Sprücheklopfer

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Es gibt Sprüche die sind lustig. Es gibt Sprüche die sind schlagfertig. Und es gibt Sprüche die sind einfach nur zum Schreien. Weil man sie immer wieder hört, weil sie eingebildet klingen, oder weil sie einfach unüberlegt und geschmacklos sind. So wurde ich erst letztens wieder in einem Club gefragt: „Sag mal kennen wir uns nicht irgendwoher?“ Wer kennt diesen Spruch nicht und – Asche auf mein Haupt – ich habe diesen Spruch sicher auch schon gebracht. Aber dann war es auch wirklich der Fall. Kommt ja eben hin und wieder vor, dass man meint den Einen oder Anderen schon einmal gesehen zu haben. In den meisten Fällen kommt diese Frage aber nur aus mangelnder Kreativität oder aus Verlegenheit. Aus Verlegenheit ist auch noch irgendwie „süß“, aber gepaart mit einem vor Selbstbewusstsein strotzenden, selbstverliebten Menschen finde ich diesen Spruch einfach nur zum wegrennen. Eine Freundin erzählte mir, sie habe da einen ganz besondere Antwort, mit der sie in solchen Fällen jede weitere Annäherung sogleich unterbindet: „Kann sein, ich arbeite in einer Klinik für Geschlechtskrankheiten.“ Autsch…

Das ist also eine Möglichkeit einem lästigen „Sprücheklopfer“ zu begeben. Mit den eigenen Waffen schlagen und ebenfalls Sprüche klopfen. Was für ein Fest, wenn in einem solchen Moment ein passender Spruch ins Gehirn schießt und sich seinen Weg übers Sprachzentrum nach außen bahnt. Was für eine Freude, wenn dem Gegenüber dann die Gesichtszüge entgleiten. Nein, eigentlich bin ich nicht schadenfroh, aber es gibt doch hin und wieder Situationen in denen ich nicht übel Lust habe zu kontern und das mitunter nicht zimperlich. Zwei weitere Varianten einem „Sprücheklopfer“ entgegenzutreten sind: Erstens, das Ignorieren – die wohl einfachste und durchaus auch effektive Variante um Jemanden abzuschütteln. Allerdings nicht bei ganz hartgesottenen Fällen. Diese sind nämlich in der Regel so von sich selbst überzeugt, dass sie glauben es würde sich dabei um ein Spiel handeln und man signalisiere nur „nein“, meine aber „ja.“ Die zweite Möglichkeit ist es, blöd zu gucken und irgendwas Unüberlegtes zu entgegnen – die wohl häufigste, weil intuitivste Variante.

Gleichwohl ist das Voranpreschen mit derbem Kontern nicht immer die beste Wahl. Eher sollte man sehr genau prüfen, welche Reaktion für welchen „Sprücheklopfer“ angebracht ist…

Denn da gibt es auch die gutgemeinten Sprüche. Jene, womit der „Sprücheklopfer“ seine eigentliche Anteilnahme ausdrücken möchte, es aber hinter irgendwelchen Floskeln versteckt, weil er/sie das Thema nicht direkt ansprechen mag. So zum Beispiel die liebe Family. So höre ich jedes Mal wenn man mich sieht: „Kind, du bist schon wieder dünner geworden.“ Fakt ist: Wenn das der Tatsache entsprechen würde, wäre ich bereits nicht mehr existent. Bin ich aber. Und wie. Also alles halb so wild und auch nur ein Spruch der aus ihrem Drang heraus entsteht, unbedingt etwas zu meinem Äußeren sagen zu müssen. Deshalb verfehlt er aber zumeist auch die gewünschte Wirkung, denn ähnlich wie bei „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“, geht dieser Spruch bei mir ins eine Ohr hinein, dreht ein paar Kreise im Gedankenkarussel, und geht dann unkommentiert zum anderen Ohr wieder hinaus. Nicht die feine Art, aber was soll man da schon jedes Mal drauf antworten? „Da bin ich auf den Rad wenigstens schön windschnittig.“, „Dafür spar‘ ich beim Duschen Wasser!“, oder „Aber sehen kannste mich schon noch?“. Wohl etwas zu hart für meine liebe Family, sie meint es ja nur gut. Und die Family darf ihre Anteilnahme auch mal mit Sprücheklopfen ausdrücken. Bei Anderen hingegen kann es durchaus witzig werden, die Auswirkungen dieser Antworten zu testen: Schnappatmung und verdutzte Gesichter :)

