Volltreffer

Es ist lange her, dass ich ein Date hatte, dass mich so umgehauen hat. Um es genauer zu sagen, zwei tolle Dates. Oder ein Date mit Fortsetzung.

Ich war emotional ergriffen, vom Anfang bis zum Ende. Vom ersten bis zum letzten Wort. Ich war überwältigt von so unterschiedlichen Emotionen und so viel Gefühl. Ich war hingerissen von der gleichermaßen existierenden Wortgewandtheit und den schüchtern-kläglichen Versuchen sich auszudrücken.

Nach nur wenigen Worten hatte ich den Köder geschluckt. Mein Herz raste und kurze Pinkelpausen oder der Griff zur Tasse mit dem Kaffee lösten eine innere Unruhe aus. Ich konnte es kaum erwarten meine volle Aufmerksamkeit wieder meinem Date, diesen Worten und Emotionen zu widmen. Und ich fragte mich unentwegt: Wie würde es weitergehen? Wie würde es enden? Es endete offen und mein Innerstes verlangte nach mehr. Ein zweites Date musste her und zwar schnell. Ich konnte es kaum erwarten, ich konnte es kaum abwarten, sehnte es herbei. Und nur die Gewissheit, dass es eine Fortsetzung geben würde, ließ mich nach unruhigen, wachen Stunden doch noch ein paar Augenblicke Schlaf finden. Die Zeit erschien mir unendlich lang. Immer wieder ging ich die Worte durch, die so schöne Sätze ergaben, ein Bild formten und mir eine Geschichte erzählten. Ein wohliges Gefühl breitete sich aus und doch war da eine Angst, dass das Ganze schneller beendet sein könnte als mir lieb war.

Und dann war es endlich soweit. Die Fortsetzung folgte. Das zweite Date und wieder ein Volltreffer. Wieder tauchte ich ab, vergaß alles um mich herum, fühlte mich geborgen, aufgeregt und angespannt zugleich. Mit jedem weiteren Wort verliebte ich mich mehr. Diese Worte waren wie eine Droge, ich hing an der Angel.

Und dann kam das, was ich so gern herausgezögert hätte. Was ich nicht wollte, aber wusste das es kommen musste, damit es so gut blieb, wie es sich anfühlte: das Ende. Eine Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung machte sich breit. Enttäuschung weil es zu ende war, Erleichterung, weil ich nun wieder würde ruhig schlafen können, meine Aufmerksamkeit wieder auf etwas Anderes würde richten können. Und schließlich blieben mir die Erinnerungen an die Worte, die Bilder, die Gefühle, so sagte ich mir. Und diese breiteten sich wohlwollend in meinem Inneren aus. Ich seufzte, sagte Leb‘ wohl und speicherte diese tolle Erfahrung in meinem Herzen.

Wie toll kann doch ein Date mit einem Buch sein!!!

Ich kann nur empfehlen: „Gut gegen Nordwind“ und die Fortsetzung „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer.

Oh du Fröhliche!

Ich sitze im Zug und blicke aus dem Fenster. Verhuscht zieht die Stadt an mir vorbei. Der Tag ist trüb, so dass es bereits am Nachmittag wirkt, als stände die Nacht in den Startlöchern. Um mich herum herrscht Stimmengewirr. Hier raschelt es in einer Tüte. Dort wird telefoniert. Weiter hintern streitet sich ein altes Ehepaar über den Ablauf der nächsten Tage und neben mir kuschelt ein junges Pärchen in meinem Alter. Ihr kleiner Hosenscheißer singt lautstark und emsig ein Weihnachtslied nach dem anderen. Versucht es zumindest, denn noch ist der kleine Fratz nicht wirklich Herr der deutschen Sprache. Vielmehr singt er in seiner eigenen Sprache und erheitert das ganze Zugabteil. Zumindest noch!

Und wie ich da so sitze und aus dem Fenster blicke, springt mal wieder mein Gedankenkarussell an und rattert vor sich hin. Der Blick verklärt sich. Das Stimmengewirr tritt in den Hintergrund und unermüdlich klopfen irgendwelche Erinnerungen und Sehnsüchte an meine Schädeldecke, drängeln und provozieren ein explosives Feuerwerk. „Hej, etwas Zurückhaltung bitte, bis Silvester sind es noch ein paar Tage!“ Doch sie geben keine Ruhe, springen beharrlich auf und ab, fordern den Rückblick auf Zeiten in denen ich selbst noch ein Dreikäsehoch war. Und dann passiert es: miss sophie wird sentimental & wehmütig…

Als ich wieder erwache aus meiner kleinen Retrospektive sehe ich, wie der Hosenscheißer beherzt in die Lebkuchentüte greift, die Mama ihm unter die Nase hält, weil der schmetternde Gesang nun doch ein paar Nörgler aufs Spielfeld befördert hat. Das Tirilieren setzt augenblicklich aus, die Augen des kleinen Fratzes beginnen zu leuchten und die kleinen Pausbacken mahlen freudig drauf los. Das Weihnachtsdrama – ein Streit unter Reisenden – wurde in letzter Sekunde erfolgreich abgewendet. Beruhigt tauche ich wieder in meine Gedankenwelt ab.

