Drama Baby Drama

Wer sagt, dass nur Frauen Drama-Queens sind? Ich halte dagegen. Alle wirklich bedeutsamen Drama-Queens die mir bis jetzt in meinem Leben so über den Weg gelaufen sind, waren/sind männlich (Ich betone „mir“ und nehme gern Geschichten zum anderen Geschlecht entgegen). Unglaubliches, was einem da so geboten wird. Dramady lässt grüßen. Ja, inzwischen fühle ich mich streckenweise wirklich so, als wäre ich unfreiwilliger Gast in einer Daily Soap. Nichtmal Statist, sondern Gast. Nein, auch nicht wirklich Gast, sondern hin und wieder (und öfter als mir lieb ist) zweite Hauptfigur. Aber eben unfreiwillig. Oder auch ein bisschen so wie bei der versteckten Kamera, wo man irgendwie hofft und ahnt im falschen Film zu sein. Nur leider bleibt hier oft das erleichterte Aufatmen aus, wenn einem das gegenüber zeigt wo die versteckten Kameras hängen. Es ist eben keine versteckte Kamera da. Ich kenne reale Drama-Queens mit großem Potenzial. Doch ja, sie spielen ihre Rollen perfekt. Willkommen in der neuen Daily Soap von XY. Ganz unter uns, in guten und in schlechten Zeiten und das ist alles was zählt.

Und das führt bei mir zuweilen zu Unmut. Wie oft habe ich in der letzten Zeit gedacht: „Ich glaube es hackt!“. Ich kann es nicht mehr zählen. Wie oft habe ich gedacht: „Das ist jetzt nicht dein erst!“. Ebenfalls unzählbar. Wie oft habe ich gehofft: „Das ist nur ein schlechter Albtraum, du wachst gleich auf!“. Auch mehr als mir lieb ist. Und immer wieder musste ich feststellen: Ich träume leider nicht, aber es hackt, weil es allen Ernstes deren Ernst war/ist!

Da gibt es gestandene Männer, die Tatsachen verdrehen, weil sie zu feige sind einen Fehler einzugestehen. Aber wenn es das nur wäre. Das Unglaublichste daran ist, dass sie sich ihre Parallelstory selbst so plausibel erzählen können, dass sie wirklich daran glauben. Ja, es grenzt schon fast an Gehirnwäsche. In sofern kann man ihnen ja nicht einmal richtig böse sein, denn sie wurden ja manipuliert. Eigentlich sind sie also das Opfer was beweint werden muss. Und das tun sie dann auch, mit voller Kraft. Entschuldigt, wenn ich nicht mitweine. Das hat nichts mit mangelnder Empathie zu tun. So viele Tränen wie bei all den Dramen nötig wären, produziert meine Tränendrüse leider einfach nicht. Sie ist langsam überfordert.

Und dann gibt es da Männer, die texten dir einen ganzen Abend eine Bibel (ein besonders dickes Buch mit hauchdünnen Seiten und kleinem Text) an die Backe und rühmen sich damit, dass sie ein so guter Freund sind, weil sie sich nicht davor scheuen auch mal die unangenehme Wahrheit auszusprechen. Aber wenn man selbst dann mal mit der Wahrheit herausrückt ist der Spaß vorbei. Und seien es nur zwei Worte wie: „Du übertreibst!“ Das geht ja mal gar nicht. Dann sind sie eingeschnappt und ziehen es vor einen die nächsten Tage, Wochen und Monate zu meiden. Wenn nicht sogar zu schneiden. Wahrheiten verteilen ja, Wahrheiten einstecken nein. Und auch wenn die Sache für dich damit gegessen ist, richtige Drama-Queens vergessen nie. Sie sind nachtragend. Oder sollte ich eher sagen sie folgen den Gesetzen einer Daily Soap: „Die Kuh muss gemolken werden. Immer wieder und wieder.“? Fakt ist: Fortan kannst du sie ansprechen und sie hören dich nicht. Plötzlich taub. Du kannst vor ihnen stehen und sie begrüßen oder verabschieden, aber sie sehen dich nicht. Plötzlich erblindet. Die Armen. Sie können einem regelrecht Leid tun, aber auch das ist nun mal so in einer Daily Soap. Da muss man Dinge durchmachen, die andere ihr ganzes Leben lang nicht erleben. Da ist ein bisschen taub und blind wohl noch das Harmloseste.