Und da wären wir schon beim nächsten Spruch: „Was machst du denn für ein Gesicht?“ Was ist denn das für eine blöde Frage?! Als ob ich mich selbst sehen könnte. Da helfen also nur Antworten wie: „Ich habe versucht gleich blöd zu schauen wie du.“ Oder Gegenfragen wie: „Was mache ich denn für ein Gesicht?“ Allein das reicht meistens schon aus, um das Gegenüber ins Stottern zu bringen.

Also merken: Wirklich lästigen „Sprücheklopfern“ legt man das Handwerk nur, indem man ihre eigenen Waffen aufgreift. Bei allen Anderen sollte man ein Auge zudrücken. Immerhin wird man sich auch selbst irgendwann man in der Lage befinden in die Kategorie des „Sprücheklopfers“ gerutscht zu sein. Und dann hofft man ja auch, dass das Gegenüber Gnade vor Recht ergehen lässt.

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Ammenmärchen

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Ein Sonntagnachmittag. Ich sitze auf einer Bank auf einem öffentlichen Platz und lese. Vertieft. Abgetaucht in einer andere Welt. Bis mich etwas von vorn anbrüllt und sich in meine Phantasiewelt drängelt. Ich hebe den Kopf und sehe einen Mann. Gruselige Gestalt. Er röhrt in sein Telefon. „Ey kommste mit? Ick will zu nem Freund, da is voll wat los.“ Und mir schießt, inspiriert von meiner Lektüre, sofort ein Gedanke in den Kopf: „Nimm dich in Acht vor dem bösen Mann.“ Ich lenke meine Aufmerksamkeit also wieder meinem Buch zu, denn er kann unmöglich mich meinen. Doch es grölt abermals: „Da kiekt se weiter in ihre Seiten. Ick rede mit dia.“ Ok, der meint wohl doch mich. Ich schaue also wieder auf, erbarme mich und schüttele mit dem Kopf. Dann widme ich mich abermals meinem Buch, weil ich die Sache damit als erledigt betrachte. Doch er scheint das anders zu sehen und brüllt seinem Anrufer entgegen: „Da lächelt se sanft und schüttelt den süßen Kopp. Ick glob et ihr nich.“ Schmetternd wetternd geht er ab. Die Leute um uns herum sind aufmerksam geworden und schauen mich neugierig an. Ja was denn? Noch nie davon gehört, dass man nicht mit fremden Männern mitgehen soll?

Und außerdem: Wer um alles in der Welt hat eigentlich dieses (Ammen)Märchen vom Prinzen auf dem weißen Pferd in die Welt gesetzt bzw. in die Köpfer vieler weiblicher Wesen verpflanzt? Die Realität sieht ja wohl mal ganz anders aus, wie diese Szene eindrucksvoll beweist. Nämlich ernüchternd. Dabei wäre mir der Prinz auf dem weißen Pferd durchaus lieber, als diese eigentümlichen Gestalten. Denn der Prinz hätte es wohl auch drauf, diese Situationen um einiges romantischer zu gestalten…

Aber wenn ich so recht überlege sind es immer nur die Rumpelstilzchen die in meinem Alltag vorbeipreschen, schlurfen, etc. Da gibt es z.B. Penner die nachts im Bus hinter einem sitzen und einem mit ihrem schmierigen Finger im Rücken herumbohren und ins Ohr wispern. Seitdem fahre ich Rad. Da gibt es Exhibitionisten, die meinen an sich herumfummeln zu müssen, wenn man des nachts an ihnen vorbeigeht. Auch da kann das Rad Abhilfe schaffen. Da gibt es Dönerstandinhaber, die mit abgedroschenen Sprüchen wie: „Hey, willste n Döner, macht schöne Frauen noch schöner!“ hinter einem herrufen. Und da gibt es Teenager, die halb so alt sind wie man selbst, die dir auf offener Straße hinterherpfeifen und Sprüche hinterherbrüllen, die du danach erst einmal übersetzen musst: „Ey, du bist ma vierlagig lecker.“ Vielen Dank für die Blumen, aber wo bleibt denn nun der Prinz?

