Guck mal, wer da krabbelt…

Ich halte mich durchaus für einen vernunftbegabten Menschen, der auch bei Konfrontationen mit unangenehmen Zeitgenossen die Ruhe bewahrt. Es gibt aber Lebewesen, die mich in sekundenschnelle zu einem aufgeschreckten Nervenbündel am Rande der Panik mutieren lassen. Die mich dazu bringen, jegliche gut durchdachte Handlungsweisen über Board zu werfen und intuitiv infantil zu reagieren: Spinnen und Skorpione.

Käfer, Motten, Fliegen, Asseln, etc. kein Problem. Sie sind allenfalls nervend. Mitunter kann ich ihnen aber sogar höfliches Interesse entgegenbringen. Aber sobald ich eine Spinne sehe, gerät in mir etwas entsetzlich durcheinander. Ja, sie brachten mich schon all zu oft um den Schlaf (Ich schlafe doch nicht freiwillig mit dem Feind unter einem Dach!). Sie schaffen es, dass ich den Raum verlasse und erst wiederkehre, wenn man sie erfolgreich eliminiert hat. Ist also ein Retter in der Nähe, lasse ich mich in diesem Fall gern retten. Denn der Gedanke einer Spinne auch nur ansatzweise nahe zu kommen, löst Unbehagen in mir aus. Ach quatsch, was rede ich: Grausen. Eine Krux, denn wie soll ich sie beseitigen, wenn ich mich nicht an sie herantraue, aber kein Retter in der Not vorhanden ist? Ein durchaus nicht zu missachtendes Problem. In diesen Situationen setzt der Wahnsinn ein. In Form von peinlichen, infantilen Verhaltensweisen und abstrusen Ideen, um mich der Schreckgestalt zu entledigen. Leider muss ich gestehen, dass die meisten Artgenossen, die meinen Weg bisher kreuzten, nicht lebend davonkamen. Aber schließlich ging es hier um mein Leben.

Früher baute ich Schuhtürme. Reichlich dumm. Der Stabsauger wäre einfacher gewesen. Aber ich war eben jung. Diese Schuhtürme sahen folgendermaßen aus: Ich schnallte die flachen Römerlatschen meines Vaters um hohe Stiefel meiner Mutter. Der Schuh-im-Schuh-Turm also. Die Römerlatschen stellten sicher, dass das Tier nicht darunter hervor kriechen konnte. Der Stiefel war notwendig um sicherzustellen, dass der Arm möglichst weit geschützt war. Für den Fall, dass das Tier auf einmal losrennt und den Arm heraufzukrabbeln versucht. Zu dumm, um den Stabsaugern zu nehmen, aber präzise durchdacht. Eine andere Variante ist die Geschenkpapierrollen-Schuh-Klatsche. Diese fand oft Verwendung bei meinen Großeltern. Wenn ich hier bis in die Nacht hinein las und dann eine Spinne an der Wand entdeckte, tat ich mich schwer meine Großeltern zu so später Stunde mit dem lärmenden, alten Staubgebläse zu wecken. Noch dazu reichte der Sauger nicht bis rauf an die Decke. Not macht erfinderisch, also schnappte ich mir eine lange Geschenkpapierrolle, steckte vorn einen Pantoffel drauf und fixierte das Ganze mit Klebeband oder Pflaster. Dann stellte ich mich auf einen Stuhl, so weit wie möglich von dem Vieh entfernt. Nun hatte ich Armlänge plus Geschenkpapierrollenlänge und konnte so sicherstellen, dass ich rechtzeitig fliehen konnte, wenn das Tier doch auf mich zukrabbeln würde.

Und das tun sie. Da sind Spinnen wie Hunde. Sie riechen deine Angst. Oder wie kann man sich erklären, dass – glaubt man dem Volksmund – diese angeblich scheuen Tiere immer meine Nähe suchen? Und wenn ich Nähe sage, meine ich Nähe. Sie krabbeln nicht weg, sondern aggressiv auf mich zu. Sie krabbeln sogar an mir empor. Brrr… Eine Erinnerung bei der ich augenblicklich wieder aus dem Sitz springen könnte. Ich weiß, Spinnen sind viel, viel, viel kleiner als ich. Ich passe nicht einmal in ihr Beuteschema. Obendrein sind sie nützlich und besitzen ein wahnsinnig kreatives Talent. Ihre Netze sind einfach Kunst. Spinnen sind also eigentlich total in Ordnung, quasi der nette Kumpel von nebenan, stille Wasser. Aber wie sagt man nicht umsonst: Stille Wasser sind tief. Also grause ich mich und reagiere mit Übersprungshandlungen. Und erschrecke damit meine Mitmenschen. Jedoch lautlos. Ungewöhnlich, aber so ist das. Denn die Masse der bei diesen Lebewesen in Panik geratenden Frauen (Ja, zum Glück bin ich nicht das einzige Opfer!) gehört wohl eher den Kreisch-Verfechtern an.

So versetzt mich beispielsweise eine Freundin der Tage all zu oft in Angst und Schrecken, weil sie aus für mich und alle anderen Anwesenden unerklärlichen Grund anfängt zu schreien und wild um sich zu schlagen. Inzwischen kann ich aber bereits an der Tonalität des Schreis erkennen, ob es sich um einen großen oder kleinen Falter handelt. Und jedes Mal erleide ich erneut einen kleinen Hörsturz. Mal sehen ob ich am Ende des Sommers noch meine komplette Hörstärke besitze. Das ist der einzige Nachteil, denn ich nehme die panische Reaktion einfach hin. Ich bin ja selbst nicht besser. Bei allen anderen verursacht ein derartiges Gebaren natürlich Belustigung. „Hab dich nicht so!“, „Die tut dir doch nichts!“, etc. blabla. Die haben gut Reden. Aber genau aus diesem Grund schreie ich nicht, sondern verfalle in stille Panik, springe auf oder entferne mich in Zeitlupe, um ja nicht die Aufmerksamkeit des Viechs auf mich zu richten. Was nicht heißen soll, dass mein Verhalten weniger peinlich ist.

Ach und da war ja noch was. Skorpione. Ja, auch mit denen habe ich bereits Bekanntschaft gemacht. Vollkommen unvorbereitet. Plötzlich hing er da an der Zimmerwand meines notgedrungenen Nachtlagers, in dem wunderschönen kroatischen Fischerdorf Rovinij. Augenblicklich war es aus mit der Beherrschung. Und das, nachdem ich gerade erst einem Attentat entgangen war. Eigentlich war es der Plan zu Zelten, doch gerade als wir das Zelt aufgebaut hatten, setzte ein Unwetter ein. Das Zelt flog auf Nimmerwiedersehen davon. Und während ich dem Zelt noch hinterher schaute, krachte neben mir ein Ast herunter, verfehlte meinen Kopf nur um Millimeter. Man sollte meinen, das hätte mich aus der Fassung gebracht. Aber nein, ich blieb ganz ruhig und freute mich: Was für ein Auftakt, das glaubt mir keiner. Es konnte ja quasi nur besser werden. Dachte ich! Denn wie gesagt, plötzlich hing da dieses Viech mit Stachel an der Wand und löste die eben ausgebliebene Panik in mir aus. Während andere angesichts derartiger Krabbeltiere wie eben beschrieben in hysterisches Quietschen verfallen, erstarrte ich zur Salzsäule. Bibberte innerlich wie Espenlaub. Erst als ich den ersten Schock überwunden hatte, brachte ich mich in Zeitlupe aus dem Schussfeld und holte Hilfe. Doch auch das Entfernen des ungebetenen Gastes konnte meine Furcht nicht mindern. Denn wo einer ist, das sind auch andere. Ich kann euch sagen, ich habe schlaflose Nächte verbracht. Drei an der Zahl. Dann endlich hatte ich ein neues Zelt und konnte dem Grauen entfliehen.

Angeblich soll es ja helfen, wenn man über Dinge spricht. Deshalb zu guter letzt einen Appell an all die gesegneten Frauen und Männer, die der dunklen Macht bereits entkommen sind. Falls euch im Zusammenhang mit Spinnen, Skorpionen und/oder anderen Krabbeltieren zukünftig eine hysterische Frau um den Hals fällt und erklärt, wie schrecklich sie sich gerade fühlt, erinnert euch! Vielleicht bin ich es, vielleicht eine andere Dame. Glaubt mir, die Frau, die da um euren Hals hängt ist nicht bekloppt. In anderen Lebenslangen ist sie durchaus pflegeleicht. Und glaubt mir ebenfalls, diese Frau fühlt sich gerade nicht nur wahnsinnig klein und elend, sondern auch verdammt dämlich. Also tut ihr den Gefallen und befreit sie einfach von der dunklen Macht. Sie wird es euch danken und ihr erlebt sie handzahm wie eh und je.

So und was habe ich nun vom drüber reden bzw. schreiben? Es juckt überall. Ich würde sagen: Die Krabbeltierphobie ist mir hiermit attestiert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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Ich sehe was…

IMG_9683Foto: © PaulaB, 2013

… was du nicht siehst. Und das ist die Welt mit meinen Augen. Aber komm her und setze dich. Ich will sie dir beschreiben. Will dir zeigen, wo das Licht seine Schatten wirft. Dich spüren lassen, wo die Sonne aufmunternd kitzelt. Dich wissen lassen, welches Grün die Wälder und welches Blau die Meere kleidet. Will dich erleben lassen, wo die Welt rast und wo sie Ruhe & Geborgenheit spendet. Also komm her und setze dich. Wir schauen gemeinsam auf die Welt.

Denn sie wissen nicht was sie tun

Schlagzeilen. Überall. Jeder sieht sie. Jeder liest sie. Jeder kennt sie. Auch die, die es nicht zugeben wollen. Ein Entkommen ist ja auch gar nicht möglich. Mich beispielsweise springen sie schon beim Öffnen meines Mailpostfachs geradezu an. Also lese ich sie hin und wieder und rege mich in regelmäßigen Abständen darüber auf. Natürlich nicht ernsthaft. Aber ich werde einfach den Eindruck nicht los: Sie wissen nicht was sie tun. Sie widersprechen sich. In einer Tour!

Heute ist Kaffee schädlich und sollte nicht zum täglichen Flüssigkeitsbedarf dazugezählt werden. Morgen heißt es, dass Kaffee sehr wohl als Feuchtigkeitszufuhr angerechnet werden kann. Eben ist ein Gläschen Wein am Abend gesund und gut für den Schlaf, im nächsten Moment sind tägliche Weintrinker bereits Alkoholabhängige. Heute ist er der Held schlechthin, morgen hat er den großen Absturz und ist ein freakiger Drogenabhängiger. Eben noch haben ihre Beine Streichholzformat, die sie in den Weiten Baggypants versteckt und macht macht sich Sorgen um ihren Appetit. Drei Tage später hat sie Cellulite und sollte sich lieber überlegen ob sie dieses oder jenes Kleidungstück tragen kann.

Also in gewisser Weise ist es ja fast auch schon amüsant. Zumindest mit dem notwendigen Abstand betrachtet und in diesen, sage ich mal ‚bedeutungslosen Randsphären‘, des menschlichen Seins. Aber: Diese Unentschlossenheit zieht sich durch sämtliche Bereiche des Lebens. Vom großen Ganzen bis hin zum einzelnen Individuum. Ein weiterer ‚Trend‘ unserer Gesellschaft?

Ja! Wir sind sprunghaft. Wir sind ambivalent. Wir legen uns ungern fest. Wir probieren gern ein bisschen herum. Vielleicht lernt man sogar etwas dabei. Und wenn nicht: Try and error. Try again. Und dann sitzen wir da, mit den ganzen Erkenntnissen und Erfahrungen. Und haben vielleicht doch nichts gelernt. Oder gar zu viel gelernt. Denn zu viel macht den Verstand mürbe, das Herz taub. Und dann versenken wir unser geistiges Hab und Gut im nächsten Getränk. Schließlich müssen sie schnell schwimmen lernen, die Gedanken. In der großen weiten Einheitsbrühe. Aber was macht uns so ambivalent?

Vielleicht ist es die Angst etwas zu verpassen. Die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen und nicht mit den Konsequenzen umgehen zu können. Vielleicht ist es auch der Drang nach dem Perfekten. Doch auf der Suche danach, verlieren wir es oft aus den Augen. Lassen uns Chancen entgehen. Verpassen die kleinen Freuden, die veilleicht das große Ganze ergeben könnten. Und winden uns in Aussagen. Die sich stetig ändern. Heute hü, morgen hott. Gerade sehen sie sich verliebt an und haben ernstes Interesse aneinander, im nächsten Moment ist einer der Beiden nicht mehr bindungsbereit, wär doch lieber wieder allein. Stagnation und Unzufriedenheit im Job, aber sie suchen dennoch keinen Neuen. Das Gefühl in einer Beziehung unglücklich zu sein und trotzdem bleiben sie zusammen. Wer soll denn da mitkommen… Und da schließt sich der Kreis: Das Individuum in seinem sozialen Gefüge ist nunmal von anderen Individuen ‚abhängig‘. Schlingert einer, schlingern sie alle. Oder?

Oder ist es eher eine Typfrage? Immerhin gibt es Menschen, die fällen Entscheidungen wie andere aufs Klo rennen. Ganz selbstverständlich. Ist es vielleicht auch? Sollte es sein? Oder entscheiden sie am Ende zu schnell? Sind sie diejenigen, die man Egoisten schmipft? Weil sie nicht nach rechts und links, weder vor noch zurück schauen, sondern einfach machen? Und ihr soziales Umfeld außer acht lassen?

Wie man es auch dreht und wendet: Der ‚Trend‘ zum „Vielleicht“ ist da. Das Potenzial mitzumachen bei der Gruppe „Lieber Morgen…“ schlummert in jedem. Und was bleibt übrig? Richtig eine Entscheidung. Hahaha. Dabeisein oder nicht? Ja. Nein. Vielleicht. Hin und wieder. Mal mehr mal weniger. Und letztlich ist es wohl jedem selbst überlassen, wo man sich einreiht. Wo man zögert und wo man handelt. Wo man eine Meinung vertritt und darauf beharrt, oder wo man sich vom Gegenteil überzeugen lässt.

In diesem Sinne: Es lebe die goldene Mitte!

Wege

IMG_7508Foto: © PaulaB, 2012

Bunt ist es, das Leben. Wie ein Tuschkasten. Mal hell, mal Dunkel. Hier grell und dort gediegen. Und nach kräftigem Mischen wieder ganz neu.

Geräuschvoll ist es, das Leben. Wie eine Sinfonie. Mit Höhen und Tiefen. Mal schnell, mal langsam. Erst Laut, dann wieder Leise. Mit frohlockendem Tusch oder in Moll.

Aufregend ist es, das Leben. Wie ein Geschenk in Glitzerpapier. Auspacken und staunen was im Inneren wartet. Eine Überraschung. Eine Niete. Ein Knallbonbon.

So viele mögliche Wege, Umwege und Auswege. Dass es einem fast Angst wird. Mit dem eigenen kleinen Fuß festen Schrittes in die Welt hinaus zu gehen. Um den Staffeleien Farbe zu verpassen. Den Liedern Klang zu geben. Den Präsenten Wert beizumessen. Zu Sehen und zu Nutzen. Und dem Leben Lebenswert zu geben.

Menschen gibt’s…

… die gibt’s gar nicht. Oder zumindest versetzen sie einen aus den unterschiedlichsten Gründen in kleines oder großes Erstaunen. Und damit meine ich jetzt nicht die „Großen“, die die Welt retten oder Rekorde aufstellen. Nein, das fängt schon direkt neben dir an. In deiner kleinen Welt. Menschen, die persönliche Tolranzgrenzen überschreiten, weil sie in intime Bereiche vorpreschen. Ein kleiner Ausflug gefällig?

Begegnungen, Erlebnisse und Ereignisse mit Personen dieser Art sind oft jene, die im Gedächtnis hängen bleiben. An die man sich mit einem Kopfschütteln, Schmunzeln, etc. zurück erinnert. Die nie langweilig werden, wenn man sie erzählt. Die noch Stunden, Tage, Wochen, Jahre danach immer wieder Verwunderung oder einen Lacher provozieren.

Da gibt es zum Beispiel ganz flüchtige Begegnungen. Minuten oder sogar nur Sekunden die sich ins Hirn einbrennen. Die so intensiv sind, dass man sie einfach nie vergessen wird. Weil sie so bizarr, so außergewöhnlich sind. Mir sind Erfahrungen und Menschen dieser Art eigentlich immer nachts passiert und begegnet. Ein Mann, der hinter einem im Nachtbus sitzt, wahnsinnig kichert und einem den Finger in den Rücken bohrt. Gruselig… Noch prägender waren jedoch meine Erfahrungen mit fremder Sexualität ;) So saß ich mal in einem Zug. Nachts. Auf dem Weg von Berlin nach Potsdam. Und schräg gegenüber von mir machte ein Mann komische Bewegungen unter seinem Shirt. Ich dachte mir nichts dabei, bis er  mich an seiner Freude teilhaben lies. Er holte sich einen runter. Ganz öffentlich. Brrr… Und es muss damals so eine Zeit gewesen sein. Oder aber ich wirke magisch auf derlei Gefährten. Denn schon kurze Zeit später meinte der nächste seine sexuellen Freuden in aller Öffentlichkeit mit mir teilen zu müssen. Wieder des Nachts. Auf dem Weg vom Rosa-Luxemburg-Platz zum Rosenthaler Platz. Ich zu Fuß unterwegs, er an einer Hauswand gelehnt. Der Unterschied zu seinem Vorgänger: Er schien keine Lust zu haben. Da frage ich mich doch: Warum? Also ich habe ja nichts gegen sexuelle Entfaltung. Aber ich würde dann doch lieber selbst entscheiden, an welcher ich beteiligt sein möchte. Aber es gibt auch „harmlosere“, oder sollte ich eher sagen jugendschutztauglichere erstaunliche Menschen und Erfahrungen. Ein Typ beispielsweise, der einem im Club mit „Hey, hier stinkts. (Pause) Aber ich bins nicht.“ anspricht und dann Bauklötzer staunt, wenn man in schallendes Gelächter ausbricht. Schön sind auch Anmachsprüche wie: „Ich mag dein Waschmittel nicht.“ Vielen Dank für diese Information, vielleicht möchtest du mir ein neues kaufen? Ja ja… Das sind also die Momente, in denen man denkt im falschen Film zu sein. Ereignisse, die im Entstehungsmoment einfach nur seltsam, unangenehm, wenn nicht gar ein wenig angsteinflößend sind. Die aber im Nachhinein immer eine gute Geschichte bereithalten. Genauso gut kann es natürlich auch ein positives Erlebnis sein, was sich in den Hirnwindungen festsetzt. Ein strahlendes Lächeln zum Beispiel, was einem ein Fremder auf der Straße schenkt.

Oft am erstaunlichsten sind jedoch Menschen aus dem direkten Umfeld. Bekannte, Verwandte, Freunde. Weil man sie anders eingeschätzt hat. Weil sie plötzlich Haken schlagen, mit denen man nicht gerechnet hat. Weil sie mit Kleinigkeiten ganz viel bewirken können. Freude, Wut, Erstaunen, eben die ganze Palette an Befindlichkeiten. Und doch sind auch hier oft die skurrilen Erlebnisse die, die im Gedächtnis bleiben. An die man sich auch Jahre danach noch erinnert und abfeiern muss. Aber auch die herzerweichenden sind nicht von der Hand zu weisen.

Da kommt beispielsweise jemand mit einem liebevollen Mitbringsel daher. Einem Geschenk, mit dem man auf dem ersten Blick nichts anfangen kann, was den Schenker aber als wahnsinnig aufmerksam und liebend entpuppt. So bekam eine Freundin von mir z.B. einen Käse von ihrem Freund überreicht. Freudestrahlend und ganz aufgeregt war er. Und alles was sie zunächst dachte, war: Ein Käse? Was will er mir denn damit sagen? Nach näherem Betrachten und Lesen kam die Erleuchtung. Der Käse hatte einen Namen. Er trug den Namen einer Stadt. Einer Stadt, in der sie einmal gewesen und eine wunderschöne Zeit miteinander verbracht hatten. Und als er den Käse beim Einkauf so da liegen sah, musste er an seine Liebste denken und hat ihn eben mitgebracht. Hach ja, da macht mein Herz doch gleich einen freudigen Hüpfer. Es gibt sie also noch, die versteckten Romantiker.

Aber zurück zu den grotesken Momenten. Vor gar nicht langer Zeit saß ich in lustiger Runde auf einer Party. Mit mir lieb gewonnenen Menschen, die ich noch nicht all zu lange kenne. Der Alkohol floss und so fielen die Masken der Anständigkeit. Resultat war ein unmoralisches Angebot: Man bot mir einen Schlafplatz an. Also einen anderen, als ich geplant hatte. Nicht den harten Boden sondern ein Hotelzimmerbett. Jedoch mit Einschräkung. Ich sollte mich auf der einen Seite vergnügen, während man mir dabei zusehen wollte. Ich dachte ich höre nicht recht, fiel vor Lachen fast vom Stuhl. Das passte einfach nicht in mein Bild, was ich bisher von dieser Person hatte. Aber ich lasse mich gern überraschen. Sofort hatte ich also eine Liedzeile im Kopf: „Free your mind…and your ass will follow!“ Denn wer weiß was sich aufgrund der Hemmungslosigkeit sonst noch so an männlichen Phanatsien in Erfahrung bringen ließe. Viel interessanter ist jedoch die Frage: Besteht bei dieversem Herren eine Erinnerung an dieses Gespräch? Wenn ja, keine Angst, ich nehms locker. Und damit würde ich sagen, bin ich aufgenommen in der Hood!? Jaja, der böse Alkohol. Unglaublich? Denkste. Es geht noch besser. Es gibt nämlich auch diejenigen, die ihren Freunden gleich einen Dreier anbieten. So geschehen einer Freundin von mir. Nun ja, man könnte es so sehen: Es bleibt ja in der ‚Familie‘, quasi. Und man soll doch alles Mal ausprobiert haben. Ja, das sind sie, die Situationen in denen man vor Erstaunen aufpassen muss, dass die Kinnlade nicht augenblicklich an Halt verliert und unkontrolliert nach unten klappt. Situationen, in denen man bestimmte Menschen plötzlich in einem anderen Licht sieht. In denen man anerkennen muss: Geht nicht, gibts nicht.

Aber mal ganz ehrlich… Genau das sind doch auch die Momente, die das Leben lebendig machen! Situationskomik, ich liebe sie. In diesem Sinne: Ein Hoch auf Menschen, die mit Wenig ganz Viel bewirken. Ein Hoch auf die Skurrilitäten des Lebens!

Erleuchtet

IMG_9670Foto: © PaulaB, 2013

Schweigsam schwebt er da. Zieht alle Blicke auf sich. Erzählt von Jahren, Zeiten, Sphären. Lässt die eigene kleine Welt winzig und unbedeutend erscheinen.

Wie er da so am Himmel hängt. Als hätte ein Künstler seinen Pinsel geschwungen. Und ihn genau an die dunkelste Stelle des Universums getuscht.

Lässt ruhen und nicht zur Ruhe kommen. Verspricht. Tröstet. Versöhnt. – Hinterlässt. Vereinsamt. Entzweit. Das Licht im Dunkel. Mit seinen sanften Schatten.

Synapsenpolka

Kennt ihr diese Zustände, in denen man sich zwischen Wahnsinn und Irrsinn bewegt? In denen man durchdreht und denkt: Alle Welt ist normal, nur ich bin verrückt. Momente, in denen man das Gefühl hat, das Herz spränge einem gleich aus der Brust. Augenblicke, in denen man meint, ab sofort zum Hyperventilierer zu werden. Situationen, in denen man am liebsten aus der eigenen Haut fahren will, nur um dieses unerträgliche pulsieren des Blutes nicht ertragen zu müssen. Ich habe diesen Zustand mal Synapsenpolka getauft. Oder für die weniger metaphorisch angehauchten: Man bezeichnet es auch als geistige Überforderung. Als grenzwertige Auslastung sämtlicher Sinne. Reizüberflutung. Soll ja vorkommen.