Und auch in Beziehungen sind es mitunter nicht die Frauen (denen ja oft Zickigkeit und das Verbreiten von Stress unterstellt wird), die unbeirrt Drama produzieren. Nein, Männer sind durchaus auch in der Lage diesen Part zu übernehmen. Ich für meinen Teil kenne solch männliche Mimen. Das sind z.B. Männer die an dem Punkt, an dem eine Beziehung eine Beziehung wird, ein bisschen (oder auch ein bisschen mehr) Drama produzieren, weil sie mit dem Status Beziehung nicht umgehen können. Weil sie sich in einer Weise in ihrer Freiheit beschränkt fühlen, auf der anderen Seite aber auch gar nicht frei sein wollen. Was ich damit meine? Eine wirklich feste Beziehung entsteht meist ab dem Punkt, an dem die erste Verliebtheit verschwindet. An dem die Sinuskurve nicht mehr nach oben steigt, sondern auf einem gleich bleibenden Level mit kleinen Auswucherungen nach oben oder unten verläuft. Man könnte es auch als vertrautes Miteinander bezeichnen. Oder als beständig. Und hier gibt es eben Männer, die diesen Zustand nicht ertragen. Sie brauchen das ‚Aufwärts’. Und wenn das ‚Aufwärts’ nicht mehr gegeben ist, müssen sie eben ein ‚Abwärts’ provozieren, damit es dann wieder aufwärts gehen kann. Da wird begonnen mit ‚Ich bin nicht gut für dich’, über Endlosmonologe zur eigenen Unzulänglichkeit, bis hin zu wirklich drastischen Maßnahmen wie dem andeuten, dass man Angst hätte fremd zu gehen oder sogar fremdgeht. Was für eine Verschwendung von Energien. Oder auch einfach nur ein Zeichen von beziehungsunfähig, nicht genug verliebt, etc. Entweder man will zusammen sein oder eben nicht. Das verbale Aufbauschen ist aber nur ein Zeichen für die eigene Unentschlossenheit. So nach dem Motto:  „Bitte trenn du dich, ich kann es nicht/ich will nicht der Arsch sein.“ Drama Baby Drama…

Leider verlieren unsere Queens bei all dem Drama oft den Blick für ihr Umfeld und das Wesentliche. Bedeutet: Autsch, das tut doch weh! Aber sie merken einfach nicht, dass sie andere mit ihrem Verhalten verletzen. Viel zu sehr stecken sie in ihrer Dramödie fest.

Wenn man all diese – und das sind bei weitem nicht die einzigen Erlebnisse und Beobachtungen, die ich machen durfte/musste – Erfahrungen zusammen nimmt, sollte ich vielleicht ernsthaft darüber nachdenken meinen eigenen Film zu drehen. Er könnte heißen „Die Unsichtbare“, „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Männer in Bedrängnis“ oder auch „Die mit der Wand spricht“. Oder ich frage demnächst mal beim Fernsehen an, ob Interesse an einer neuen Castingshow (natürlich dürfen auch Frauen teilnehmen) besteht: „Germanys next Drama-Queen“ oder auch „Deutschland sucht die Drama-Queen“. Eine Bedingung: Ich als unfreiwilliger Experte sitze in der Jury. Irgendwofür muss sich das ganze Drama ja lohnen!

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Falsch verbunden – Von den Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation

Ich arbeite mit Worten. Man möchte also meinen, dass ich auch mit ihnen umzugehen weiß. Dass ich kommunizieren kann. Kann ich wohl auch. Aber nicht immer. So muss ich in regelmäßigen Abständen feststellen, dass meine Kommunikation hin und wieder missverständlich ist. Irritierend. Ja, ich verwirre Menschen. Und das eben nicht mit meiner bloßen, so atemberaubenden Anwesenheit (das wär’ doch mal was…). Nein, ich tue es mit Worten. Da schlummern ungeahnte ‚Talente‘ in mir… Ich sage etwas mit einer Intention und bewirke damit etwas komplett anderes. Verflixt. Aber, und jetzt kommt das i-Tüpfelchen, natürlich nicht immer. Nein, nur da wo’s wehtut. Da, wo es um Gefühle und Bedürfnisse geht.