(EIN)Bildung

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Wie heißt es so schön: „Einbildung ist auch eine Bildung“. Schade nur, wenn sie die Einzige ist. Das kommt zum Glück nicht alllllll zu oft vor, denn diese Fälle verursachen ein ungutes Gefühl und bei mir letztlich folgende Reaktion: Wer nicht selbst denkt, sollte wenigstens ab und zu seine Vorurteile und Klischees neu gruppieren. Durchaus häufiger vertreten sind die Fälle, welche hin und wieder an ein wenig Selbstüberschätzung leiden. Sie sind harmlos und letztlich immer für einen Schmunz’ler gut.

Zu den Harmlosen gehören unter anderem das unerschütterliche Selbstbildnis mancher Zeitgenossen. So beobachte ich immer wieder Menschen, die sich für die Attraktivität in Person halten, dabei sind sie ganz durchschnittlich – was jetzt hier keinesfalls als schlecht dargelegt werden soll. Dies ist mir bisher vor allem bei Männern untergekommen. Ich betone bisher und mir. Es gibt sicherlich auch weibliche Zeitgenossen dieser Art. Diese mit einer rosaroten Selbstbildnisbrille versehenen Männer stehen also beispielsweise mit Plautze und lichtem Haaransatz vorm Spiegel und sehen einen Ryan Gosling, George Clooney, etc., während eine durchschnittliche Frau in den selben Spiegel starren kann und lediglich denkt: „Das geht auch besser!“ Nun könnte man argumentieren, dass die Einbildung hier vielleicht sogar leichter handhabbar ist, als die realistische, nörgelnde Frau.

Deshalb ein weiteres Beispiel: Es gibt Menschen – die mir bekannten Fälle allerdings ebenfalls nur Männer – die davon überzeugt sind, dass sich schier jede in sie verlieben wird, wenn sie nur einmal das Bett geteilt haben. Als ich dann nach dem Hintergrund für diese Annahme fragte, sagte man mir: „Weil das bisher so war.“ Wou Wou Wou! Hat man da noch Worte?! Einbildung oder Tatsache? Probieren geht wohl über studieren, aber…. Ich habe ja eher die Vermutung, dass sich hinter soviel Poserei oft das Gegenteil verbirgt. Nämlich Angst. Vielleicht ist es sogar eine Abschreckungsmethode um sich gar nicht erst unter Beweis stellen zu müssen?! Wenn nicht, also sollten sie wirklich annehmen Casanova, Adonis oder Amor in Person zu sein, dann seien sie an dieser Stelle milde belächelt ;) Denn selbst wenn es so wäre: Damit brüstet man sich nicht. Ein Gentleman genießt und schweigt!

Vielleicht halten sie sich aber auch einfach nur an den Spruch „Talent fängt mit Glaube an“. Das würde zumindest bedeuten, dass es eine Chance auf Besserung gibt :D

Die weitaus bedauernswertere Variante der Einbildung ist, wie bereits erwähnt, die EINBildung. Da gibt es beispielsweise Leute, die reden und reden von ihrem ach so tollen Werdegang, brüsten sich mit allerlei Wissen. Man selbst wird bei soviel Testosteron (was es bei Männern und Frauen gleichermaßen gibt!) immer kleiner und kleiner. Doch wenn man dann zusammenarbeitet oder einmal die Kenntnisse hinterfragt, wundert man sich, wo all das Wissen geblieben ist. Kurios! Zwei Linke Hände, ein nicht arbeitendes Gehirn, aufgesagte Phrasen, etc. Plötzlich steht Jemand vor einem, der so klein mit Hut ist, dass man diesen eben noch so bewundernswerten Menschen fad und grau empfindet. Ähnlich ist es auch mit Zeitgenossen, die sich betont gewählt ausdrücken und einem jeden noch so kleinen sprachlichen Ausrutscher unter die Nase reiben, dabei selbst aber lediglich das Fremdwörterbuch zitieren ohne zu wissen, wovon sie eigentlich reden. Sollte man sie auf die Probe stellen, den Spieß umdrehen und sie beim nächsten Fremdwort bitten: „Kannst du das auch rückwärts sagen?“ Mal sehen ob sie dann immernoch so cool und unfehlbar sind… Oder würden sie das eher noch als Aufforderung für die Fortbildung der EINbildung empfinden?

