Unsichtbar

Da sitz er mit einer dampfenden Kaffeetasse in der Hand. Die Luft duftet nach Tannennadeln und Weihrauch. Seine Nase ist noch rot von der Kälte. Der Ring an seiner rechten Hand glitzert im Schein der Kerzen. Er schlürft und hängt seinen Gedanken nach. Wie in Watte dringt Kindergelächter in sein Ohr, lässt ein kurzes Lächeln über sein Gesicht huschen. Er stellt die Tasse ab, streich sich Zuckerkrümel aus dem Bart. Dann schultert er seine Tasche, zieht den Mantelkragen enger und verschwindet lautlos in die kalte Nacht.

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Ver-Sprechungen

Press conferenceFoto: © Andreas Bauer, 2010

Worte… Sätze… Floskeln… Wehen wie ein Fähnchen im Wind, drohen zu zerbersten. Sagen, aber nichts aussagen.

Ideen… Pläne… Phantasmagorien… Gemeißelt wie in Stein, mit der Zeit verwittert. Versprechen, aber nichts halten.

Wünsche… Hoffnungen… Zweifel… Begraben unter dem Ballast der Realität. Tun, aber nichts bewegen.

Spielidee

papiervogelFoto: © PaulaB, 2012

Komm wir lassen unsere Liebe fliegen. Wir schreiben sie mit leichten Worten auf ein Stück Papier. Und falten es zu einer Schwalbe.

Dann fahren wir mit dem Aufzug in das höchste Stockwerk über den Dächern der Stadt. Dort vom Balkon geben wir unsere Liebe der Luft zum Spiel.

Landet sie auf dem Boden der Tatsachen?

Landet sie auf dem Baum des Lebens?

Fliegt sie irgendwo ins Nirgendwo?

Also laufen wir schnell die Treppen hinunter und tauchen ein in die hektische Stadt. Dort am Puls der Zeit suchen wir was von unserer Liebe geblieben ist.

Wo geh’n wir hin? Wo kommen wir an?

IMG_2875Foto: © PaulaB, 2015

(für zwei Freunde)

Und plötzlich ist da diese Nachricht. Erst Stille. Dann Chaos. Dann Erschöpfung. Es braucht Kraft um aufzustehen und den neuen Weg zu gehen. Einen Weg, der gepflastert ist mit Tristesse und Qual. Der Wegesrand jedoch gesäumt von Sehnsucht und Zuversicht.

Wo geh’n wir hin? Wo kommen wir an?

Und dann geht man los. Bangend vor Angst zu stolpern. Davor nicht weiter zu kommen. Dennoch mutig aus Glaube an das gute Ende. Das Ziel vor Augen. Doch es spielt Fange mit dir. Taucht auf und verschwindet wie eine Fatamorgana. Greifbar nah und doch noch fern.

Wer begleitet uns?

Und dann ist da diese Hand. Die dich greift und mit dir geht. Mit ihr an deiner Seite ist der Weg ein wenig leichter. Gemeinsam Schritt für Schritt. Mit allen Reserven. Denn der Weg fordert sein Tribut. Doch ihr lasst ihn nicht gewinnen. Ihr bezwingt ihn weiter. Mit Hoffnung!

 

 

Angekommen

IMG_2926Foto: © PaulaB, 2015

Das Lächeln am Morgen, das kitzelt wie wärmende Sonnenstrahlen.

Der Kuss auf die Stirn, der bleibt wie die Spuren eines Regentropfens.

Die Hand auf dem Hintern, die sich anfühlt wie warmer Sommerwind.

Die Umarmung zur Nacht, die schützend ins Land der Träume geleitet.

ICH

Worte, die sich wie die behütende Rinde eines Baumes um einen legen.

Blicke, die wie das Meer zum verweilen und träumen einladen.

Gesten, die wie die starken Schwingen eines Vogels zu neuen Ufern tragen.

DU

Das Vertrauen darauf, den Anderen hinter, neben und vor sich zu wissen.

Das Gefühl, angekommen zu sein und gemeinsam etwas Neues zu schaffen.

WIR

Einladung

IMG_1193Foto: © PaulaB, 2014

Komm setz dich und hör dem Frühling zu!

Das Knistern der Sonnenstrahlen. Die magnetisch locken. Ungestüm kitzeln sie sich durch den Staub zurückgezogener Monate und suchen nach dir.