Ja, das Jahresende ist doch immer eine ganz besondere Zeit… Während es für Viele eine Zeit ist, in der sie das Jahr noch einmal Revue passieren lassen, auswerten was gut und was schlecht war,  Pläne schmieden was im nächsten Jahr alles anders werden soll und eine Liste von Vorhaben erstellen, die sie dann – je nach Typ – gleich am ersten Tag des neuen Jahres wieder über Board werfen oder verbissen daran arbeiten, beobachte ich in dieser Zeit immer viel und stelle mir vor, wie die einzelnen Personen, die ich da beobachte wohl die letzten Tage des Jahres verbringen. Und das kann eben sehr unterschiedlich sein. Von ’beneidenswert’, über ’zum brüllen komisch’, bis hin zu ’verschone mich’…

Hach ja….gemütlich und friedlich beisammen glucken. Wer das tut, hat das Prinzip der Weihnachtszeit verstanden: Nämlich das harmonische Zusammensein mit seinen Lieben. Gut, in manchen Familien artet die eigentlich besinnliche Weihnachtszeit oft auch in eine Zeit der ’sportlichen’ Höchstleistungen aus. Es folgt und kreuzt nämlich ein Marathon den Nächsten. Der Essmarathon. Der wir-hasten-von-einem-Familienmitglied-zum-nächsten-Marathon. Der wir-rupfen-den-Geschenkeberg-auf-Marathon. Oder aber auch der wir-lassen-die-Festzen-fliegen-Marathon und holen mal alles auf den Tisch, was sich das ganze Jahr über so angestaut hat. Ja, die Gunst der Stunde, da man mal wieder alle an einen Tisch bekommen hat, wird nicht zuletzt oft genutzt um endlich mal wieder einen kräftigen Streit vom Zaun zu brechen.

Noch mitten in Gedanken, drängt plötzlich bitterliches, sirenenartiges Schluchzen an mein Ohr. Der Hosenscheißer hat das Lebkuchenessen beendet, um stattdessen beherzt mit seinen Schokoladenfingern nach Mamas Seidenbluse zu greifen. DIE Seidenbluse, die sie eigentlich furchtbar hässlich findet, die doch aber ein Geschenk der lieben Schwiegereltern war, was sie heute extra vorführen wollte. Und während Mama noch nicht weiß ob sie lachen oder weinen soll, hat sich der Hosenscheißer eben für lautstarkes Heulen entschieden. Zum einen, da Mama und Papa im Eifer des Gefechts wohl ein sehr betroffenes Gesicht gemacht haben. Zum anderen, weil sich die lieben Mitreisenden mal wieder einmischen… Und während die eine Hälfte meines Hirns das Gedankenreich nur sehr langsam verlässt, ist der andere Teil meines Geistes sofort hellwach in der Realität zurück und kommentierte lustig drauf los: „Oh du Fröhliche!“

Generation Roboter

Eine sehr weise Person fragte mich einmal: „Sie denken wohl auch Sie sind ein Roboter?“ Im ersten Moment empfand ich diese Aussage nur als eines: komisch. Ich, ein Roboter? Eine lustige Vorstellung. Wie kam Sie nur darauf? Nach gründlichem Nachdenken, Sackenlassen und immer wieder Hin-und-Her-Drehen befand ich jedoch, dass diese Person wohl etwas Recht hatte. Nicht zu wenig wurde ich auch schon von Anderen als ‚Hans Dampf in allen Gassen‘ oder als ‚Hamster im Laufrad‘ betitelt. Das war also meine Erkenntnis. Doch dann kam die weitaus schwierigere Frage: Warum?

Und dann fiel mir auf, dass es vielen Menschen in meinem Alter so geht. Auch in meinem Bekanntenkreis. Also kein Einzelfall, sondern fast schon ein Generationsproblem.  Viele +-30er stecken mehr oder weniger mitten in der Frage fest: Was will ich eigentlich vom Leben? Und was will das Leben von mir? Und wie kann ich das Eine mit dem Anderen verbinden? Und das möglichst im Einklang.

Ich will hier mitnichten an die alte Leier: „Früher war Alles besser.“  anknüpfen oder befürworten. Und ich will hier auch keinesfalls eine Mitleidshymne auf die Generation +-30 halten, aber ich würde dennoch behaupten: „Früher war (Alles) anders!“

Die Generation +-30 hastet durchs Leben. Ihre ‚Mitglieder‘ sind, anders als in den Generationen vor Ihnen, auf sich selbst gestellt.  Sie haben gelernt die Bedürfnisse Anderer zu erfüllen und darüber verlernt ihre Eigenen zu erkennen. Sie sind darauf geeicht, dass Scheitern etwas Schlimmes ist und sind deshalb oftmals nicht in der Lage (privat) klare Entscheidungen zu treffen. Sie sind versiert darauf zu funktionieren und scheuen sich deshalb davor wahre Gefühle zuzulassen bzw. tun sich schwer damit. Sie haben verlernt zu wissen was sie wollen und sich darüber ein stückweit selbst verloren. So sind viele heutzutage gerade einmal mit dem Studium fertig und fühlen sich schon ausgebrannt und leer. Denn sie pendeln ständig zwischen der Suche nach Selbstverwirklichung und dem Druck sich anpassen zu müssen. Dann wird man belächelt. Man solle sich nicht so haben, nicht so jammern. Aber wir jammern nicht. Wir haben nur andere Lebensumstände, die offenbar diskrepant sind. Vielmehr ist es auch so, dass diese Generation verlernt hat ‚Probleme‘ zuzugeben, Schwächen einzugestehen und darüber zu sprechen, sich zu offenbaren. Und das ist ein Zustand, der Viele daran hindert sich und ihrem Weg zu vertrauen. Der viele umhertreibt…

Aber was treibt uns so an? Wer ist hinter uns her? Wer oder was hindert uns?