Fakt ist: Die Eingebildeten besitzen einfach nur eine lebhafte Phantasie :p Ihr Gehirn vermischt beim Erinnern Wahrheit und Phantasie, nur eben in einem etwas ausgedehnterem Maße als bei „normalen“ Menschen. Und so kann Einbildung dann eben auch mal zur Bildung werden…

Hallo Lachmuskeln!

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Lachen ist gesund! Es setzt nicht nur Glückshormone frei, sondern stärkt auch Immunsystem und Muskeln. Und wer lacht wirkt gleich viel sympathischer. Doch so richtig herzhaftes, befreites, unbefangenes Lachen hat in der heutigen Zeit eher Seltenheitswert bekommen. Zumindest unter Erwachsenen. Lediglich Kinder können ihrem Lachinstinkt frei folgen. Und sind deshalb auch ausgeglichener, so belegen wissenschaftliche Studien zu diesem Thema. Nicht umsonst wird Lachen inzwischen auch als Therapieform eingesetzt. Ganz zu schweigen von den befremdlichen Angeboten von Lach-Yoga-Kursen oder derlei Scherze.

Was heute jedoch weit verbreitet ist, ist das Lachen hinter vorgehaltener Hand. Das schadenfrohe bis hin zum Aus-Lachen. Aber ist Lachen über das „Leid“ Anderer auch gesund oder fällt es irgendwann auf einen selbst zurück? Ich würde sagen, man muss differenzieren. Zwar ist wissenschaftlich bewiesen, dass es egal ist, ob es ein echtes oder falsches Lachen ist – der Körper profitiert so oder so davon – aber für Geist und Gewissen macht es meiner Meinung nach sehr wohl einen Unterschied. So mag ein höhnisches, gehässiges, schadenfrohes Lachen für den Moment der Produktion von Glückshormonen dienen, ist aber gelinde gesagt nicht sehr nett und führt früher oder später zu einem schlechten Gewissen. Dann bleibt ein ungutes Gefühl und all die gerade frisch getankten Glückshormone lösen sich augenblicklich wieder in Luft auf. Wie gewonnen so zerronnen…

Ein neckisches, der komischen Situation wegen spontanes Lachen, kann jedoch getrost als legitim durchgewunken werden. Auch wenn die Situation für die „Belächelten“ weniger lustig ist, als für den Lachenden. Aber was soll man machen. Und schließlich ist Lachen ja eben gesund. Also immer raus damit. Denn die Situationskomik ist und bleibt eine der schönsten, wirkungsvollsten und instinktivsten Lachbereiter. Und so kann es passieren, dass man sich ganz plötzlich und unfreiwillig inmitten einer Komödie befindet, wo ein Running-Gag dem nächsten folgt. So kürzlich erst bei mir.

Und wann habt ihr das letzte Mal so richtig herzhaft lachen müssen? Zu lange her? Dann begebt euch bei Dämmerung in den Volkspark Friedrichshain…

