Gebrauchsanweisung Mensch

„Das Fabrikat Mensch ist sehr sensibel. Bitte gehen sie deshalb sorgsam mit ihm um!“

Vor einer Weile erzählte mir Jemand er sei ein Grenzgänger und schwer handhabbar, was bisweilen langfristig noch immer dazu geführt habe, dass seine Beziehungen wieder auseinander gingen. Ich begann zu grübeln. Wie steht es denn diesbezüglich um mich? Bin ich einfach? Bin ich schwierig? Bin ich beides und wenn ja, wann bin ich was? Ich musste nicht lange überlegen. Eigentlich bin ich ganz umgänglich, aber auf der anderen Seite bin wohl auch ich schwer handhabbar. Was für eine Erkenntnis. Wenn nicht vielleicht die Erkenntnis. Denn wie sagt man so schön: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.“ In diesem Fall könnte man also sagen: Wenn man erst einmal weiß, wann man wie reagiert und warum, kann man auch etwas daran ändern. Gesetz den Fall es stört etwas an der einen oder anderen Reaktion und Verhaltensweise. Und ganz plötzlich schoss mir ein Gedanke in den Kopf. Für die Überbrückung von Differenzen und als Erleichterung fürs Gegenüber. Eine Gebrauchsanweisung.

Eine Gebrauchsanweisung für das ‚Fabrikat Mensch‘. Ja, ich gebe ja zu, das klingt schon komisch. Schließlich sind wir keine Maschinen, auch wenn manche das hin und wieder anzunehmen scheinen. Und schließlich sind wir stets und ständig im Wandel, verändern uns, entwickeln uns weiter… Und dennoch, wenn ich so drüber nachdenke: eine erheiternde Vorstellung. Ob ich in manchen Bereichen umgänglicher wär’, wenn das Gegenüber genau wüsste welche Knöpfe in diesem Moment gedrückt werden müssen? Oder würde man dann automatisch – so quasi aus Trotz, dass jemand einen durchschaut hat – doch wieder anders handeln und reagieren als es die Gebrauchsanweisung es voraussagt?

Ich für meinen Teil hatte auf jeden Fall schon die eine oder andere Situation, in der ich erwartet hätte, dass mein Gegenüber jetzt so oder so handelt. Es aber nicht tat. Weil mein Gegenüber – so erfuhr ich dann z.B. im Nachhinein, wenn ich nachfragte – gar nicht ahnte, dass ich mir in diesem Moment diese oder jene Reaktion erhoffte. Passive Erwartungshaltung nennt man das wohl. Aber bedeutet das nun auch, dass ich schwer handhabbar bin? Oder ist das bis zu einem bestimmten Grad einfach nur menschlich? Würde es anders laufen, wenn ich meine Erwartungen klar kommuniziere? Oder ist es einfach auch nur eine Frage der Herangehensweise und Sicht auf die Dinge?

Wie dem auch sei. Fakt ist: Der Mensch ist von Natur aus kompliziert. Und mit fortschreitender Sozialisation, Erfahrung, etc. wird der Mensch immer eigentümlicher. Jeder auf seine Weise. Und Schwups steht man vor der Frage: Was tun, wenn‘s brennt? Noch komplizierter wird es oft dann, wenn die so unterschiedlich konstruierten und programmierten Gattungen ‚Mann‘ und ‚Frau‘ aufeinandertreffen… Aber seien wir mal ehrlich. Das Leben wäre wohl auch halb so spannend, wenn jedes Modell des ‚Fabrikat Mensch‘ gleich funktionieren würde. Wenn alle Reaktionsmechanismen, Handlungsweisen, etc. planbar wären. Und dennoch machen wir uns das Leben manchmal gegenseitig schwerer als es sein müsste.