Die Familie? Die Freunde?  Die Gesellschaft? Die Gesellschaft verlangt Fachidioten mit Rundumwissen, Allwissende mit Fachkenntnissen. Sie erwartet konstante Leistung und das teilweise über menschliche Grenzen hinaus. Die Gesellschaft verlangt nach ‚Robotern‘. Wer keiner ist fällt durchs Raster. Wird als gescheitert abgetan. Also hasten wir. In der Hoffnung unser Leben zu füllen und das aufkommende Gefühlsdesaster nicht spüren zu müssen. Die Freunde befinden sich in ähnlich chaotischen Lebenslagen. Auch auf der Suche nach ein bisschen Ordnung. Und die Familie hat sich von den Idealvorstellungen hin zu Individualkonstellationen entwickelt. Zwar sind wir zugegeben in angenehmeren politischen und sozialen Umständen aufgewachsen als unsere Vorfahren, dafür wurden wir schneller auf unsere eigenen Füße geworfen. Anleitung gab es kaum, nur Hinsehen und ein Gespür dafür entwickeln was gefragt ist und was nicht. Das fordert nicht nur, sondern überfordert auch. Deshalb klammern sie sich hin und wieder an ‚Dinge & Personen‘ um einen Anker zu haben, aus Angst sonst allein zu sein. Und dennoch: Die Generation +-30 ist ständig am Ausloten, am Suchen, am Testen. Ein Missverhältnis. Sie hat gelernt, dass es etwas wie den Idealzustand & Zufriedenheit nicht gibt. Hat man etwas erreicht darf man sich nicht ausruhen, sondern ist angehalten die nächste Stufe zu erklimmen um Eltern, etc. stolz zu machen, Anerkennung zu erlangen, sein Leben für wertvoll zu erachten.

Aber wo bleibt bei alledem Platz fürs ‚Leben‘? Wo bleibt Raum fürs Spüren? Oder warum fällt es uns so schwer das ‚Leben‘ zuzulassen? Ist es wirklich das Raster, durch welches wir glauben zu stürzen, wenn wir uns ein bisschen mehr selbst kennenlernen? Wenn wir den Roboter ein bisschen mehr ablegen und unser wahres Gesicht zeigen?

Und wäre es tatsächlich so oder würde sich die Gesellschaft mit etwas Anlaufzeit auch darauf einstellen? Bzw. sind wir nicht selbst mit dafür verantwortlich die Gesellschaft zu gestalten? Sollten wir nicht wenigstens versuchen unser Leben zu leben? Sind wir nicht eigentlich von Denen fasziniert, die es schaffen ihr Leben zufrieden, energiegeladen und frei zu leben und auszukosten? Und kann das nicht  anstecken? Ein Versuch lohnt!

Zugegeben: Es braucht einen Hauch ‚Ansteckung‘ und Faszination, die den Schubs gibt. Und eine große Portion Mut den Roboter zu verlassen, seinen Weg zu gehen und zu genießen. Es ist wohl schwierig, aber nicht unmöglich….

Singles – Die Solisten der Gesellschaft

Nachdem mir letztens zu Ohren gekommen ist, dass Großstadtsingles neurotisch sind und sich deshalb nicht wundern bräuchten, wenn sie Single bleiben, habe ich mal wieder meine Argusaugen und -ohren geschärft & gespitzt und mich ein wenig umgehört. Natürlich will ich nicht abstreiten, dass es neurotische Singles gibt. Ein Klischee hat ja auch seinen Ursprung. ;) Aber oft wird dieses Bild eben von den Schrulligsten geprägt und hat mit der breiten Masse wenig zu tun. Das jedoch nur am Rande. Viel fragwürdiger fand ich die eigentliche Botschaft dieser Aussage: ‚Single sein ist ein Mangel.‘ Sogleich stellte sich deshalb mein Gerechtigkeitssinn ein und fragte sich: Wer sagt denn, dass der Single nicht auch gern ein Single ist und bleiben will? Wer sagt, dass er/sie unter dem ‚Zustand‘ leidet? Ich nenne es auch im Folgenden einfach weiterhin ‚Zustand‘, denn oft wird ja so getan, als wäre es eine absolut unerträgliche Situation, aus der man möglichst schnell erlöst werden müsse. Und wieso wird sofort davon ausgegangen, dass etwas am Single nicht stimmen kann, weil er/sie single ist? Denken wirklich die meisten so, oder ist oben genannte Aussage nur eine Ausnahme?