Ich für meinen Teil verfalle in regelmäßigen Abständen in diesen Zustand. Nicht jedoch aufgrund ausufernder medialer Überschwemmung meines Geistes. Nein, es geht auch einfacher…

Zum einen immer dann, wenn der Kopf voll ist mit Ideen. Ideen, die irgendwo untergebracht werden wollen, aber keinen Anfang finden. Gedanken, die sortiert werden müssen, aber dessen Knäulbeginn einfach unauffindbar bleibt in den unendlichen Weiten der Gehirnwindungen. Visionen, die darauf drängen endlich umgesetzt zu werden, deren Realisierung aber Zeit und Raum brauchen. Und dann passiert es. Der Verstand hakt aus. Dreht Pirouetten. Hüpft auf und ab. Hämmert an die Schädeldecke. Und kitzelt ihn hervor, den ganz normalen Wahnsinn. Und dann hat man nur noch Brei im Kopf und droht zu explodieren. Zumindest wenn man nichts gegen diesen geistigen Überschwemmungszustand unternimmt.

Aber was tun, um eine Ex- oder Implosion zu verhindern? Ich habe beobachtet. Und ich bin zu dem Schluss gekommen: Die meisten Menschen absolvieren in solchen Momenten schwachsinnige Handlungen. Mit Hingabe. Essen zum Beispiel. Soll ja die Nerven beruhigen. Angeblich. Ich für meinen Teil greife eher und ganz automatisch auf Musik zurück. Das ist der Absorbationstipp schlechthin. Natürlich muss man ganz verrückt dazu Tanzen oder Singen, sonst bringt das Ganze ja nichts. Also nichts im Sinne von raus aus dem überlasteten Schädel. Am schönsten ist sowas natürlich, wenn man nicht allein am Rad drehen muss. Wenn man gemeinsam spinnen kann. Dann hat dieser ganz normale Wahnsinn sogar etwas sehr Wundervolles, gar Reizvolles. Denn das sind sie, die Momente im Leben, die einem in Erinnerung bleiben. Die verbinden. Freundschaften schaffen und nähren. Beziehungen aufpeppen und zusammenhalten. Ich erinnere mich an eine sehr überdrehten Abend vor nicht all zu langer Zeit. Ferienlagerstimmung. Zwei Menschen. Ein Ohrwurm. Ein und dieselbe Liedzeile. Immer und immer wieder. Aber damit es nicht langweilig wird, sondern schräg bleibt, in unterschiedlichsten Variationen. Von Hard Rock, über Latin, bis hin zu Schlager oder Rammstein-Versionen. Keiner verstand uns, aber uns ging es gut :) Wir lachten, bis sich die Balken bogen.

Ein anderer möglicher Auslöser für derartig wahnsinnige Zustände sind, wie sollte es auch anders sein, Gefühle. Nix neues würde ich sagen. Denn das Kapitel Gefühle könnte man wohl auch mit ‚Der widerspenstigen Zähmung‘ betiteln. Ja, so Gefühle können einem schon die Hölle heiß machen. Verrückt werden lassen, etc. Und auch hier neigt der Mensch dazu, die aktuelle Gefühlsüberforderung auszugleichen. Manche verfallen in schwachsinniges Gekicher, oder erleiden andere derartig hysterischer Aussetzer. Ich für meinen Teil beginne zu kommunizieren. Zumeist mit Menschen die gar nicht anwesend sind. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich mit mir selbst spreche. Nein, ich beginne via moderner Kommunikationsmittel meinem aktuellen Gefühl Luft zu verschaffen und mal ordentlich auf den Putz zu hauen. Macht man ja sonst viel zu selten. Ich nenne das die Rohrspatz-Taktik. Im ersten Moment eine sehr hilfreiche Methode, die aber letztlich nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis einhergeht. Das bedeutet, dass man sich mitunter von einer desolaten Befindlichkeit in die nächste manövriert. Aber dann hat man ja bereits Übung im beheben des Wahnsinns. Falls man ihn denn beheben möchte…

Denn wie sagte letztens ein Freund zu mir: „Wer heute nicht verrückt ist, ist nicht mehr normal.“

Das Mädchen in ihr

rosen_bauernhausFoto: © Christina Hanck, 2011

Sie wartete. Auf ein Zeichen. Doch es kam keines. Ungeduld machte sich breit. Und als es an der Tür klingelte, war es sofort wieder da, das kleine Mädchen in ihrem Kopf. Das unerschütterlich behauptete: „Das ist er.“ Das Mädchen hatte sich schon beim letzten und vorletzten Mal geirrt. Und es irrte auch dieses Mal. Er war es nicht, der dort vor der Tür stand. Stattdessen erspähte sie einen riesigen Strauß Blumen. Und das kleine Mädchen in ihr flippte aus. Machte es sich auf ihrer Schulter bequem und grinste vor sich hin. Wischte ihr all die Zweifel und Fragezeichen aus dem Gesicht und warf den gesunden Menschenverstand über Board. Stattdessen ließ sie ihn ein. Den kindlichen Wahnsinn. Den Widersacher ihres Seelenheils. Schaute verstohlen auf die zarten Blüten. Die so viel Zukunft versprachen. Und wartete.

Irgendwo dazwischen

landschaft_fruehlingFoto: © Christina Hanck, 2012

Auf dem Weg nach B. Mit den Gedanken noch immer in A. Musik im Ohr. Vorbeiziehende Landschaften im Blick. Die Erinnerung im Kopf. Das Gefühl im Bauch. Etwas Bleibendes im Herzen. Noch so nah und doch schon fern. Der Wunsch nach mehr. Erweckt den Nimmersatt. Fordert Wiederholung. Und lässt verharren. Irgendwo zwischen Eben, Hier und Dann.

Temporärspleens & Permanentticks

Not macht nicht nur erfinderisch, sondern kann auch die eigenartigsten Marotten und Spleens zu Tage befördern.

Es gibt also Dinge die wir nur unter bestimmten Bedingungen oder Umständen tun. Dinge, über die andere lachen, den Kopf schütteln oder sich wundern. Merkwürdige Dinge, die nur uns gehören.

Erst letztens beobachtete ich einen älteren Herrn auf der Straße. Nicht mehr ganz schwungvoll in der Hüfte, aber dennoch versuchte er mit dieser irgendwelche Bewegungen zu machen. Ich beobachtete ihn eine Weile um herauszufinden, was er da wohl tat. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er versuchte sich nur auf Linien zu bewegen. Ein seltsames Bild. Man kennt das vielleicht selbst noch aus seiner Kindheit. Aber ja, es gibt auch Menschen der älteren Semester, die dieses Spielchen in scheinbar unbeobachteten Momenten betreiben. Diese wirken dann mitunter etwas crazy. Ich wette er macht das häufiger…

Und es gibt Merkwürdigkeiten, die aus einer gewissen ‚Not‘ heraus entstehen. Kordellutscher beispielsweise. Ihr wisst nicht was das ist? Ich werde euch auf die Sprünge helfen. Ihr kennt sicher die Kapuzenpullover, die eine Kordel haben mit der man diese zuziehen kann. Ich traf also einen Freund, dessen Kordel eigenartig nass war. So, dass sie bereits feuchte Flecken auf seinem Pullover hinterließ. Als ich ihn fragte, ob er diese zufällig beim Essen in seinen Teller getaucht habe, erklärte er mir: „Ich bin so mit dem Rad durch Kreuzberg gefahren und irgendwie hatte ich nichts mehr zu trinken, also hab ich eben an der Kordel von meinem Pullover gelutscht.“ Alles klar? Ein Kordellutscher eben. Und ein Tick, den er unter normalen Umständen – er hat etwas Trinkbares bei sich – wohl nicht ausgelebt hätte. Eine harmlose Form des Wahnsinns also…

Und dann gibt es Eigenarten, die man sich im Laufe seines Lebens heranzüchtet. Die kleinen und großen Schrullen, die kaum einer kennt. Die einfach dazu beitragen die eigene Struktur zu wahren. Sich Abläufe zu vereinfachen oder zu verschönern. Diese werden erst komisch, wenn andere Personen ins Leben treten und sie bemerken.

Ich zum Beispiel sammele Gedanken. Ein Freund pflegt immer zu mir zu sagen, wenn ich den Gedankenkäfig mal öffne und sie auf die Menschheit loslasse: „Du hast doch n Vogel!“ Ja, den habe ich wohl bzw. eben einen Spleen. Früher habe ich diese Gedanken auf kleinen Post-Its gesammelt, die dann wolkenartig irgendwo klebten. Bis meine Wolken zu überdimensional wurden und ich mich dank der neuen Technik entschied, die schöne Form der Wolken und Wandverzierung aufzugeben, um stattdessen auf die langweilige, strukturierte Form eines Word-Dokuments umzuswitchen.

Und dann gibt es jene Spleens bei denen man sich der Harmlosigkeit seiner eigenen Ticks bewusst wird. Denn ich dachte immer ich bin ein verrückt, bis ich vor Kurzem jemanden an der Supermaktkasse alle Tüten auf rechts falten sah.

Sind wir nicht alle ein bisschen…

                                             … Schrulle?

Falsch verbunden – Von den Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation

Ich arbeite mit Worten. Man möchte also meinen, dass ich auch mit ihnen umzugehen weiß. Dass ich kommunizieren kann. Kann ich wohl auch. Aber nicht immer. So muss ich in regelmäßigen Abständen feststellen, dass meine Kommunikation hin und wieder missverständlich ist. Irritierend. Ja, ich verwirre Menschen. Und das eben nicht mit meiner bloßen, so atemberaubenden Anwesenheit (das wär’ doch mal was…). Nein, ich tue es mit Worten. Da schlummern ungeahnte ‚Talente‘ in mir… Ich sage etwas mit einer Intention und bewirke damit etwas komplett anderes. Verflixt. Aber, und jetzt kommt das i-Tüpfelchen, natürlich nicht immer. Nein, nur da wo’s wehtut. Da, wo es um Gefühle und Bedürfnisse geht.

Das Tröstliche (oder vielleicht auch Erschreckende) daran ist: Ich bin kein Einzelfall. Es herrscht geradezu eine Invasion an Menschen, die sich, wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht, unklar ausdrücken. Generation „Ich weiß nicht…“. Generation „Vielleicht“. Da bleibt die Frage: Warum ist das so? Warum fällt es einem Großteil der Menschen (Denn natürlich gibt es auch diejenigen, die IMMER sagen was sie denken. Sie sind nicht missverständlich, mitunter aber auch nicht immer die angenehmsten Zeitgenossen. Wirken sie doch all zu oft ich-bezogen und wie eine fleischgewordene Machete.) so schwer, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen klar zu äußern? Warum sagen sie nicht „Ich mag dich.“ sondern eiern herum? Warum sagen sie nicht „Das geht mir gerade gegen den Strich.“ sondern machen gute Miene zu bösem Spiel? Warum sagen sie nicht „Ja, ich würde mich freuen, wenn du anrufst.“ sondern gehen mit Worten wie „Ich bin gespannt.“? Es bleibt mir schleierhaft.

Haben wir verlernt zu sagen was wir wollen? Oder fällt es uns einfach nur schwer unsere Gefühle und Wünsche offen zu äußern? Warum überlassen wir unsere Zukunft all zu oft dem Zufall, anstatt eine Richtung vorzugeben? Eine Richtung nach der wir verlangen. Eine Richtung die unser Begehren stillen kann. Warum nehmen wir damit in Kauf, dass die Dinge nach denen wir am meisten greifen und die möglicherweise in Erfüllung gehen könnten, erst gar keine Chance bekommen? Lassen uns die Gelegenheiten entgehen, die unser Leben in andere Bahnen lenken könnten. Entsagen uns der Momente, die unser Leben lebenswert machen. Haben wir Angst vor Ablehnung? Ist es die Angst Bedürfnisse zu haben, die andere lächerlich finden? Ist es ein Spiel? Ist es ein Austesten? Ist es Unsicherheit? Ist es der Tatsache geschuldet, dass wir oft selbst nicht wissen was wir wollen? Oder weil es uns erst mit einer Verzögerung wie Schuppen von den Augen fällt? Ist es, weil wir uns alle Optionen offen halten wollen? Weil wir nichts von unserer Autonomie und Freiheit aufgeben wollen? Weil wir stark und unabhängig wirken wollen? Aber was wollen wirklich?

Wir fühlen ja, denken nein und sagen jein. Unbeabsichtigt. Weil wir versuchen einen Mittelweg zu finden. Weil wir vermeiden wollen in einem falschen Licht gesehen zu werden. Weil wir selbst nicht genau wissen was wir wollen, denken oder fühlen. Und dann passiert etwas. Denn das was wir wirklich fühlen und wollen wird überlagert von dem, was wir glauben fühlen und wollen zu müssen. Und wenn dann nach einer Entscheidung verlangt wird, öffnen wir den Mund und senden Worte. Worte die unseren körperlichen Signalen widersprechen.  Und dann ist es da, das Durcheinander. Der Widerspruch. Die Verwirrung. Falsch verbunden.

Aber warum? Die Welt könnte so einfach, wenn wir sie uns nicht immer wieder selbst schwer machen würden…

Call Me (Maybe)

Neon signFoto: © Andreas Bauer, 2011

Ein neugieriger Blick. Ein verstohlenes Grinsen. Eine zaghafte Geste. Ein Geben und Nehmen. Das Gefühl von Jetzt und Hier, von richtig. Und plötzlich ist klar, da ist was. Ein durchsichtiges Band. Gesponnen. Gespannt. Darauf wartend, dass einer den Schritt wagt. Es zum schwingen zu bringen. Im Gleichklang. Für diesen Augenblick. Zur richtigen Zeit. Am richtigen Ort. Eine Sehnsucht. Auf der Suche nach dem wie, wo und wann. Testend. Fragend. Ob der Augenblick den Moment überdauern kann…

Naturbekifft und ewig jung

Es gibt Aussagen, die mir immer mal wieder entgegengebracht werden, und die mich einigermaßen sprachlos machen. Der Grund: Sie bieten einfach wahnsinnig viel Spielraum für eigene Interpretationsmöglichkeiten.

Eine solcher Aussagen ist: „Sag mal, hast du grad einen durchgezogen? Deine Augen sehen so glasig aus.“. Ohne Scheiß, dieser Satz ist mir in der letzten Zeit vermehrt hingeworfen worden. Hin und wieder habe ich sogar eine Erklärung für diesen Zustand meiner Augen: Schwimmen ohne Schwimmbrille und danach aufs Rad. Der Fahrtwind, denn ich bin jetzt nicht unbedingt der langsame Spazierfahrer, erledigt dann den Rest. Ab und an ist dieser Zustand aber auch einfach folgender Tatsache geschuldet: Gerade aufgestanden und der Status ‚wach’ wurde vom Hirn noch nicht an die Augen weitergeleitet. Aber ab und an habe ich auch einfach keine Erklärung. Dann ist das eben so, naturbekifft. Ich könnte natürlich auch behaupten, dass ich zum Schauspieler umsatteln will, gerade für die Rolle eine Junkies trainiere und eben wahnsinnig talentiert bin, weil ich es sogar schaffe meine Augen der Rolle angemessen wirken zu lassen. Hihi.

Somit kann ich also zunächst alle Fragenden und alle nicht Fragenden, aber dasselbe Denkenden, beruhigen (oder ich muss sie enttäuschen – je nachdem): Nein ich habe keinen Joint verzehrt. Selbst wenn ich wollte, schon mein natürliches Erscheinungsbild schreckt Dealer ab. Vielleicht ja gerade deshalb. Wenn ich immer so aussehe, als hätte ich einen durchgezischt, scheint der Bedarf ja nicht so akut. Vielmehr steht nun aber die Frage im Raum: Sollte ich mir Sorgen machen? Welche Auswirkungen könnte mein naturbekifftes Aussehen auf meine Umwelt haben? Könnte es mir z.B. bei einem Vorstellungsgespräch zum Verhängnis werden? Oder ist es besser man hält mich für bekifft, als wenn alle annehmen würden, dass ich die letzte Nacht durchgeflennt habe? Was aber wenn sie mich dann für geistig nicht ganz auf der Höhe halten? Oder könnte das sogar zum Vorteil werden, weil ich dann alle positiv überraschen kann? Wie auch immer, die Frage bleibt zudem: Was wollen mir die Leute mit dieser Aussage mitteilen? Steckt in ihrer Frage eine Sehnsucht / eine Hoffnung, dass ich Ihnen etwas abgeben könnte? Sind sie gar eifersüchtig, weil sie gern selbst bekifft wären, es aber nicht sind? Oder wollen sie mir nur schonend beibringen, dass ich gerade nicht gesellschaftsfähig aussehe? Aber dann sollen sie doch lieber mit Lösungsvorschlägen kommen… Ich habe es mir bisher jedenfalls lieber verkniffen nachzufragen. Macht mich ja auch nicht schlauer, wenn ich weiß was die werten Fragenden über meinen Zustand (den ich ja obendrein nicht einmal besitze) denken.

„Du hast dich überhaupt nicht verändert!“ oder „Wie, du bist dreißig? Ich hätte dich viel jünger geschätzt.“, sind zwei weitere der Sprachlosigkeit auswirkenden Äußerungen. Das interessante an diesen Statements sind die verschiedenen Klangfarben und Intensitäten, in denen sie an mich herangetragen werden. Da gibt es diejenigen, die es mit einer gewissen Bewunderung aussprechen. Hier soll der Satz wohl ein Kompliment sein. Aber selbst wenn, das ist ebenso unglaubwürdig wie auch frustrierend. Weshalb? Dazu komme ich gleich noch… Dann gibt es diejenigen, die es mit einem fast schon enttäuschten Unterton hervorpressen. So als hätten sie sich gewünscht, dass mir in der Zwischenzeit Flossen, Flügel oder was weiß ich was gewachsen sind. Dass mein Gehirn um etliche Prozente geschrumpft oder anschwollen ist, etc. Oder sind sie selbst einfach nur neidisch? Weil der altersbedingte Verrottungsprozess an ihnen merklicher vorübergeht, als an mir? Und dann gibt es diejenigen, die diesen Satz fast nebenbei fallen lassen. Die, die einem mal sehr viel bedeutet haben. Denen man imponieren und gefallen wollte. Hier setzt augenblicklich eine Art Trotz ein und diverse Einwandmöglichkeiten a la „Aber ich bin doch jetzt viel cooler, unabhängiger, etc.“ schießen wie PingPong-Bälle durch den Kopf. Gut dass ich aber doch – wenn eben auch scheinbar auf den ersten Blick nicht sichtbar – gealtert und gereift bin und solche Kommentare genauso schnell auch wieder in meinem Kopf verwelken, wie sie aufgekeimt sind.

Egal ob Kompliment, Neid oder was auch immer, eine Reaktion meinerseits, auf diese Aussagen zu meinem altersbedingten Veränderungsprozess bzw. nicht-Veränderungsprozess, bleibt konstant bestehen: Fragezeichen in den Augen und ein sofort rotierendes Gedankenkarussell. Wie jetzt? Innerlich, äußerlich, komplett? Gut? Schlecht? Kurz gesagt: HÄÄÄÄ?

Und jedes Mal erwäge ich, ob ich Statements dieser Art auch mal lautstark hinterfragen oder kommentieren sollte. Mache es aber nicht. Vielleicht sollte ich mir stattdessen eines dieser Sprüche-T-Sirts zulegen. Mit der Message: „Ich weiß, ich habe mich überhaupt nicht verändert.“  (Oder im Falle des ersten Beipsiels: Nein, ich bin nicht bekifft, dass ist wie Gott mich schuf.) Und dahinter dann bitte ein sich vor Lachen kugelnder Smilie. Denn… Ich habe mich natürlich verändert. Zu aller erst mal: Ich kann inzwischen selbständig denken, sprechen und lesen. Also im Vergleich zu Minus dreißig Jahren. Zweitens habe ich Stil entwickelt. Ich trage keine ausgelabberten Latzhosen und Holzfällerhemden mehr, wie noch vor 15 Jahren. Drittens habe ich gelernt, dass es so etwas wie eine Frisur gibt. Viertens bin ich um einiges größer und schwerer als noch vor dreißig Jahren, aber auch um einiges schmaler also noch vor 10 Jahren war. Und fünftens sieht man mir die Jahre bei genauerem Hinsehen durchaus an: Da bahnen sich graue Haare und Miniaturfältchen ihren Weg auf den Kopf und ins Gesicht. Da droht der körperliche Verfall, etc. Nicht, dass ich auf letzteres besonders stolz wäre. Aber mit dreißig noch für zehn bis dreizehn Jahre jünger geschätzt zu werden ist nicht unbedingt ein Gütesiegel. Mag sein, dass ich in weiteren zehn Jahren, wenn man mich dann für dreißig anstatt vierzig hält, wie ein Honigkuchenpferd darüber freue. Und auch wenn man ein paar Takte mehr mit mir wechselt, sollte man erkennen, dass ich keine 18 mehr bin und durchaus eine angemessene Entwicklung hinter mir habe. Ich bestehe darauf!

So und nun? Ich werde derlei Aussagen einfach mit einem Lächeln quittieren. Denn wie sagt man so schön „Lachen ist die beste Medizin“. Und das gilt wohl auch für fragwürdige Zustände =)

MorgenGrauen

chr09_tasseFoto: © Christina Hanck, 2009

Der diesige Morgen drückt sich gegen die Fensterscheiben. Sie zieht die Decke fester um ihren Körper. Blinzelt. Liegt reglos. Lauscht in die Stille des anbrechenden Tages. Kein Duft von frischem Kaffee. Kein klappern von Tassen. Kein rauschendes Duschwasser. Die Leere treibt sie aus dem Bett.

Sie tritt ans Fenster. Ihr Atem malt Bilder. Sie wischt mit ihrer Hand darüber. Die Reflexion der Scheibe spiegelt ihr Gesicht. Heißt sie willkommen. Im neuen Tag. In der Realität. In der Einsamkeit.

Frühlingsgefühle

„Hatschi, ich habe gesprochen!“

Die Sonne scheint wieder. Wärmt mit ihren Strahlen Gemüter, weckt Lebensgeister. Die Vögel schmettern unermüdlich ihr klangvolles Konzert aus ihren kleinen Kehlen. Die Temperaturen werden angenehmer, die Kleidung luftiger und kürzer. Die Menschen strömen in die Straßen und durch die Stadt, lachen und schnattern. Reden sich den stummen Winter von ihrer Seele. Starten erste Annäherungsversuche oder lassen ihre Liebe neu erblühen.

Mit all dieser Schönheit erwacht auch der Wahnsinn der Großstadt wieder zum Leben. Hach, was haben wir ihn vermisst…

Yeah, endlich wieder sichtbare Hundehaufen, Pollenalarm, Parcourmöglichkeiten durch herumstehende Kinderwägen, wildgewordene Jogger, volle Cafes und Grünanlagen,… Ein Pulk an Radfahrern, der sich den Weg in Schlängellinien durch Straßenverkehr bahnt. Wütend hupende Autofahrer, die aufgrund des gesteigerten zweirädrigen Verkehrsaufkommens ihre Geduld verlieren. Menschenmassen, die sich durch die Grünanlagen schieben. Den sich gerade regenerierenden Rasen wieder platt walzen. Schicken mit ihren Grillinseln Rauchsignale in den Himmel und verwandeln ihn in ein offenes Buch. Überfüllte Cafes in denen man dem Tischnachbarn schon fast auf dem Schoß sitzt und Zeuge interessanter Gespräche wird – ob man will oder nicht: Tuchfühlung ist angesagt. Planlos umherirrende und unermüdlich gurrende Ratten der Lüfte. Immer mitten rein in das nächste Fahrrad oder die nächsten Fußgänger.

Und dennoch. Man liebt diesen Wahnsinn. Muss ihn lieben, vermittelt er doch endlich wieder das Gefühl von Lebendigkeit. Die Stadt erwacht aus ihrem Winterschlaf, die Menschen in ihr aus ihrer Lethargie. Dann reißen sie die Fenster auf, um die ersten lauen Luftströme in ihr Leben zu lassen. Um den Winterstaub hinfort zu wehen. Und wundern sie sich, dass sie die Grippe überrennt, denn noch ist das Interior überheizt und der Organismus Mensch kann mit der vielen frischen Luft nicht umgehen. Dann sitzen sie da, rotzen und niesen. Trompeten vor sich hin. Doch auch das kann die Frühlingsgefühle nicht dämpfen.

Endlich, die Hormone sind auf einem Hoch, komme was da wolle…

Auch bei mir im Büro ist das große Niesen ausgebrochen. Ein regelrechter Wettstreit. Und während ich noch denke: Da mache ich nicht mit, kribbelt es in meiner Nase, kratzt es im Hals. Und bevor ich mit rauer Stimme etwas sagen kann: HATSCHI!