Vielleicht wäre also das Niederschreiben einer eigenen Gebrauchsanweisung sogar ein gutes Mittel um mehr über sich selbst herauszufinden. Um sich darüber bewusst zu werden wie und warum man in manchen Situationen so und nicht anders handelt. Warum sich bei dem einen oder anderen Wort diese bestimmte Emotion einstellt. Warum man nach bestimmten Mustern handelt. Warum etwas anderes denkt als man sagt. Warum man mit bestimmten Bedürfnissen hinter dem Berg hält, etc. Eventuell ist man am Ende der niedergeschriebenen autobiographischen Gebrauchsanweisung bereits ein bisschen weniger schwer handhabbar. Weil man sich selbst etwas besser kennengelernt hat. Weil man sich reflektiert und hinterfragt hat.

Ich habe mir jedenfalls den Spaß erlaubt, und hier mal exemplarisch ein paar wenige Kapitel aus der Gebrauchsanweisung zur miss sophie herausgezogen. Bei Nachfragen wenden sie sich an das Modell höchstpersönlich.

Vorwort

Diese Gebrauchsanweisung ist wie eine Art Grundkurs zu verstehen. Ähnlich wie beispielsweise bei einem Tanzkurs lernt man hier Schritt für Schritt den Takt des Fabrikats/Modells kennen, ihm zu vertrauen und auf eventuelle Störungen angemessen zu reagieren.

 Kapitel 1: Allgemeine Hinweise

Sie haben es hier mit einer weiblichen Ausführung der Gattung Mensch zu tun. Die miss sophie 83 ist bereits dreißig Jahre alt und hat deshalb bereits einige Macken und Abnutzungserscheinungen. Bitte sehen Sie darüber hinweg, Sie haben es dafür mit einem ausgesprochen seltenem Sammlerstück zu tun. Genauer gesagt mit einem Unikat. Die miss sophie 83 besitzt die Fähigkeit zu lieben, zu leiden, zu denken, zu sprechen und vieles mehr. Abwechslung ist also garantiert.

Kapitel 2: Montage

Die miss sophie 83 ist bereits vollständig montiert, Sie haben also keinerlei Arbeit vor dem Gebrauch.

Kapitel 3: Erste Schritte

Beim Erstkontakt schütteln Sie der miss sophie 83 zur Begrüßung die Hand. Ein paar nette Worte sind auch nicht schlecht um den Warmlaufmodus der miss sophie 83 zu beschleunigen. Sollten Sie die miss sophie 83 bereits näher kennen, dürfen Sie sie durchaus auch umarmen. Sind Sie gar mit ihr liiert, darf es auch ein Kuss sein o.ä. Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Die miss sophie 83 wird es Ihnen mit einwandfreier Betriebstemperatur danken. 

Kapitel 4: Reinigung & Pflege

Die miss sophie 83 reinigt sich von selbst. Es ist jedoch nichts dagegen einzuwenden ihr hin und wieder eine Extrapflege in Form einer Massage, o.ä. zukommen zu lassen. Das poliert nicht nur die äußere Erscheinung der miss sophie 83 sondern fördert auch ihren inneren Betriebsmodus.

Kapitel 5: Problemlösung

Eines gleich vorab: Gewalt ist keine Lösung. Das zerstört die miss sophie 83 nur. Seien Sie also behutsam. Aufgrund des Alters des Fabrikats besitzt die miss sophie 83 natürlich – wie jedes andere Modell des ‚Fabrikat Mensch‘ auch – einige Eigenarten, die hin und wieder zu Verständnisproblemen führen können. Sollten Sie in einer solchen Situation nicht wissen, wie Sie die miss sophie 83 handhaben sollen, scheuen Sie sich nicht direkt nachzufragen. Alternativ finden Sie hier ein paar Problemlösungsansätze für die gängigsten Betriebsschäden des ‚Fabrikat Mensch‘, insbesondere des Modells miss sophie 83.