Das Wispern des Windes. Der nach Wandel riecht. Vehement wirbelt er den Staub drückender Monate auf und vertreibt deine winterkalten Gedanken.

Die Frische des Regens. Der fordernd ans Fenster trommelt. Unwiderruflich wischt er das Trübe hinweg und weckt deinen Lebensdurst.

Vorhänge fallen. Fenster und Türen sich öffnen. Ein Hauch von Erlösung streift durchs Land.

Komm setz dich und hör dem Frühling zu!

Das Knacken springender Knospen. Deren Kraft ein Meer von Farben offenbart. Unentwegt schießen neue Blüten hervor und ködern deine Sinne.

Das Zwitschern wiederkehrender Vögel. Deren Melodie von Neuanfang spricht. Unermüdlich singen sie sich in dein Gedächtnis und rufen dich.

Das Rauschen sprießender Grashalme. Deren Grün voller Hoffnung steckt. Beharrlich bahnen sie sich ihren Weg ans Licht und geben dir eine Richtung vor.

Augen leuchten. Lungen und Herzen atmen auf. Ein vitalisierender Ruck geht durchs Land.

Komm setz dich und hör dem Frühling zu!

 

 

Einatmen. Ausatmen.

Climbing rock in the Elbe Sandstone Mountains.Foto: © Christina Hanck, 2012

Schritt für Schritt. Himmelwärts. Begleitet vom Knacken des Waldes und dem Knirschen der Steine unter den Schuhen.

Blick für Blick. Das Ziel vor Augen. Und dennoch jedes noch so kleine Detail erfassend und aufnehmend.

Atemzug um Atemzug. Innerwärts. Begleitet von wachsendem Adrenalin und gleichzeitig aufsteigender Ausgeglichenheit.

Ankommen.

Den Blick schweifen lassen über das Schauspiel was sich bietet. Die Ohren spitzen für die Geschichte, die der wispernde Wind erzählt. Und das Gefühl aufsaugen etwas Besonderes zu erleben.

Einatmen. Ausatmen.

Erobert

zurueckerobertFoto: © Andreas Bauer, 2014

Unbehelligt drängst du dich hinein. Durch die schützenden Wände. Das marode Mauerwerk. In einen eben noch intimen Bereich. Stößt Türen und Fenster auf und nimmst dir deinen Raum. Umschlingst was nicht niet und nagelfest ist. Verankerst und verbindest dich mit dem was war und dem was ist. Und hinterlässt einen Teppich aus Erinnerungen und Zukunftsvisionen. Ein Zeichen von Leben. Hoffnungsvoll. Gleichermaßen zaghaft vorantastend und wild erobernd. Verschlungen und verwunschen. Nicht wissend wohin und dennoch mit klarem Ziel.

Gedankengarten

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFoto: © PaulaB, 2014

Komm und schlüpf in meinen Kopf. Ich leihe ihn dir, damit du mich besser verstehst. Ich gewähre dir Einblick in die geheimsten Winkel und Ecken meines Gedankengartens. Dort, wo die Schattengewächse der Vergangenheit flüstern und die Gegenwart die Keimlinge der Zukunft anbaut.

Schau dir die knochigen Äste und Wurzeln der Vergangenheit ruhig an, aber geh vorbei und deck dich bei einer Rast stattdessen mit den zarten Gräsern der Zukunft zu. Störe dich nicht an den im Weg liegenden Steinen aus Erinnerungen. Hüpf einfach darüber und erfreue dich dafür an den prachtvoll blühenden Ideen und Visionen. Aber sei vorsichtig. Sonst stößt du dich an farbenprächtigen, wild wachsenden Bedürfnissen.

Ich werde derweil versuchen leise zu denken. Werde nur lächeln und sachte durch das frische Gedakenmeer aus Gräsern und Blüten pusten. Um dir zu Winken und damit meiner Freude über deine Anwesenheit Ausdruck zu verleihen.