Die Kommunikation der Kommunikationslosen

Wir leben im so schön betitelten Kommunikationszeitalter. Was es nicht alles gibt, dass Kommunikation heute einfacher und vor allem auch schneller möglich ist. Kein verabreden wenn man sich sieht, sondern nur ein „wir simsen“ oder „wir mailen“. Kein „wollen wir unsere Nummern austauschen“, sondern ein schlichtes „Facebook?“.

All diese schönen technischen Gimmicks machen die Kommunikation aber nicht nur schneller, sondern auch unverbindlicher. Man sagt Treffen und Termine leichter wieder ab, man meldet sich nicht, etc. Was ist nur aus dem guten alten Dialog von du zu du geworden? Alles halb so wild, mag nun einer denken. Man muss eben sehr genau abwägen mit wem man in unserer so hektischen und schnelllebigen Zeit wirklich Zeit verbringen möchte. Ja, das ist in der Tat jedem selbst überlassen und sicher bin auch ich nicht davor gefeit. Aber bei manchen, so konnte ich in der letzten Zeit immer wieder feststellen, verkümmert die, ich will es mal „reale Kommunikation“ nennen, immer mehr. Ich frage mich gar manchmal, ob sie das Sprechen verlernt haben? Vielleicht bildet sich der Sprachmuskel ja mit zunehmender Technisierung der Kommunikation zurück…

So saß ich letztens, an einem miesepetrigen Sonntagnachmittag in einem gemütlichen Café, und konnte an meinem Nachbartisch ein junges Pärchen beobachten. Mein Alter, vielleicht etwas jünger. Man sollte meinen mitten im Lebend stehend, aufgeweckt und kommunikativ. Aber diese zwei Beiden hatten sich scheinbar nichts zu sagen. Denn jeder starrte und tippte unentwegt auf seinem Smartphone herum. Ich glaube in den 1 ½ Stunden, die sie dort neben mir saßen, haben sie kein einziges Wort miteinander gewechselt. Das höchste der Gefühle war die Bestellung an den Kellner. Also wenn sie dort gesessen hätten und sich unentwegt stumm in die Augen gestarrt hätten… Dann wäre da noch so etwas wie ein Funke Interesse mitgeschwungen und man hätte die Wortkargheit einer faszinierten Sprachlosigkeit zuschieben können. Aber so? Man kann sich ja nun vieles zusammenreimen, aber ich kam immer wieder zu der selben Erkenntnis: Wie traurig! Und was für eine Geldverschwendung. Also anschweigen könnten sie sich auch billiger…

Dank Smartphone, Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. gibt es auch unter Freunden einen neuen Freizeittrend. Das gemeinsame Treffen zum Smartphoniesieren. Spieleabend, Videoabend oder gar gemeinsames Kochen und Quatschen? Sind out. In ist wer drin ist. Im Netz. Dauernd und immer abrufbar. Und so kann man seit neusten immer wieder Gruppen junger Menschen beobachten, die abends in einer Kneipe um einen Tisch herum sitzen, und alle auf ihren Smartphones herumschieben, tippen, etc. Immerhin sie haben Spaß. Zumindest ihrem lauten Lachen nach zu urteilen. Bei genauem Hinsehen muss man jedoch eingrenzen. Denn sie lachen nicht miteinander sondern für sich. Allerdings wird sich hier aber hin und wieder gegenseitig das Smartphone unter die Nase gehalten, um die neusten Errungenschaften der virtuellen Welt zu präsentieren. Da ist er also noch, der Funke leibhaftiger Kommunikation. Ein Anfang von zurück zur „realen Kommunikation“. Man will also nicht allein sein, hat sich aber dennoch nicht zu sagen? Herje… Ich will nicht behaupten, dass alle Besitzer neuer technischer Kommunikatiosgimmicks so sind. Und ich habe auch nichts gegen all diese technischen Kommunikationsmittel. Auch ich verschicke sicherlich mal eine SMS, wenn ich mit jemand anderen unterwegs bin. Aber wenn ich mich treffe, dann treffe ich mich auch. Ich bin an dem Menschen interessiert, nicht nur an seinem Antlitz. Aber diejenigen, die so sehr an ihre virtuellen und technischen Kommunikationsmittel gefesselt sind, wohl nicht. Nicht auszudenken, wenn ihr treuer Wegbegleiter mal den Geist aufgibt. In diesem Fall müssen sie sich wohl fühlen, als wenn man ihnen das Lebenselixier entzogen hat… Da kann man ja schon fast Mitleid bekommen.

Die Krönung des ganzen kommunikationslosen Kommunikationswahnsinns sind jedoch die Pärchen, WG-Partner & Familien, die sich in der selben Wohnung befinden, aber anstatt drei Schritte zu gehen und sich Dinge persönlich mitzuteilen, die moderne Technik für die zwischenmenschliche Kommunikation verwenden. Da wird sich via Skype oder WhatsApp unterhalten. „Hey Schatz, du glaubst nicht, was mir heute passiert ist…“. Da werden keine gemeinsamen Brettspiele mehr am Tisch gemacht. Nein, da sitzt einer da in seinem Kämmerlein, der andere drei Meter durch eine Wand entfernt. Und man spielt gemeinsam Online-Games. Da wird nicht mehr zusammen im Wohnzimmer gesessen und vorgelesen. Da sitzt man, wie die Hühner auf der Stange, nebeneinander auf dem Sofa. Jeder mit einem Smartphone, IPad oder ähnlichem in der Hand, abgetaucht in seine eigene Twitter-, Facebook- oder Was-auch-immer-Welt. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass man sich morgens auf dem Flur begegnet und denkt: Wer bist du denn?

Ich für meinen Teil frage mich: Wozu bitte lebt ihr mit einem Partner zusammen? Warum lebst du in einer WG? Oder sind diese Menschen vielleicht sogar glücklicher, als diejenigen ihrer Zeitgenossen, die sich nach „realer Kommunikation“ sehnen, sie aber nicht bekommen? Weil sie sich schneller zufrieden geben? Nämlich mit einem Wort oder einer Emoticon auf einem Bildschirm? Weil sie gar nicht bemerken, dass sie ein Mensch sind, der eigentlich ein Herdentier ist und nach Gemeinsamkeit strebt?

Wenn ich mich so betrachte: Ich jedenfalls „verzehre“ mich nach realer menschlicher Kommunikation. Nach einem Gegenüber, dem ich beim Kommunizieren in die Augen schauen kann. Dessen Mimik und Gestik ich sehen kann. Dessen Gefühle ich erahnen kann. Und die? Haben es nicht nötig. Schicken sich Smilies. Is‘ ja natürlich auch viel aussagekräftiger als sich gegenüberzusitzen, in die Augen zu schauen und zu erahnen, was der Partner, der Kumpel, die Schwester, etc. gerade so denkt und fühlt. Seufz!

Und das ist sie dann also, die Kommunikation der Kommunikationslosen. Ich habe beschlossen: Da mache ich  nicht mit. Zwischen den kleinen Anfällen technisierter Kommunikation harre ich aus und warte auf die großen Momente. Die reale Kommunikation von du zu du.

Samt & Seide

chr07_blue_streetFoto: © Christina Hanck, 2007

Die tiefblaue Farbe legt sich wie ein Stück Samt über die Stadt. Die Laternen auf der kleinen Brücke spiegeln sich zitternd und glitzernd auf der dunklen Wasseroberfläche. Zaghaft, fast zerbrechlich. Wie alles Schöne.

Ein Schirm. Aus den Händen seines Besitzers gleitend. Wirbelt tanzend durch die Luft bevor er platschend auf der Wasseroberfläche aufschlägt. Gemächlich schaukelt er davon. Irgendwo ins Nirgendwo. Auf dunkler Seide.

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil 5): Das bittere Ende…

„Gut Ding will Weile haben“, heißt es ja so schön. Und auch wenn ich dieses Sprichwort durchaus bestärken würde, muss ich es ja nicht mit „Wer suchet, der findet“ erreichen wollen.

Nun war ich also ein paar Monate Besitzerin eines Onlinedating-Accounts. Und nichts war dabei herumgekommen. Außer viele graue Haare, endloses Kopfschütteln, große und immer größer werdende Augen, Sprachlosigkeit, etc. Und so beschloss ich: Nein Danke! Nicht mit mir! Genug ist genug! Adieu Onlinedating

Wie nur, sagt mir wie?

Ich weiß, es gibt Paare, die haben ihr Glück online gefunden. Das hat mir erst gestern wieder meine Mam erklärt. Mein erster Gedanke war natürlich: Ja, in dem Alter vielleicht. Da sucht man vielleicht nicht mehr nur ein Abenteuer. In meinem Alter jedoch gibt es einfach zu viele, die eben genau das suchen und sich dann auf diesen Seiten tummeln. Nach meinen Erfahrungen frage ich mich also nach wie vor: WIE??? Ein paar Gespräche mit Freunden und Bekannten brachten mal wieder etwas mehr Licht ins Dunkel. Mögliche Antworten auf die Frage, warum ich fast ausschließlich eigentümliche Erfahrungen zum Thema Onliedating gemacht hatte. So erklärte mir ein Freund, der bereits mehrere Onlineplattformen ausprobiert hat, dass sich die verschiedenen Onlineplattformen in ihrem Klientel sehr unterscheiden. Da ich in der Tat auf  eine der kostenfreien zugegriffen habe, kann es natürlich sein, dass man dort auch vermehrt eine bestimmte Spezies vorfindet. Vielleicht mag es aber auch daran liegen, dass auch mein Profil nicht das aussagt, was es aussagen soll. Sondern Dinge sagt, die es lieber nicht sagen sollte. Zum Beispiel: ‚Hallo, ich will nur meinen Spaß.‘ Das wäre zumindest eine Erklärung, warum sich nur die Falschen angesprochen fühlten. Und ein Grund mich mal selbst genauer unter die Lupe zu nehmen. Es könnte allerdings auch schlicht und ergreifend daran liegen, dass ich zu wählerisch bin. Und vielleicht zeigt es auch, dass ich diesbezüglich einfach keine Geduld habe. Aber ich hatte meine Gründe…

Die Qual der Wahl macht es (fast) unmöglich

Als ich einem Bekannten meine jüngste Erkenntnis mitteilte sagte dieser zu mir: „Aussehen entscheidet wer zusammen kommt, Charakter entscheidet wer zusammen bleibt.“ Und damit hatte er wohl irgendwie Recht. Und bestätigte einmal mehr meine Meinung von Olinedating. Zu sehr verleitet die große Auswahl, nach dem Perfekten zu suchen. Oder eben dem Gegenteil, einfach alles mitzunehmen was geht. Mir aber war weder die eine, noch die andere Spezies lieb. Ich wollte niemanden kennenlernen, der einfach alle Frauen attraktiv fand, Hauptsache er kam irgendwann zum Zug. Und ich wollte auch niemanden kennenlernen, der mich nur datete, weil ich in diesem Moment das Beste war, was er herauspicken konnte, im nächsten Moment dann aber etwas noch Besseres nachrutschen konnte. Und damit ist und bleibt Onlinedatinge für mich ein Supermarkt der Eitelkeiten. Und es verhält sich wohl wie mit einem Flohmarkt. Man muss schon sehr geduldig sein um zwischen all dem Plunder ein wirklich wertvolles Schmuckstück zu finden.

Und auch wenn ich noch immer fassungslos darüber bin, was ich mir so an Beleidigungen anhören musste. Es war in gewisser Weise auch lustig. Alles in allem ein sehr interessanter Selbstversuch. Schließlich soll man ja alles mal probiert haben… Natürlich ließe sich dieses Experiment ins unermessliche ausreizen. Nach dem Motto ‚Wer mit wem?‘. So wäre es doch wahnsinnig spannend sich diverse Fake-Accounts anzulegen und zu schauen, welches Klientel man damit so anspricht. Aber keine Sorge: Das werde ich nicht tun. Immerhin bezahlt mich keiner für diese Art der Zeitverschwendung und gemein wär’ es obendrein. Denn auch wenn ich zum aktuellen Zeitpunkt keinen potenziellen Partner kennengelernt habe und auch nur wenige Männer ausgemacht habe, die wirklich daran interessiert wären, gibt es sie eben doch: Diejenigen, die daran glauben. Diejenigen, die ihr Glück finden. Und vielleicht braucht man ja eben auch einfach den Glauben an die Sache, damit es funktionieren kann.

Selbsterkenntnis

Immerhin, und damit hat das ganze Experiment ja auch einen positiven Beigeschmack, habe ich einiges über mich selbst gelernt: Ja, ich bin wohl anspruchsvoll. Und ja, ich misstraue der Onlinewelt und mache des den Männern deshalb wahrscheinlich auch nicht gerade einfach. Dennoch ist es nicht so, dass ich niemandem eine Chance gebe. Ich selektiere nur sehr genau. Was mir aber keiner vorwerfen kann. Denn erstens ist Onlinedating, wie bereits erwähnt, wohl der Selektionsherd schlechthin. Zweitens hat man ja auch noch andere Dinge im Leben zu tun und muss schon allein deshalb sehr genau wählen was sich lohnt und was lediglich Zeitverschwendung wäre.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

Ich für meinen Teil habe gemerkt: Ich präferiere es dann doch jemanden gleich in der Wirklichkeit kennenzulernen. Wie habe ich zu Beginn meines Experiments gedacht: Wer sich online auf die Suche nach einem Partner begibt muss ziemlich verzweifelt sein. Ich war nicht verzweifelt, aber schon irgendwie angenervt, dass es in einer Großstadt wie Berlin so schwer ist jemanden kennenzulernen. Und wie denke ich nun darüber? In gewisser Weise finde ich macht Onlinedating erst verzweifelt. Ich für meinen Teil dachte mir zumindest ziemlich oft: Also wenn es nichtmal hier klappt. Hilfe! Wie und wo dann? Und genau deshalb erkläre ich mein Experiment hiermit offiziell für beendet. Denn auch hier handhabe ich er gern sprichwörtlich: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Natürlich werde ich meinen Account jetzt nicht sofort löschen, aber ich werde nicht mehr aktiv auf die Recherche gehen. Einfach ruhen lassen und sehen was passiert. Vielleicht findet mich das Glück ja eher als andersherum…

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil 4): Der Lauf der Dinge…

Ich war ins kalte Wasser gesprungen. Ich hatte auf einige meiner Onlinedating-Anfragen geantwortet und ich hatte auch selbst ein paar Männer angeschrieben. Wirklich nur ein paar, denn mir fiel auf, dass ich einfach nicht ohne einen Anknüpfungspunkt kommunizieren konnte und wollte.

Ein einfaches „Hallo“ wäre mir zu belanglos und plump vorgekommen. Schließlich fand ich Anfragen dieser Art selbst nichtssagend. Deshalb verstand ich nun auch den Sinn der absurden Fragen, die ich zu Beginn meiner Anmeldung ausfüllen musste. Hier lagen sie. Die Möglichkeiten für einen Konversationsbeginn. Und auch wenn es da ein paar Männer gab, die Übereinstimmungen aufwiesen, bei deren Angaben ich grinsen oder nicken musste… Irgendwas war meist, was mich zögern ließ. Und wenn ich erstmal zögerte, dann war  es auch schon zu spät. Also musste ich ebenfalls feststellen, dass wohl etwas dran ist, an dem Vorurteil mir gegenüber, dass ich zu wählerisch bin. Man hatte hier aber auch die Möglichkeit sehr wählerisch zu sein. Und wie sich heraussstellte, sollte man dies auch… Aber zurück. In der Tat fand ich nur wenige Aussagen, die sofort etwas in mir auslösten. Die blitzartig eine Frage oder eine lustige Antwort in meinen Kopf zauberten. Wenn dem so war, war der erste Schritt getan und es konnte passieren, dass auch ich mal jemanden anschrieb. Das „Springen in Regenpfützen“ als Sport und Ausdruck von Lebensfreude war zum Beispiel eine solche Aussage. Und dennoch kann ich die Männer die ich anschrieb an einer Hand abzählen. Stattdessen beschränkte ich mich also zunächst darauf den Männern zu antworten die mich anschrieben. Sollten sie doch für ihren Mut belohnt werden

Doch da war schon er schon, der nächste Minuspunkt auf meiner Pro-Contra-Onlinedating-Liste. Denn antwortete man dann also erstmal ganz nett auf ein plumpes „Hallo“ oder ähnliches, kam oft nichts mehr zurück. Meine lieben Herren, das erweckt leider den Eindruck als würdet ihr erstmal wahllos alle möglichen Frauen anschreiben, in der Hoffnung, dass sie antworten und euch dann eine rauszupicken. Das Gefühl eine Fehlentscheidung oder nur zweite Wahl zu sein bestärkt jedoch nicht unbedingt die Pro-Seite der Liste. Aber ich will ja gar nicht meckern, wer weiß was mir dadurch alles erspart geblieben ist. Denn das, was sich dann an „Gesprächen“ entwickelte, war ein Graus.

Und wie sollte es anders sein, auch im Verlauf der Konversation lassen sich bestimmte Typen herauslesen. Die bei mir nachdrücklich im Gedächtnis verankerten, will ich mal wieder zusammenfassen um meine Vorurteile gegenüber Onlinedating zu untermauern. Denn ich echauffiere mich ja nicht einfach so. Auch wenn das der eine oder andere denken mag. Ich  meckere auf der Basis fundierter Recherche. Hier folgend nun zu den verschiedenen Kommunikationstypen.

Der Falschversteher erklärt gern seine eigenen Nachrichten, Humor ist bei ihm an der falschen Adresse, er versteht ihn nicht und schmettert deshalb Antworten wie: „Ich bin schlauer als du denkst!“ Wenn man dann einen neuen humorvollen Versuch startet und beispielsweise darauf antwortet: „Woher willst du wissen für wie schlau ich dich halte? ;)“, verkennt er den Humor abermals, ist stattdessen beleidigt und wird ausfallend: „Wie kommst du dazu so mit mir zu reden. Ich bin sehr wohl ein intellektueller Typ der weiß was er will […]“ gefolgt von einem bösen Schwall Worte über Spielchen, Loser und Winner. Und natürlich der abschließenden Erkenntnis, dass ich der Loser bin und er sich entschuldigt, dass er mich gekränkt hat. HÄÄÄÄ???? Ich sage dazu nichts mehr, schüttele nur den Kopf und denke mir einmal mehr: nur Idioten unterwegs… Also echt mal…. So krass kann man doch gar nicht aneinander vorbeireden.

Der Schürzenjäger hingegen schreibt immer wieder das Gleiche. Im Wortlaut. Das erweckt den Anschein, als hätte er ein Kontingent an vorgefertigten Nachrichten, die er dann mit geändertem (oder auch nicht) Namen an seine Auserwählten herausschickt. Wieder andere schreiben dir, obwohl du ihnen schon geantwortet hast, im wöchentlichen Takt dreimal die gleiche Mail. Ebenfalls im Wortlaut. Bei der zweiten dachte ich noch: Ok, hat er wohl verbaselt. Nett wie ich bin (so jedenfalls die Annahme, da auch das eine der beliebtesten Erstkontakte an mich war „Du siehst nett aus“), antwortete ich eben noch mal auf die selben Fragen. Beim dritten Mal allerdings siegte dann doch mein Misstrauen. Der Mann: Modeltyp. Italiener. Schön. Nicht mein Geschmack, aber schön. Die meisten Frauen würden wohl auf ihn fliegen. Bei mir keimte jedoch das Vorurteil gegenüber Latinlovern auf: Schürzenjäger. Ich dachte mir also: Ich bin ja nett und habe nichts zu verlieren, antwortete also: „Das hast du mich schon mal gefragt ;)“ Die Antwort darauf: „Also wollen wir telefonieren?“ Auch das hatte er schon mehrmals gefragt. Und auch das teilte ich ihm mit, mit dem Hinweis, dass ich langsam das Gefühl bekomme mit einer Wand zu reden. Natürlich netter formuliert. Oder doch eher mit einem computergenerierten Account? Mein Misstrauen war auf jeden Fall geweckt. Es schien als würde er den Überblick verlieren. Als würde er allen Frauen die gleichen vorgefertigten Mails schreiben und gar nicht mehr durchsehen, welche Frau ihm bereits geantwortet hatte. Seine Antwort auf meinen Hinweis war wiederum folgende Erklärung: Er wolle mich eben einfach unbedingt kennenlernen. Aber wenn ich nicht will, werde ich wohl als alte Jungfer enden, denn er sei nun mal der Richtige für mich. Was sagt man dazu? Also ich für meinen Teil sagte lieber gar nichts mehr. Ich lass mich doch hier nicht verarschen… Bzw. wahrscheinlich hatte ich das bereits…

Der schlechte Verlierer oder oft auch damit einhergehende frauenfeindliche Chauvinist wird beleidigend wenn man nicht so will, wie er will. Sie treffen innerhalb des Mailvekehrs immer wieder Aussagen, die vermuten lassen, dass sie Frauen und Männer nicht auf eine Stufe stellen. Dass sie Frauen nur fürs Bett oder den Haushalt suchen. Wenn man ihnen dann ein Treffen abschlägt, können sie nicht damit umgehen. Stattdessen drehen sie frei und Frau darf sich dann auch hier wüste Beschimpfungen anhören. Beschimpfungen, die unter die Gürtellinie gehen. Eine ganz besonders „nette“ Aussage habe ich mal für euch aufgehoben: „Vorher hatte ich ja immer ne Vagina im Kopf, aber jetzt kann ich’s dir ja sagen: Aus dir wird nie was.“ Zwei Tage später von dem selben Mann dann ein Nachtrag: „Egal. Komm rum, mach dich nützlich.“ Sachma hackt’s? Glauben diese Männer tatsächlich, dass sie eine Frau rumbekommen, wenn sie sie derartig beleidigen? Haben bzw. hatten sie damit schon Erfolg? Und das war nicht die einzige Erfahrung dieser Art, bei weitem nicht. Da danke ich doch meinem gesunden Menschengespür und mache drei Kreuze, dass ich diesen jemand nicht näher kennengelernt habe.

Und dann gibt es in dieser Kategorie auch diejenigen, die dich sofort mit Beleidigungen bombadieren. „Deine Fotos sehen so aus als würdest du absichtlich unsexy sein wollen.“, „Hast du keine besseren Fotos“, Du bist sicherlich prüde., So wie du schaust, vergrauslt du doch alle., etc. Und danach wundern sie sich, dass du ihre Bitte abschlägst in ihrem Hotelzimmer zum Schäferstündchen vorbeizuschauen. Hallo, ich bin doch prüde!!! Hat man da noch Worte? Also ich für meinen Teil sah nur alle meine Warnblinkanlagen schwirren und fühlte mich aufs Neue bestätigt.

Der Drängler wiederum schreibt jeden Tag irgendwas Belangloses worauf man mit der Zeit auch nicht mehr wirklich antworten kann und will. Sie schreiben trotzdem weiter, werden aber immer fordernder und vorwurfsvoller. Irgendwann kommen dann Fragen wie: „Habe ich was falsch gemacht?“ Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich nicht rund um die Uhr in diesem Portal verweilte, da ich auch noch andere Dinge zu tun hatte und ich ehrlich gesagt auch nicht so darauf stehe, wenn man mich drängelt. Seine Reaktion daraufhin: „Ach, eine Mail täglich is der Dame also schon zu viel. Schnepfe.“ Und noch ehe ich antworten konnte, dass der Ton die Musik macht und vorwurfsvolle Nachrichten nicht unbedingt dazu beitragen, dass ich den Menschen kennenlernen möchte, hatte er mich bereits auf seine Sperrliste gesetzt.