Das Tröstliche (oder vielleicht auch Erschreckende) daran ist: Ich bin kein Einzelfall. Es herrscht geradezu eine Invasion an Menschen, die sich, wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht, unklar ausdrücken. Generation „Ich weiß nicht…“. Generation „Vielleicht“. Da bleibt die Frage: Warum ist das so? Warum fällt es einem Großteil der Menschen (Denn natürlich gibt es auch diejenigen, die IMMER sagen was sie denken. Sie sind nicht missverständlich, mitunter aber auch nicht immer die angenehmsten Zeitgenossen. Wirken sie doch all zu oft ich-bezogen und wie eine fleischgewordene Machete.) so schwer, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen klar zu äußern? Warum sagen sie nicht „Ich mag dich.“ sondern eiern herum? Warum sagen sie nicht „Das geht mir gerade gegen den Strich.“ sondern machen gute Miene zu bösem Spiel? Warum sagen sie nicht „Ja, ich würde mich freuen, wenn du anrufst.“ sondern gehen mit Worten wie „Ich bin gespannt.“? Es bleibt mir schleierhaft.

Haben wir verlernt zu sagen was wir wollen? Oder fällt es uns einfach nur schwer unsere Gefühle und Wünsche offen zu äußern? Warum überlassen wir unsere Zukunft all zu oft dem Zufall, anstatt eine Richtung vorzugeben? Eine Richtung nach der wir verlangen. Eine Richtung die unser Begehren stillen kann. Warum nehmen wir damit in Kauf, dass die Dinge nach denen wir am meisten greifen und die möglicherweise in Erfüllung gehen könnten, erst gar keine Chance bekommen? Lassen uns die Gelegenheiten entgehen, die unser Leben in andere Bahnen lenken könnten. Entsagen uns der Momente, die unser Leben lebenswert machen. Haben wir Angst vor Ablehnung? Ist es die Angst Bedürfnisse zu haben, die andere lächerlich finden? Ist es ein Spiel? Ist es ein Austesten? Ist es Unsicherheit? Ist es der Tatsache geschuldet, dass wir oft selbst nicht wissen was wir wollen? Oder weil es uns erst mit einer Verzögerung wie Schuppen von den Augen fällt? Ist es, weil wir uns alle Optionen offen halten wollen? Weil wir nichts von unserer Autonomie und Freiheit aufgeben wollen? Weil wir stark und unabhängig wirken wollen? Aber was wollen wirklich?

Wir fühlen ja, denken nein und sagen jein. Unbeabsichtigt. Weil wir versuchen einen Mittelweg zu finden. Weil wir vermeiden wollen in einem falschen Licht gesehen zu werden. Weil wir selbst nicht genau wissen was wir wollen, denken oder fühlen. Und dann passiert etwas. Denn das was wir wirklich fühlen und wollen wird überlagert von dem, was wir glauben fühlen und wollen zu müssen. Und wenn dann nach einer Entscheidung verlangt wird, öffnen wir den Mund und senden Worte. Worte die unseren körperlichen Signalen widersprechen.  Und dann ist es da, das Durcheinander. Der Widerspruch. Die Verwirrung. Falsch verbunden.

Aber warum? Die Welt könnte so einfach, wenn wir sie uns nicht immer wieder selbst schwer machen würden…

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil 4): Der Lauf der Dinge…

Ich war ins kalte Wasser gesprungen. Ich hatte auf einige meiner Onlinedating-Anfragen geantwortet und ich hatte auch selbst ein paar Männer angeschrieben. Wirklich nur ein paar, denn mir fiel auf, dass ich einfach nicht ohne einen Anknüpfungspunkt kommunizieren konnte und wollte.