Brücken bauen

IMG_9864Foto: © PaulaB, 2013

An der Kaffeetasse festklammern, wenn sie gerade Halt gibt. Sich von Dingen befreien, die wie Schotter am Herzen reiben. In Augenblicken baden, welche die Seele streicheln. In Erinnerungen kleiden, die sich wie ein schützender Mantel um den Körper legen. Sich an Momenten verschlucken, von denen man nicht genug bekommen kann. Spazieren gehen, zusammen mit den Gedanken im Kopf und dem Gefühl im Bauch. Brücken bauen. Um einfach noch ein bisschen mehr Leben zu leben.

Inmitten

IMG_0323Foto: © PaulaB, 2013

Spärliches Licht verklärt die ohnehin kurzen Tage. Raue Winde durchstreifen die Straßen, fegen das Laub wie Aschewolken über die Plätze. Die Wolkendecke sinkt immer tiefer. Legt sich wie ein dunkler Schleier über Stadt und Land. Verhüllt sie in tristes Grau. Lässt frösteln. Und treibt die Melancholie aus den Hauserwänden. Doch schon ein wacher Blick genügt. Und man erkennt inmitten des neblig wabernden Dunstes die goldene Seite des Herbstes.

Nachtfahrt nach …

night_berlin_01Foto: © Andreas Bauer, 2007

Im Rausch der Geschwindigkeit. Mittenrein in die Nacht. Lichtfäden vorbeiziehender Städte am Horizont. Bäume fliegen vorbei. Die Laternen und Fluter mutieren zu tanzend weißen Blitzen.

Das gleichmäßige Ruckeln des Wagens lullt ein. Massiert den Geist. Beruhigt. Wie Regen, der sachte gegen ein Fenster trommelt.

Und plötzlich ist man ganz bei sich. Hängt den Gedanken nach. Schweift ab in die Ferne. Öffnet den Geist. Weitet die Synapsen. Und intensiviert Befindlichkeiten. Herzlich willkommen im Ich!

Kosmos

Oberbaumbrücke2Foto: © Andreas Bauer, 2010

Die Nacht hat die Stadt in tiefes Blau gefärbt. Und er läuft… Durch die Straßen… Die Suppe wabernder Nachtschwärmer… Die aufgeregt schwatzen um die Sille der Nacht zu durchbrechen. Die Dämmerung hat sich wie Blei auf sein Herz gelegt und nach Stunden… Tausenden Schritten… Und nochmals tausenden Gedanken… Ist er angekommen. An einem Ort der Stille. Um zu begreifen. Nur der klare Nachthimmel mit den kleinen weißen Tupfen zwischen ihm und dem Kosmos. Und was ihm bleibt ist ein Gefühl von Weite. Was plötzlich alles andere verschwinden lässt. Im Universum.

Zugang

Zugang_Ostsee, 2013Foto: © miss sophie, 2013

Ich habe dir ein Haus gebaut. Ein Haus aus Zuversicht. Ich habe die Wände mit Mut gestrichen. Das Bett aus Hoffnung geformt und eine Decke mit Träumen gewebt. In den Garten habe ich eine große Hollywoodschaukel aus Vertrauen gestellt. Und im Teich tummeln sich Schwäne aus Optimismus.
Ich habe dir einen Schlüssel aus Zuneigung gefeilt. Mit direktem Zugang zur Schatzkammer. Ich habe die Flügeltüren geöffnet, den Verstand auf Durchzug gesetzt und das Herz auf Empfang programmiert. Und hier warte ich nun auf deine Ankunft. In meinem schönsten Kleid aus Gänsehaut.

Die Ruhe vor dem Sturm

glienicker_bruecke_3Foto: © Christina Hanck, 2007

Die Luft schwirrt. Die Wolkendecke verdichtet sich. Verdeckt die brennende Sonne. Der einsetzende Windhauch streift über den Körper. Stellt die sonnenverwöhnten Härchen auf. Die Schwalben ziehen ihre Kreise. Kommen immer näher. Kündigen es an, das reinigende Gewitter. Das erste Donnergrollen in weiter Ferne. Rückt näher und näher. Und dann beginnt es zu platschen. Dicke große Tropfen. Kühlen die Luft ab. Verbreiten Müßiggang. Lassen zur Ruhe kommen. Und kündigen etwas Neues an.

Verweile noch, du bist so schön

LagerfeuerFoto: © PaulaB, 2010

Der Sonnenuntergang malt Schatten auf deine Haut. Verwandelt sie in eine lebendige Landkarte. Ich fahre sie mit dem Zeigefinger nach und fühle die Reiselust emporsteigen. Dich, dieses fremde Land zu erkunden.

