht.

Studien zufolge – und da sei mal außen vor gelassen, wie repräsentativ sie  sind – schaffen es nämlich die Wenigsten, den Expartner bei Facebook zu löschen. Allenfalls zu einem Blockieren können sie sich durchringen. Erschreckend! Denn auch das ist doch nur ein Vorgaukeln von Unabhängigkeit, wo man sich doch die Hintertür offenhält, jederzeit wieder am Leben des Anderen teilhaben zu können. Und so bleibt die Versuchung groß. Der Geist hängt an etwas was nicht mehr ist, verhindert die Weiterentwicklung. Und der Schmerz ist schier endlos.

Verarbeiten? Kaum möglich. Abschließen? Undenkbar. Fakt ist aber: So kommt man nie wirklich darüber hinweg, denn ein Neuanfang ist nur möglich, wenn man einen klaren Cut macht. Also fragt man sich doch: Warum tun sich Menschen das an? Warum tun sie sich so gern selbst weh, suhlen sich im Kummer? Ist es die Angst davor, wenn man das Herzeleid loslässt, gar nichts mehr zu haben?

Bin ich froh, dass ich nicht bei Facebook bin, dachte ich mir… Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. Blöd nämlich, wenn der Ex dann plötzlich über den Bildschirm flimmert… Gut, dass mein Verarbeitungsprozess ohne Facebook und Co. bereits lange abgeschlossen ist und ich es somit sportlich nehmen kann. Aber es zeigt doch einmal mehr: Heute ist man wirklich nirgends mehr sicher ;)