Zwar wird heute immer wieder von einer Singlegesellschaft gesprochen – es gibt angeblich immer mehr, man kann immer öfter kleine Wohnungen mieten, es gibt kleine Verpackungsgrößen im Supermarkt, etc. – gleichwohl ist die Gesellschaft nicht auf Singles ausgerichtet. Alles dreht sich immer nur um Paare, Partnerschaft und Beziehungen. Indirekt herrscht eine Pärchendiktatur. Und so bleibt der Single meist Einzelkämpfer. Besonders schwierig ist es für diejenigen, die sich als einziger Single unter lauter Pärchen befinden. Und das sind dann wohl auch die, die ihren Status hin und wieder selbst beweinen und damit wunderlich wirken. Zwar hat man auch andere gesellschaftliche Rollen als nur Partner oder Freund zu sein, aber was sie immer wieder vor Augen geführt bekommen ist: Da fehlt was, wenn da Niemand ist. Denn wer als Single unter Pärchen seine Freizeit nicht rechtzeitig organisiert schaut oftmals dumm aus der Wäsche. Paare warten nämlich nicht auf die Frage: „Lust was zu unternehmen?“ Und Paare sehen auch nicht die Notwendigkeit augenblicklich darauf zu antworten, damit besagter Single bei einer Negativantwort gegebenenfalls noch ein anderes Pärchen fragen kann. Wenn es der Single dann doch geschafft hat seine Pärchenfreunde zu mobilisieren bekommt er/sie die volle Dröhnung. Denn dann sitzt er/sie mutterseelenallein zwischen zärtlich turtelnden oder auch streitenden Pärchen. Und das was er am Singleleben hat verpufft. Was für ein Horror. Doch letztlich ist es dann wieder der Single der sich anstellt und den anderen ihr Glück nicht gönnt – angesichts streitender Pärchen ein eher lächerlicher Vorwurf :P

Dem Single der heutigen Gesellschaft wird oft persönliches Versagen auf emotionaler Ebene und damit einhergehend, eine gewisse Lebensleere unterstellt. Das ist für betreffende Personen nicht nur wahnsinnig kränkend, sondern irgendwie auch ein trauriges Zeugnis unserer Gesellschaft. Natürlich denken nicht alle so über Singles. Und viele tragen diese Meinung sicher auch ehr unbewusst mit sich herum, meinen es wohl gar nicht böswillig. Aber warum herrscht inzwischen überhaupt ein solches Bild in der Gesellschaft vor? Waren es nicht einst noch die Singles, die beneidet wurden? Die als rebellisch und bewundernswert galten? Warum sind sie nun die mit dem monströsen Problem, mit dem schweren Schicksal?

Der Grund für das in vieler Augen beklagungswürdige Bild des Singles mag unter anderem darin liegen, dass Familie und Partnerschaft heute wieder einen viel größeren Stellenwert einnehmen. Aber dann heißt es bei Singles oft: „Ach wie, du kommst allein, du Armer!“ Wobei, vielleicht sollte es auch eher noch heißen: „Du Arme!“ Denn wie ich ebenfalls beobachtet habe, macht die Gesellschaft da noch einen gehörigen Unterschied zwischen Singlemännern und Singlefrauen. Während Männer doch hin und wieder noch für ihren ‚Zustand‘ beneidet werden, werden Frauen eher bemitleidet. Ja, während man Männern noch zuschreibt, dass sie ihr Solistendasein frei wählen, unterstellt man Frauen oft genug einfach nur einen Defekt. Man geht davon aus, dass sie ihre Situation verabscheuen und eigentlich immer auf der Suche nach ‚Mr.Perfect‘ sind, den sie aber ohnehin nicht finden, weil es ihn gar nicht gibt. Wer das nicht zugeben will, gilt schnell als seltsam. Wenn man aber einräumt, doch auch gern einen Partner haben zu wollen, wird gleich der letzte übrig gebliebene Singlefreund des Abends vorgestellt. Und wieder bekommt der Single damit den Stempel ‚Allein bist du Nichts!‘ aufgedrückt. Wenn sich besagter Single dann auch noch erdreistet den Angebotenen zu verschmähen, wird er/sie als undankbar, zu anspruchsvoll und demnach ohnehin nicht für eine Beziehung geeignet abgetan. Dabei lassen Personen, die solche Verkupplungsaktionen starten, hin und wieder außer Acht, dass auch ein Single ein menschliches Wesen mit eigenem Willen, Interessen und Vorlieben ist. Und vielleicht möchte sich dieses Wesen eben nicht einfach mit jedem X-Beliebigen verpaaren lassen, nur um nicht mehr Single zu sein. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass Freunde vielleicht sogar ein Gespür dafür haben können, wer zusammen passt und wer nicht, aber all zu oft ist es eben doch nicht der Fall, weil die Auswahl derer, die überhaupt noch in Frage kommt, bereits sehr aufgeräumt ist.
Zudem wird dabei auch immer wieder gern außer acht gelassen, dass es durchaus Frauen und Männer gibt, die diesen ‚Singlestatus‘ frei wählen. Aus welchen Gründen auch immer, die Bandbreite ist ja groß. Sie wollen einfach nicht!!! Sie haben Spaß daran Single zu sein. Denn sind wir mal ehrlich: Es gibt so viele schreckliche Beziehungen, so viele grässliche Ehen. Und warum bleiben sie zusammen? Druck der Gesellschaft? Angst vor dem Alleinsein? Damit man einen Zeitzeugen seines eigenen Daseins hat? Aber nein, niemand fragt: „Warum hast du denn jetzt einen Partner?“ oder „Warum bist du denn noch immer mit deinem Partner zusammen?“ Aber alle fragen: „Warum hast du denn keinen Partner?“