Ein einfaches „Hallo“ wäre mir zu belanglos und plump vorgekommen. Schließlich fand ich Anfragen dieser Art selbst nichtssagend. Deshalb verstand ich nun auch den Sinn der absurden Fragen, die ich zu Beginn meiner Anmeldung ausfüllen musste. Hier lagen sie. Die Möglichkeiten für einen Konversationsbeginn. Und auch wenn es da ein paar Männer gab, die Übereinstimmungen aufwiesen, bei deren Angaben ich grinsen oder nicken musste… Irgendwas war meist, was mich zögern ließ. Und wenn ich erstmal zögerte, dann war  es auch schon zu spät. Also musste ich ebenfalls feststellen, dass wohl etwas dran ist, an dem Vorurteil mir gegenüber, dass ich zu wählerisch bin. Man hatte hier aber auch die Möglichkeit sehr wählerisch zu sein. Und wie sich heraussstellte, sollte man dies auch… Aber zurück. In der Tat fand ich nur wenige Aussagen, die sofort etwas in mir auslösten. Die blitzartig eine Frage oder eine lustige Antwort in meinen Kopf zauberten. Wenn dem so war, war der erste Schritt getan und es konnte passieren, dass auch ich mal jemanden anschrieb. Das „Springen in Regenpfützen“ als Sport und Ausdruck von Lebensfreude war zum Beispiel eine solche Aussage. Und dennoch kann ich die Männer die ich anschrieb an einer Hand abzählen. Stattdessen beschränkte ich mich also zunächst darauf den Männern zu antworten die mich anschrieben. Sollten sie doch für ihren Mut belohnt werden

Doch da war schon er schon, der nächste Minuspunkt auf meiner Pro-Contra-Onlinedating-Liste. Denn antwortete man dann also erstmal ganz nett auf ein plumpes „Hallo“ oder ähnliches, kam oft nichts mehr zurück. Meine lieben Herren, das erweckt leider den Eindruck als würdet ihr erstmal wahllos alle möglichen Frauen anschreiben, in der Hoffnung, dass sie antworten und euch dann eine rauszupicken. Das Gefühl eine Fehlentscheidung oder nur zweite Wahl zu sein bestärkt jedoch nicht unbedingt die Pro-Seite der Liste. Aber ich will ja gar nicht meckern, wer weiß was mir dadurch alles erspart geblieben ist. Denn das, was sich dann an „Gesprächen“ entwickelte, war ein Graus.

Und wie sollte es anders sein, auch im Verlauf der Konversation lassen sich bestimmte Typen herauslesen. Die bei mir nachdrücklich im Gedächtnis verankerten, will ich mal wieder zusammenfassen um meine Vorurteile gegenüber Onlinedating zu untermauern. Denn ich echauffiere mich ja nicht einfach so. Auch wenn das der eine oder andere denken mag. Ich  meckere auf der Basis fundierter Recherche. Hier folgend nun zu den verschiedenen Kommunikationstypen.

Der Falschversteher erklärt gern seine eigenen Nachrichten, Humor ist bei ihm an der falschen Adresse, er versteht ihn nicht und schmettert deshalb Antworten wie: „Ich bin schlauer als du denkst!“ Wenn man dann einen neuen humorvollen Versuch startet und beispielsweise darauf antwortet: „Woher willst du wissen für wie schlau ich dich halte? ;)“, verkennt er den Humor abermals, ist stattdessen beleidigt und wird ausfallend: „Wie kommst du dazu so mit mir zu reden. Ich bin sehr wohl ein intellektueller Typ der weiß was er will […]“ gefolgt von einem bösen Schwall Worte über Spielchen, Loser und Winner. Und natürlich der abschließenden Erkenntnis, dass ich der Loser bin und er sich entschuldigt, dass er mich gekränkt hat. HÄÄÄÄ???? Ich sage dazu nichts mehr, schüttele nur den Kopf und denke mir einmal mehr: nur Idioten unterwegs… Also echt mal…. So krass kann man doch gar nicht aneinander vorbeireden.