Der Sommerwind weht deine Haare hin und her. Wie eine Gardine umspielen sie dein Gesicht und winken mir zu. Bis du dir die wild gewordenen Strähnen sanft hinters Ohr schiebst und den Blick wieder freigibst.

Das Abendrot spielt verstecken in deinen Augen. Nicht sehr erfolgreich, denn ich sehe es lodern. Wie ein Lagerfeuer, dass sachte vor sich hin knistert und seine Betrachter immer mehr in den Bann zieht.

Und ich versinke. Verweile. Bereise. Und erkunde neu.

 

Ich sehe was…

IMG_9683Foto: © PaulaB, 2013

… was du nicht siehst. Und das ist die Welt mit meinen Augen. Aber komm her und setze dich. Ich will sie dir beschreiben. Will dir zeigen, wo das Licht seine Schatten wirft. Dich spüren lassen, wo die Sonne aufmunternd kitzelt. Dich wissen lassen, welches Grün die Wälder und welches Blau die Meere kleidet. Will dich erleben lassen, wo die Welt rast und wo sie Ruhe & Geborgenheit spendet. Also komm her und setze dich. Wir schauen gemeinsam auf die Welt.

Wege

IMG_7508Foto: © PaulaB, 2012

Bunt ist es, das Leben. Wie ein Tuschkasten. Mal hell, mal Dunkel. Hier grell und dort gediegen. Und nach kräftigem Mischen wieder ganz neu.

Geräuschvoll ist es, das Leben. Wie eine Sinfonie. Mit Höhen und Tiefen. Mal schnell, mal langsam. Erst Laut, dann wieder Leise. Mit frohlockendem Tusch oder in Moll.

Aufregend ist es, das Leben. Wie ein Geschenk in Glitzerpapier. Auspacken und staunen was im Inneren wartet. Eine Überraschung. Eine Niete. Ein Knallbonbon.

So viele mögliche Wege, Umwege und Auswege. Dass es einem fast Angst wird. Mit dem eigenen kleinen Fuß festen Schrittes in die Welt hinaus zu gehen. Um den Staffeleien Farbe zu verpassen. Den Liedern Klang zu geben. Den Präsenten Wert beizumessen. Zu Sehen und zu Nutzen. Und dem Leben Lebenswert zu geben.

Erleuchtet

IMG_9670Foto: © PaulaB, 2013

Schweigsam schwebt er da. Zieht alle Blicke auf sich. Erzählt von Jahren, Zeiten, Sphären. Lässt die eigene kleine Welt winzig und unbedeutend erscheinen.

Wie er da so am Himmel hängt. Als hätte ein Künstler seinen Pinsel geschwungen. Und ihn genau an die dunkelste Stelle des Universums getuscht.

Lässt ruhen und nicht zur Ruhe kommen. Verspricht. Tröstet. Versöhnt. – Hinterlässt. Vereinsamt. Entzweit. Das Licht im Dunkel. Mit seinen sanften Schatten.

Das Mädchen in ihr

rosen_bauernhausFoto: © Christina Hanck, 2011

Sie wartete. Auf ein Zeichen. Doch es kam keines. Ungeduld machte sich breit. Und als es an der Tür klingelte, war es sofort wieder da, das kleine Mädchen in ihrem Kopf. Das unerschütterlich behauptete: „Das ist er.“ Das Mädchen hatte sich schon beim letzten und vorletzten Mal geirrt. Und es irrte auch dieses Mal. Er war es nicht, der dort vor der Tür stand. Stattdessen erspähte sie einen riesigen Strauß Blumen. Und das kleine Mädchen in ihr flippte aus. Machte es sich auf ihrer Schulter bequem und grinste vor sich hin. Wischte ihr all die Zweifel und Fragezeichen aus dem Gesicht und warf den gesunden Menschenverstand über Board. Stattdessen ließ sie ihn ein. Den kindlichen Wahnsinn. Den Widersacher ihres Seelenheils. Schaute verstohlen auf die zarten Blüten. Die so viel Zukunft versprachen. Und wartete.