5.1. Das Gerät reagiert nicht auf Signale

Es kann durchaus vorkommen, dass die miss sophie 83 mal nicht reagiert. Dies könnte daran liegen, dass die von Ihnen gesendeten Signale nicht eindeutig sind. Überprüfen Sie also Ihren eigenen Kommunikationsmodus und legen Sie gegebenenfalls an Eindeutigkeit nach. Sollte die miss sophie 83 noch immer nicht reagieren, besteht die Möglichkeit, dass sie sich noch in der Reaktionsfindungsphase befindet. Geben Sie ihr etwas Zeit, sie hat ein Alter erreicht in der Verzögerungen durchaus an der Tagesordnung sein können. Ggf. fragen Sie vorsichtig nach dem Stand des Verarbeitungsprozesses nach. Sollten Sie die miss sophie 83 noch nicht kennen und dies Ihr erster Versuch sein, mit ihr in Kontakt zu treten, kann es durchaus sein, dass die Art und Weise Ihrer Ansprache nicht mit dem Gerät zusammenpasst. Leider gibt es hierfür keine Treiber, weitere Mühen sind also zwecklos. Das Modell passt einfach nicht zu Ihnen. 

5.2. Das Gerät sendet uneindeutige Signale

Sollte die miss sophie 83 uneindeutige Signale senden, kann dies daran liegen, dass die inneren Verarbeitungs-mechanismen durcheinander gekommen sind und die miss sophie 83 den richtigen Reaktionsmechanismus noch nicht finden konnte. Hin und wieder gibt es hier Lücken im System oder Programmierungsfehler, die die miss sophie 83 verunsichern. Sie können in solchen Situationen versuchen den Reaktionsmechanismus etwas zu beschleunigen, indem Sie der miss sophie 83 auf die Sprünge helfen. Prüfen Sie dazu folgende Dinge und handeln Sie nach Anleitung: 

Bei wässrigen Augen oder kompletter Ratlosigkeit im Blick bitte einfach in den Arm nehmen.

Bei bereits austretender Feuchtigkeit aus den Augenhöhlen reichen Sie ein Taschentuch und versuchen Sie die miss sophie 83 schnellstmöglich trocken zu legen. Anderenfalls gibt es unschöne Flecken auf der Politur. 

Bei gerunzelter Stirn und blitzenden Augen vorsichtshalber Sicherheitsabstand halten oder gleich das Weite suchen.

Bei undeutbarem Gesichtsausdruck vorsichtig antasten und je nach Veränderung nähern oder fliehen.

[…]

5.3. Das Gerät hört nicht auf zu reden

Hat die miss sophie 83 einmal Vertrauen gefasst und liegt mit ihnen auf Betriebstemperatur, kann es hin und wieder zu übermäßiger sprachlicher Aktivität kommen. Um den Redeschwall zu unterbrechen oder gar auszuschalten, machen Sie sich bitte verbal oder gestenreich bemerkbar. Sind Sie mit der miss sophie 83 liiert, können Sie den Redefluss auch einfach durch den Verschluss des Mundes via küssen unterbinden. Sind Sie nicht mit der miss sophie 83 liiert, sollten Sie dies eher vermeiden. Es ist sonst ziemlich wahrscheinlich, dass die miss sophie 83 mit rhythmischen Störungen reagiert und die Hebelfunktion des Armes in Bewegung gesetzt wird. Darunter kann die Betriebstemperatur leiden.

5.4. Das Gerät droht zu platzen

Sollte die miss sophie 83 in Ihrem Beisein zu heiß laufen, fächeln Sie ihr Luft zu und reden Sie gut auf sie ein. Bei Erfolg sollte die rötliche Färbung der Politur weichen, der Atem ruhiger werden und der Gesichtsausdruck mildere Züge annehmen. Bei Misserfolg sehen Sie im Anhang unter „mögliche Abwehrmechanismen“ nach, wie Sie die miss sophie 83 anderweitig wieder auf Betriebstemperatur bekommen.

[…]

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Menschen gibt’s…

… die gibt’s gar nicht. Oder zumindest versetzen sie einen aus den unterschiedlichsten Gründen in kleines oder großes Erstaunen. Und damit meine ich jetzt nicht die „Großen“, die die Welt retten oder Rekorde aufstellen. Nein, das fängt schon direkt neben dir an. In deiner kleinen Welt. Menschen, die persönliche Tolranzgrenzen überschreiten, weil sie in intime Bereiche vorpreschen. Ein kleiner Ausflug gefällig?