Der scheinheilige Missionar hingegen beginnt dich nach einem eigentlich ganz guten Auftakt missionieren zu wollen. Zunächst stellt er interessiert Fragen und bewundert dein Tun. Nach und nach offenbart er dir, dass er ja ein Frauenversteher sei. Jemand, den man mitunter Womanizer nennt. Er gebe sogar Kurse und habe schon vielen Frauen zu mehr Glück in der Liebe verholfen. Ähm halt mal… Ich bin hier nicht eine deiner Kundinnen!!! Ich ging auf Abstand, doch er hörte gar nicht mehr auf. Er hatte sich wohl so richtig in Fahrt geschrieben. Denn nun musste auch noch mein Werdegang dran glauben. Er versuchte mir tatsächlich einzureden, dass ich mit einem anderen Job besser dran wäre und ließ einfach nicht locker. Hilfe!!! Stohoppp!!! Und das sagte ich ihm dann auch. Ich sagte ihm ganz höflich, dass mir das Gespräch gerade in eine falsche Richtung ging und ich davon absehen würde ihn noch näher kennenzulernen. Da fragt man sich doch echt… Wie krass, Onlinedating-Plattformen als potenzielle Arbeitsbörsen. Da suchen so Coaches hier also ihre Kunden. Wie niederträchtig! Ob das legal ist? Und auch seine abschließende Reaktion auf meinen Rückzieher war nicht gerade nett…

Gab es denn hier nur Verrückte, Lügner und mehr Schein als Sein? Bei meinen Erfahrungen frage ich mich doch: Haben diese Männer wirklich alle nur Sex im Kopf? Denn kaum bekommen sie eine Abfuhr, verlieren sie jegliche Manieren und führen sich auf wie der letzte A…A…A…Allerwerteste? Also das ist definitiv nicht meins. Warum setzte ich mich freiwillig so etwas aus? Ich musste wohl ebenfalls verrückt sein… Denn auch wenn mir diese Männer wohl letztlich alle egal waren, setzten diese Erfahrungen mir und meinem Selbstbewusstsein zu. Einmal mehr machte ich mir Gedanken um meine Ausstrahlung. Was, wenn es wirklich an mir lag? Wenn ich irgendwas ausstrahlte und suggerierte, was genau diese Art Typen anlockte? Hilfe!!! Vielleicht brauchte ich ja wirklich einen Coach…

Die Erkenntnis

Und wie war es nun bei den Männern, die ich selbst angeschrieben hatte? Ich muss gestehen, es waren nur zwei. Aber ich war ja eben nicht auf der Suche nach irgendjemand oder einem schnellen Abenteuer. Immerhin bekam ich von den beiden, die ich angeschrieben hatte eine Antwort. Das ja war ja schon mal was. Und auch die Unterhaltungen waren ganz nett. Dennoch, der Deckel für den Topf war nicht dabei. Wie hatte meine Freundin gesagt: Männer sprechen oft nur Frauen aus einer höheren Liga an. Und wie ich nun zu allem Übel feststellen musste: Spricht man als Frau dann selbst Männer aus der eigenen Liga an, bekommt man früher oder später einen Korb. Denn auch sie sind natürlich auf der Suche in der nächst höheren Liga…

Ich für meinen Teil war nun also nicht nur schockiert über die vielen unsäglichen Beschimpfungen, die ich hier über mich ergehen lassen musste. Sondern verlor so langsam auch den letzten Funke einer nie vorhandenen Überzeugung, dass ich hier potenzielle Partner kennenlernen könnte. Und was machte ich nun mit dieser Erkenntnis? Ich ging erst einmal in mich…

Fortsetzung folgt…

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil 3): Hau, ich habe gesprochen…

Kurz nachdem ich meine ersten Onlinedating-Erfahrungen gesammelt hatte, unterhielt ich mich mit einem Freund, der ebenfalls bei einer Onlineplattform angemeldet ist. Und er klagte mir sein Leid, dass die bösen, bösen Frauen einfach nie antworten würden oder nur schnippische Antworten parat hätten. Ich schätze meinen Freund sehr und bin davon überzeugt, dass er es versteht sich verbal auszudrücken und ein vernünftiges Gespräch mit einer Frau zu führen. Aber angesichts meiner ersten Post im Onlinebriefkasten, hegte ich Bedenken, dass auch er einer der Männer sein könnte, der es bereits mit dem ersten Spruch versaut. Oder die falschen Frauen herauspickt. Und so fragte ich ihn: „Was schreibst du denen denn so?“ Seine Antwort bestätigte meine Vermutung: „Hallo“. „Und was antworten sie darauf?“, fragte ich weiter. Nun redete er sich richtig in Rage: „Entweder gar nichts oder sie kanzeln dich mit nem Hallo ab. Zeugt ja nicht gerade von Interesse.“ Und da hatte er sich die Lösung des Problems bereits selbst auf dem Silbertablett serviert. Vorsichtig fragte ich dennoch noch einmal nach: „Aber was soll man auch auf ein ‚Hallo’ groß antworten?“ Mein Kumpel schaute mich verwirrt an und ich versuchte ihm anhand meiner eigenen Erfahrungen zu erklären, dass ein einfaches ‚Hallo’ (oftmals aber auch eines mit Nachdruck, also ein Halloooo!!!) circa 98Prozent aller Mails ausmachen, die eine Frau online bekommt. Mann geht damit also nicht nur in der Masse unter, es wird schlichtweg auch einfach zu wenig Interesse signalisiert. Und ist Frau dann nett und antwortet ebenfalls mit ‚Hallo’ ist sie auch noch schnippisch. So oder so, sie kann es also nur falsch machen. Ich preschte vor und stellte die These in den Raum, dass es mitunter also nicht nur an den bösen, bösen Frauen liegt, dass sie nicht antworten. „Hä? Na an wem denn sonst?“, fragte mein Kumpel ungeduldig. Ich traute es mich gar nicht auszusprechen, immerhin war er schon vollkommen aufgebracht, also zog ich es abermals vor ihn an meinen Erlebnissen teilzuhaben. Vielleicht würde ihm ja dann ein Licht aufgehen…

Ähnlich wie mit dem ersten Eindruck via Bild, verhält es sich bei der Onlinesuche auch mit dem ersten Spruch. Und ähnlich wie ein Bild, lässt auch so ein erster Spruch bereits einiges auf den Verfasser schließen. Im realen Leben hat man eventuell noch die Möglichkeit, einen verbal entgleisten Anmachspruch wieder gerade zu biegen. Sich in ein anderes Licht zu rücken. Das Interesse des anderen anderweitig auf sich zu ziehen. Beim Onlinedating ist die Reaktion auf eine derartige Anmache oft nur ein blitzartiger Reflex: Delete.

Nach einer Woche Abstinenz und erneutem Hadern, ob ich wirklich einen Blick in meine neue Flirtmöglichkeit werfen sollte, mischte sich der Argwohn nun doch auch mit Neugierde. Was würde mich erwarten, wenn ich mein Postfach öffnete?

Immerhin keine gähnende Leere. Auch das hätte ja tendenziell möglich sein können. Und wäre wohl, so dachte ich zunächst noch, das wohl deprimierendste Resultat meiner Anmeldung. Aber da hatte ich mich geirrt. Noch deprimierender als gar keine Nachrichten zu bekommen, war wohl die Tatsache was mich dort für Nachrichten erwarteten. Es war zum Haare raufen. Zum wegrennen. Zum schreien. Da meinten tatsächlich welche, der Mann zu sein, den ich schon immer gesucht habe, ohne mich auch nur ansatzweise zu kennen. Ähm sorry, aber da gehört für mich schon mehr dazu als ein Spruch, ein Bild und ein Profil, was noch dazu alles gefakt sein kann. Bei all den nun folgenden Beispielen schreit mein Gehirn lediglich „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Denn auf manche Sprüche weiß selbst ich einfach keine Antwort. Gedanklich lief ich also wieder einmal die Wände auf und ab und fragte mich wie auch schon so oft in der Realität: Was war nur mit der Männerwelt los? Bzw. sollte ich mir so langsam Sorgen um meine Ausstrahlung machen? Lag es letztlich nicht vielleicht sogar an mir, meinem Aussehen, meinen Skills, etc., dass ich, wenn ich schon mal angesprochen wurde, immer nur von denen anvisiert wurde und werde, von denen ich lieber gar nicht wahrgenommen werden möchte?

Ähnlich wie schon bei den Fotos und Pseudonymen, lassen sich auch bei der Art & Weise des Schreibens verschiedene Kategorien einteilen.

Da gibt es die Direkten. Jene, die versuchen die Anvisierte via Holzhammermethode mental förmlich schachmatt zu setzten. Sie konfrontieren dich ohne ‚Wenn & Aber’, ja sogar ohne jegliches ‚Hallo’ und weiterer Floskeln, mit Bekundungen wie: „Isch liebe disch“, „Du bist so schön, ich würde sogar deinen Bruder heiraten um in deiner Nähe sein zu können.“, etc. Ich bin davon überzeugt, dass es sich hier um einen Scherz handelt. Jedenfalls bilde ich mir das ganz fest ein, um den Glauben an diese Männer nicht zu verlieren. Denn mal ganz ehrlich liebe Männer, gibt es wirklich Frauen, die auf derartige Sprüche reagieren? Glaubt ihr, dass wir diese voreiligen Liebesbekundungen witzig finden könnten? Ich bin echt froh, dass ich bei all dem Kopfschütteln kein Schleudertrauma davongetragen habe.

Neben diesen all zu Schnellen – bei denen man ja auch sofort annimmt, dass sie in/bei anderen Dingen genauso schnell sind, was mitunter keine anregende Vorstellung ist – gibt es die Schmeichler & Überambitionierten. Sie versuchen mit überzogenen Komplimenten das Interesse zu wecken und schießen damit aber oft über das Ziel hinaus. Zumindest angesichts der Tatsache, dass dies der erste Kontakt ist und alles worauf sie sich beziehen ein Foto ist. Mit Aussagen wie: „Ich darf dir verraten […] Ich mag Frauen mit langen braunen Haaren die auch noch das „gewisse Etwas“ haben ;-)“ oder „Ich wusste es immer: Reallife is beautiful :))Tolle Mähne… und der Blick erst…soma soma :)) […]“ Zunächst dachte ich bei diesen Zeilen noch: Vielen herzlichen Dank für das Kompliment. Der zweite, gleich hinterherschießende Gedanke ist jedoch: Wie oberflächlich. Alles was er erwähnt ist das Äußere. Und interessant im Übrigen, dass oben Genannter das gewisse Etwas in mir erkennt. So etwas nenne ich wahre Telepathie, wo wir doch weder miteinander kommuniziert, noch uns real gesehen haben. Unfassbar! Sie erwecken mit solchen Aussagen den Anschein, als wären sie nicht wirklich daran interessiert, den Menschen dahinter kennenzulernen. Als gehe es ihnen lediglich darum ein Prestigeobjekt ‚klar zu machen’. Und ich will gar nicht behaupten, dass sie dies absichtlich tun. Nein, es wurde ihnen bereits mit den Kinderschuhen antrainiert. Man will doch Eindruck bei Papa, Mama und all den Freunden schinden. Liebe Männer, ihr müsst wegkommen von dieser Denke. Bekommt eine Frau das Gefühl, dass ihr sie nur auf ihr Äußeres reduziert, ist sie schneller weg als ihr gucken könnt. Und in diesem Fall kann dies eben auch bedeuten: Keine Antwort. Und ihr könnt wieder schimpfen auf die bösen, bösen Frauen, die nicht einmal antworten. Ich will noch einmal kurz ausholen, damit kein falscher Eindruck entsteht. Komplimente sind natürlich durchaus ok, aber der Zeitpunkt und die Umstände sollten doch sehr genau gewählt sein. Und hier hat sich durch diverse Gespräche mit Frauen und Männern mein Eindruck bestätigt, dass Frauen es oftmals weitaus geschickter anstellen einen Mann anzusprechen. Natürlich schreiben auch sie Männer an, die sie attraktiv finden. Schließlich ist das Äußere nun mal oft das erste was ins Auge sticht, gerade beim Onlinedating. Aber: Frauen fallen damit eben nicht plump zur Tür herein. Vielmehr suchen sie in seinem Profil nach einem Anknüpfungspunkt, schreiben ihn daraufhin an und zeigen damit Interesse an seiner Person.

Zu diesen Männern gibt es natürlich auch genau das Pendant. Jene, die nicht versuchen eine Frau mit Komplimenten zu locken, sondern mit ihrer Kreativität. Zumindest nehmen diese Dichter & Denker (wie ich sie mal betiteln möchte) an, das auserwählte weibliche Objekt der Begierde mit ihrer Poesie bezirzen zu können. Leider ist die Lyrik mitunter nicht das, was ihnen wohl wirklich liegt. Und so erwecken sie damit leider eher den Eindruck als wollten sie nur ihre Poesie an den Mann, äh die Frau, bringen. So reimen sie beispielsweise: Ich bin fein, mein Herz rein, lass mich in dein Leben ein. oder „Ich heiße xxx, daß ist mein Name, und du bist eine wirklich wunderschöne Dame… Ich wohne in xxx, im xxx-Teil Berlins, trägt du wie ich auch gerne mal Jeans… Und nun zu meinen Hobbies, da habe ich Viele, es geht über Badminton, Joggen und Billard was ich gerne spiele… Nun zu meiner Person, ich bin ehrlich und direkt, ich hoffe ich habe dich damit nicht verschreckt… Sarkasmus und Ironie gehören zu meinem Humor, was magst du denn gerne, wie schießt man bei dir ein „Tor“… Wie ist dein Name und wo kommst du her, diese Frage zu beantworten ist doch nicht schwer…“ Super wird es dann, wenn dir diese Dichter im Anschluss erklären, dass sie die all zu offensichtlich lange ausgefeilten und wohl an jede, für sie interessante Frau, gemailten Ergüsse, gerade mal so spontan heruntergeschrieben haben – „Garnicht so einfach spontan über sich selber zu dichten. Aber du hast recht, eine poetische Ader habe ich sehr wohl in mir…“ Ähm, ich habe Recht? Du leidest wohl an Halluzinationen. Ich habe noch kein Sterbenswort von mir gegeben. Bis eben war mir dein Verweilen auf dieser Erde noch nicht einmal bewusst. Fazit: Auch wenn sich die Dichter & Denker wohl Mühe geben, ich weiß nicht… Vielleicht mag es daran liegen, dass ich selbst sehr viel mit Worten hantiere, aber irgendwie kann ich mein Herz für derlei Reime nicht erweichen. Es klingt nach Kindergartenreim. Und ich möchte doch einen Mann, kein Kind. Sorry, an anderer Stelle habt ihr damit sicherlich mehr Erfolg.

Und dann hätten wir da noch die Spaßvögel. Die witzigen und gewieften unter ihnen, oder sagen wir: Jene, die sich dafür halten. Sie sind immerhin soweit gekommen nicht nur dein Foto anzusehen, sondern auch im Profil zu stöbern und darauf zu achten, was man eigentlich sucht. Denn ja, auch wenn ich z.B. angegeben habe, dass ich Männer zwischen  28-35 suche, war ein Großteil der Interessenten um die 50 und älter. HILFEEEE!!! In sofern sei ihnen an dieser Stelle schon einmal ein großer Pluspunkt gutgeschrieben. Dennoch, anstatt sich etwas aus dem Profil herauszupicken, an das man als Frau ggf. auch anknüpfen und antworten kann, kommen sie mit Sprüchen daher, wie: „Zwischen 28 und 35… puh, gerade nochmal Glück gehabt…“. Ähm sorry, leider nein, denn ich sehe keinen Grund mich darauf festnageln zu lassen. Da steht zwar zwischen 28 und 35, das bedeutet aber nicht, dass jeder in dieser Alterspannen Potenzial besitzt. Aber ich werde darüber nachdenken. Immerhin bin ich ja kein Unmensch, auch wenn das hier vielleicht den Anschein erwecken sollte.

Und dann hätten wir da noch eine Vielzahl an Mails wie: „hey sweety. wie schauts bei dir? hast du lust auf nen kleines abenteuer?“. Ich nenne sie die Abenteurer, die ohne Umschweife klar machen, dass sie eigentlich nur mit dir ins Bett wollen. In sofern wenigstens ehrlich und Frau weiß sofort woran sie ist. Dennoch habe ich durch die Mehrheit dieser Anfragen den Eindruck gewonnen, dass Onlinedating-Plattformen eher Sexbörsen sind. Und um abermals kratzbürstig daherzukommen: Ich möchte das niiiiicht!!!!

Was sollte ich nun von all diesen Schreiberlingen halten? Es war ja nicht so, dass ich mit den größten Erwartungen an dieses Experiment herangegangen war. Aber vielleicht hatte ich doch ganz tief in mir drin die Hoffnung, dass es mich vom Gegenteil überzeugen konnte? Oder zumindest, dass es nicht all meine Vorurteile bestätigen würde? Nun ja, da hatte ich wohl die Rechnung ohne die virtuelle Realität gemacht. Und auch mein Kumpel saß nun betroffen schweigend da und hatte ganz plötzlich fürchterliches Mitleid mit mir und all den anderen Frauen. „Echt krass? Das wusste ich gar nicht. Klar, dass man da als Frau irgendwann die Lust verliert zu antworten.“ Sein bedröppeltes Gesicht verschaffte mir ein schlechtes Gewissen und ich lenkte ein: „Es sind ja zum Glück nicht alle Männer so.“ Ich ließ es so stehen, dachte jedoch bei mir weiter: Nur leider verstecken die sich irgendwo. Wie auch im realen Leben. Wer online also sein Glück finden will (egal ob Mann oder Frau) muss wohl Geduld und Sitzfleisch mitbringen.

Die Erkenntnis

Trübsinnig erzählte ich ein paar Tage später einer Freundin von meinen ersten mentalen Errungenschaften zum Thema Onlinedating. „Ich will ja nicht oberflächlich klingen, aber da haben mich bis jetzt echt nur Honks angeschrieben.“ Männer die meine Väter und Großväter sein könnten, Männer die mich nur ins Bett bekommen wollten, Männer die scheinbar jede anschrieben, Männer die – ich traue es mich kaum zu sagen, aber es ist so – nicht wirklich attraktiv waren,… Meine Freundin lächelte milde und sagte zu mir: „Hab ich dir doch gleich gesagt. Wundert dich das? Männer suchen immer Frauen die in einer anderen Liga spielen. Frauen, die sie ohnehin nicht erreichen können. Die schönen Männer, haben ebenso wie die schönen Frauen Angst vor einer Abfuhr und sprechen dich deshalb nicht an. Die anderen Männer sind Abfuhren gewöhnt, deshalb versuchen sies immer weiter. Auf eine mehr oder weniger kommt es ja da nicht an.“ Zunächst dachte ich: wie überheblich. Aber nachdem ich noch einmal gründlich darüber nachgedacht hatte, befand ich (auch für mein Seelenheil), dass sie wohl Recht haben musste. Auch wenn diese Erkenntnis schmerzte. Denn was für eine Krux. Die für mich interessanten Männer hatten Angst vor mir und ich vor ihnen? Und das sowohl online als auch in der Realität? Das würde ja bedeuten, dass ich als alte Jungfer enden würde…

Das Resümee, welches ich daraus zog, war unumgänglich. Zum einen musste ich wohl, auch wenn mir schon der Gedanke nicht behagte, einfach mal auf eine dieser Mails antworten. Um zu schauen, ob die eigenartigen ersten Zeilen nicht doch nur der anfänglichen Unsicherheit zuzuschreiben waren. Zum anderen musste ich wohl selbst initiativ werden. Ich musste Männer anschreiben, die mir aus irgendeinem Grund gefielen. Und das trieb mir bereits jetzt Schweißperlen auf der Stirn. Das bedeutete, dass ich nun wirklich aktiv in meinen Selbstversuch einsteigen musste. Und es bedeutete, dass auch ich wohl mit diversen Abfuhren rechnen musste. Angesichts dieser Tatsache zog ich es vor, wieder eine Pause einzulegen. Um all meine bestärkten Vorurteile etwas zu Verdrängung und Kraft zu schöpfen für die nächste Phase.

Fortsetzung folgt…

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil 2): Der erste Eindruck zählt…

Wie heißt es so schön: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Ein sehr treffendes Sprichwort, wie ich mal wieder feststellen sollte. Und zwar bei meinen ersten Gehversuchen im Experiment Onlinedating.

Nachdem ich vorurteilsbeladen und mit tausend Fragezeichen im Gesicht, nach gefühlten tausend Stunden, die unendlich vielen, eigenartigen Fragen automatisch generierter Administratoren beantwortet hatte, war es soweit: Ich war skeptische Besitzerin eines Onlinedating-Accounts. Skeptisch, da ich mir auch nach den unzähligen Fragen nicht vorstellen konnte, dass diese dazu beitragen könnten, dass mir besagte Administratoren einen wirklich passenden Partner vorschlagen würden. Wie sich später noch herausstellen sollte, wurde meine Erwartung diesbezüglich keinesfalls enttäuscht. Mir wurden viele Männer vorgeschlagen, jedoch alles andere als passend… Aber dazu an anderer Stelle mehr. Ich war also Neubesitzerin und neugierig. Würde ich die gleichen Erfahrungen machen wie meine Freundin? Was würde mich erwarten? Es konnte losgehen, mit meinem aufwendigen Selbstversuch…

Bevor ich nun loslege sei betont: Ich bin eine Frau, eine Frau die auf Männer steht. Dementsprechend habe ich auch die Männerwelt in besagten Onlineportalen unter die Lupe genommen und schreibe aus Sicht einer Frau. Dran glauben müssen mal wieder die Herren der Schöpfung (was eben nicht heißt, dass es nicht auch unter Frauen diverse Ausfälle zu vermelden gäbe).

Das Profilbild

Beginnen wir mit dem Anfang meines Experiments. Dem ersten Eindruck. Denn wie sagt man so schön: Der erste Eindruck zählt! Ich machte mich also daran ein wenig durch die Profilbilder der werten Männer zu stöbern. Und da war sie wieder: Die Skepsis. Stärker denn je klopfte sie an meine Schädeldecke. Was bitte war das??? Meine Idee vom Supermarkt der Eitelkeiten traf es wohl ziemlich genau. Mir fehlten die Worte und mein anfangs interessierter, neugieriger Gesichtsausdruck wich binnen Minuten einer ungläubigen, ziemlich dämlich aussehenden Miene. Die Redensart „mir fallen gleich die Augen aus dem Kopf.“ traf binnen meiner ersten Minuten in der Cyberdatingwelt wohl ziemlich genau auf mich zu. Denn wie bereits erwähnt, Bilder sagen oft mehr als Worte. Und diese Profilbilder sprachen Bände… Mann vor protzigem Auto. Mann Oberkörper frei. Verwackelte Selbstportraits vor dem Spiegel. Einzelne Körperteile. Männer in Bodybuilderposen. Bilder, bei denen auf den ersten Blick zu erkennen war, dass hier wohl mehr Photoshop als Foto vorhanden war. Ah und hier, who the f***. James Dean. Wie interessant. Ich wusste gar nicht, dass der wieder von den Toten auferstanden ist. Und George Clooney. Ob seine Freundin weiß, dass er sich hier tummelt? Ich musste mich schon sehr „beherrschen“, um angesichts der stark vertretenen Prominenz nicht vollkommen aus dem Häuschen zu geraten. Das war ja herrlich. Hier würden meine kühnsten Teenieträume in Erfüllung gehen. Mit etwas Glück würde ich hier mein Idol aus Kindertagen antreffen und von mir überzeugen können. Der schiere Wahnsinn. Seufz. Räusper. Ähm, Entschuldigung… Natürlich nicht, liebe Männer!!!

Und deshalb nun mal Klartext. Für wie blöd haltet ihr uns Frauen? (Bitte lieber nicht ernsthaft beantworten, das könnte böse enden.) Oder habt ihr echt die Erfahrung gemacht mit einem solchen Fakefoto Frauen anzuziehen? Wenn ja, schäme ich mich an dieser Stelle für all die Frauen fremd, die allen ernstes auf ein solches Foto reagieren. Oder ich versuche mir ganz fest einzureden, dass sie nicht wissen wer George Clooney, James Dean, etc. sind und wirklich rein interessehalber auf euer Profil geklickt haben. Dennoch seien mir an dieser Stelle zwei weitere Fragen erlaubt. Liebe Männer, was erhofft ihr euch von einem solchen Foto? Denkt ihr, dass euch dadurch die gesamte Frauenwelt zu Füßen liegt? Dann weit gefehlt, denn nicht jeder steht auf George Clooney, James Dean, etc. Ich zum Beispiel. Ich bevorzuge die lebenden Exemplare und auch ein George Clooney kommt bei mir nicht auf die Bettkante. Und liebe Frauen, warum fühlt ihr euch von einem solchen Foto angesprochen? Ist es der Wunsch, dass besagter Herr wirklich aussieht wie beispielsweise George? Oder ist es reine Neugierde, wer die Frechheit besitzt ein solches Bild zu verwenden bzw. scheinbar davon überzeugt ist, auszusehen wie George, Brad und Tom?