Tatort – Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Tatzeit – Dämmerung. Opfer – ahnungslose Spaziergänge und Partyvolk. Täter – Stufen. Zeugen – meine Begleitung und ich. Tathergang – Ok, da werde ich dann mal etwas ausführlicher. Ein lauer Sommerabend. Das Sonnenlicht neigt sich dem Ende zu und taucht die Stadt in nächtliches Dunkel. Völlig ahnungslos und unbefangen saßen wir da auf dem Rand des Märchenbrunnens, mitten in ein Gespräch vertieft, als die ersten Spaziergänger den Park verließen. Nicht jedoch ohne vor unseren Augen ins Straucheln zu geraten. Das erste „Ups“ entfleuchte und wir wurden aufmerksam. Die im Dämmerlicht kaum auszumachenden Stufen waren Schuld. Und so folgten nun Ausrufe wie „Upsala“, „Hups“, „Ahia“ oder auch nur Gelächter & Gekicher im Minutentakt. Nahezu jeder Passante stolperte. Und wir lachten. Zunächst noch in uns hinein. Dann mit wachsender Begeisterung. Einfach zu komisch, wie plötzlich alle vom harmlos Spazierenden zum torkelnden Gleichgewichtsuchenden oder Interpreten des sterbenden Schwans wurden. Nein ich war nicht schadenfroh. Und nein, ich habe mich auch nicht an fremdem Leid gelabt. Aber es war doch einfach herzerweichend. Vor allem als meine Begleitung ein Licht herausholte und den Spaziergängern damit den Weg weisen wollte. Nun war komplette Verwirrung angesagt. Hielten sie das Spotlight für ihre Bühne? Für ihre drei Sekunden Ruhm? In jedem Fall wurden ihre Lufttritte immer tollkühner. Um uns nicht zum Mittäter zu machen, stiegen wir darauf um, die herannahenden Personen verbal auf den drohenden Abstieg aufmerksam zu machen. Jedoch ohne Erfolg. Man überhörte uns einfach und stolperte lustig weiter. Ok dachte ich mir, wer nicht hören will muss fühlen. Und so widmete ich mich nun ohne Skrupel dem Training von Zwerchfell und Bauchmuskulatur. Ich folgte meinem inneren Instinkt und kicherte herzhaft. Dennoch machte ich beim verlassen des Tatortes drei Kreuze, nicht Zeuge eines schmerzhaften Abstiegs geworden zu sein. Und ich hatte es bereits geahnt… Gerade noch hatte ich es gesagt… Und dann stolperte ich als selbsterfüllende Prophezeiung über die letzte Stufe. Und mein Kichern wurde zu herzhaftem Lachen…

Hach ja…. Lachen ist ja so gesund :)

Einladend

Foto: © Christina Hanck, 2010

Ein Bergkamm folgte dem nächsten. Sie schienen wie auf eine Perlenkette gefädelt. Die Hügel wirkten frisch, durch das dichte Grün der Wälder. Hier und da blitze ein Acker, ein Kornfeld oder eine Almwiese hervor, auf dem sich ein kleines Gehöft abzeichnete. Die Sonne tauchte einzelne Landstreifen in ein warmes Licht und setzte hier und da ein natürliches Spotlight.

Dabei wirkten die grünen Erhebungen so weich und satt, dass sie den Drang verspürte ihre Hand auszustrecken und darüber zu streichen. Sich hineinzulegen, die saftigen Hügel hinabzukugeln und eins zu werden mit dem einladenden Grün.

Denkmal

Foto: © Andreas Bauer, 2008

Monument aus vergangenen Zeiten. Zwischen Traum und Wirklichkeit. Stehst du da und dokumentierst Geschichte. Fügst dich ins Jetzt.

Hoch in den Himmel erheben sich deine Mauern.

Gemäuer, die so viel gesehen haben. Steine, die so viel zu erzählen wissen. Ritzen, die Einiges verheimlichen. Und Furchen, die so Manches zur Schau tragen.

Ehrfürchtig und erhaben verbindest du Vergangenheit und Gegenwart.

„Freakshow“

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Für alle Frauen (und alle gefühlsdusseligen Männer mit Humor!)

Manche Menschen besitzen wie man so schön sagt „ein Händchen“ für etwas. Meine Freundin besitzt ein Händchen für „Freaks“. Und damit meine ich nicht den Freak im eigentlichen Sinne, sondern beziehungsgestörte Männer. Ja, lange Zeit habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, dass sie immer nur an Männer gerät die noch nicht bereit sind, die noch nicht drüber hinweg sind oder die noch nicht einmal frei sind. Doch inzwischen mache ich mir nicht nur Gedanken, sondern Sorgen. Alarm!!! Denn so langsam bekomme ich wirklich den Eindruck, dass auf ihrer Stirn eine unsichtbare, bzw. nur für Männer sichtbare Leuchtreklame prangen muss: „Freaks“ bitte hier!!! Und ich betone noch einmal: Damit sind nicht die Freaks im eigentlichen Sinne gemeint, sondern Männer die sich flirtend unters Volk mischen und mit einer Frau anbändeln, obwohl sie eigentlich noch nicht offen und frei für etwas Zweisamkeit sind.