Begegnungen, Erlebnisse und Ereignisse mit Personen dieser Art sind oft jene, die im Gedächtnis hängen bleiben. An die man sich mit einem Kopfschütteln, Schmunzeln, etc. zurück erinnert. Die nie langweilig werden, wenn man sie erzählt. Die noch Stunden, Tage, Wochen, Jahre danach immer wieder Verwunderung oder einen Lacher provozieren.

Da gibt es zum Beispiel ganz flüchtige Begegnungen. Minuten oder sogar nur Sekunden die sich ins Hirn einbrennen. Die so intensiv sind, dass man sie einfach nie vergessen wird. Weil sie so bizarr, so außergewöhnlich sind. Mir sind Erfahrungen und Menschen dieser Art eigentlich immer nachts passiert und begegnet. Ein Mann, der hinter einem im Nachtbus sitzt, wahnsinnig kichert und einem den Finger in den Rücken bohrt. Gruselig… Noch prägender waren jedoch meine Erfahrungen mit fremder Sexualität ;) So saß ich mal in einem Zug. Nachts. Auf dem Weg von Berlin nach Potsdam. Und schräg gegenüber von mir machte ein Mann komische Bewegungen unter seinem Shirt. Ich dachte mir nichts dabei, bis er  mich an seiner Freude teilhaben lies. Er holte sich einen runter. Ganz öffentlich. Brrr… Und es muss damals so eine Zeit gewesen sein. Oder aber ich wirke magisch auf derlei Gefährten. Denn schon kurze Zeit später meinte der nächste seine sexuellen Freuden in aller Öffentlichkeit mit mir teilen zu müssen. Wieder des Nachts. Auf dem Weg vom Rosa-Luxemburg-Platz zum Rosenthaler Platz. Ich zu Fuß unterwegs, er an einer Hauswand gelehnt. Der Unterschied zu seinem Vorgänger: Er schien keine Lust zu haben. Da frage ich mich doch: Warum? Also ich habe ja nichts gegen sexuelle Entfaltung. Aber ich würde dann doch lieber selbst entscheiden, an welcher ich beteiligt sein möchte. Aber es gibt auch „harmlosere“, oder sollte ich eher sagen jugendschutztauglichere erstaunliche Menschen und Erfahrungen. Ein Typ beispielsweise, der einem im Club mit „Hey, hier stinkts. (Pause) Aber ich bins nicht.“ anspricht und dann Bauklötzer staunt, wenn man in schallendes Gelächter ausbricht. Schön sind auch Anmachsprüche wie: „Ich mag dein Waschmittel nicht.“ Vielen Dank für diese Information, vielleicht möchtest du mir ein neues kaufen? Ja ja… Das sind also die Momente, in denen man denkt im falschen Film zu sein. Ereignisse, die im Entstehungsmoment einfach nur seltsam, unangenehm, wenn nicht gar ein wenig angsteinflößend sind. Die aber im Nachhinein immer eine gute Geschichte bereithalten. Genauso gut kann es natürlich auch ein positives Erlebnis sein, was sich in den Hirnwindungen festsetzt. Ein strahlendes Lächeln zum Beispiel, was einem ein Fremder auf der Straße schenkt.

Oft am erstaunlichsten sind jedoch Menschen aus dem direkten Umfeld. Bekannte, Verwandte, Freunde. Weil man sie anders eingeschätzt hat. Weil sie plötzlich Haken schlagen, mit denen man nicht gerechnet hat. Weil sie mit Kleinigkeiten ganz viel bewirken können. Freude, Wut, Erstaunen, eben die ganze Palette an Befindlichkeiten. Und doch sind auch hier oft die skurrilen Erlebnisse die, die im Gedächtnis bleiben. An die man sich auch Jahre danach noch erinnert und abfeiern muss. Aber auch die herzerweichenden sind nicht von der Hand zu weisen.