Weiter geht es, liebe Männer. Bei aller Bewunderung für euer Selbstbewusstsein und eure Verliebtheit in den eigenen Körper. Auch ein halbnacktes Frontfoto oder diverse Bodybuilderposen sind nicht unbedingt das, was eine Frau auf den ersten Blick von einem Mann überzeugen kann. Dachte ich zumindest. Denn angesichts der Vielzahl dieser Motive muss es wohl auch einen gewissen Umsatz geben. Auch hier kann ich nur wieder den Kopf schütteln. Über den männlichen Einfallsreichtum und den Teil der weiblichen Bevölkerung, der darauf anspringt. Es sei euch Männern gesagt: Ein solches Foto wirft ein gewisses Licht auf euch. Um es euch mal kurz vor Augen zu führen, was ein solches Bild zu allererst spricht: Gigolo. Zu großes Ego. Nicht wirklich interessiert an jemand anderen als sich selbst. Auf der Suche nach einem schnellen Abenteuer. Eine nach der anderen… Ich könnte fortfahren, denn wie gesagt, es spricht mehr als tausend Worte. Ich will natürlich nicht behaupten, dass Männer, die diese Art von Fotos verwenden, sich nicht auch genau in diesem Licht präsentieren wollen. Und dass Frauen, die auf diese Profile klicken, ebendies suchen. Aber aber… Wo bleibt denn da die Romantik? Solltet ihr also keines dieser Worte mit eurem Bild kommunizieren wollen, wechselt tunlichst euer Foto!

Dann hätten wir da noch jene Kategorie Bilder, auf denen sich Mann, getreu dem Werbeslogan „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht.“, mit diversen Konsumgütern brüstet. Hm… Fehlt also nur noch „mein Weib(chen).“ Und ein solches suchen sie wohl auch… Lasst euch gesagt sein: Frauen die hier wirklich auf der Suche nach einem ernstzunehmenden, netten Mann sind (denn ich will keinesfalls bestreiten, dass es nicht auch genug Frauen gibt, die nur auf ein Abenteuer aus sind), lassen sich bestimmt nicht durch diverse Konsumgüter beeindrucken. Erweckt es doch eben den Eindruck als wäre Frau nur eine weitere Errungenschaft. Der nächste Luxusgüter an seiner Seite. Und damit ersetzbar.

Und auch an den unzähligen Selbstauslöserfotos vor dem Spiegel habe ich natürlich etwas auszusetzen. Liebe Männer, wir suchen kreative Männer. Männer mit Einfallsreichtum, Witz und Charme. Damit ist aber nicht gemeint, dass wir gern vor euren Bildern hocken und unsere Phantasie walten lassen müssen, da man dank Überblendung und Spiegelung allenfalls eine Lichtgestalt erkennen kann. Moderne Kunst hin oder her, aber das ist keine Kunst!!! Wir fangen angesichts dieser wahnsinnig kreativen Abbildungen nicht interessiert an zu überlegen, wie der werte Herr wohl genau aussehen mag. Vielmehr stellen sich Gedanken ein wie: Was will der junge Mann verschleiern? Was hat er zu verbergen? Warum nimmt er sich keine Zeit für seinen Account? Denn selbst ich, die ich ja nur ein Experiment starten wollte, habe mir da mehr Mühe gegeben. Ist es gar auch ein Zeichen für die Suche nach etwas Flüchtigem?

Das Pseudonym

Neben all diesen „großartigen“ Fotos, die wirklich eine Vernissage verdient hätten, schlägt sich die männliche Schöpferkraft auch in der Namenswahl wieder. Da gibt es beispielsweise verheißungsvolle Pseudonyme wie Prinz der Liebe, LoverBoy, xxx-Lümmel, Casanova, MrMcLove, etc. Aha. Heißt übersetzt soviel wie: ‚Ich will nur f*****’. Ich bin ja sehr für ehrlich gerade heraus und so. Aber dann muss man eben auch mit der Konsequenz leben. Und die ist in diesem Fall: Danke für die Info, aber ich schau mich dann mal anderweitig um. Ähnlich verhält es sich mit Namensträgern mit dem Motto ‚Ich bin ein toller Hengst.‘ (StayStunned, Prachtkerl, Beautyful, etc.) oder ‚Ich bin dein Verderben’, wie beispielsweise Nostradamus, Devil-xxx, etc. Netter Versuch, aber wir Frauen haben schon genug Probleme, da werden wir sicher nicht auch noch einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Eine wirkliche Gräultat für das weibliche Gemüt sind Pseudonyme mit chen-, lein- oder i-Endungen – Teufelchen, Mäxchen, MfGchen, DerChrissi, etc. Räusper. Nicht euer Ernst, oder? Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!!! Da muss wohl wieder mal die brutale Wahrheit ausgesprochen werden. Schließlich bin ich ja stets bemüht nicht nur zu tadeln, sondern konstruktiv zu tadeln. Deshalb hier die Erklärung, warum so etwas gar nicht geht: Wir wollen Männer und keine Weicheier. Und ein ‚chen’ sagt lediglich ‚ich wär gern, bin es aber nicht’. Ich muss euch abermals enttäuschen: Wir wollen keinen ‚ich wär gern’, wir wollen einen ‚ich bin’. Einen Mann, der weiß was er will. Genauso verhält es sich mit Männern der Pseudonym-Gattung ‚Ich bin verklemmt, also bitte nimm du die Zügel in die Hand, aber nicht zu fest, sonst tust du mir weh’, zu erkennen an Namen wie Sensiblo-xxx, Träumer-xxx, Schüchtern-xxx, etc. und Männer der Gattung ‚Ich such ne Mutti’, mit kreativen Wortschöpfungen wie xxx-Junge, Schokobubi, Teddybär, etc. Nun mal Butter be dei Fische: Wenn ihr eine Mutti sucht, geht nach Hause oder lasst euch adoptieren. Wir wollen auf jeden Fall keine Mutti für euch sein. Und wenn ihr mal ehrlich seid: Das wollt ihr auch nicht!

Zudem hätten wir da noch diverse Traumprinzen. Euch sei gesagt: Auch wenn wir gern an das Märchen mit dem Prinz auf dem weißen Pferd glauben würden, wir tun es schon lange nicht mehr. Alles was ihr mit Namen dieser Art bewirkt, ist die Frage, ob ihr nicht etwas an Selbstüberschätzung leidet. Allenfalls noch etwas Wehmut und die Erinnerung an alte Zeiten. Nämlich die Kindheit. Aber die ist nun mal Vergangenheit. Und wir leben lieber im Hier und Jetzt.

Liebe Männer, ähm…äh…also… Kurzum: Mir fehlen die Worte. Ich könnte unendlich fortfahren, all die wunderlichen Namen zu kategorisieren. Das Potpourri an Namensschöpfungen bietet es aber auch an. Nein, es drängt sich geradewegs auf. Will nicht irgendein Germanist oder Psychologe da mal eine Arbeit drüber verfassen? Gibt es wahrscheinlich sogar schon. Aber ich schweife ab. Alles in Allem: unfassbar!!! Aber eines muss man diesen Pseudonymen, wie auch den beschriebenen Bildern lassen: Sie verheimlichen nichts. Sie bringen ganz klar zum Ausdruck womit man es hier im Erstfall zu tun bekommt. Infolgedessen kann Frau schonmal nicht behaupten, dass man sie hätte hinters Licht führen wollen. Nein anders, hinters Licht führen wollen vielleicht schon, aber eben so offensichtlich, dass es einfach nicht funktionieren kann. Insofern vielen Dank für die offenen Worte, liebe Männer. Sie haben es mir erspart sinnlos Zeit zu investieren, da ich nicht den Hauch einer Gefühlsregung verspürte, das dazugehörige Profil anklicken und durchforsten zu wollen.

Auch wenn es hier und da ein  paar Fotos und Pseudonyme diverser Männer gab, die auf einen gesunden Bezug zu sich selbst sowie geistige Fitness schließen ließen und damit ein erleichtertes Aufatmen meiner Lungen provozierten, das war einfach zu viel für den Moment. Zu viele Expressionen, die da auf mich einströmten. Ich hatte ja einiges erwartet, aber soviel Einfallsreichtum nun doch nicht. Ich war überfordert von soviel Poesie und Bildgewalt. Das brauchte Zeit um verdaut zu werden. Ich beschloss all diese Eindrücke erst einmal sacken zu lassen und abzuwarten. Und so ging mein erster Ausflug in die unendlichen Weiten des Onlinedatings mehr oder minder sprachlos zu Ende. Und mit einer Hoffnung (denn diese stirbt ja bekanntlich zuletzt): Vielleicht waren die Herren der Schöpfung ja origineller, was den virtuellen Briefwechsel anbelangte…

Fortsetzung folgt…

Dating 2.0 – Gruselkabinett Online (Teil1): Aller Laster Anfang…

Kennt ihr noch die kleinen Zettelchen aus Schulzeiten? Mit besagter Frage: „Willst du mit mir gehen?“ – „Ja“ „Nein“ „Vielleicht“ Tja… Manche Datingportale sind der reload davon. Mit vorgefertigten Antwortmöglichkeiten wie „Dein Foto gefällt mir“, „Ich schicke dir einen Kuss“ etc. soll man hier das Interesse des anderen Geschlechts erwecken können. Ist das euer Ernst liebe Datingportal-Erfinder? Aber von vorn….

Letztens erzählte mir eine Freundin, dass sie seit einiger Zeit bei einem Online-Datingportal angemeldet ist. Der erste Gedanke, der mir in den Kopf schoss, war: Warum? Was um alles in der Welt war geschehen? Denn nach wie vor hat das Vorhaben einen potenziellen Partner via Onlineportal kennenzulernen, zunächst erstmal einen komischen Beigeschmack. Zumindest bei mir. Ja, ich gebe es zu, da trage ich Vorurteile mit mir herum. Denn irgendwie hat es doch noch immer den Ruf des Supermarkt der Eitelkeiten, einer Spielwiese. Und so ist die erste Frage die wohl oft damit einhergeht, wenn man davon erfährt: Hat er/sie/es das nötig und warum? Und so stellte auch ich mir genau diese Frage. Ich kenne meine Freundin als einen zwar etwas schüchternen, aber durchaus aufgeschlossenen und vor allen geistig fitten Menschen. Sie ist neugierig, begeisterungsfähig,… Ich könnte diese Liste fortsetzen. Und dann sah sie an, wie sie da vor mir saß. Mit den großen, schönen Augen, der zierlichen Figur, einem verlegenen Grinsen im Gesicht. Ja, auch das konnte sich sehen lassen. Vielleicht strahlte sie einen gewissen Anspruch aus, aber war es das, was Männer in der Realität abschreckte? Oder hatte ich etwas übersehen? War sie komisch, kompliziert, etc.? Sie musste das Fragezeichen in meinem Gesicht bemerkt haben, denn sie begann zu erklären: „Online fragen mich die Männer jetzt auch ständig:  Du bist single? Warum? Du kannst doch an jeder Hand drei haben?“ Typisch Mann, dachte ich mir, geht mal wieder nur nach dem Äußeren. Ich schüttelte den Kopf. Und genau das ist wohl das Problem. Schöne Frauen werden oft nur als schön wahrgenommen. Das Dahinter interessiert gar nicht erst. Oder sagen wir, es interessiert zunächst erstmal nicht. Das „Schön“ schreckt im wahren Leben ab. Oder aber es wird gleichgesetzt mit Selbstbewusstsein und damit einhergehend, mit der Gabe, selbst  ‚einen Mann klar zu machen‘. Was für eine Krux. Denn oftmals besitzen sie diese Gabe eben nicht. Und wenn sie dann tatsächlich doch mal selbst die Initiative ergreift, wird sie oft als schnell zu haben, willig, oder was auch immer abgestempelt und bekommt mitunter auch nicht das, was sie sich im Grunde ihres Herzens wünscht: Einen festen Partner. Und so findet sie sich dann plötzlich in einem der besagten Onlineportale wieder, bietet sich an wie Ware.

„Und“, fragte ich sie nun wirklich neugierig geworden, „ist es denn online erfolgreicher als in der Realität?“ Und damit hatte ich einen Stein ins rollen gebracht. „Nein, es ist genauso frustrierend…“ Denn online schreckt das „Schön“ zwar erstmal nicht ab, ruft aber allerlei Bewunderer aufs Spielfeld, die dennoch auch nur auf die schöne Fassade anspringen, in der Hoffnung sich damit brüsten zu können. Und dann erzählte sie mir die gruseligsten Geschichten. Das schreit geradezu nach Potenzial für diverse sarkastische Anekdoten. Und so beschloss ich: Das muss ich am eigenen Leib/Geist erfahren. Immerhin bin auch ich Single und kenne den Wahnsinn „Partnersuche“. Warum also nicht den Versuch starten, mit einem Vorurteil aufzuräumen. Oder aber Es zu nähren und wachsen zu lassen ;) Und so war ich kurze Zeit später skeptische Besitzerin eines Profils bei einer Online-Datingplattform. Nach einer Woche beharrlichen Ignorierens meiner neuen Onlinepräsenz, beschloss ich nun doch mal einen Blick in meinen Account zu werfen. Mein Status nach nur einer Woche: Favorit von 6 Personen, 160 wollen mich treffen. Wou, was war denn hier los? Was für eine Ausbeute, dachte ich mir und machte mich ans Lesen der ersten Post. Aber weit gefehlt… Meine anfängliche Euphorie wurde mit Füßen getreten, zerplatzte wie ein Luftballon, nahm die Füße in die Hand und rannte davon. Kurzum, sie sollte nicht lange anhalten. Das „Grauen“ nahm seinen Lauf. Wüste Beschimpfungen, übertriebene Anmachsprüche, verkappte Dichter & Denker (die aber auch lieber verkappt bleiben sollten), etc. Wobei ich betonen möchte: Hin und wieder gab es auch Lichtblicke. Und damit meine ich Männer, die geradeaus reden können. Männer, welche die Gabe besitzen eine normale Konversation zu führen. Und ich danke diesen Lichtblick-Männern, dass ich Dank ihnen den Glauben an die Männerwelt noch nicht ganz verloren habe ;P

Nun brennt ihr sicher darauf von all den Wunderlichkeiten, die mir dort wiederfahren sind, zu erfahren. Leider muss ich euch an dieser Stelle enttäuschen, denn es sind einfach zu viele, um sie in einen einzigen Artikel reinzuquetschen. Deshalb habe ich beschlossen eine kleine Reihe daraus zu machen und euch nach und nach an all dem Wahnsinn teilhaben zu lassen.

Fortsetzung folgt…

Deutsche Sprache, schöne Sprache

Die deutsche Sprache ist nicht nur eine schwere Sprache, sondern mitunter auch eine sehr schöne Sprache. Was gibt es nicht alles für tolle Worte, für die man Sätze konstruiert, nur um sie verwenden zu können. Weil man sie so gerne ausspricht oder schreibt. Weil sie so lustig oder frech klingen. Und, und, und…

In meiner Familie hatten wir scheinbar viel mit nutzlosen oder albernen Dingen zu tun. Oder wir hatten Spaß daran Dinge als nutzlos und albern abzutun. Denn ich erinnere mich an den häufigen Gebrauch von Worten wie ‚Kikifax‘ oder ‚Tinnef‘. Bei der allgemeinen Bevölkerung wohl eher als Nutzloses, Kitsch, Kinderkram oder Schnickschnack bekannt. Prinzipiell ist ‚Kikifax‘ und ‚Tinnef‘ nichts Schlimmes. Es ist eben nur nicht wichtig genug, um sich ernsthaft damit zu beschäftigen. Deshalb habe ich auch heute wenig für ‚Tinnef‘ – im Sinne von Kitsch – übrig. Allerdings liebe ich ‚Kikifax‘ – im Sinne von Handlungen, Aufgaben, etc., die banal erscheinen, es mitunter aber gar nicht sind :D

Neben all dem Tinef & Kikifax gab auch Grund zu überschwänglicher Freude in meiner Family. Zumindest war das Wort ‚Honigkuchenpferd‘ auch im Sprachschatz inbegriffen.
Und wo wir gerade bei Äußerlichkeiten sind, meine Mam liebte folgende Wortkombination: ‚Jimmy-Glitsch-mit-schmalzigen-Haaren‘. Man kann sich wohl bildlich vorstellen was sie damit meinte. Viel spannender ist sicher, auf wen sie diese Beschreibung hin anwendete. Nun ja… auf alles was männlich war und von allseits bekannten Teeniezeitschriften grinste. Richtig: Boybandmitglieder, Solokünstler, etc. Bei ihr fast ausnahmslos Jimmy-Glitsch’s mit schmalzigen Haaren. Kein Wunder also, dass ich eine Phobie gegen diese Spezies entwickelt habe ;) Aber zum Glück gab es da hin und wieder auch einen der ’schnieke‘ war, so dass mir das männliche Geschlecht nicht ganz madig gemacht wurde ;D

Wenn wir nicht gerade mit Kikifax, Tineff oder glitschigen Jimmy’s beschäftigt waren, liebten es z.B. mein Bruder und ich zu ‚kneeren‘ (oder auch knehren/knären). Wunderbar lautmalerisch. Schon anhand des Klangs dieses kleinen Wortes sollte sich ein Bild über den Zustand, den es ausdrücken soll, vermitteln. Ja, wir liebten es dieses Wort auch tatsächlich zu kneeren und dieses Gefühl mitsamt unserer Gestik und Mimik auszudrücken. Zum Glück legte ich damals noch nicht so viel Wert darauf, kein dummes Gesicht zu machen. Denn so wird es wohl ausgesehen haben, das kneer-verzerrte Gesicht. Wie gesagt, dieses Wort war ein sehr beliebtes Wort in Konversationen zwischen mir und meinem Bruder und stellte den Beginn eines regelrechten sinnlos-Wort-aneinanderreihungs-Battle dar. Schlussendlich erfanden wir die Wortkombination ‚kneer-schniedeldeu‘, die sich festsetzte und zu einem festen Bestandteil unserer Ausdrucksweise für eine seelische Befindlichkeit wurde. Was genau diese Wortkombi bedeutet? Tja…das ist und wird immer ein Geheimnis zwischen mir und meinem Bruder bleiben. Nur soviel sei gesagt: Es war eine Art geheimer Lachcode, ein Aufmunterungsausdruck, ein ‚Ich-bin-bei-dir‘.

Und auch heute noch liebt es meine Familie, und alle die mit der Zeit dazugekommen sind, ihre eigenen, onomatopoetischen Wortkreationen zu schöpfen. So gibt es z.B. zwischen mir und einem dieser netten dazugekommenen Menschen ein weiteres, neues Codewort. ‚Stressgeschwader‘ nennt es sich und fliegt hin und wieder um diverse Deckenbeleuchtungen. Also natürlich nur metaphorisch. Gemeint sind mit diesem Wort Streithähne.

Nun könnte man sich frage warum wir all diese Worte, Wortketten und Neuschöpfungen gebrauchten und gebrauchen, wenn es doch scheinbar – zumindest teilweise – bereits Worte dafür gibt. Nun ja…. Bleiben wir beim Beispiel Streithähne. Streithähne bezeichnet eben nur die Personen, die an einem Streit beteiligt sind. Stressgeschwader hingegen drückt auch deren Interaktion mit aus, gibt eine Situation wieder, vermittelt ein Gefühl. Und es klingt nicht nur irgendwie netter. Vor allem kann man vor besagten Streithähnen über selbige sprechen, ohne das diese es mitbekommen. Vorausgesetzt sie kennen das Wort nicht. Man kann also undercover bleiben. Und zudem klingt es doch auch einfach charmanter. So nach Augenzwinkern. Nach, ach lass sie streiten, sie kriegen sich auch wieder ein.

Die neuen Wortkombinationen haben also nicht nur Zweck Situationen zu erfassen, sondern sie um die sich dort befindlichen Emotionen zu erweitern und eigene, dazu emporsteigende Gedanken, hinzuzufügen. Sie haben das Ziel, all das in einem Wort / einer Wortgruppe zu vereinen. Also etwas Ganzes kurz und treffend auszudrücken. Es hat aber auch etwas mit Sozialisation zu tun, mit dem Schaffen eines Zusammengehörigkeitsgefühls. Oder aber sie (die Wortschöpfungen) sind einfach auch / nur dem Spaß an Sprachspielereien geschuldet.

In diesem Sinne: Haltet euch nicht mit Kikifax auf, sondern freut euch wie Honigkuchenpferde, wenn ihr ein Jimmy-Glitsch-mit-schmalzigen-Haaren seht, der stressgeschwadergleich herumkneert.

Tada :)

Das Leuchten der Stadt

08_stadt_blau_chFoto: © Christina Hanck, 2010

Der Reif hat sich wie ein Mantel um die Stadt gelegt. Es riecht nach Frost. Die Kälte frisst sich durch Mark und Gestein. Verbreitet einen schimmernden Schein im Schwarz der Nacht.

In der Dunkelheit blinken die Lichter. Die der Autos. Aufgefädelt wie auf eine Perlenkette. Strömen sie wie eine glitzernde Woge durch die Straßen. Passieren schillernde Leuchtreklamen. Bahnen sich ihren Weg. Als eine Welle des Lichts. Vorbei an den verschlafen blinzelnden Straßenlaternen. Mit ihren altersschwachen, knisternden Glühbirnen. Vorüber an zitternden Lichtfetzen. Die aus den Fenstern drängen. Hinter denen Fernseher laufen und Menschen bei Kerzenschein zu Abend essen.

Lichter zucken. Schatten wandeln. Der Himmel über den Dächern brennt. Vor Elektrizität. Taucht die nächtliche Stadt in ein helleres Schwarz. Aus schwarz wird grau. Aus grau wird blau. Das Leuchten der Stadt.

 

Der drohende Verfall

Hilfe, ich werde 30. Eigentlich habe ich damit gar kein Problem. Aber irgendwie scheinen viele andere ein Problem damit zu haben. Zumindest werde ich andauernd auf den nun drohenden Verfall angesprochen. Man suggeriert mir, dass mein Leben nun bergab geht. Da es nun aus ist mit der Schönheit und damit auch mit dem Interesse des männlichen Geschlechts an meiner Person. Dass ich nun alt und unattraktiv werde. Interessant, dass sie sich das so auf die äußerliche Präsenz festhaken. Ob sie wirklich Angst davor haben, dass ich mit überschreiten der „magischen Grenze“ nicht mehr ansehbar bin? Dass sie sich vielleicht nicht mehr mit mir in der Öffentlichkeit zeigen können, weil sich transformationsgleich sofort tiefe Furchen in mein Gesicht ziehen werden, Altersflecken aufblinken, die Haut schrumpelig wird und ich mich nun kleiden werde wie eine Nonne? Warum diese Angst? Warum nicht die Hoffnung, dass ich noch schöner und weiser werde?

Nun ja…. Ich sehe das also etwas anders

In der Tat hört man ja immer wieder, dass Frauen mit dem Alter unattraktiver werden, Männer hingegen attraktiver. Was für eine Gemeinheit. Ich bin dagegen. Doch keine Panik. Genauso sagt man auch: Man ist immer so alt wie man sich fühlt. Gut, das kann auch ordentlich in die Hose gehen. Also wenn man’s übertreibt. Aber ich neige nicht zu Übertreibungen – oder sollte ich lieber sagen Untertreibungen – dieser Art :)

Noch mache ich mir also keine Sorgen über den augenblicklichen Schönheitsverfall sobald die Transformation von der 2… in die 3… abgeschlossen ist. Denn auch wenn mir da gerade einige etwas anderes einreden wollen, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit Dreißig verfrüht ist vom drohenden körperlichen Verfall zu sprechen. Immerhin gibt es auch Studien – es sei jedem selbst überlassen wie viel Wert man den Ergebnissen beimisst – die belegen, dass Frauen gerade mit Anfang dreißig am attraktivsten wirken, da sie das gewisse Etwas ausstrahlen. Da sie viel mehr wissen, wer sie sind und was sie wollen als noch mit Anfang zwanzig. Das mag natürlich je nach Frau unterschiedlich sein. Und klar einen gewissen körperlichen „Verfall“ kann man wohl nicht von der Hand weisen. Natürlich ist eine Zwanzigjährige knackiger als eine Dreißigjährige. Aber auch das muss nicht so sein. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Dafür kennt eine Dreißigjährige vielleicht viel mehr ihre Weiblichkeit, ihren Körper, Vorlieben etc. und strahlt das eben auch auf eine natürlich erotische Weise aus. Nicht, dass ich jetzt hier den Anfang Zwanzigjährigen eine erotische Ausstrahlung absprechen möchte oder gar behaupten möchte, dass sie noch nicht wissen wer sie sind. Auch hier bleibt es von Fall zu Fall individuell zu prüfen. Immerhin gibt es auch genug Dreißigjährige, die nicht wissen wer sie sind und was sie wollen. Genauso viele wohl auch unter den Vierzig-, Fünfzig-, …-jährigen. Wie dem auch sei, es bleibt wohl Ansichtssache. Dennoch, um es noch einmal zu wiederholen, mache ich mir in Bezug auf meine Person noch keine Gedanken. Wenn ich mich mit Anfang zwanzig betrachte und jetzt mit Ende zwanzig will ich doch mal behaupten, dass ich schöner geworden bin ;) Also die Grundsubstanz hat sich natürlich nicht verändert. Aber ich weiß inzwischen was „Mode“ heißt, habe einen Stil entwickelt. Kurzum ich bin kein „Schlumpf“ mehr. Ich wirke anders. Auch wenn mir das gewisse Damen an der Supermarktkasse oder diverse Schränke an Clubeingängen nicht zugestehen wollen. Ja, man fragt mich hin und wieder nach meinem Ausweis. Vielleicht wollen sie ja auch nur wissen wie ich heiße und wo ich wohne ;) Wenn nicht ist dies wohl ein weiteres Zeichen, dass man mit bald Dreißig nicht gleich in einen panischen Schockzustand verfallen muss, aus Angst man werde nun augenblicklich unattraktiv. Für Maulwürfe gehe ich also locker als zehn Jahre jünger durch. Auch wenn ich das ehrlich gesagt etwas bedenklich finde. Ich mag gar kein „Schlumpf“ mehr sein…

Hau ich habe gesprochen. Ihr könnt mir keine Angst machen :) Jedenfalls nicht damit. Ich werde noch schöner und weiser :D Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch das andere Geschlecht noch davon überzeugen zu können.