Der heutige Single – egal ob freiwillig oder notgedrungen – steht dadurch permanent unter einer Art Rechtfertigungsdruck. Ständig muss er sich vor anderen und auch vor sich selbst erklären und hinterfragen.  Warum bin ich Single? Will ich das? Wenn nicht, warum bin ich immernoch allein? Kein Wunder also, dass man da als Single schlechte Laune bekommt und eigentümlich wird. Irgendwann färbt sowas ja schließlich auch ab und am Ende glaubt man vielleicht selbst noch daran beziehungsunfähig zu sein und sucht die Fehler bei sich. Und obendrauf wird der arme Single dann dafür auch noch als neurotisch beschimpft. Na herzlichen Glückwunsch lieber Gesellschaftssolist. 100 Punkte für den Kandidaten.

Ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen, Akzeptanz und bis zu einem gewissen Grad vielleicht auch Verständnis auf beiden Seiten würde eine Annäherung begünstigen. Dann wäre das Bild der Singles vielleicht weniger von Neurosen geprägt und das der Pärchen nicht mehr so klischeebeladen dominant.

No risk BUT fun

Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch über menschliches Handeln. Menschliches Handeln in Bezug auf die eigenen Gefühle und die von anderen. Kurzum: menschliches Handeln in der Phase des Kennen- und Liebenlernens.

Und schnell kamen wir zu der Frage: Was ist los in der Welt? Warum bekommen immer mehr Menschen schiss vor ihrer eigenen Courage. Detaillierter gesagt: Schiss vor ihren eigenen Gefühlen. Warum verlässt viele der Mut genau an der Stelle, wo etwas Aufrichtiges beginnt?

Da treffen sich zwei Menschen, sind fasziniert voneinander. Lernen sich kennen. Vielleicht ein wenig  schnell, weil die Faszination sie all ihre Ängste über Board werfen lässt. Sie genießen den Moment. Und dann ganz plötzlich und unverhofft schlägt er zu, der kleine Teufel Furcht. Dann verlässt sie der Mut und das eben noch positiv Empfundene lähmt. Meist nur einen von beiden. Und deshalb bitter für den anderen. Der nun dasitzt und sich fragt: Was ist passiert? Eben sagtest du noch „Alles wird gut“. Und plötzlich? Keine Nachricht, keine Antwort. Kein Interesse?

Mein Gesprächspartner war der Meinung, dass viele Menschen ihr eigenes Tun null reflektieren und ihnen deshalb auch nicht auffällt, dass sie andere Menschen damit möglicherweise verletzten. Sie wollen Spaß. Spaß aber keine Verpflichtung. No risk but fun. Und so schieben sie ihre Ängste und Macken als Entschuldigung und Erklärung für das plötzliche Ende vor. Denn so müssen sie sich nicht mit sich auseinandersetzen. Das ist wiederum der Grund, weshalb sie auch gar nicht auf die Idee kommen, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Dadurch fällt ihnen natürlich auch nicht auf, dass Wertschätzung und Respekt dem anderen gegenüber nicht zu ihrem Repertoire gehört. Bzw. es sei ihnen scheißegal….

Meine Idee, dass diese Menschen vielleicht auch einfach nur Schiss vor ihren eignen Gefühlen und Veränderung haben könnten, stellte mein Gesprächspartner mit dem Satz „Ich glaube du schätzt das Denken vieler Menschen viel zu komplex ein!“ in Frage. Und ich kam ins Grübeln. Denn sollte das tatsächlich so sein, wäre das ziemlich trostlos. Und deshalb möchte ich auch einfach nicht an diese Variante glauben. Oder sagen wir: Nicht alle über diesen Kamm scheren. Ich stimme ihm in sofern zu, dass es sicherlich derart egomane Menschen gibt. Aber ich möchte auch daran glauben, dass es andere Gründe für derlei Verhalten gibt. Einfach weil ich nicht daran glauben möchte, dass unsere Gesellschaft schon so weit „verkommen“ ist. Und auch weil die andere Denkweise bedeuten würde, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Ich möchte aber die Hoffnung darin nicht verlieren, dass ein Mensch sich ändern kann. Dass er nicht nur Geisel seiner Vergangenheit, sondern auch Creator seiner Gegenwart und Zukunft sein kann.

Neben der Egomanie ist es wohl oft auch einfach nur mangelndes Interesse, was die Personen von einen auf den anderen Moment zum Rückzug bewegt. Immerhin ist unsere Gesellschaft heute zu großen Teilen so beliebig und offen, dass Jedermann wild auswechselbar ist. Verlust wird nicht als solcher empfunden. Jedenfalls nicht der eines gerade kennengelernten Menschens. Denn man lässt es ja gar nicht erst soweit kommen, dass es ein Verlust werden könnte. Man lässt sich wild und ungestüm auf Dinge ein, weil man weiß, dass man sie ohnehin gleich wieder beendet. In diesen Fällen ist es für den Gegenpart natürlich umso schmerzlicher sich eingestehen zu müssen, dass all die Worte und Taten nur so dahingesagt waren.