Das blöde daran ist, sie sind nicht auf Anhieb zu erkennen. Im Gegenteil. Es sind die, die auf den ersten Blick echt in Ordnung, geradezu „harmlos“ wirken. Die, wo Frau denkt, mal nicht auf einen bloßen Aufreißer hereinzufallen. Mehr oder weniger schnell offenbart sich dann aber immer ein klitzekleines Detail was Frau zum Nachdenken anregt. Aufgrund bereits eingesetzter emotionaler Vernebelung deutet Frau jene Details jedoch in diesem Stadium oft falsch. In ihrer grenzenlosen Naivität geht sie nämlich nicht gleich vom Schlimmsten aus, wenn ein Mann sie z.B. nicht gleich ins Bett zerren will, sondern denkt stattdessen versonnen: Was für ein angenehmer Zeitgenosse, der will nicht nur das Eine. Aus Beobachtung und Erfahrung heraus würde ich inzwischen sagen: Wenn dir so Jemand begegnet nimm die Hände in die Hand und renne. Denn schneller als man denkt steckt man mitten drin in der „Freakshow“. Auch wenn Frau immer wieder von sich denkt, dass sie solch verfahrene Liebesangelegenheiten locker nehmen und einfach nur das Beste für sich herausziehen kann: Irrtum. Wenn Frau Interesse hat, kann sie es eben doch nicht. Aber leider merkt sie das immer erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Dann fällt es ihr nach großem Drama wie Schuppen von den Augen, dass all die vorher positiv bewerteten Zeichen, ein Zeichen für „besetzt“ (im weitesten Sinne) gewesen sein könnten/waren. Nun sitzt sie bereits mitten drin im Gefühlsdesaster. Dann streiten sich Engelchen und Teufelchen. Emotion gegen Verstand. Teufelchen Emotion will um den Mann „kämpfen“, Engelchen Verstand rät aber sofort die Notbremse zu ziehen um größeres Seelenunheil zu vermeiden. Und nach quälendem Hin und Her verbünden sich Engelchen und Teufelchen auch noch. Verstand verschmilzt mit Emotion und schließlich verlangt irgendein Dritter Ruhe zu bewahren und es weiter zu probieren. Und was macht Frau in ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung? Sie probiert bis es nicht mehr geht. Ein ums andere Mal. Von wegen „aus Fehlern wird man klug.“

Und so geht es nicht nur meiner Freundin sondern wie ich immer wieder höre vielen Frauen. Da frage ich mich doch: Ja sag mal, sind wir Frauen denn bescheuert? Was um alles in der Welt veranlasst uns immer wieder dazu, sich auf solche ungereimten Geschichten einzulassen, obwohl wir etwas Anderes suchen? Ist es die Torschlusspanik? Bei manchen vielleicht. Ist es die Sehnsucht nach Zuwendung und Nähe? Das auf jeden Fall. Oder ist es der wahnwitzige Gedanke das Objekt der Begierde so begeistert zu haben, dass er gar nicht anders kann, als sich für einen zu entscheiden? Maybe auch das. Was Frau dabei oft gern ausblendet: Wenn sie sich anstrengen muss, dass er sich für sie entscheidet, spricht das nicht unbedingt für sein Interesse an ihr. Denn wenn er sie wirklich umwerfend fände, hätte er sich wohl längst für sie entschieden oder würde einen gewissen Ehrgeiz entwickeln ihr das zu zeigen. Nun ja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Hm…. Was davon es auch ist, letztlich will Frau doch einfach nur einen Mann, der sie mit Haut und Haaren will, die Person dahinter natürlich inklusive. Aber das scheint oft zu viel verlangt. Ist es denn zu viel verlangt???

Aufgrund dieser neuen Erkenntnis und der Tatsache, dass zwischen Ist- und Möchte-Zustand bei vielen Frauen eine Kluft herrscht, sollte ich wohl erschrocken aufspringen, hysterisch mit den Händen wedelnd durch die Gegend rennen, mir die Haare raufen und nach einer Lösung suchen. Und meine Freundin sollte zunächst diese doofe Leuchtreklame auf der Stirn loswerden bzw. durch einen für ihren Gemütshaushalt schonenderen Slogan ersetzen. Doch was bringt all das? Es kommt ja doch wies kommen muss… Und wer weiß, nachher entpuppt sich irgend so ein Gefühlsdussel ja doch noch als Passstück? Oder sie hat irgendwann ein glückliches Händchen, welches die Angel zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und dem richtigen Mann ausfährt. Dem Mann, der sie zu schätzen weiß.