Viel eindringlicher finde ich die mit solchen Anlässen einhergehenden Fragen über das Leben allgemein. Warum sorgen runde Geburtstage immer für soviel Verwirrung? Warum meinen wir, dass sich gerade danach etwas ändern wird? Warum machen wir uns plötzlich Gedanken darüber was wir alles geschafft haben und setzten es in Relation zu dem was wir erreichen wollten? Und was heißt im Zuge dessen: „Nun geht es bergab.“ Inwiefern? Womit? Wobei? Im Grunde ist das ganze Leben doch eine Berg- und Talfahrt. Und wer sagt denn, dass bergab schlimm ist? Bergab geht’s schließlich leichter als bergauf ;)

Emotionally taken…

Vor ein paar Stunden habe ich einen Emotionscrash erlebt. Ich hatte ein Drehbuch gelesen. Wie gebannt sog ich die Worte in mich auf, inhalierte sie förmlich. Und spürte wie sich da etwas um mein Herz legte. Es solange piesackte, bis es nachgab und einfach nur fühlte… Als ich das Drehbuch beendet hatte, war ich vollkommen konfus. Gefühlsmäßig neben der Spur. Als hätte ich die Geschichte, die ich da gerade konsumiert habe selbst erlebt. Auch Minuten danach zittern meine Hände, das Herz raste. Die Gedanken schwirrten und die Augen kämpften mit drohender Feuchtigkeit. Ich war emotional ergriffen. Hatte das Gefühl zu platzen.

Das erinnerte mich an ein Gespräch vor nicht all zu langer Zeit. Mein Gesprächspartner berichtete von einem Kinobesuch und wunderte sich, dass er von dem Film emotional so angetan war, dass er drauf und dran war, sich in ein Auto zu setzten, zu seinem kranken Vater zu fahren und ihm endlich mal zu sagen, dass er ihn liebt. Trotz all der Dinge die zwischen ihnen stehen. Er tat es nicht. Viel zu überrumpelt war er von dem plötzlichen Gefühlsausbruch, der da so unverblümt emporschoss. Viel zu ergriffen war er, dass er angestachelt durch einen Film seine eigenen Gefühle wahrnehmen konnte, wo es ihm im realen Leben so schwer fällt diese zu orten, zu deuten und vor allem auch zu leben. Ich dachte nicht weiter drüber nach, als er mir das erzählte. Dachte, gut möglich, mir persönlich aber schon lange nicht mehr passiert. Bis eben…

Und deshalb kam ich ins grübeln. Erinnerte mich an ähnliche Gespräche, Situationen, etc. Und musste feststellen, dass es wohl einigen so geht. Also absolut nicht verwunderlich. Immerhin ist es viel einfacher ein fremdes Schicksal an sich heran zu lassen, als sein eigenes. Also ein fiktives Schicksal. Wo man sich so richtig in die Emotionen fallen lassen kann, weil man davon ausgeht, dass sie auf Dauer bei einem selbst nichts verändern wird. Weil man in diesem Moment die Zeit hat, sich darauf einzulassen. Weil man nicht abgelenkt ist, sondern den Fokus wirklich auf die Geschichte und die Gemütsbewegungen legen kann. Und dann passiert es eben vielleicht, dass man an die fiktiven Emotionen anknüpfen kann. Weil man diese vielleicht auch kennt. Weil man sie selbst bereits lange in sich trägt, aber noch keinen Moment gefunden hat um sich damit auseinander zu setzten. Sich die Zeit vielleicht auch gar nicht gegönnt hat. Ja, und dann kann es eben sein, dass man einen Film sieht, ein Buch liest, oder auch nur ein Lied hört und schlagartig geflasht ist. Völlig überwältigt von den Gefühlen die da auf einmal emporschießen wie Pilze aus dem Boden. Ganz und gar irritiert von der Tatsache, dass diese fiktiven Emotionen doch etwas verändern, weil sie zu den eigenen werden. Weil sie den eigenen Emotionshaushalt öffnen. Das eigene Ich angreifen und damit reale Erlebnisse in den Fokus rücken. Ob weitreichender oder auch nur für diesen einen Augenblick ist wohl individuell verschieden. Je nach Typ. Je nach Emotion. Je nach Stärke der Erinnerung. Je nachdem, was man zulässt. Was man ertragen kann und will.

Tanzen wir nämlich in unserem eigenen Film, ist das mit dem fühlen, zulassen und rauslassen der Emotionen so eine Sache. Manche spüren sich vielleicht nicht einmal. Weil sie es sich nicht erlauben. Weil sie durchs Leben hasten und dem Fühlen keine Zeit einräumen. Weil sie fürchten, damit Schwäche zu zeigen. Weil sie Angst haben, sie nicht aushalten zu können. Ihnen nicht gewachsen zu sein. Bedenken hegen, dass sie unangebracht, übertrieben oder auch einfach nur unangenehm sind. Deshalb verdrängen sie all zu oft. Und verschließen sie. Packen sie ein, in Worte und Taten. Fassen sie mit Samthandschuhen an und machen sie somit unnahbar und erträglich. Und vergessen darüber was sie wirklich im Stande sind zu fühlen. An eigenen Emotionen. So können manche am Sarg eines Verwandten stehen und keine Miene verziehen. Wenn jedoch im Film jemand zu Grabe getragen wird, wird ihnen flau im Magen und sie müssen mit den Tränen kämpfen. So können manche Gefühle von Liebe und Zuneigung einfach verdrängen. Lesen sie aber ein Buch, in dem sich zwei Menschen so sehr lieben aber dennoch nicht bekommen, brechen sie in Tränen aus.

Dann erwischt es sie kalt. Nichts ahnend. Unbehelligt. Weil der alltägliche emotionale Trott aus den Angeln gehoben wird. Dann sitzen sie da und fühlen sich wie im falschen Film. Denken: Was ist denn jetzt kaputt? Sehen sich mit Gefühlen, Sehnsüchten und Gedanken konfrontiert, die sie verdrängt hatten. So schön in Watte gepackt hatten. Weil sie sonst aufhalten. Den Alltag unterbrechen und vom Weg ablenken. Aber wer sagt denn, dass das Verlassen des Weges so schlimm ist? Kann man sein Ziel nicht auch mit Umwegen erreichen?

Ist es da nicht sogar ein Segen, dass es Klänge, Bilder und Worte gibt, die uns an unsere eigenen Emotionen erinnern?! Die den Herz- und Hirntresor öffnen um gut verschlossene Erlebnisse und Begegnungen zu Tage zu fördern. Fordern Stellung zu beziehen. Für diesen einem Moment zu spüren und auszuleben. Stellvertretend. Um endlich mal wieder durchatmen zu können. Den Tresor zu leeren. Das Herz zu befreien. Und Platz zu schaffen für all die kommenden Erlebnisse, Ereignisse und Gefühle. Stellt euch nur vor es würde diese Momente nicht geben? Ich sage nur Stau. Explosion. Implosion. Extrem. Und Extreme sind wohl nie gut, oder?

Also raus mit den Gefühlen. Emotionalitly doesn’t mean weakness.

Von Elefanten…

Da bist du gut gelaunt und nichts ahnend unterwegs, willst dir mal wieder etwas richtig Schönes gönnen und dann das… Du wirst mit einer Geschichte konfrontiert, die du gerade in die unterste Schublade abgelegt hattest. Eine Sache, die du gerade in Sack und Tüten verpackt hattest. Eine Erinnerung, über die endlich das erste bisschen Gras gewachsen war. Und dann kommt da Jemand und reißt die Schublade wieder auf, rupft den Sack lieblos auseinander, trampelt die zarten Grashalme wieder nieder. Manchmal ist es nur eine kleine Bemerkung, die dir augenblicklich die Gesichtsmuskeln einfrieren lässt, aber nach einem kurzen Schockmoment überwunden ist. Aber manchmal ist es eben nicht nur eine kurze Aussage. Manche Menschen schaffen es wie wild in einer gerade verschlossenen Wunde zu bohren als hätten sie Spaß daran den Finger immer weiter und weiter hineinzudrehen. Soll ja auch nen Effekt haben nicht wahr?! Und den hat es, wenn es um verletzte Gefühle geht. Und du denkst dir. Herzlichen Glückwunsch: Der Kandidat erhält 100 Punkte. Jackpot. Guten Tag, lieber Elefant im Porzellanladen.

So geschehen erst letztens einem guten Freund von mir. Und ich war dabei :(

Kurz zur Vorgeschichte. Er hatte Jemanden kennengelernt und schnell bemerkt, dass es nicht passte. Denn die junge Frau die er da kennengelernt hatte, war eigentlich noch nicht über ihren Ex hinweg und nutze ihn nur als Ablenkung, Sprungbrett, Egobooster… Und doch traf er sich immer wieder mit ihr. Der Himmel verstehe warum, aber er mag seine Gründe gehabt haben. Irgendwann war aber auch sein Fass an emotional erträglichen Gräueltaten ihrerseits übergelaufen und er hatte den Kontakt abgebrochen. Doch wie es der Zufall so wollte lief er ihr immer wieder über den Weg und ließ sich schließlich doch wieder breitschlagen. Traf sich erneut. Um erneut festzustellen: Das tut mir nicht gut. Was habe ich doch für Stoßgebete zum Himmel geschickt, dass diese unsägliche Geschichte mit der ihm nicht gut tuenden Frau, ein Ende haben würde. Nicht, dass ich ihm keine Freundin gönne. Nein, ganz im Gegenteil. Ich wünsche ihm sogar ganz sehr, dass das Glück auch endlich an seine Tür klopft. Aber eben nicht mit dieser emotional unentschlossenen Dame. Und was für Lobeshymnen und Dankesreden habe ich geschwungen, als er es abermals schaffte sich von ihr loszusagen.

Aber er hatte wohl etwas geflunkert. Oder seine Wunschgedanken waren seinem Seelenleben um Meilen voraus. Denn plötzlich stand da auf einer Party ein Elefant –  in Form einer Freundin der jungen Dame – vor uns und sprach ihn auf eben diese Dame an. Und begann die gerade abgeschlossene Geschichte wieder hochzukochen. Und beim Anblick meines Freundes musste ich feststellen: Da war wohl doch noch mehr Emotion im Spiel als ich es ihm in diesem Moment wünschte. Denn wie ich später erfuhr, war es gar nicht er gewesen, der nach dem zweiten Anlauf den Kontakt abgebrochen hatte. Vielmehr war der Kontakt eingeschlafen. Oder noch präziser gesagt, besagte Dame meldete sich einfach nicht mehr und er ließ es geschehen, konnte sich denken warum und sah es als Chance die Geschichte endlich ein für allemal zu begraben. Die Verletzung hatte sich wohl dennoch tief in sein Herz gegraben. Nun denn, wir standen also vor dieser aufgedrehten jungen Frau, die plötzlich haltlos über ihre Freundin und ihren Ex-Ex zu tirilieren begann. Dass die beiden doch einfach wie Topf und Deckel seien. Dass sie sich doch schon seit der Grundschule kannten und immer wieder zusammen und getrennt waren. Dass da nie wirklich Jemand anderes eine Chance hatte. Dass dies doch ein Zeichen sei, dass sie einfach zusammengehören würden, bla bla bla. Während sie sich immer weiter in ihren Redeschwall vertiefte ohne zu bemerken, dass sie meinem Freund damit sämtliche Zäune auf einmal über den Schädel zog, sprach ich innerlich die schrecklichsten Verwünschungen aus. „Ah ah ah, wirst du wohl deine so süße, rot geschminkte Zuckerschnute halten, aus der gerade nur Gift spritzt!?“ Gedanklich band ich sie an einer Rakete fest, zündete sie an und wünschte einen guten Flug. Und mit ihr, ihre emotional unenschlossene Freundin. Ich überlegte krampfhaft wie ich meinen Freund aus dieser Situation „befreien“ konnte. Denn ganz offensichtlich war er selbst nicht mehr dazu in der Lage. Aber es war bereits zu spät. Ich sah seine Gute Laune, die er noch vor wenigen Sekunden hatte, quasi die Beine in die Hand nehmen und davonrennen. Ich sah wie das Leuchten in seinen Augen verschwand und sich stattdessen dieser traurige Schleier um seine Pupillen legte. Ich spürte, wie sich die gerade verdauten miesen Gefühle wie Klebstoff um sein angegriffenes Herz legten und sich festklammerten. Und ich mochte den Elefant in diesem Moment außerordentlich wenig, auch wenn er wohl keine bösen Absichten hatte und unter anderen Umständen hätte ganz nett sein können. Ich wollte, dass es meinem Freund gut ging. Ich wollte, dass auch ihn endlich mal das Glück heimsuchte und nicht ständig das Pech an seine Tür klopfte. Aber es war zu spät. Mühsam hatte er sich wieder aufgebaut und in Sekunden war dieses noch etwas wackelige Gerüst durch den besagten Elefanten im Porzellanladen wieder eingerissen worden. Und ich fragte mich einmal mehr. Warum sind manche Menschen vom Glück verfolgt und andere müssen sich so wahnsinnig anstrengen um auch nur ein Quäntchen davon abzubekommen. Das hat er nicht verdient!

Und dann durchstöberte ich mein Gefühlsleben und musste feststellen, dass es auch bei mir Personen und Ereignisse gibt, die ich sorgfältig verpackt habe. Die aber jederzeit, trotz „Akte geschlossen“ dank eines Elefanten wieder aufgerissen werden können. Denn da hängen nun einmal Erinnerungen und Gefühle dran, die bei jeder noch so kleinen Stimulans wieder akquiriert werden können. Egal ob einem dieser Mensch oder dieses Ereignis noch etwas bedeutet oder nicht. Einfach nur weil sie eine Furche hinterlassen haben über die jede ähnliche Erfahrung, jedes ähnliche Erlebnis stolpert und die Alarmglocken zündet. Und dann schrillt es von allen Seiten und alles was man tun kann ist: weg. Elefant stehen lassen, Füße in die Hand nehmen und einfach nur weg. Bevor der Elefant die zartgrüne Wiese wieder in einen Morast verwandelt.

Und so zerrte ich meinen Freund weg von diesem Elefant, pustete wie blöde, dass die Worte von eben sofort wieder seinen hübschen Kopf verlassen würden und begann abermals Stoßgebete gen Himmel zu schicken…

Denn die Welt dreht sich weiter

03_regen_entsaettigt_chFoto: © Christina Hanck, 2009

Der Tag ist trüb. Das Kaffeegedeckt versinkt im Regen. Verlassen stehen sie da, die Stühle und Tische. Warten auf den nächsten Gast. Von drinnen kommt leise Musik und Stimmengewirr. Da haben sie sich hinverzogen.  Plauschen. Lesen ein Buch. Oder schauen nach draußen. Auf dieses scheinbar verlassene Fleckchen Erde. Beobachten. Den Hund, der schnüffelnd an den Tischen verweilt. Die alte Frau mit den großen Einkaufstüten. Das Kind, was ausgelassen in jede Pfütze springt. Den Radfahrer, der vorbeifährt und lächelt als man ihn in die Augen blickt. Ein Glücksmoment. Das Herz blüht auf. Und plötzlich ist es da, ein Gefühl von Zufriedenheit. An einem so trüben Tag. Denn die Welt dreht sich weiter…

Der ganz große Traum

Vor ein paar Tagen hatte ich zwei voneinander unabhängige, sehr angeregte Gespräche über das Thema ‚große Träume‘ und deren Verwirklichung. Wir diskutierten Fragen wie: Wie lange hält man an einem Traum fest? Wann beginnt ein Traum Realität zu werden? Wann sollte man einen Traum begraben? Sollte man ihn jemals begraben? Begräbt man damit nicht auch ein Stückweit sich selbst? Aber wie verbissen sollte man daran arbeiten bzw. wann sollte man sich eingestehen, dass der Traum vielleicht immer ein Traum bleiben wird, weil man einfach nicht die Voraussetzungen mitbringt den Traum Wirklichkeit werden zu lassen oder in der Masse derer, die den selben Traum haben, untergeht?

Es gibt natürlich die unterschiedlichsten Träume. Von Reiserouten, über Lebenspläne bis hin zu beruflichen Träumen. Wir sind beim Thema berufliche Träume hängen geblieben, die ja mehr oder weniger eng auch mit dem Lebensplan verbunden sind. Und ich kam zu der Erkenntnis: Blöd ist es wenn man einen Traum hat, den viele haben. Noch blöder ist es, wenn man einen Traum hat, den viele haben und der von der Meinung und den Geschmäckern anderer abhängig ist. Wie zum Beispiel alle künstlerischen Tätigkeiten. Vom Schreiben, übers Malen, hin zum Singen. Betrachten wir mal das Exempel Superstar zu werden. Was tun manche doch, um das zu erreichen. Wühlen sich durch Castingshows, tauchen auf jeder Party auf um Kontakte zu knüpfen, etc. Und der eigentliche Traum? Bleibt bei alledem oft auf der Strecke. Talent ist gut, ’Promotion’ das A und O. Ja, früher wurden Talente noch entdeckt. Heute sind es oft diejenigen, die sich selbst entdecken. Das Talent ist dabei hin und wieder eher nebensächlich. Wer sich selbst gut verkaufen kann hat auch gute Karten. Wer sich hingegen bei ’Küsschen rechts, Küsschen links’, ’Schischi hier, Schischi da’, oberflächliches Geplänkel und Smaltalk nicht wohl fühlt, hat schlechte Karten. Da kann die Gabe noch so groß sein. Man wird übersehen und kann wohl nur weiter darauf hoffen, dass der gute alte Talentscout am Fenster des kleinen Künstlerkämmerleins vorbeifliegt und/oder die Gabe besitzt das jeweilige Können bereits auf hundert Meter Entfernung zu erschnuppern… Vorausgesetzt natürlich, man hat das Glück irgendwann mal auf hundert Meter Entfernung an einem Talentscout vorbei zu laufen ;)

Ich für meinen Teil, als fleischgewordenes Klischee eines menschenscheuen Wesens mit Wörtern im Kopf, die zu Papier wollen, kenne das Dilemma nur zu gut. Gerade heute muss man wohl viel Kontakten und Netzwerken um seine „Kunst“ an den Mann und die Frau zu kriegen. Da is’ nix mit stilles Kämmerlein und entdeckt werden… Eine Krux, denn es ist ja bekannt, dass Autoren, Schreiberlinge, oder wie auch immer man sie betiteln mag, sensible Seelen sind. Scheue Wesen. Lichtgestalten. Ja und genau das bin auch ich. Ein scheues Reh ;) Ich liebe es Geschichten zu erzählen und zu schreiben. Nichts anderes tue ich seit ich sprechen bzw. schreiben kann. Ob gut oder schlecht sei mal dahingestellt bzw. ist dies ja eben immer Geschmacksache. Aber eben ohne Schischi und Geplänkel. Einfach nur Schreiben und im besten Falle (denn am einfach nur Schreiben hindert einen ja heute keiner mehr) damit sein Bed & Breakfast zu finanzieren.

Stellt sich also die Frage: Wie hart sollte man für seinen Traum kämpfen? Und wann verliert man den objektiven Blick für sich und sein Können? Nehme man wieder das Beispiel der Castingshows. Über die Hälfte der Träumer sind, so muss man es leider mal festhalten, wirklich Träumer. Sie sind talentfrei. Und doch haben sie diesen großen Traum an den sie verbissen arbeiten. Alles was sie dann jedoch oft erreichen ist eine Blamage. Öffentliche Demütigung. Zumindest wenn ihre eigentliche Gabe nicht die ’Selbstdarstellung’ ist. Und ganz ehrlich, auf eine Blamage kann man doch gut und gern verzichten, oder? Kein Wunder also, dass viele wahre Künstler, die ohnehin oft mit sich und ihrem Können hadern, nie entdeckt werden. Denn sie bleiben lieber hinter verschlossenen Türen, singen unter der Dusche, schreiben anonym im Netz, etc. Vielleicht auch um ihren Traum weiter zu nähren, daran festhalten zu können. Denn was passiert, wenn der Traum auf einmal zerplatzt? Woran hält man dann fest? So einfach einen neuen Traum zu suchen ist nicht unbedingt einfach, wenn man wirklich an etwas hängt. Und wenn man bereits viel Zeit und Engagement investiert hat. Und damit meine ich nicht Schischi und Geplänkel. Und es derangiert das eigene Selbstbewusstsein wohl um Einiges, wenn man sich eingestehen soll/muss, dass der Traum geplatzt ist. Dass man die Voraussetzungen nicht mitbringt. Dass man auf dem Holzweg ist oder auch einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Um seinen (beruflichen) Traum zu leben braucht man also nicht nur Vertrauen ins eigene Können, eine realistische Einschätzung der Fähigkeiten wäre auch ganz hilfreich. Und noch eines ist wichtig, wenn man seinen großen Traum Realität werden lassen will: Sitzfleisch. Denn mühsam ernährt sich bekanntlich das Eichhörnchen. Und vielleicht hat man ja dann trotz der Scheu und Ablehnung vor/von Schischi und Geplänkel das seltene Glück entdeckt zu werden. Man hört ja doch immer wieder mal davon. Dass da Jemand auf die via Blog zur Verfügung gestellten geistigen Ergüsse und den Stil, mit dem man pflegt diese zu offenbaren, aufmerksam geworden ist. Sie für lohnens- und lesenswert erachtet hat, und mit einer Buchveröffentlichung, einem Job bei einem Verlag oder Ähnlichem der Weg zum großen Traum geebnet wurde. Dass da Jemand durch Youtube als neuer Stern am Horizont emporschießt. Dass da Jemand die Möglichkeit bekommen hat seinen Traum zu leben und das ganz ohne Schischi.

In diesem Sinne: Möchte mich nicht mal Jemand entdecken? Es muss ja nicht gleich der Pulitzerpreis sein. Und auch den Qualitätsjournalismus sehe ich nicht gleich als nächsten Schritt meiner beruflichen Laufbahn an. Aber fühlt euch Willkommen an meine Tür zu klopfen oder lasst mich ein wenn ich an eure klopfe.  =)

Einfach so (glücklich)

ZUM PODCAST

Es gibt Momente im Leben, da ist man einfach froh. Einfach so, ohne zu wissen warum. Sekunden – Minuten – Stunden, in denen alles stimmt. Ohne dass etwas Großartiges passiert ist. Einfach aus einer inneren Stimmung heraus. Und dem Gefühl, dass gerade in diesem einem Moment einfach alles stimmig ist. Kennt ihr? Kennt ihr nicht? Wenn nicht sei an dieser Stelle Bedauern ausgesprochen. Denn diese kleinen Momente sind es, die ein großes Glücksgefühl hervorrufen können. Wenn auch eben erstmal nur für den Augenblick. Aber denkt man mal weiter… Eine Vielzahl dieser kleinen Momente, aufgefädelt wie Perlen an einer Kette, ergeben ein noch größeres Glücksgefühl. Ja klar, man muss auch eine gewisse ‚Begabung‘ haben und den Willen. Wer nicht sehen will, wird auch nicht sehen. Man muss also mit offenen Augen durch die Welt gehen und sie einsammeln, die Glücksmomente.