Möglicherweise ist es also auch eine plötzlich emporsteigende Angst, die dem sich anbahnenden Glück einen Strich durch die Rechnung macht. Zumindest möchte ich das, so gutgläubig das auch klingt, glauben. Ein Fünkchen Vergangenheit, die einem der sich Annähernden in derartige Unruhe versetzt, dass er/sie lieber die Segel streicht und die eben noch herrschende Entspanntheit und Nähe in Distanz umwandelt. Der nicht gewillt ist seine Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen. Der nicht bereit ist dem Menschen gegenüber eine Chance zu geben, auch wenn er/sie doch eigentlich spürt, dass es gut werden könnte. Aber gut werden bedeutet eben immer auch etwas verlieren zu können. Und das ist es wohl, was sie ängstigt. Ihr Gesicht zu verlieren, sich zu verlieren, etwas zu verlieren, was ihnen ans Herz gewachsen ist.

Und manchmal entscheiden diese Menschen dann, wahrscheinlich oft auch unbewusst und deshalb vielleicht auch etwas vorschnell, dass der andere nicht ausreicht. Geben der „Sache“ keine Chance sich zu entwickeln. Lassen sich von Kleinigkeiten abschrecken und  entscheiden sich stattdessen weiter nach dem Perfekten zu suchen, was es ohnehin nicht gibt. Jedenfalls nicht sofort und dauerhaft. Ist ja auch einfacher, als vielleicht auch einmal auf sich selbst zu schauen. Eigenheiten, Verrücktheiten und die eigene Vergangenheit sind ja nichts Schlimmes, solange man sie sich nicht zum Lebensmittelpunkt macht, sich darüber definiert und sie dadurch zu Gegenwart und auch zur Zukunft macht. Und dennoch tun sie dies in genau diesen Momenten. Aber warum entscheiden sich so viele Menschen für diesen Weg? Anstatt ein wenig zu reflektieren, sich mit ihren eigenen Ängsten auseinanderzusetzen und sich die Chance auf eine andere Gegenwart und Zukunft zu geben? Ja, ihre Vergangenheit macht ihnen Angst und doch entscheiden sie sich immer wieder für sie.

Und so nachvollziehbar und menschlich diese Verhaltensweisen auf der einen Seite auch sind, desto unbegreiflicher sind sie auf der anderen. Denn wo bleibt der Mut? Wo bleibt das Bedürfnis oder die Bereitschaft nach/für Veränderung? Nach wahren Gefühlen? Was kann schon passieren? Ja, man kann verletzt werden, aber man lebt!

Ich für meinen Teil finde es bedauerlich, dass es immer weniger Menschen gibt, die bereit sind etwas zu riskieren. Die lieber von Bekanntschaft zu Bekanntschaft hüpfen um einfach nichts in ihrem Leben ändern zu müssen, um nicht verletzt zu werden und sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, als sich auf etwas wirklich Emotionales einzulassen. Weil es ihnen Angst macht? Weil sie denken etwas von ihrer Freiheit einzubüßen? Weil da ja noch etwas Besseres kommen könnte? Die auf der Suche nach Zweisamkeit, etwas Beständigkeit und Sicherheit sind, diese aber sofort im Keim ersticken, wenn sie auch nur aufzuleuchten beginnt. Weil Beständigkeit und Verlässlichkeit in der heutigen Zeit oft mit einer Art emotionalem Gefängnis gleichgesetzt wird. Aber warum?

Wenn all diese Mutmaßungen auch nur ein stückweit richtig sind, erstaunt es mich natürlich wenig, dass alte Werte wie Bindung und Verlässlichkeit immer weniger Bedeutung haben. Dass diese Werte immer mehr Angst machen und dazu führen, dass viele der Mut verlässt. Der Mut für etwas Wahres, Echtes, Festes.

Und auch wenn es naiv erscheint, denn selbst wenn jemand diese Verhaltensweisen an sich erkennt, muss es noch lange nicht heißen, dass er/sie sich ihnen stellt: Ich möchte daran glauben, dass es noch Menschen gibt, die bereit sind sich mit ihren eigenen Emotionen auseinanderzusetzen um so den Weg für eine Zukunft zu schaffen. In diesem Sinne: Es lebe das Fühlen und der Mut dieses auch zuzulassen. Denn wie heißt es so schön NO RISK, NO FUN.

Das Spiel ist eröffnet…

Mann trifft Frau. Frau trifft Mann. Ein Blick, ein Wort, ein Knistern. Interesse. Und eh man sich versieht, befindet man sich mittendrin im Spiel ‚Top oder Flop’. Wer die Spielregeln beherrscht kommt weit, wer nicht, hat Pech gehabt und fliegt schon in den ersten Runden aus dem Rennen.

Tag ein Tag aus sieht man sie, die Datenden. Und wenn man sie so beobachtet fragt man sich: In welchem Stadium des Spiels stehen die Beiden wohl gerade? Wer macht hier die Spielregeln und wer versucht sie zu befolgen? Werden sie Beide als Sieger hervorgehen, weil sie die Regeln beherrschen und umsetzen können? Werden sie siegen, weil sie bereit sind die Spielregeln zu durchbrechen und ihre eigenen aufzusetzen? Oder wird einer auf der Strecke bleiben, weil er nicht gewillt oder talentiert genug ist für dieses Spiel?