Da kommt beispielsweise jemand mit einem liebevollen Mitbringsel daher. Einem Geschenk, mit dem man auf dem ersten Blick nichts anfangen kann, was den Schenker aber als wahnsinnig aufmerksam und liebend entpuppt. So bekam eine Freundin von mir z.B. einen Käse von ihrem Freund überreicht. Freudestrahlend und ganz aufgeregt war er. Und alles was sie zunächst dachte, war: Ein Käse? Was will er mir denn damit sagen? Nach näherem Betrachten und Lesen kam die Erleuchtung. Der Käse hatte einen Namen. Er trug den Namen einer Stadt. Einer Stadt, in der sie einmal gewesen und eine wunderschöne Zeit miteinander verbracht hatten. Und als er den Käse beim Einkauf so da liegen sah, musste er an seine Liebste denken und hat ihn eben mitgebracht. Hach ja, da macht mein Herz doch gleich einen freudigen Hüpfer. Es gibt sie also noch, die versteckten Romantiker.

Aber zurück zu den grotesken Momenten. Vor gar nicht langer Zeit saß ich in lustiger Runde auf einer Party. Mit mir lieb gewonnenen Menschen, die ich noch nicht all zu lange kenne. Der Alkohol floss und so fielen die Masken der Anständigkeit. Resultat war ein unmoralisches Angebot: Man bot mir einen Schlafplatz an. Also einen anderen, als ich geplant hatte. Nicht den harten Boden sondern ein Hotelzimmerbett. Jedoch mit Einschräkung. Ich sollte mich auf der einen Seite vergnügen, während man mir dabei zusehen wollte. Ich dachte ich höre nicht recht, fiel vor Lachen fast vom Stuhl. Das passte einfach nicht in mein Bild, was ich bisher von dieser Person hatte. Aber ich lasse mich gern überraschen. Sofort hatte ich also eine Liedzeile im Kopf: „Free your mind…and your ass will follow!“ Denn wer weiß was sich aufgrund der Hemmungslosigkeit sonst noch so an männlichen Phanatsien in Erfahrung bringen ließe. Viel interessanter ist jedoch die Frage: Besteht bei dieversem Herren eine Erinnerung an dieses Gespräch? Wenn ja, keine Angst, ich nehms locker. Und damit würde ich sagen, bin ich aufgenommen in der Hood!? Jaja, der böse Alkohol. Unglaublich? Denkste. Es geht noch besser. Es gibt nämlich auch diejenigen, die ihren Freunden gleich einen Dreier anbieten. So geschehen einer Freundin von mir. Nun ja, man könnte es so sehen: Es bleibt ja in der ‚Familie‘, quasi. Und man soll doch alles Mal ausprobiert haben. Ja, das sind sie, die Situationen in denen man vor Erstaunen aufpassen muss, dass die Kinnlade nicht augenblicklich an Halt verliert und unkontrolliert nach unten klappt. Situationen, in denen man bestimmte Menschen plötzlich in einem anderen Licht sieht. In denen man anerkennen muss: Geht nicht, gibts nicht.

Aber mal ganz ehrlich… Genau das sind doch auch die Momente, die das Leben lebendig machen! Situationskomik, ich liebe sie. In diesem Sinne: Ein Hoch auf Menschen, die mit Wenig ganz Viel bewirken. Ein Hoch auf die Skurrilitäten des Lebens!

Hallo Lachmuskeln!

ZUM PODCAST

Lachen ist gesund! Es setzt nicht nur Glückshormone frei, sondern stärkt auch Immunsystem und Muskeln. Und wer lacht wirkt gleich viel sympathischer. Doch so richtig herzhaftes, befreites, unbefangenes Lachen hat in der heutigen Zeit eher Seltenheitswert bekommen. Zumindest unter Erwachsenen. Lediglich Kinder können ihrem Lachinstinkt frei folgen. Und sind deshalb auch ausgeglichener, so belegen wissenschaftliche Studien zu diesem Thema. Nicht umsonst wird Lachen inzwischen auch als Therapieform eingesetzt. Ganz zu schweigen von den befremdlichen Angeboten von Lach-Yoga-Kursen oder derlei Scherze.