Leider sind solche Momente aber auch bei ‚Begabten‘ oft viel zu selten. Oder besser gesagt: Leider registrieren wir solche Augenblicke viel zu selten. Denn zu sehr haben wir verlernt auf diese kleinen Dinge zu achten. Aus Argwohn, dass dafür gleich wieder der nächste Tiefschlag um die Ecke schleicht. Denn ja, ich gebe es ja zu, Glück und Unglück liegen oft nah beieinander. Und das Glück kann manchmal eine ganz schöne Diva sein. Statt diese Momente also zu erkennen und aufzusaugen, sich einen Glücksteppich zu weben, wird unser Gefühl all zu oft von großen Erwartungen bestimmt. Das Offensichtliche, die Einfachheit, die kleinen Dinge werden übersehen oder zumindest wird ihnen nicht die Beachtung geschenkt, die sie verdient hätten.

Gerade deshalb versuche ich mir solche Glücksmomente immer extra bewusst zu machen. Halte sie mit meiner inneren Kamera fest. Mit Worten und Gedanken. Mit Assoziationen und Empfindungen. Denn ein Foto würde eine solche Situation wohl kaum adäquat wiedergeben.

Und wenn man sich erst einmal eines solchen Augenblickes bewusst ist, kann es ein noch so trüber Tag sein, die Laune rutscht trotzdem nicht in den Keller.

Dann sitzt du in dem kleinen Cafe um die Ecke. Ein Cafe in dem du schon oft saßt. Aber du fühlt dich wohl. Entdeckst so viele Kleinigkeiten neu. Die kleinen eingestanzten Details auf der Tapete. Die liebevoll verzierten Tische. Den schummrigen Kerzenschein. Den Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen. Du beobachtest Leute. Ihre Gesten. Ihre Mimik. Und dann fließen die Ideen. Durchströmen den ganzen Körper. Und erzeugen dieses Gefühl von Produktivität. Generieren den Gedanken: Ja, das ist ES. Das ist DEINS. Das bist DU.

Es kann aber auch das Lächeln eines Fremden sein. Der dir auf der Straße begegnet. Und dich aus deinen, vielleicht gerade noch trüben Gedanken reißt. Die Gesichtszüge erweckt. Und dann lachst du zurück. Und die Welt steht kurz still.

Es kann ein Lied sein, das bereits mit den ersten Klängen eine Emotion emporsprudeln lässt. Mit Lyrics bei denen du augenblicklich denkst: Das passt. Hier und jetzt. Ein Lied was man schon tausend Mal gehört hat. Aber genau in diesem Moment löst es ein Gefühl von Stimmigkeit aus.

Es kann das beruhigende Geräusch von Regen sein. Der lautmalerisch auf die Fensterscheibe trommelt, dich einlullt und leise wispert. Oder aber auch der Duft und das Gefühl eines warmen Bettes, was Geborgenheit spendet….

So einfach kann Glück also sein. Und so oft sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Warum nur haben wir verlernt es zu erkennen? Es bei den Hörnern zu packen. Es nicht mehr gehen zu lassen. Warum streben wir immer nach dem großen Ganzen? Und nehmen uns damit die Chance es zu bekommen. Denn auch das größte Puzzle besteht aus mehreren Teilen.

Aus diesem Grunde ein Appell an unsere Herzen. Haltet es fest, dieses Gefühl. Wenn ihr es zu fassen bekommt. Damit es nicht in Vergessenheit gerät. In Zeiten, in denen man die Welt verteufelt und einfach nur auffällt was alles fehlt.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die kleinen Dinge – Juhu, ich bin auch klein ;) – des Lebens!

Wortgewandt & Sprachgebannt

Buch-Herz, 2013Foto: © miss sophie, 2013

Ein Drängen im Inneren, hin zum Äußeren. Und der Wunsch einzutauchen, zu erklimmen und zu stürzen. Zu umkreisen und zu vereinen. Zum kämpfen und zu entzweien. Zu siegen und zu verlieren. Sich einzulassen und vorzudringen. In fremde Welten, vergnügliche Sphären, schmerzliche Schicksale und mitreißende Erlebnisse. Die neues Leben erschaffen. Eingehaucht. Durch Worte. Die sich einen zu Sätzen. Formen ein Bild. Und erzählen eine Geschichte. Überwältigend und ergreifend. Hinreißend und schüchtern-kläglich. Beherbergend und aufregend. Spannend und entrückt. Immer wieder anders und doch vertraut.

Alle Jahre wieder…

ZUM PODCAST

Wie sagt man so schön: „Es kommt immer anders als man denkt“. Aber es dauert doppelt so lange und zwischenzeitlich will man sich drei Mal aus dem Fenster stürzen ;) Naja… das ist natürlich etwas übertrieben, aber ich will ja gebührend und nach alter Manier ins neue Jahr starten.

Eigentlich hatte mir vorgenommen mich nicht unter all diejenigen einzureihen, die einen Abschiedtext ans alte und einen Willkommensgruß ans neue Jahr schreiben. Aber nun ja… Es kommt eben anders. Nicht nur als man denkt, sondern auch oft als mal möchte…  Und so finde ich nun meine zarten Finger auf der Tastatur wieder, wie sie flink darüber hüpfen und die Gedanken aus meinem Kopf kraftvoll in die Tasten schlagen. Denn mein Jahresumschwung war alles andere als ich erwartet habe, auch wenn ich eigentlich nichts erwartet habe…

Und so schleicht das neue Jahr nur langsam um die Ecke. Zumindest habe ich den Eindruck. Während sich kurz vor dem Jahreswechsel geradezu alle an den Supermarktkassen stapelten, fand ich heute gähnend leere Gänge vor. Während sich zwischen den Feiertagen alle in der Schwimmhalle die überschüssigen Weihnachtspfunde mühsam wegtrainierten, herrschte heute auch dort erstaunlich wenig Wellengang.

Ob sie noch alle auskoman von ihrer berauschenden Silvesterparty? Wobei wir beim Thema wären. Wie startet man richtig ins neue Jahr? Gibt es ein ’Richtig’ überhaupt? Bisher war ich es gewohnt, dass in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bereits Wochen vor dem ’großen Tag’ geschäftiges Treiben ausbrach. Man plante. Die Location, die Gäste, die Musik, das Buffet, etc. Es wurde Alkohol in Massen angekarrt um auch ja sicherzustellen, dass Jeder und immer ein volles Glas hatte. Ja, dies scheint für viele eine Garant, dass die Party auch wirklich ein Erfolg wird. Denn durch den Schleier des Alkohols wirkt auch der größte Partyreinfall gleich weniger schlimm. So meinen wohl viele. Ich für meinen Teil habe gelernt: Es kommt immer anders ;) Und gerade deshalb habe ich davon Abstand genommen zu viel vom Jahresumschwung zu erwarten. Denn dies ist wiederum ein Garant dafür, dass es in die Hose geht. Und das scheint wohl dieses Jahr der Gro in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gewesen zu sein. Es gab keinen Plan, es gab keine Vorfreude, es gab nix. Irgendwie lief alles anders…

Der Tag war bereits einige Stunden alt, als sich dann doch noch entschied wer mit wem, ab wann und wo das neue Jahr begehen wollte. Und in eben selber Manier endete das alte und begann das neue Jahr: ruhig und unaufgeregt. Als gäbe es gar keinen besonderen Anlass für das Beisammensein. Lediglich das Überangebot an Essen & Alkohol auf dem Tisch und das Wummern & Knallen vor dem Fenster ließen erahnen, dass es sich doch um ein etwas ereignisreicheres Datum handelte. Und dennoch. So richtig wollte sich deshalb kein Gefühl von Neuanfang einstellen. Aber ich schien nicht die Einzige zu sein… Erstaunlich wenig Feuerwerk, erstaunlich wenig Menschen auf der Straße, erstaundlich wenig Gespräche über gute Vorsätze, Pläne & Vorhaben, erstaunlich wenig Neujahrswünsche… Ob keiner feiern wollte, weil alle aufgrund des kurz zuvor angedrohten und geradeso überlebten Weltuntergangs ohnehin bereits mit ihrem Leben abgeschlossen hatten? Oder wo trieben die sich alle herum?

Zumindest fuhr ich mit dem Rad in den frühen Morgenstunden durch eine fast menschenleere Stadt. Wenn die Menschen nicht hier waren, musste es irgenwo anders dafür umso mehr geben, oder? Auch der laue Wind ließ eher auf einen der ersten Frühlingstage schließen, als auf den Beginn des Jahres. Lediglich ein paar Glasscherben und Kotzhaufen auf der Straße zeugten davon, dass sich hier vor ein paar Stunden alkoholisierte Menschen aufgehalten haben müssen. Und so begann ich mein neues Jahr nicht mit den üblichen Wünschen sondern einzig und allein mit dem Wunsch: Bitte kein Platten, bitte kein Platten! Als ich vor meine Haustür ankam frohlockte ich: Yeah, kein Platten, kein Platten. Doch ich hatte mich zu früh gefreut, denn um es noch einmal zu erwähnen: Es kommt immer anders :P

Als ich am nächsten Tag erwachte war die Welt um mich herum noch immer ruhig. Und ich fragte mich einmal mehr, was das wohl zu bedeuten hatte? War sie doch noch untergegangen, die Welt, und ich hatte es verpasst? Ich beschloss eine Runde auf meinem Rad zu drehen und das Ganze mal aus der Nähe zu betrachten. Doch Überraschung: Mein Rad hatte einen Platten.

Tja… Das fing ja gut an. Konnte also nur besser werden. Und so dachte ich mir einmal mehr: Lass ab von all den Wünschen und Plänen für das kommende Jahr, denn es kommt ohnehin anders als du denkst. Lass dich stattdessen überraschen. Denn hey, wir schreiben das Jahr 2013. Wenn das kein gutes Omen ist. Also ab geht er, der Peter… Äh nein. Ab geht sie, die miss sophie…

Wintertag

10_bahnhof_chFoto: © Christina Hanck, 2010

Ich laufe durch die verschneite Stadt. Kalte, trockene Winterluft. Mein Atem formt kleine Wölkchen. Ein paar Sonnenstrahlen kitzeln die wintermüden Augen. Vereinzelte Schneeflocken glitzern. Tauchen die sonst so graue Stadt neben all den Lichtern und Leuchten in ein schimmerndes Licht. Der Geruch von Zucker erfüllt die Atmosphäre und vereinzelt zwitschernde Vögel untermalen das Szenario mit bizarrem Gesang.

Und da strömen sie an mir vorbei. Die Großstädter. Mit hochgezogenen Mantelkrägen, tief ins Gesicht gezogenen Mützen, roten Nasen und schnellen Schrittes. Eilen durch die Kälte. Das Ziel vor Augen. Die Taschen voller Freude. Die Herzen getränkt mit Gefühl.

Wo sie wohl hinwollen? Ob jemand auf sie wartet?

Märchenwelt

IMG_6290Foto: © PaulaB, 2011

Der Nebel reicht bis ins graublaue Wasser. Man sieht nicht, wo der See aufhört und der Himmel anfängt. Als würden die Enten und Schwäne durch den Himmel schwimmen. Auf direktem Weg ins Wolkenschloss. Mit kleinen, wattierten Türmchen und einem großen Tor mit goldschmiedernem Türbeschlag.  Bewacht von den knochigen Bäumen. Die ihre Glieder strecken um jeden Fremdling zum empfangen. Und ihm zu offenbaren eine verschleierte Welt. Die alle Sinne fordert. Um sie zu sehen. Einzutauchen. Zu verstehen.

Anfälle von Dämlichkeit

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Hin und wieder leide ich an Anfällen von Dämlichkeit. Oder eigentlich ziemlich häufig und in regelmäßigen Abständen. Bei mir resultieren diese zumeist aus einer melancholischen Stimmung heraus. Und auch oft nur aufgrund der modernen Technik und meiner Gabe zu kommunizieren. Würde man mir in diesen Momenten sämtliche Kommunikationsmittel entwenden, die Hände fesseln oder auch den Mund zukleben, wäre sicher schon der eine oder andere Fall von Dämlichkeit an mir vorübergegangen bzw. hätte ich ihn nicht aktiv ausüben können. Es tröstet mich jedoch, dass ich damit nicht allein bin. Oder sollte mich dies eher in Bestürzung versetzen?

Wie dem auch sei, wie ich aus diversen Gesprächen mit Freunden weiß, gibt viele Schwachsinnige. Vornehmlich Frauen. Ich habe schon überlegt, ob ich eventuell eine Marktlücke entdeckt habe, die es zu füllen gilt: Ein Mittel gegen Schwachsinnige (Frauen). Ein Mittel gegen Anflüge von Dämlichkeit. Ich bin aber zu der Erkenntnis gekommen, dass dagegen wohl kein Kraut gewachsen ist. Man muss also durch, durch diese Anfälle von Dämlichkeit. Was damit konkret gemeint ist?

Ein besonders treffendes Beispiel: Frauen stehen auf Ärsche. Also nicht den Arsch als Körperteil (vielleicht auch das, aber der sollte sich hier nicht angesprochen fühlen), sondern den Arsch in Person. Zwar betonen sie immer wieder, dass sie ja eigentlich einen Mann haben wollen, der sie so liebt wie sie ist, der sie auf Händen trägt, der lieb ist, etc, aber all zu oft macht ihnen ihr Hang zur Dämlichkeit einen Strich durch die Rechnung. Denn letztlich landen sie dann doch wieder bei den Typen, bei denen sie um Aufmerksamkeit, Beachtung und Ansehen kämpfen müssen. Sind wir Frauen also sadistisch? Ich will natürlich wie immer nicht behaupten, dass es diese Geschichten nicht auch genau anders herum gibt: Also Frau verarscht Mann. Leider ist mir nur eben der andere Fall öfter zu Ohren gekommen. Frauen sind und bleiben eben oft gefühlduseliger als Männer. Oder sollte ich sagen,  Frauen verspüren öfter als Männer den Drang nach Beständigkeit und verschwenden deshalb wertvolle Minuten ihres Lebens an völlig aussichtslose Geschichten?! Wie auch immer: Ich würde wirklich gern eine ‚Pille dagegen‘ entwickeln, die dagegen immun macht…

Umso feierlicher, wenn einer Frau der Absprung von der Dämlichkeit gelingt. Und genau aus diesem Grund habe ich einen Sekt aufgemacht. Und angestoßen. Auf Rike. Eine Freundin, die es endlich geschafft hat auf ihr Wohlergehen zu achten. Rike ist frisch verliebt in einen wirklich „lieben“ Typen. Und das ist das Beste was ihr passieren konnte. Denn anderenfalls wäre sie vielleicht nie von diesem unsäglichen Exemplar Mann weggekommen, an das sie die letzten Wochen und Monate ihre Energie verschwendet hat und so viele Anflüge von Dämlichkeit heraufbeschworen hat.

Mitunter glaube ich aber, dass diese unsäglichen Gefühlsautisten nicht einmal mit Absicht so sind. Sie wissen einfach selbst nicht was sie wollen. Sie hoffen auf Besseres. Warten auf das große Los, die Explosion. Und verpassen darüber vielleicht die Chance einfach nur glücklich werden zu können. Denn oftmals sind die großen Feuerwerke leider auch die Geschichten, die verbrannte Erde hinterlassen. Die einfach nicht gut tun. Die das Herz in einen Kasper verwandeln.

Aber zurück zum Paradebeispiel Rike. Sie hatte also ihr Herz, oder ihren Verstand, an einen Mann namens David gekettet. Einen Mann, dem sie immer wieder Chancen ermöglichte, die er nicht ergreifen wollte und stattdessen unter dem Deckmantel der Freundschaft all die Dinge mit ihr tat, die Freunde eben nicht tun. Man war also offiziell nur befreundet, wobei dieser Begriff bei den Beiden eben sehr dehnbar war… Da dreht sich mir der Magen um. Sex mit einem Freund? Also jedem das Seine, aber angesichts der Tatsache, dass Rike damit nicht wirklich glücklich war eben eher fragwürdig. Und deshalb fragte ich auch: „Hast du dich mal gefragt, ob er das mit jeder seiner ‚Freundinnen‘ macht?“, „Bist du es nicht leid eine unter Vielen zu sein, die sein Ego boosten?“. Und sie schaute mich betroffen an und erklärte: „Ja ich weiß auch nicht warum ich mir das antue. Aber ich… Ach ich weiß es doch auch nicht…“ Ich war gelinde gesagt geschockt. Da saß eine schöne Frau vor mir und dieser komische Kauz sollte der Einzige sein, der ihr etwas Zuneigung schenken wollte/sollte? In meinem Kopf ratterte es. Der Wunsch nach einer ‚Pille dagegen‘ schoss augenblicklich wieder in mein Hirn.

Das erstaunliche an diesen Geschichten aber ist, dass wenn Frau von ihren Anfällen von Dämlichkeit genesen ist, der Mann nachzieht. Denn just in dem Moment, als Rike kein weiterreichendes Interesse mehr an David hatte als Freundschaft, wurde dieser von Anfällen von Dämlichkeit geradezu geschüttelt. Nun beginnt er zu fühlen und zu handeln. Meint, er müsse um sie kämpfen. Glaubt, dass da doch noch mehr ist als bloße Freundschaft. Sieht seine Fälle schwimmen. Paddelt wie wild auf sie zu. Und alles was ich hoffe ist, dass sie fest in ihrem neuen Boot sitzt. Mit einem strahlenden Lächeln ihr gegenüber. So, dass sie den Sonnenschein, der sie plötzlich umgibt, gar nicht mehr bemerkt. Denn: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Tja und damit ist nun plötzlich David derjenige, dessen Gedanken nur noch um sie kreisen. Der sich einreden muss, dass sie eigentlich eine dumme Gans ist, nur um sich nicht eingestehen zu müssen, dass er seine Chance verpasst hat. Ich bin gespannt was er noch so anstellen wird, zu welchen Taten und Handlungen ihn die Anflüge von Dämlichkeit treiben werden… Und ich kann es nicht lassen, aber die Pille dagegen scheint mir eine rechte Goldgrube ;P

Oase

04_regen_fensterscheibeFoto: © Christina Hanck, 2009

Sonnenlicht bricht sich im Glas. Verwandelt schwebende Staubpartikel in glitzernde Perlen. Die durch den Raum schweben. Und ihn mit einem Strahlen erfüllen.

Holzdielen wispern. Vereinen sich mit tanzenden Schatten. Erzählen Geschichten.

Der Ohrensessel mit seinem Flaum gebietet Obhut. Warte auf die Finger, die über ihn streichen. Sacht auf seiner Lehne trommeln und sich darin vergraben.

Sei willkommen… Lass dich fallen… Fühl dich daheim…

Wie man sich bettet, so liegt man

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… lautet ein sehr altes und ebenso bekanntes Sprichwort, das in vielerlei Hinsicht eingesetzt werden kann. So umschreibt es metaphorisch, dass man für die Konsequenzen seines eigenen Handelns selbst verantwortlich ist. Ich jedoch hatte letztens eine sehr erheiternde Unterhaltung, die es mir nahe legte mich mal mit der offensichtlichen Bedeutung dieses Sprichwortes auseinanderzusetzen. Nämlich dem Schlafen, der Schlafsituation und dem sich daraus ergebenden Schlafkomfort.

Wie ich nämlich erfahren habe gibt es Menschen, die müssen gar nicht mehr liegen um zu schlafen, haben sie nur das richtige Schlafdress. So hieße es dann in diesem Falle wohl eher: Wie man sich kleidet so schläft man. So erfuhr ich von kuscheligen Ganzkörperschlafanzügen – bzw. Schlafoveralls, denn man muss ja wenigstens begrifflich modisch bleiben – im Leolook. Mit  Kapuze UND Ohren. Die seien so kuschelig und warm wie eine Decke, dass man damit sogar im Stehen schlafen könne. Wahnsinn! Ich kann mir Schöneres vorstellen. Also nicht nur, dass ich die Waagerechte der Senkrechten vorziehe, wenn ich mich zu Ruhe lege – es heißt ja nicht umsonst ‚legen‘. Nein, ich kann mir auch etwas Attraktiveres vorstellen als einen Ganzkörperanzug. Allein die Vorstellung eines solchen Schlafdresses löst bei mir das Bild eines Säuglings aus. Und dann auch noch mit Kapuze UND Ohren. Das wiederum beflügelt meine Phantasie und projiziert sofort diverse Szenarien von Kinderfasching in meinen Kopf. Zusammen ergibt es dann das Bild einer Meute schlafender Säuglinge in lustigen Strampelanzügen. Kein Bild was mich jetzt sofort in einen geruhsamen Schlaf versetzen könnte angesichts der Tatsache, dass diese kleinen Wesen auch irgendwann einmal wieder wach werden und dann mörderischen Terz machen. Allein also die Gedanken, die eine solche Schlafklamotte in mir auslösen, würden mich am Schlafen hindern bzw. zumindest einen erholsamen Schlaf unterbinden.

Dennoch möchte ich die Vorliebe für eine derartige Kleiderwahl nicht abwerten. Wer darauf steht (Hihi, steht!!!), der soll seinen Schlafkomfort gern damit verbessern.

Und da gibt es ja noch ganz andere Kandidaten. Die nämlich, die sich an den unmöglichsten Orten zur Ruhe betten. Wie oft hängt jemand nach einer feuchtfröhlichen Party schlafend über der Kloschüssel? Mir unbegreiflich, allein angesichts der geruchlichen Tatsache. Und selbst wenn sie wohl viel zu abgedriftet sind, um den Geruch wahrzunehmen: Spätestens nach dem Erwachen dürfte sich ihre Schlafplatzwahl rächen und in den Gebeinen bemerkbar machen. Guten Morgen Rückenschmerzen! Zumindest mit zunehmendem Alter werden besagte Gliederschmerzen das Erwachen an derartigen Schlafplätzen beschwerlicher machen. Oder sind wir durch die Angewohnheit uns auf anschmiegsame Matratzen zu betten nur verhätschelt? So hatte ich letztes Jahr beim campen mit dünner Isomatte zwar zunächst Probleme mich an all die Wurzeln und Steine in meinem Rücken zu gewöhnen, schlief aber letztendlich besser als zu Hause. Ja, dort vermisste ich die kleinen Huckel regelrecht.

Und Kinder können ja bekanntlich auch immer und überall schlafen. Jedenfalls wenn es sie denn nach einem langen Kampf dagegen wirklich mal ereilt. Dann ereilt es sie aber auch schlagartig, sofort, auf der Stelle. Und das provoziert dann die eigentümlichsten Schlaforte und Positionen hervor. Meine Geschwister waren als Kinder auch solche Kandidaten. Meine Schwester hatte neben dem nächtlichen Erzählen bzw. Schimpfen die Angewohnheit die embryonale Drehung einer Geburt nachzuspielen. Also sich während des Schlafens einmal um 180° zu drehen. An und für sich kein Problem, solange sie allein im Bett war. Durchaus problematisch jedoch in einer Almwanderhütte, bei der zwanzig Menschen wie Ölsardinen auf engstem Raum nebeneinander liegen. In einer großen Koje. Ohne Abtrennungen. Ich meine, wir waren ja daran gewöhnt während des Schlafens neben meiner Schwester hin und wieder Arme, Beine, Hände, Füße oder einen Hintern im Gesicht zu haben, wenn sie sich mal wieder drehte, aber die anderen Bergsteiger… Verstanden da nicht so viel Spaß und so wurde meine arme kleine Schwester kurzerhand auf den Boden verfrachtet. Mein Bruder hingegen hatte eine Vorliebe fürs Hängen. Ober- oder Unterkörper, eines von beiden hing oft aus dem Bett heraus. Und ich? War wohl damals schon ein langweiliger Schlafender. Oder ein Spießiger? Auf jeden Fall gibt es von mir leider nicht so lustige Geschichten. Weder geräuschvolle, noch aktionsreiche. Oder doch? Vielleicht zeichnete sich ja schon damals ab, dass ich nicht schlafen konnte. So hielt ich beispielsweise als Dreijährige nicht den verordneten Mittagsschlaf sondern verging mich stattdessen an der Großpackung Penatencreme, verteilte diese sorgfältig auf meinem Gesicht, versteckte mit hinter einem gelben Vorhang und verkündete, als meine Eltern mich wieder wecken wollten, stolz aber zu deren Entsetzen: „Dolle einetremt!“ Horroffilm lässt grüßen. Vielleicht also schon damals auch ein Zeichen, dass es mich einmal ins Filmgeschäft ziehen würde?

Das allgemeine Bäh

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Wie viele traurige, hochtrabende oder auch belustigende Formulierungen gibt es für eine schlechte emotionale Befindlichkeit? Viele! Genauer gesagt sehr viele.