Der Schürzenjäger hingegen schreibt immer wieder das Gleiche. Im Wortlaut. Das erweckt den Anschein, als hätte er ein Kontingent an vorgefertigten Nachrichten, die er dann mit geändertem (oder auch nicht) Namen an seine Auserwählten herausschickt. Wieder andere schreiben dir, obwohl du ihnen schon geantwortet hast, im wöchentlichen Takt dreimal die gleiche Mail. Ebenfalls im Wortlaut. Bei der zweiten dachte ich noch: Ok, hat er wohl verbaselt. Nett wie ich bin (so jedenfalls die Annahme, da auch das eine der beliebtesten Erstkontakte an mich war „Du siehst nett aus“), antwortete ich eben noch mal auf die selben Fragen. Beim dritten Mal allerdings siegte dann doch mein Misstrauen. Der Mann: Modeltyp. Italiener. Schön. Nicht mein Geschmack, aber schön. Die meisten Frauen würden wohl auf ihn fliegen. Bei mir keimte jedoch das Vorurteil gegenüber Latinlovern auf: Schürzenjäger. Ich dachte mir also: Ich bin ja nett und habe nichts zu verlieren, antwortete also: „Das hast du mich schon mal gefragt ;)“ Die Antwort darauf: „Also wollen wir telefonieren?“ Auch das hatte er schon mehrmals gefragt. Und auch das teilte ich ihm mit, mit dem Hinweis, dass ich langsam das Gefühl bekomme mit einer Wand zu reden. Natürlich netter formuliert. Oder doch eher mit einem computergenerierten Account? Mein Misstrauen war auf jeden Fall geweckt. Es schien als würde er den Überblick verlieren. Als würde er allen Frauen die gleichen vorgefertigten Mails schreiben und gar nicht mehr durchsehen, welche Frau ihm bereits geantwortet hatte. Seine Antwort auf meinen Hinweis war wiederum folgende Erklärung: Er wolle mich eben einfach unbedingt kennenlernen. Aber wenn ich nicht will, werde ich wohl als alte Jungfer enden, denn er sei nun mal der Richtige für mich. Was sagt man dazu? Also ich für meinen Teil sagte lieber gar nichts mehr. Ich lass mich doch hier nicht verarschen… Bzw. wahrscheinlich hatte ich das bereits…

Der schlechte Verlierer oder oft auch damit einhergehende frauenfeindliche Chauvinist wird beleidigend wenn man nicht so will, wie er will. Sie treffen innerhalb des Mailvekehrs immer wieder Aussagen, die vermuten lassen, dass sie Frauen und Männer nicht auf eine Stufe stellen. Dass sie Frauen nur fürs Bett oder den Haushalt suchen. Wenn man ihnen dann ein Treffen abschlägt, können sie nicht damit umgehen. Stattdessen drehen sie frei und Frau darf sich dann auch hier wüste Beschimpfungen anhören. Beschimpfungen, die unter die Gürtellinie gehen. Eine ganz besonders „nette“ Aussage habe ich mal für euch aufgehoben: „Vorher hatte ich ja immer ne Vagina im Kopf, aber jetzt kann ich’s dir ja sagen: Aus dir wird nie was.“ Zwei Tage später von dem selben Mann dann ein Nachtrag: „Egal. Komm rum, mach dich nützlich.“ Sachma hackt’s? Glauben diese Männer tatsächlich, dass sie eine Frau rumbekommen, wenn sie sie derartig beleidigen? Haben bzw. hatten sie damit schon Erfolg? Und das war nicht die einzige Erfahrung dieser Art, bei weitem nicht. Da danke ich doch meinem gesunden Menschengespür und mache drei Kreuze, dass ich diesen jemand nicht näher kennengelernt habe.

Und dann gibt es in dieser Kategorie auch diejenigen, die dich sofort mit Beleidigungen bombadieren. „Deine Fotos sehen so aus als würdest du absichtlich unsexy sein wollen.“, „Hast du keine besseren Fotos“, Du bist sicherlich prüde., So wie du schaust, vergrauslt du doch alle., etc. Und danach wundern sie sich, dass du ihre Bitte abschlägst in ihrem Hotelzimmer zum Schäferstündchen vorbeizuschauen. Hallo, ich bin doch prüde!!! Hat man da noch Worte? Also ich für meinen Teil sah nur alle meine Warnblinkanlagen schwirren und fühlte mich aufs Neue bestätigt.