Wie wird immer und überall gesagt: „Du musst dich rar machen, dann wirst du interessant.“ Summa summarum bedeutet das, dass man sich verstellen muss. Beherrscht man das Spiel der Illusion, kann seine eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Emotionen gut in Zaum halten, sich rar machen und den/die Unnahbare spielen, wird man vom Spielpartner zum Ziel deklariert. Und mit etwas Glück laufen beide Spielpartner zeitgleich im Ziel ein. Beherrscht man es nicht, sondern signalisiert offen und ehrliches Interesse, zeigt sein wahres Ich, bleibt man leider oft genug auf dem Spielfeld zurück. Oft jedoch ohne, dass der andere Spielpartner das Spiel offen und ehrlich beendet. Stattdessen wird der Spielpartner auf die Abschussrampe oder ins ‚Time-Out’ verbannt. Der Köder ist ins Leere gelaufen. Zurück bleibt ein verletzter Spielkandidat mit Fragen über Fragen. Ein Spielkandidat, der mitunter vielleicht dem Spieltod geweiht ist, denn jedes verlorene Spiel wird ihn in seinem Grundfesten erschüttern. Und statt beim nächsten Mal eine andere Spielstrategie zu fahren, wird der Spieler noch verunsicherter sein und ohne es zu merken in die selben Fallen tappen wie eh und je. Und dann heißt es wieder: „RIEN NE VA PLUS!“

Aber warum werden Menschen, die dieses Spiel nicht beherrschen ganz plötzlich wieder uninteressant? Warum will man niemanden gewinnen, der weiß was er will und sein Ziel offen und ehrlich verfolgt? Was ist es, was den Jagdtrieb am Leben erhält? Warum spielen wir überhaupt? Ja, warum meinem Menschen, die eigentlich Interesse aneinander haben, miteinander spielen zu müssen? Und warum jagen und verlieben sich Menschen lieber (erstmal) in eine Illusion als in das Wahrhaftige? Wo bleibt denn da die immer gepredigte Selbstreflektion und emotionale Intelligenz?

Haben wir Angst eine klare Entscheidung zu treffen? Versuchen wir uns alle Türen offen zu halten? Sind wir auf der Suche nach dem Perfekten, was es ohnehin nicht gibt? Oder wollen wir einfach immer nur das, was wir (scheinbar) nicht bekommen können?

Ein Schritt vor, drei Schritte zurück! Aber kann es wirklich nur auf diese Art und Weise funktionieren das Interesse aneinander aufrecht zu erhalten, das Spiel erfolgreich zu beenden? Eine traurige Vorstellung! Eine Vorstellung an die ich nicht glauben möchte. Ich möchte daran glauben, dass es auch Menschen gibt, die ganz ohne Illuionsspiel zueinander finden. Ich möchte daran glauben, dass es Spieler gibt, die sich Regelverstöße verzeihen. Die beim versehentlichen Regelverstoß ihres Spielpartners nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und sich einen neuen Spielpartner suchen. Ich möchte daran glauben, dass man das Spiel umgehen kann oder seine eigenen Spielregeln aufstellen kann, um gemeinsam ins Ziel einzulaufen und sich den Hauptgewinn zu teilen. Denn desto mehr ich dieses Spiel betrachte, desto nachdenklicher stimmt es mich. Man spielt hier mit Menschen, mit Emotionen…

Die Kommunikation der Kommunikationslosen

Wir leben im so schön betitelten Kommunikationszeitalter. Was es nicht alles gibt, dass Kommunikation heute einfacher und vor allem auch schneller möglich ist. Kein verabreden wenn man sich sieht, sondern nur ein „wir simsen“ oder „wir mailen“. Kein „wollen wir unsere Nummern austauschen“, sondern ein schlichtes „Facebook?“.

All diese schönen technischen Gimmicks machen die Kommunikation aber nicht nur schneller, sondern auch unverbindlicher. Man sagt Treffen und Termine leichter wieder ab, man meldet sich nicht, etc. Was ist nur aus dem guten alten Dialog von du zu du geworden? Alles halb so wild, mag nun einer denken. Man muss eben sehr genau abwägen mit wem man in unserer so hektischen und schnelllebigen Zeit wirklich Zeit verbringen möchte. Ja, das ist in der Tat jedem selbst überlassen und sicher bin auch ich nicht davor gefeit. Aber bei manchen, so konnte ich in der letzten Zeit immer wieder feststellen, verkümmert die, ich will es mal „reale Kommunikation“ nennen, immer mehr. Ich frage mich gar manchmal, ob sie das Sprechen verlernt haben? Vielleicht bildet sich der Sprachmuskel ja mit zunehmender Technisierung der Kommunikation zurück…