Was heute jedoch weit verbreitet ist, ist das Lachen hinter vorgehaltener Hand. Das schadenfrohe bis hin zum Aus-Lachen. Aber ist Lachen über das „Leid“ Anderer auch gesund oder fällt es irgendwann auf einen selbst zurück? Ich würde sagen, man muss differenzieren. Zwar ist wissenschaftlich bewiesen, dass es egal ist, ob es ein echtes oder falsches Lachen ist – der Körper profitiert so oder so davon – aber für Geist und Gewissen macht es meiner Meinung nach sehr wohl einen Unterschied. So mag ein höhnisches, gehässiges, schadenfrohes Lachen für den Moment der Produktion von Glückshormonen dienen, ist aber gelinde gesagt nicht sehr nett und führt früher oder später zu einem schlechten Gewissen. Dann bleibt ein ungutes Gefühl und all die gerade frisch getankten Glückshormone lösen sich augenblicklich wieder in Luft auf. Wie gewonnen so zerronnen…

Ein neckisches, der komischen Situation wegen spontanes Lachen, kann jedoch getrost als legitim durchgewunken werden. Auch wenn die Situation für die „Belächelten“ weniger lustig ist, als für den Lachenden. Aber was soll man machen. Und schließlich ist Lachen ja eben gesund. Also immer raus damit. Denn die Situationskomik ist und bleibt eine der schönsten, wirkungsvollsten und instinktivsten Lachbereiter. Und so kann es passieren, dass man sich ganz plötzlich und unfreiwillig inmitten einer Komödie befindet, wo ein Running-Gag dem nächsten folgt. So kürzlich erst bei mir.

Und wann habt ihr das letzte Mal so richtig herzhaft lachen müssen? Zu lange her? Dann begebt euch bei Dämmerung in den Volkspark Friedrichshain…

Tatort – Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Tatzeit – Dämmerung. Opfer – ahnungslose Spaziergänge und Partyvolk. Täter – Stufen. Zeugen – meine Begleitung und ich. Tathergang – Ok, da werde ich dann mal etwas ausführlicher. Ein lauer Sommerabend. Das Sonnenlicht neigt sich dem Ende zu und taucht die Stadt in nächtliches Dunkel. Völlig ahnungslos und unbefangen saßen wir da auf dem Rand des Märchenbrunnens, mitten in ein Gespräch vertieft, als die ersten Spaziergänger den Park verließen. Nicht jedoch ohne vor unseren Augen ins Straucheln zu geraten. Das erste „Ups“ entfleuchte und wir wurden aufmerksam. Die im Dämmerlicht kaum auszumachenden Stufen waren Schuld. Und so folgten nun Ausrufe wie „Upsala“, „Hups“, „Ahia“ oder auch nur Gelächter & Gekicher im Minutentakt. Nahezu jeder Passante stolperte. Und wir lachten. Zunächst noch in uns hinein. Dann mit wachsender Begeisterung. Einfach zu komisch, wie plötzlich alle vom harmlos Spazierenden zum torkelnden Gleichgewichtsuchenden oder Interpreten des sterbenden Schwans wurden. Nein ich war nicht schadenfroh. Und nein, ich habe mich auch nicht an fremdem Leid gelabt. Aber es war doch einfach herzerweichend. Vor allem als meine Begleitung ein Licht herausholte und den Spaziergängern damit den Weg weisen wollte. Nun war komplette Verwirrung angesagt. Hielten sie das Spotlight für ihre Bühne? Für ihre drei Sekunden Ruhm? In jedem Fall wurden ihre Lufttritte immer tollkühner. Um uns nicht zum Mittäter zu machen, stiegen wir darauf um, die herannahenden Personen verbal auf den drohenden Abstieg aufmerksam zu machen. Jedoch ohne Erfolg. Man überhörte uns einfach und stolperte lustig weiter. Ok dachte ich mir, wer nicht hören will muss fühlen. Und so widmete ich mich nun ohne Skrupel dem Training von Zwerchfell und Bauchmuskulatur. Ich folgte meinem inneren Instinkt und kicherte herzhaft. Dennoch machte ich beim verlassen des Tatortes drei Kreuze, nicht Zeuge eines schmerzhaften Abstiegs geworden zu sein. Und ich hatte es bereits geahnt… Gerade noch hatte ich es gesagt… Und dann stolperte ich als selbsterfüllende Prophezeiung über die letzte Stufe. Und mein Kichern wurde zu herzhaftem Lachen…

Hach ja…. Lachen ist ja so gesund :)