Hilfe, Ratgeberdschungel!

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„Was Sie schon immer über … wissen wollten!“, „Wie Sie am besten…“, „Der beste Weg zum…“, etc pepe. Ratgeber hier, Ratgeber da. Ratgeber-Dschungel. Hilfe! Reiz- und Wissensüberflutung pur. Und noch dazu oft unnützes Wissen, wenn auch die Herausgeber und Verfasser dieser Ratgeber wohl anderer Meinung sind. Schließlich ist Ihr Ratgeber der Weg zum Erfolg schlechthin. Aber ist das so? Beziehungsweise warum lassen sich Menschen das immer wieder einreden und kaufen diese ‚Dinger‘? Sind wir überfordert? Können wir keine eigenen Entscheidungen mehr treffen? Oder redet man uns mit all diesen Ratgebern nur ein, wir seien es? Oder noch schlimmer, werden wir es gar erst durch all diese Ratgeber? Wie dem auch sei. Fakt ist: Der Ratgeber-Markt boomt. Täglich schießen neue, erfolgsversprechende, absolut „erkenntnisreiche“ Werke dieser Gattung aus dem Boden. Und wenn man dann wirklich mal einen Rat oder eine Information braucht, z.B. wenn man verreisen möchte, steht man da und reist zunächst einmal durch besagten Ratgeberdschungel…

Diejenigen unter euch, die jetzt stolz denken: Ich habe mir noch nie einen Ratgeber gekauft und bin diesem Wahn noch nicht auf den Leim gegangen…. Irrtum. Noch keinen Ratgeber gekauft zu haben, bedeutet noch lange nicht, dass man nicht auch schon „Opfer“ dieses dubiosen Ratgebermarathons geworden ist. Denn dieser fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Ja, er beginnt bereits im Internet und hat sich klammheimlich in alle Sphären unseres Alltags gedrängelt. Denn schwubs erhascht uns eine Schlagzeile und wir lesen Tipps und Tricks und sind mitten drin im Ratgeberwust.

Auch ich war bis vor Kurzen stolz noch keinen Ratgeber gekauft zu haben und diesem Trend noch nicht verfallen zu sein. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Denn mir fiel auf, dass mein wissbegieriges Hirn – oder sollte ich in diesem Fall lieber sagen mein Emotionsknotenpunkt – auch nicht vor bestimmten Schlagzeilen immun ist. Und nun muss ich mich wohl leider outen: Auch ich bin hin und wieder eine typische Frau. Und so erhascht mich besagter Ratgeberwahn z.B. wenn meine Augen Schlagzeilen wie „Was Männer wirklich wollen…“ oder „Wie Frauen zur Verführerin werden“ lesen. In Sekundenschnelle hat mein Gehirn in solchen Fällen folgenden Auftrag an meine rechte Hand gesendet: Link anklicken. Und schwubs führt meine Hand diesen Befehl aus und meine Augen konsumieren Ratschläge. Natürlich – so muss ich auch gestehen –  lese ich diese Artikel mit Hingabe, gerade weil sie so lustig sind. Und jedes Mal hoffe ich, dass man mir etwas Neues erzählt – denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und auch jedes Mal lese ich dann doch wieder das Gleiche. Und somit muss ich mir eben eingestehen: Ja, auch ich bin besagtem Ratgeberurwald verfallen. Doch immer wenn ich die ach so tollen, frischen Informationen in mich aufgesogen habe, frage ich mich aufs Neue: Warum in aller Welt habe ich das jetzt gelesen? Warum habe ich dafür Zeit verschwendet? Habe ich denn tatsächlich gehofft, dass mir besagte Ratgeber Wissen vermitteln können, wie ich Männer besser verstehen kann? Ein schier wahnwitziger Gedanke. Denn wenn ich ehrlich zu mir bin, ist mir natürlich von vorherein bewusst: Würden all diese Tipps, Hinweise und Analysen stimmen und wirklich etwas bringen wäre doch jeder glücklich gepaart, es würde keinerlei Missverständnisse zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht geben und alles wäre Friede-Freude-Eierkuchen. Und doch erhofft mein Emotionsknotenpunkt wohl genau dies in regelmäßigen Abständen und konsumiert Ratschläge. Da kann ich nur den Kopf über mich selbst schütteln…