So saß ich letztens, an einem miesepetrigen Sonntagnachmittag in einem gemütlichen Café, und konnte an meinem Nachbartisch ein junges Pärchen beobachten. Mein Alter, vielleicht etwas jünger. Man sollte meinen mitten im Lebend stehend, aufgeweckt und kommunikativ. Aber diese zwei Beiden hatten sich scheinbar nichts zu sagen. Denn jeder starrte und tippte unentwegt auf seinem Smartphone herum. Ich glaube in den 1 ½ Stunden, die sie dort neben mir saßen, haben sie kein einziges Wort miteinander gewechselt. Das höchste der Gefühle war die Bestellung an den Kellner. Also wenn sie dort gesessen hätten und sich unentwegt stumm in die Augen gestarrt hätten… Dann wäre da noch so etwas wie ein Funke Interesse mitgeschwungen und man hätte die Wortkargheit einer faszinierten Sprachlosigkeit zuschieben können. Aber so? Man kann sich ja nun vieles zusammenreimen, aber ich kam immer wieder zu der selben Erkenntnis: Wie traurig! Und was für eine Geldverschwendung. Also anschweigen könnten sie sich auch billiger…

Dank Smartphone, Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. gibt es auch unter Freunden einen neuen Freizeittrend. Das gemeinsame Treffen zum Smartphoniesieren. Spieleabend, Videoabend oder gar gemeinsames Kochen und Quatschen? Sind out. In ist wer drin ist. Im Netz. Dauernd und immer abrufbar. Und so kann man seit neusten immer wieder Gruppen junger Menschen beobachten, die abends in einer Kneipe um einen Tisch herum sitzen, und alle auf ihren Smartphones herumschieben, tippen, etc. Immerhin sie haben Spaß. Zumindest ihrem lauten Lachen nach zu urteilen. Bei genauem Hinsehen muss man jedoch eingrenzen. Denn sie lachen nicht miteinander sondern für sich. Allerdings wird sich hier aber hin und wieder gegenseitig das Smartphone unter die Nase gehalten, um die neusten Errungenschaften der virtuellen Welt zu präsentieren. Da ist er also noch, der Funke leibhaftiger Kommunikation. Ein Anfang von zurück zur „realen Kommunikation“. Man will also nicht allein sein, hat sich aber dennoch nicht zu sagen? Herje… Ich will nicht behaupten, dass alle Besitzer neuer technischer Kommunikatiosgimmicks so sind. Und ich habe auch nichts gegen all diese technischen Kommunikationsmittel. Auch ich verschicke sicherlich mal eine SMS, wenn ich mit jemand anderen unterwegs bin. Aber wenn ich mich treffe, dann treffe ich mich auch. Ich bin an dem Menschen interessiert, nicht nur an seinem Antlitz. Aber diejenigen, die so sehr an ihre virtuellen und technischen Kommunikationsmittel gefesselt sind, wohl nicht. Nicht auszudenken, wenn ihr treuer Wegbegleiter mal den Geist aufgibt. In diesem Fall müssen sie sich wohl fühlen, als wenn man ihnen das Lebenselixier entzogen hat… Da kann man ja schon fast Mitleid bekommen.

Die Krönung des ganzen kommunikationslosen Kommunikationswahnsinns sind jedoch die Pärchen, WG-Partner & Familien, die sich in der selben Wohnung befinden, aber anstatt drei Schritte zu gehen und sich Dinge persönlich mitzuteilen, die moderne Technik für die zwischenmenschliche Kommunikation verwenden. Da wird sich via Skype oder WhatsApp unterhalten. „Hey Schatz, du glaubst nicht, was mir heute passiert ist…“. Da werden keine gemeinsamen Brettspiele mehr am Tisch gemacht. Nein, da sitzt einer da in seinem Kämmerlein, der andere drei Meter durch eine Wand entfernt. Und man spielt gemeinsam Online-Games. Da wird nicht mehr zusammen im Wohnzimmer gesessen und vorgelesen. Da sitzt man, wie die Hühner auf der Stange, nebeneinander auf dem Sofa. Jeder mit einem Smartphone, IPad oder ähnlichem in der Hand, abgetaucht in seine eigene Twitter-, Facebook- oder Was-auch-immer-Welt. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass man sich morgens auf dem Flur begegnet und denkt: Wer bist du denn?

Ich für meinen Teil frage mich: Wozu bitte lebt ihr mit einem Partner zusammen? Warum lebst du in einer WG? Oder sind diese Menschen vielleicht sogar glücklicher, als diejenigen ihrer Zeitgenossen, die sich nach „realer Kommunikation“ sehnen, sie aber nicht bekommen? Weil sie sich schneller zufrieden geben? Nämlich mit einem Wort oder einer Emoticon auf einem Bildschirm? Weil sie gar nicht bemerken, dass sie ein Mensch sind, der eigentlich ein Herdentier ist und nach Gemeinsamkeit strebt?

Wenn ich mich so betrachte: Ich jedenfalls „verzehre“ mich nach realer menschlicher Kommunikation. Nach einem Gegenüber, dem ich beim Kommunizieren in die Augen schauen kann. Dessen Mimik und Gestik ich sehen kann. Dessen Gefühle ich erahnen kann. Und die? Haben es nicht nötig. Schicken sich Smilies. Is‘ ja natürlich auch viel aussagekräftiger als sich gegenüberzusitzen, in die Augen zu schauen und zu erahnen, was der Partner, der Kumpel, die Schwester, etc. gerade so denkt und fühlt. Seufz!

Und das ist sie dann also, die Kommunikation der Kommunikationslosen. Ich habe beschlossen: Da mache ich  nicht mit. Zwischen den kleinen Anfällen technisierter Kommunikation harre ich aus und warte auf die großen Momente. Die reale Kommunikation von du zu du.