Irgendwo dazwischen

landschaft_fruehlingFoto: © Christina Hanck, 2012

Auf dem Weg nach B. Mit den Gedanken noch immer in A. Musik im Ohr. Vorbeiziehende Landschaften im Blick. Die Erinnerung im Kopf. Das Gefühl im Bauch. Etwas Bleibendes im Herzen. Noch so nah und doch schon fern. Der Wunsch nach mehr. Erweckt den Nimmersatt. Fordert Wiederholung. Und lässt verharren. Irgendwo zwischen Eben, Hier und Dann.

Call Me (Maybe)

Neon signFoto: © Andreas Bauer, 2011

Ein neugieriger Blick. Ein verstohlenes Grinsen. Eine zaghafte Geste. Ein Geben und Nehmen. Das Gefühl von Jetzt und Hier, von richtig. Und plötzlich ist klar, da ist was. Ein durchsichtiges Band. Gesponnen. Gespannt. Darauf wartend, dass einer den Schritt wagt. Es zum schwingen zu bringen. Im Gleichklang. Für diesen Augenblick. Zur richtigen Zeit. Am richtigen Ort. Eine Sehnsucht. Auf der Suche nach dem wie, wo und wann. Testend. Fragend. Ob der Augenblick den Moment überdauern kann…

MorgenGrauen

chr09_tasseFoto: © Christina Hanck, 2009

Der diesige Morgen drückt sich gegen die Fensterscheiben. Sie zieht die Decke fester um ihren Körper. Blinzelt. Liegt reglos. Lauscht in die Stille des anbrechenden Tages. Kein Duft von frischem Kaffee. Kein klappern von Tassen. Kein rauschendes Duschwasser. Die Leere treibt sie aus dem Bett.

Sie tritt ans Fenster. Ihr Atem malt Bilder. Sie wischt mit ihrer Hand darüber. Die Reflexion der Scheibe spiegelt ihr Gesicht. Heißt sie willkommen. Im neuen Tag. In der Realität. In der Einsamkeit.

Samt & Seide

chr07_blue_streetFoto: © Christina Hanck, 2007

Die tiefblaue Farbe legt sich wie ein Stück Samt über die Stadt. Die Laternen auf der kleinen Brücke spiegeln sich zitternd und glitzernd auf der dunklen Wasseroberfläche. Zaghaft, fast zerbrechlich. Wie alles Schöne.

Ein Schirm. Aus den Händen seines Besitzers gleitend. Wirbelt tanzend durch die Luft bevor er platschend auf der Wasseroberfläche aufschlägt. Gemächlich schaukelt er davon. Irgendwo ins Nirgendwo. Auf dunkler Seide.

Das Leuchten der Stadt

08_stadt_blau_chFoto: © Christina Hanck, 2010

Der Reif hat sich wie ein Mantel um die Stadt gelegt. Es riecht nach Frost. Die Kälte frisst sich durch Mark und Gestein. Verbreitet einen schimmernden Schein im Schwarz der Nacht.

In der Dunkelheit blinken die Lichter. Die der Autos. Aufgefädelt wie auf eine Perlenkette. Strömen sie wie eine glitzernde Woge durch die Straßen. Passieren schillernde Leuchtreklamen. Bahnen sich ihren Weg. Als eine Welle des Lichts. Vorbei an den verschlafen blinzelnden Straßenlaternen. Mit ihren altersschwachen, knisternden Glühbirnen. Vorüber an zitternden Lichtfetzen. Die aus den Fenstern drängen. Hinter denen Fernseher laufen und Menschen bei Kerzenschein zu Abend essen.

Lichter zucken. Schatten wandeln. Der Himmel über den Dächern brennt. Vor Elektrizität. Taucht die nächtliche Stadt in ein helleres Schwarz. Aus schwarz wird grau. Aus grau wird blau. Das Leuchten der Stadt.