Die größte aller Fragen dabei bleibt jedoch: Warum lesen Menschen so viele Ratgeber anstatt auf ihre eigenen Impulse zu vertrauen? Haben wir es verlernt Probleme und Konflikte alleine lösen zu können? Oder sind wir zu stark von unseren Mitmenschen abhängig? Hoffen wir damit immer noch besser, effizienter, etc. zu werden? Ist es wieder dieses Gesellschaftsphänomen sich keine Fehler erlauben zu dürfen oder zu wollen? Wir konsumieren also Ratgeber und hoffen auf Lösungen von unseren Zeitgenossen, auf die Antworten unserer Freunde, auf fremde Impulse die uns den Weg weisen und die richtige Entscheidung erleichtern. Aber warum fällt es uns so schwer eigene Entscheidungen zu treffen?

Letztlich gibt es drei verschiedene Wege Erkenntnisse zu erlangen und Entscheidungen fällen zu können: Durch Lernen – die aufwendigste und unpersönlichste Form, durch Beobachten und Nachmachen – die einfachste Variante, und durch das Sammeln eigener Erfahrungen – der wohl schwierigste, oftmals bitterste, aber auch effizienteste Weg, wenn es darum geht wirklich eine EIGENES zu erwirtschaften. Indem wir nun also Ratgeber konsumieren, wählen wir den einfachsten Weg und hoffen so, mögliche Unannehmlichkeiten umgehen zu können. Wir fügen uns unwillkürlich in eine große, wabernde Masse ein. Man schwimmt mit dem Strom, fällt nicht weiter auf, denn das Schwimmen im Strom führt zu Anonymität. Und am Ende fühlt man sich vielleicht irgendwie nicht ganz bei sich selbst. Denn um sich selbst zu entwickeln ist wohl das Verlassen der Strommitte notwendig. Und das fällt schwer…

Dennoch, manch einer braucht vielleicht den Schubs eines Ratgebers. Doch wieviel Ratgeber ist zu viel Ratgeber? Denn ist es nicht letztlich vielleicht sogar so, dass die Entscheidung nach dem durchforsten des Ratgeberdschungels noch schwieriger wird als vorher? Zumindest wenn man sich nicht nur für eine Liane entschieden hat, sondern gleich den ganzen Urwald durchforstet hat. So ergibt sich dann bei manchen Hilfesuchenden folgendes Szenario. Er/sie hat einige Ratgeber gelesen, tagelang online recherchiert, was genau den Kern der Sache ausmacht, wie er/sie es am besten anzupacken hat. Dann ist der Kopf voll mit Daten, Fakten, Tipps, Verbesserungsvorschlägen, Anregungen, etc. Und dann sitzt man da, will los und ist gehemmt. Anstelle einer klaren Idee rauschen nun die ganzen Ratschläge durch den Kopf. Und die klare Entscheidung? Bleibt aus. Vielleicht machen all die Hinweise bereits getroffene Entscheidungen leichter verständlich und helfen bereits Erlebtes besser einzuordnen. Aber sie blockieren die Neufindung. Bedröppelter als vorher sehnt man sich dann an den Punkt zurück, bevor man zum ersten Ratgeber griff. Ohne Tipps und Ratschläge. Einfach nur die ursprüngliche Naivität, das anfängliche Unwissen, das pure Gefühl :)

Auch ich hätte so manches Mal gern eine Patentlösung parat. Die Entscheidung die dann auch 100% zur Zufriedenheit führt. Aber gibt es die überhaupt? Ich denke nicht. Aber letztlich muss wohl jeder für sich selbst eine Antwort finden. Ob mit oder ohne Ratgeber ist dabei ebenfalls jedem selbst überlassen…