Der Drängler wiederum schreibt jeden Tag irgendwas Belangloses worauf man mit der Zeit auch nicht mehr wirklich antworten kann und will. Sie schreiben trotzdem weiter, werden aber immer fordernder und vorwurfsvoller. Irgendwann kommen dann Fragen wie: „Habe ich was falsch gemacht?“ Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich nicht rund um die Uhr in diesem Portal verweilte, da ich auch noch andere Dinge zu tun hatte und ich ehrlich gesagt auch nicht so darauf stehe, wenn man mich drängelt. Seine Reaktion daraufhin: „Ach, eine Mail täglich is der Dame also schon zu viel. Schnepfe.“ Und noch ehe ich antworten konnte, dass der Ton die Musik macht und vorwurfsvolle Nachrichten nicht unbedingt dazu beitragen, dass ich den Menschen kennenlernen möchte, hatte er mich bereits auf seine Sperrliste gesetzt.

Der scheinheilige Missionar hingegen beginnt dich nach einem eigentlich ganz guten Auftakt missionieren zu wollen. Zunächst stellt er interessiert Fragen und bewundert dein Tun. Nach und nach offenbart er dir, dass er ja ein Frauenversteher sei. Jemand, den man mitunter Womanizer nennt. Er gebe sogar Kurse und habe schon vielen Frauen zu mehr Glück in der Liebe verholfen. Ähm halt mal… Ich bin hier nicht eine deiner Kundinnen!!! Ich ging auf Abstand, doch er hörte gar nicht mehr auf. Er hatte sich wohl so richtig in Fahrt geschrieben. Denn nun musste auch noch mein Werdegang dran glauben. Er versuchte mir tatsächlich einzureden, dass ich mit einem anderen Job besser dran wäre und ließ einfach nicht locker. Hilfe!!! Stohoppp!!! Und das sagte ich ihm dann auch. Ich sagte ihm ganz höflich, dass mir das Gespräch gerade in eine falsche Richtung ging und ich davon absehen würde ihn noch näher kennenzulernen. Da fragt man sich doch echt… Wie krass, Onlinedating-Plattformen als potenzielle Arbeitsbörsen. Da suchen so Coaches hier also ihre Kunden. Wie niederträchtig! Ob das legal ist? Und auch seine abschließende Reaktion auf meinen Rückzieher war nicht gerade nett…

Gab es denn hier nur Verrückte, Lügner und mehr Schein als Sein? Bei meinen Erfahrungen frage ich mich doch: Haben diese Männer wirklich alle nur Sex im Kopf? Denn kaum bekommen sie eine Abfuhr, verlieren sie jegliche Manieren und führen sich auf wie der letzte A…A…A…Allerwerteste? Also das ist definitiv nicht meins. Warum setzte ich mich freiwillig so etwas aus? Ich musste wohl ebenfalls verrückt sein… Denn auch wenn mir diese Männer wohl letztlich alle egal waren, setzten diese Erfahrungen mir und meinem Selbstbewusstsein zu. Einmal mehr machte ich mir Gedanken um meine Ausstrahlung. Was, wenn es wirklich an mir lag? Wenn ich irgendwas ausstrahlte und suggerierte, was genau diese Art Typen anlockte? Hilfe!!! Vielleicht brauchte ich ja wirklich einen Coach…

Die Erkenntnis

Und wie war es nun bei den Männern, die ich selbst angeschrieben hatte? Ich muss gestehen, es waren nur zwei. Aber ich war ja eben nicht auf der Suche nach irgendjemand oder einem schnellen Abenteuer. Immerhin bekam ich von den beiden, die ich angeschrieben hatte eine Antwort. Das ja war ja schon mal was. Und auch die Unterhaltungen waren ganz nett. Dennoch, der Deckel für den Topf war nicht dabei. Wie hatte meine Freundin gesagt: Männer sprechen oft nur Frauen aus einer höheren Liga an. Und wie ich nun zu allem Übel feststellen musste: Spricht man als Frau dann selbst Männer aus der eigenen Liga an, bekommt man früher oder später einen Korb. Denn auch sie sind natürlich auf der Suche in der nächst höheren Liga…

Ich für meinen Teil war nun also nicht nur schockiert über die vielen unsäglichen Beschimpfungen, die ich hier über mich ergehen lassen musste. Sondern verlor so langsam auch den letzten Funke einer nie vorhandenen Überzeugung, dass ich hier potenzielle Partner kennenlernen könnte. Und was machte ich nun mit dieser Erkenntnis? Ich ging erst einmal in mich…

Fortsetzung folgt…