 

Denn die Welt dreht sich weiter

03_regen_entsaettigt_chFoto: © Christina Hanck, 2009

Der Tag ist trüb. Das Kaffeegedeckt versinkt im Regen. Verlassen stehen sie da, die Stühle und Tische. Warten auf den nächsten Gast. Von drinnen kommt leise Musik und Stimmengewirr. Da haben sie sich hinverzogen.  Plauschen. Lesen ein Buch. Oder schauen nach draußen. Auf dieses scheinbar verlassene Fleckchen Erde. Beobachten. Den Hund, der schnüffelnd an den Tischen verweilt. Die alte Frau mit den großen Einkaufstüten. Das Kind, was ausgelassen in jede Pfütze springt. Den Radfahrer, der vorbeifährt und lächelt als man ihn in die Augen blickt. Ein Glücksmoment. Das Herz blüht auf. Und plötzlich ist es da, ein Gefühl von Zufriedenheit. An einem so trüben Tag. Denn die Welt dreht sich weiter…

Wortgewandt & Sprachgebannt

Buch-Herz, 2013Foto: © miss sophie, 2013

Ein Drängen im Inneren, hin zum Äußeren. Und der Wunsch einzutauchen, zu erklimmen und zu stürzen. Zu umkreisen und zu vereinen. Zum kämpfen und zu entzweien. Zu siegen und zu verlieren. Sich einzulassen und vorzudringen. In fremde Welten, vergnügliche Sphären, schmerzliche Schicksale und mitreißende Erlebnisse. Die neues Leben erschaffen. Eingehaucht. Durch Worte. Die sich einen zu Sätzen. Formen ein Bild. Und erzählen eine Geschichte. Überwältigend und ergreifend. Hinreißend und schüchtern-kläglich. Beherbergend und aufregend. Spannend und entrückt. Immer wieder anders und doch vertraut.

Wintertag

10_bahnhof_chFoto: © Christina Hanck, 2010

Ich laufe durch die verschneite Stadt. Kalte, trockene Winterluft. Mein Atem formt kleine Wölkchen. Ein paar Sonnenstrahlen kitzeln die wintermüden Augen. Vereinzelte Schneeflocken glitzern. Tauchen die sonst so graue Stadt neben all den Lichtern und Leuchten in ein schimmerndes Licht. Der Geruch von Zucker erfüllt die Atmosphäre und vereinzelt zwitschernde Vögel untermalen das Szenario mit bizarrem Gesang.

Und da strömen sie an mir vorbei. Die Großstädter. Mit hochgezogenen Mantelkrägen, tief ins Gesicht gezogenen Mützen, roten Nasen und schnellen Schrittes. Eilen durch die Kälte. Das Ziel vor Augen. Die Taschen voller Freude. Die Herzen getränkt mit Gefühl.

Wo sie wohl hinwollen? Ob jemand auf sie wartet?

Märchenwelt

IMG_6290Foto: © PaulaB, 2011

Der Nebel reicht bis ins graublaue Wasser. Man sieht nicht, wo der See aufhört und der Himmel anfängt. Als würden die Enten und Schwäne durch den Himmel schwimmen. Auf direktem Weg ins Wolkenschloss. Mit kleinen, wattierten Türmchen und einem großen Tor mit goldschmiedernem Türbeschlag.  Bewacht von den knochigen Bäumen. Die ihre Glieder strecken um jeden Fremdling zum empfangen. Und ihm zu offenbaren eine verschleierte Welt. Die alle Sinne fordert. Um sie zu sehen. Einzutauchen. Zu verstehen.

Oase

04_regen_fensterscheibeFoto: © Christina Hanck, 2009

Sonnenlicht bricht sich im Glas. Verwandelt schwebende Staubpartikel in glitzernde Perlen. Die durch den Raum schweben. Und ihn mit einem Strahlen erfüllen.

Holzdielen wispern. Vereinen sich mit tanzenden Schatten. Erzählen Geschichten.

Der Ohrensessel mit seinem Flaum gebietet Obhut. Warte auf die Finger, die über ihn streichen. Sacht auf seiner Lehne trommeln und sich darin vergraben.

Sei willkommen… Lass dich fallen… Fühl dich daheim…

Media-Morphose

Foto: © Andreas Bauer, 2010

Da schwingen sie Reden über den Wunsch, das Streben nach Individualität. Empören sich über Uniformität. Zeigen gleichwohl aber das Bedürfnis nach Übereinstimmung und Konformität. Sie schließen ihre Türen hinter sich. Und lernen aus der Flimmerkiste. Und dann fügen Sie sich. Hinein in eine Rollestruktur, ein Normengefüge. Passen sich an, anstatt auszubrechen. Übernehmen, anstatt sich zu verändern. Und was bleibt ist das Zeugnis einer Zeit. Einer Gesellschaft. Einer Schicht. Formengleichheit statt Formenvielfalt.

Neuanfang

Foto: © Andreas Bauer, 2012

Der laue Wind bläst durch die Straßen und streichelt die Stadt. Der Geruch von nassem Staub liegt in der Luft. Kleine Tropfen platschen auf den Asphalt. Verwandeln ihn in eine spiegelnde Fläche. Wischen den Schmutz der Großstadt hinfort. Sorgen für Frische und Glanz. Für einen Augenblick. Lassen die Stadt ruhen. Für einen Neuanfang. Damit sie morgens mit neuer Pracht erstrahlen kann.

Mystisch

Foto: © Andreas Bauer, 2011

Der morgendliche Nebel hing zwischen den Baumwipfeln und zeichnete diese nur schemenhaft ab. Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten sich durch die dicke Wolkendecke hindurch und tauchten das Szenario in ein milchiges Licht. Über den Wiesen und Seen stieg Nebel auf und waberte geistergleich empor. Zauberte Umrisse, die Vieles erahnen ließen aber nichts eindeutig zeigten. Kündigte Verwandlung an. Friedlich ruhend. Mystisch.

Einladend

Foto: © Christina Hanck, 2010

Ein Bergkamm folgte dem nächsten. Sie schienen wie auf eine Perlenkette gefädelt. Die Hügel wirkten frisch, durch das dichte Grün der Wälder. Hier und da blitze ein Acker, ein Kornfeld oder eine Almwiese hervor, auf dem sich ein kleines Gehöft abzeichnete. Die Sonne tauchte einzelne Landstreifen in ein warmes Licht und setzte hier und da ein natürliches Spotlight.

Dabei wirkten die grünen Erhebungen so weich und satt, dass sie den Drang verspürte ihre Hand auszustrecken und darüber zu streichen. Sich hineinzulegen, die saftigen Hügel hinabzukugeln und eins zu werden mit dem einladenden Grün.

Denkmal

Foto: © Andreas Bauer, 2008

Monument aus vergangenen Zeiten. Zwischen Traum und Wirklichkeit. Stehst du da und dokumentierst Geschichte. Fügst dich ins Jetzt.

Hoch in den Himmel erheben sich deine Mauern.

Gemäuer, die so viel gesehen haben. Steine, die so viel zu erzählen wissen. Ritzen, die Einiges verheimlichen. Und Furchen, die so Manches zur Schau tragen.

Ehrfürchtig und erhaben verbindest du Vergangenheit und Gegenwart.

Verschmelzung

Foto: © miss sophie, 2011

Die Sonne glühte wie ein roter Feuerball. Der hellblaue Himmel war mit vereinzelten rosaroten Wolken verziert. Ein fast kitschiger Anblick. Möwen zogen ihre Kreise und kündigten mit ihren Schreien das nahende Tagesende an.

Als die Sonne ins Meer tauchte färbte sich der Himmel violett und nach wenigen Augenblicken verschmolzen Horizont und Meer zu einer Einheit. Die Sonne warf hier und da ein paar gleißend helle Lichtkegel aufs Meer, ließ die heimkehrenden Boote fast gespenstisch wirken.

Als die Sonne untergegangen war und die Dämmerung einsetzte, kamen die kleinen Fischkutter und suchten mit Scheinwerfern den Meeresboden ab. Nur das Tuckern der Motoren und der kleine Lichtkegel ließen erahnen was sie dort taten.

Am Abgrund

Foto: © Christina Hanck, 2007

Der serpentinenartige Weg, der den Berg hinunterführte, gab einen sagenhaften Blick auf die Bucht frei. Mit verschiedenfarbigen Schindeln bedeckte Dächer. Pinien und Akazien die ihre Hälse weit über die Klippen reckten. Als wollten sie von dem azurblauen Wasser trinken. Kleine Boote, die sich durch die an der Küste brechenden Wellen sanft hin und herbewegten.

Der Blick war so atemberaubend, dass man die Lust verspürte es den Pinien gleich zu tun, die Arme auszubreiten, hinabzuspringen und ins sonnenwarme Wasser abzutauchen. Das Nass auf der Haut zu spüren, sich damit zu umgeben und eine fremde Welt zu ergründen. Um dann wieder aufzutauchen und den Blick nach oben zu richten. Um die Perspektive zu wechseln und all die Bildfragmente andersherum wieder zusammenzusetzen.

Urtümlich

Foto: © Christina Hanck, 2010

Sie fuhren an einem Gehöft vorbei. Die Morgensonne kletterte gerade an der aus Naturstein gemauerten und teils mit Holzschindeln verkleideten Hauswand empor. Die farbenprächtigen Blumen vor den Fensterläden und an den Holzbalkonen reckten ihre Köpfe dem Licht entgegen. Vor der Tür stapelte ein alter Mann mit runzligem Gesicht und grauem Haar frisch gehacktes Holz auf einen riesigen Berg, der bereits an der Hauswand zum Trocknen aufgeschichtet war. Um seine Füße strich eine getigerte Katze, die leise miaute. Aus dem Inneren des Hauses duftete es nach frischem Kaffee und selbstgebackenem Brot. So intensiv, dass sie ihre Nasen reckten und die Ohren spitzen, um die urtümliche, aber so einladend wirkende Atmosphäre in sich aufzusaugen und festzuhalten.

Meer aus friedlichem Grün

Foto: © PaulaB., 2012Foto: © PaulaB, 2012

Auf einer saftigen Wiese liegend und in die goldgelbe Sonne blinzelnd. Grillen zirpen. Vögel geben ein stimmungsvolles Konzert. Eine warme Brise weht über die Haut und die kleinen Härchen an den Armen stellen sich auf. Als wollten sie die warme Luft willkommen heißen. Die sich im Wind wiegenden Grashalme streicheln über die Haut.

Tief einatmen, den Duft von Gräsern und Blüten, und die Augen schließen. Hinter den Augenlidern sind helle Flecken zu sehen, die neckend tanzen. Sie werden zu einer friedlich wogenden grünen Masse. Der Puls verlangsamt sich. Die Atmung wird ruhig. Der Körper entspannt.

Ein leiser Seufzer bahnt sich seinen Weg durch die Kehle und lässt für einen Moment alles verschwinden. Plötzlich ist da ein Ort der Ruhe und Geborgenheit. Ein Meer aus friedlich wogendem Grün.

Abendstimmung

Foto: © PaulaB, 2012

Die Stadt ist ruhig geworden, der Himmel in tiefes blau eingefärbt. Die Luft ist lau und die Vögel läuten die bevorstehende Nacht ein. In den Fenstern gehen die Lichter an, offenbaren hier und da ein wenig Intimität. Aus den Kneipen und Cafes dringt leises Gemurmel, verbreitet Gemütlichkeit.

So schön…. Und doch so anonym…

Noch einmal tief einatmen, den Moment aufsaugen und dann abtauchen. Eintauchen in die eigenen vier Wände, die die zur ruhe kommende Großstadt in ein anonymes Moloch verwandeln.

Koloss

In der Dunkelheit vor einer geschlossenen Bahnschranke. Ein Güterzug rollt vorbei. Große Kolosse, die mit einer enormen Wucht vorbeiratterten. In den Augenblicken, wo ein Wagon endet und der nächste beginnt, entsteht durch das schnelle Fahren und die vorbeigleitende Luft ein seltsam dumpfes Geräusch. Wuump, Wuump, wuump,…

Dieses Geräusch verursacht ein komisches Gefühl. Eine gewisse Beklemmung, aber auch irgendwie große Freiheit. Ein fast schwermütiges Gefühl. Etwas, was ganz tief im Zwerchfell sitzt. Etwas Pulsierendes, was wie wogende Wellen an- und abschwillt. Ein Gefühl von Leben…

Fundamental

Foto: PaulaB, 2012Foto: © PaulaB, 2012

Er sagte: „Du?!“

Sie fragte wie immer „Ja?“ und erwartete die übliche Reaktion, ein Kopfschütteln oder ein „Nichts!“. Aber…

Er sagte: „Ich liebe dich!“

Es öffnete ihr Herz. Doch die Emotionen, alles was so lange darauf gewartet hatte, und nicht mehr geglaubt hatte, es jemals zu hören, brach in ihr zusammen und löste ein Gefühl aus, was sie nicht recht beschreiben konnte. Sie wollte weinen vor Glück, doch die Tränen versiegten noch in ihren Augen.