Man kann sich unwohl fühlen. Man kann in ein emotionales Loch gefallen sein. Man kann eine mentale Verstimmung haben, sich wie ein Häuflein Elend fühlen oder ganz modisch ein Burn-Out haben. Man kann sich einfach nur platt und/oder ausgelaugt fühlen. Man kann das Gefühl haben von einem Zug überrollt worden zu sein oder den Holzhammer gleich mehrmals über den Schädel gezogen bekommen zu haben. Man kann ein Down haben, einen Tiefpunkt erreicht haben und, und, und… Und jeder hat eine Vorstellung davon, wie es einem Menschen geht, der unter einem oder mehrerer dieser Dinge leidet. Nämlich nicht gut. Gar nicht gut.

Doch wie oft werden diese Begrifflichkeiten arglos verwendet für Zustände die zwar unangenehm und mental stressig sind, nicht jedoch wirklich schlimm/fatal – wie es ja bei einer Depression durchaus ist. Denn der Mensch neigt dazu selbst kleinste seelische Verstimmungen zu dramatisieren. Zu jammern. Ist ja auch kein schöner Zustand so ein psychisches Tief. Und ich will die miesen Gefühle die man in solchen Zeiten hat keinesfalls abwerten oder schmälern. Ganz im Gegenteil, in wirklich schwerwiegenden Fällen können derartige Gefühle ja sogar lebensbedrohlich werden. Umso bewundernswerter ist es, wenn man einen Menschen trifft, der das Eine vom Anderen zu unterscheiden weiß. Der trotz des Gefühls sich gerade eher im unteren Emotionsbereich zu befinden, nicht seinen Humor verliert und das Licht am Ende des Tunnels sieht. Wenn auch vielleicht nicht bewusst.

Genau so ist es bei einem sehr lieben Mensch aus meiner näheren Umgebung. Dieser Mensch leidet nämlich laut eigener Aussage nicht an einem der oben genannten Befindlichkeiten. Nein, die Selbstdiagnose dieses Menschen lautet: ‚allgemeines Bäh‘. Ich finde diesen Befund niedlich. Zeigt er doch, dass diese Person bei allem aktuellen Leid ihren Witz und den Bezug zur Realität nicht verloren hat. Sie leidet also an ‚allgemeinem Bäh‘. Nicht an einem konkreten Kopf-, Hals, oder Bauch-Bäh. Sondern schlicht und ergreifend an einem ‚allgemeinen Bäh‘.

Das ‚allgemeine Bäh‘ ist dabei an den gleichen Symptomen wie oben genannte Gemütszustände zu erkennen. Nur eben mit dem Zusatz des Augenzwinkerns. Mit der kleinen Zugabe des Glaubens auf baldige Besserung. Mit einer Prise Selbstironie und dem Wissen, dass es Anderen wohl schlimmer geht.

Und wenn ich so überlege leiden wohl sehr viele Menschen unter einem ‚allgemeinen Bäh‘. Die halbe Welt ist quasi voll von Menschen mit ‚allgemeinem Bäh‘. Nur sehen sie das oft nicht so.

Aber ich denke, es als ‚allgemeines Bäh‘ anzuerkennen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nämlich heraus aus dem ‚allgemeinen Bäh‘. Und man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: „Was hast du?“ „Allgemeines Bäh!“„Wie geht es dir damit?“ „Bäh, bäh, bäh.“ So ernst die Lage bzw. Verfassung auch ist. Allein die verbale Ausführung dieser Konstitution klingt so komisch, dass man augenblicklich schmunzeln muss. So mussten die liebe Person und ich lachen. Und so ging es besagter Person gleich einen Hauch weniger ‚Bäh‘. Denn Lachen ist ja bekanntlich die beste Medizin.

Ich werde es im Hinterkopf behalten und versuchen mir bei derartigen Gefühlszuständen eine Scheibe dieser Fühl- bzw. Ausdrucksweise abschneiden. Vielleicht ist das ‚Bäh‘ ja dann gleich viel kleiner.

 Und woran leidet ihr so?

Gefahrenzone (Teil II)

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Eine Reise die ist lustig, eine Reise die ist….

Nachdem ich ja schon von den Tücken des städtischen Verkehrs berichtet habe, möchte ich mich heute einer weiteren Gefahrenzone widmen: Dem Flugverkehr. Ja, so eine Flugreise kann unter ungünstigen Umständen auch die eine oder andere Gefahr bergen. Nicht unbedingt in Form eines anderen Verkehrsteilnehmers, der dir nach dem Leben trachtet. Aber sehr wohl eine Gefahr für das leibliche und vor allem seelische Wohl. Denn auf einem Flug kann so einiges passieren. Und auf dem Weg dorthin definitiv auch. Wie ich jüngst am eigenen Leib erfahren „durfte“…

Urlaub war der Plan. Stressabfall. Erholung. Und dazu begab ich mich mit meiner Reisebegleitung auf besagten Flughafen. Nachdem wir nach endlos langem Anstehen in der Warteschlange endlich am Check-In-Schalter angekommen waren folgte die erste Prüfung für unseren, aufgrund nur weniger Stunden Schlaf, müden Geist. In freudiger Erwartung reichte meine Reisebegleitung die Onlinetickets über die Theke. Doch das eben noch vorhandene Strahlen auf dem Gesicht sollte sogleich der Vergangenheit angehören. „Sie heißen beiden XXX?“ „Äh nein. Das bin nur ich“, war die verwunderte Aufklärung meiner Begleitung. „Aber sie haben zwei Tickets auf den selben Namen gebucht.“ „Äh nein, warum sollte ich?!“, so die erstaunte Antwort. „Doch! Sie haben hier zwei Tickets auf den selben Namen.“, erklärte das Flughafenpersonal und stürmte anschließend ohne ein weiteres Wort mit unseren Unterlagen davon. Unschlüssig was denn nun zu tun sei standen wir vor dem Check-In-Schalter. Die Schlange hinter uns wurde sekündlich länger. Und nach endlos langen Minuten kam die Dame, die eben noch vor uns am Schalter gesessen hatte, wieder angeflitzt, hielt uns einen Zettel mit einer großen Zahl unter die Nase und verkündete frohen Mutes: „Kostet sie 148€!“ Was jetzt, wie jetzt? Sie musste scherzen. Aber der 1.April lag weit hinter uns. Unsere Ungläubigkeit muss wohl auf unserer Stirn zu lesen gewesen sein, denn sie fügte hinzu: „Na das umbuchen auf den anderen Namen.“ Mein erster Gedanke war keiner. Da war nur Vakuum. Die Hirnsynapsen meiner Begleitung waren zu dieser frühen Morgenstunde wohl schon aktiver, denn schlagartig verfinsterte sich die Miene und eine hitzige Diskussion über Problemverursacher und Problemlösung entbrannte. Doch es half alles nichts. Es gab nur zwei Wahlmöglichkeiten: Urlaub ade oder eben tief in den Geldbeutel greifen. Und so hastete meine Begleitung los um die finanzielle Hürde zu unserem wohlverdienten Urlaub zu bezwingen. Nach nur wenigen Minuten kehrte meine Begleitung zurück. Nicht jedoch mit einem zurückgekehrten Strahlen im Gesicht sondern mit den Nerven nun völlig am Ende: „Kreditkarte geht heute nicht, wir müssen in bar zahlen. Hast du noch Geld?

Nachdem wir es nach weiteren 20 Minuten endlich geschafft hatten, unser Reisegepäck um einige Scheine leichter, aber wenigstens um die heißbegehrte Boardkarte reicher war, ging es auf zum Sicherheitscheck. Dort angekommen empfing uns die Freundlichkeit in Person. Ein bissig, kläffendes Etwas mit Detektorenstab. Denn natürlich sprang bei mir der Alarm an. Nachdem mir die angriffslustige Dame mit ihrem Detektorstab nahezu überall an meinem Körper herumgerubbelt hatte blöckte sie: „Gürtel.“ Was Gürtel? Ja, ich besitze einen. Aber rede doch mal in vollständigen Sätzen, dachte ich mir und schaute die Frau auffordernd an. Da die werte Dame jedoch keine Anstalten machte, weitere Auskünfte darüber zu geben, was ich mit meinem Gürtel machen sollte, zog ich ihn einfach aus. Kannte ich diese Prozedur doch bereits von anderen Flugreisen und wollte ihr entgegenkommen. Doch weit gefehlt. Augenblicklich bellte sie mich böse an: „Hab‘ ich was von ausziehen gesagt?“ So langsam wurde nun auch mein Geist hellwach und wütend. Am liebsten hätte er besagten Gürtel genommen und knallend auf dem Hintern dieser unfreundlichen Misses-stell-dich-an platziert. Doch ich bin ja ein emphatischer und beherrschter Mensch. Und so besänftigte ich meinen Geist: Vielleicht hat sie einen schlechten Tag. Immerhin muss sie hier stehen und arbeiten, während wir gleich in den Flieger steigen und verreisen. Ich verkniff mir also einen bösen Kommentar und anderweitig scheußliche Reaktionen und zog den Gürtel wieder an. Und dann fragte sie mich doch tatsächlich mit einem derartig abschätzigen Ton: „Aber Deutsch können sie schon?“ Äh ja, aber nicht für dich, denn ich spreche nicht mit jedem. Vor allem nicht mit Unfreundlichkeiten in Person, dachte ich mir, beschloss aber erneut ihre vermeintliche Erkenntnis nicht zu enttäuschen und ging ohne sie darüber aufzuklären meiner Wege. Sollte sie doch wenigstens ein kleines, wenn auch unwahres Erfolgserlebnis haben heute.

Dank der unangemeldeten Tuchfühlung hieß es nun Füße in die Hand nehmen und auf zum Gate, denn gerade wurde die letzte Chance zum Boarding ausgerufen. Der von meiner Begleitung sehnsüchtig herbeigesehnte Schnaps musste warten.

Und schließlich hatten wir es geschafft. Wir saßen. Tief durchatmen sagte ich meiner Begleitung. Nun kann es nur noch besser werden. Weit gefehlt… Das Durchatmen ließ uns direkt vor uns eine Alkoholleiche orten. Nacht durchgefeiert und gleich in den Flieger, war unsere Vermutung. Gut, soll er machen, aber bitte ohne derartige Körperausdünstungen. Der Geruch war unangenehm, aber nicht das Schlimmste. Die Härte waren seine Alko-PUps. Wat ‘ne Freude für unsere sensiblen Riechorgane an seinem gestrigen Abend teilhaben zu dürfen. Puh!!! Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles und so arrangierten wir uns auch damit. Hingen unseren Gedanken hinterher. Dämmerten vor uns hin und träumten schon mal vom baldig erreichten Ziel, von Sonne, Spaß und guter Laune. Das aufkommende Rütteln wiegte uns wohlig hin und her. Bis es sich zu einem Schütteln verstärkte. Das Gefühl vom Massagestuhl war dahin, ersetzt vom Gefühl der Achterbahnfahrt. Wou! Wo kam das denn jetzt her? Naja, nicht weiter tragisch. So ein bisschen Gaudi is‘ doch ganz schön, oder? Nach all der Dramatik vorhin. Unser Flugbegleiterpersonal sah das scheinbar anders, denn just in diesem Moment schalteten sie sich via Sprechfunk ein, um uns mitzuteilen: „Bitte nehmen sie ihre Plätze ein und schnallen sie sich an. […] Sie können die Toilette auf eigene Gefahr aufsuchen.“ Wie jetzt? Und wenn mich die nächste Windböhe in den Gang schleudert lassen sie mich da liegen bis wir ohnehin abstürzen oder wieder heil gelandet sind? Und was ist mit denen die mal ganz dringlich müssen? Die sollen jetzt lieber alle einsch…? Ich hatte den Gedanken noch nicht einmal beendet, da stieg mir ein beißender Geruch in die Nase. Augenblicklich drehte sich mir der Magen um. Bloß gut, dass dieser noch nichts beinhaltete. Was war das nur? Es roch wie sauer gewordene Milch, wie… Und dann hatten wir den Übeltäter auch schon im Visier. Babykotze. Auch direkt vor uns. Doch nicht etwa in die dafür vorhergesehene Papiertüte. Nein, schön über die Mama und den eigenen kleinen Leib. Luft anhaltend und Nase zuhaltend versuchte ich das augenblicklich aufkeimende Übelgefühl zu unterbinden. Bis Mama sich entschied den Sitz zu wechseln und sich auf dem freien Platz neben mir niederzulassen. Schließlich musste Papa den Tatort erst einmal reinigen. Und da saß sie also direkt neben uns, die Stinkbombe. Und voller Freude erklärte uns Mama: „Sie hat ihren eigenen Smoothie hergestellt. Vorhin eine große Milch und jetzt Saft.“ Herzlichen Dank für die detaillierte Auskunft über die Gärungsprozesse deines Kindes und nein danke lieber Flugbegleiter, ich möchte kein Getränk oder etwas zu Essen kaufen.

Liebe Hormone!

ZUM PODCAST

Kennt ihr das? Die regelmäßig anfallenden Momente/Tage/Wochen Herz im Monat, in denen man von sentimentalen Anfällen, Sehnsüchten und emotionalen Ausbrüchen geradezu geschüttelt wird? Und alles nur, weil die Hormone launisch sind und nach einem kurzen Hoch ins nächste Tief abrutschen. Was kann ich denn dafür, dass ihr so sensibel seid? Also bitte lasst das gefälligst nicht an mir aus! Letztlich wäre das ja aber noch zu ertragen. Viel schlimmer ist es, dass diese Diven auch noch meinen in regelmäßigen Abständen ein Verhalten an den Tag legen zu müssen, was einen hin und wieder zu einer lächerlichen Marionette werden lässt. So kann das nicht weitergehen habe ich beschlossen. Und da Kommunikation ja oft der erste Schritt zur Klärung eines Problems ist, habe ich mir die Zeit genommen um mit den werten Untermietern in Kontakt zu treten. Immerhin hausen sie für günstige Konditionen und könnten sich deshalb auch mal an ein paar Regeln halten. Leider sind die Damen und Herren so mit all ihren Eskapaden ausgelastet, dass man sie einfach nicht ans Telefon bekommt. Irgendjemand und irgendwann muss aber mal auf den Tisch gehauen werden, also her mit dem guten, alten Brief.

Liebe Hormone,

um gleich mal vorweg eines klarzustellen: Ihr geht mir gehörig auf den Zeiger! Wie lange kennen wir uns jetzt bereits, fast 30 Jahre?! Da solltet ihr mich also besser kennen oder habt ihr Spaß daran mich zu verärgern? Denn irgendwie macht ihr immer genau das, was ich am wenigsten in ohnehin brenzligen Situationen gebrauchen kann. Natürlich nicht immer, hin und wieder hatten wir auch eine ganz gute Zeit. Aber das war irgendwie mal. Beziehungsweise schafft ihr es immer dann, wenn ich gerade wieder mühsam Vertrauen in euch erarbeitet habe, dieses sofort wieder einzureißen. In letzter Zeit liegt ihr nämlich leider ziemlich oft ziemlich daneben. Und treibt mich damit in regelmäßigen Abständen in den Wahnsinn.

Ich habe lange nichts gesagt, denn ich bin ein sehr leidensfähiger Mensch, aber nun is‘ auch mal genug. Immerhin biete ich euch sehr kostengünstig eine nette Unterkunft. Da wäre wohl ein wenig Rücksicht angebracht. Also was versprecht ihr euch davon, eurer Heim in regelmäßigen Abständen in eine Gefahrenzone zu verwandeln? Steht ihr auf den Nervenkitzel? Das würde mich wirklich mal interessieren. Wenn ich nun solche Manieren an den Tag legen würde. Also mal Klartext…

Warum zum Beispiel seid ihr so leicht zu verstimmen? Es nervt, dass ihr von jetzt auf gleich von himmelhochjauchzend zu zutodebetrübt switchen könnt. Wer soll denn da mitkommen? Ein Lied, ein Wort, ein Blick, eine Geste, was auch immer und ihr spielt verrückt und verwandelt mich in Sekundenschnelle von der eben noch friedfertig, strahlenden miss sophie in ein marginales Häufchen Elend, dass mit aller Gewalt gegen aufsteigende Wut, Verletzung, Sentimentalität, etc. ankämpfen muss, um nicht augenblicklich irgendwelche Dummheiten zu begehen, Gefühlsausbrüchen zu unterliegen und damit zu allem Überfluss gegebenenfalls ein noch jämmerlicheres Bild abzugeben. Und was fällt euch dann zum Trost ein: Hunger. Und was mache ich um euch wieder zu besänftigen: essen. Und dann? Dann setzt nicht etwa die Genesung ein sondern der pure Stress. Denn was bleibt ist ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner körperlichen Konstitution und meinem Geldbeutel, welcher dann wieder einmal gähnende Leere offenbart, weil ihr mich zu später Stunde von meiner gemütlichen Couch hochpeitscht und zum nächsten überteuerten Spätkauf treibt.

Nennenswert sind auch Situationen der Entscheidung. Habe ich einen Entschluss gefasst, kann ich quasi die Minuten an einer Hand abzählen, bis ihr aufmuckt und irgendein Gegenargument hervorzaubert. Und wenn ich dann so nett bin, dieses zu prüfen und vielleicht sogar für ein gutes Argument zu erachten, habt ihr euch schon wieder anders entschieden. Ja, ne, vielleicht, ich weiß nicht. So wird das nichts Freunde. Das bringt letztlich nur komplette Verwirrung und einen körperlich wie emotional äußerst haarsträubenden Zustand: Nämlich wie Drahtseil gespannte Nerven und Unzufriedenheit.

Völlig idiotisch verhaltet ihr euch übrigens auch jedes Mal, wenn ich einen Mann auch nur ansatzweise interessant finde. Denn wenn ihr mal zuschlagt, dann mit Karacho, aber ohne mich vorher mal zu fragen. Was ich jedoch am wenigsten verstehe und mir regelmäßig böse Schimpfwörter ins Gehirn treibt: Wenn ihr mir dann ein paar Glücksmomente habt zuteil werden lassen und merkt, dass ich mich eurem Interesse beuge, dann zieht ihr entweder die Notbremse oder lasst mich schön gegen die Wand rennen. Natürlich auch mit Höchstgeschwindigkeit. Super wie ihr es in solchen Fällen schafft aus mir einen undurchschaubares Etwas zu machen, vor dem jeder noch so tapfere Krieger die weiße Flagge hissen muss. Oder aber mich an völlig aussichtslosen Situationen die Zähne ausbeißen und Dummheiten machen lasst, die eindeutig belegen, dass ich – oder sollte ich besser sagen ihr – wohl den Verstand verloren haben muss/müsst. Aber anstatt mir danach über den Verlust hinweg zu helfen, ihr biestigen Scheusale, macht ihr mich dann zu einem emotional verstimmten, sich in Selbstmitleid (was für eine fürchterliche Eigenschaft!!!) auflösenden Jammerlappen.

Ich werde jedenfalls das Gefühl nicht los, dass ihr all zu oft nicht wisst was ihr wollt. Und wenn ihr schon auf derartige Achterbahnfahrten steht, dann habt danach zumindest auch den Arsch in der Hose und helft mir bei der Schadensbegrenzung. Schließlich bin ich euer Heim und ihr solltet ein Interesse daran haben dies nicht zu zerstören. Oder wollt ihr auf der Straße landen? An dieser Stelle ist es nun angebracht mal mahnend den Zeigefinger zu erheben und zu predigen: Werdet euch doch bitte erst einmal selbst darüber klar was ihr wollt, bevor ihr andere – in diesem Fall mich – da mit reinzieht. Schließlich bin letztlich ich diejenige, die da mit ihrem Gesicht steht, die ihren Kopf hinhalten muss. Ihr hingegen könnt euch schön dahinter verstecken. Also behandelt mich bitte auch dementsprechend und tanzt mir nicht auf der Nase herum. Und da wir noch ein paar gemeinsame Jahre vor uns haben würde ich deshalb vorschlagen, dass ihr euch mal ein wenig zusammenreißt. Wäre das möglich? Anderenfalls muss ich wohl härtere Sanktionen ergreifen.

Also Freunde! Ein Vorschlag zur Güte, denn ich bin ja im Grunde meines Herzens ein sehr friedfertiges und harmoniebedachtes Wesen: Wenn ihr schon nicht weichen wollt, könnt oder wie auch immer, dann helft doch stattdessen mal zwischen mir und den von euch provozierten Emotionen zu vermitteln! Wie wär’s damit? Akzeptieren, dass es so ist wie es ist, ohne große Erklärungen dafür zu suchen? Vielleicht sogar mal den Gedanken Flügel verleihen? Denn Verstand nicht das Gespür kontrollieren lassen? Das würde zumindest meinem Selbsterhaltungstrieb etwas entgegenkommen, denn ich habe keine Lust mich jedes Mal nach euren Eskapaden neu aufbauen zu müssen.

In diesem Sinne verbleibe ich mit HERZlichen Grüßen und gelobe Nachsicht, wenn ihr Besserung gelobt :)

Eure miss sophie

Gefahrenzone (Teil I)

ZUM PODCAST

Ich muss wohl lebensmüde sein, und mit mir Millionen Andere. Schließlich setzten wir uns tagtäglich der Gefahrenzone schlechthin aus. Dem Großstadtverkehr. Besonders gefährdet sind Radfahrer. Denn die sind das liebste Spielzeug der Autofahrer.

Eigentlich gibt es ja Regeln. Aber irgendwie leben wohl alle nach dem Motto: ‚Regeln sind da, um gebrochen zu werden.‘ Jedenfalls hält sich kaum einer daran. Ampeln? Was ist das? Ach, die schönen bunten Lichter an den Straßenkreuzungen? Ich dachte das wäre der Testlauf für die nächste Weihnachtsdeko. Bzw. das war noch nicht rot, das war ‚kirschgrün‘. Zebrastreifen? Anhalten? Hm, ich dachte da hätte sich ein Streetart-Künstler ausgetobt. Auf Radfahrer und Fußgänger achten? Wieso, ich bin hier der Stärkere mit meinem Auto und außerdem wollte ich schon immer eine lebensechte Kühlerfigur.

Tja… Da wird so manche Straße zur Rennstrecke, so mancher Gehweg zum Todespfad und alles was man sich wünschen kann, wenn man den geliebten Drahtesel besteigt oder den Fuß vor die Tür setzt ist: ‚Hals und Beinbruch!‘ Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wie schnell passiert es, dass man von einem ausparkenden Auto einfach mal so mitgenommen wird. „Wirklich freundlich von Ihnen, dass sie mich schneller an mein Ziel bringen wollen, aber eigentlich war mein Ziel nicht das nächstbeste Krankenhaus.“ So geschehen im letzten Jahr.

Ich war gerade auf dem Weg zur Schwimmhalle. Der morgendliche Dunst stieg auf und ich fuhr guter Dinge, denn in der frohen Hoffnung mich gleich in die Fluten stürzen zu können, einen markierten Radweg auf einer Straße entlang. Als plötzlich vom angrenzenden Gehweg rückwärts ein Auto auf mich zuschoss. Mein erster Gedanke war: „Jetzt ist alles vorbei.“ Und im Angesicht des Todes schloss ich instinktiv die Augen und sprang vom Rad. Mein Rettung, denn so erwischte mich der Autofahrer nur seitlich und nicht frontal und ich kam mit einer gebrochenen Rippe, allerlei Schmerzen und einem großen Schock davon.

Ähnliches ereignete sich gerade erst vor ein paar Tagen, als ein Auto meinte mich mitten auf der Kreuzung dem Asphalt angleichen zu müssen. Ich sage nur ‚Handy am Steuer‘. Alle denken sie haben es im Griff und dann? Haben sie eine neue Kühlerfigur in Form eines Radfahrers vorn auf, nur weil sie in alle Himmelsrichtungen schauen, nur nicht auf die Straße. Und ich erlitt einen mittelschweren Herzstillstand und war froh über meine schnelle Reaktionsgabe und dass ich beim Herumreißen meines Lenkers nicht auch noch in die Spur der Straßenbahn geriet.

Herzallerliebst und meine besten Freunde sind auch diejenigen unter den Autofahrern, die nach dem Einparken einfach mal so ihre Tür aufreißen ohne zu gucken. Auch hier kann man jedem Radfahrer nur wünschen: ‚Guten Flug!‘ Oder eben eine schnelle Reaktion. Blöd nur, wenn hinter einem ein Auto kommt. Dann hat man also die Qual der Wahl: Frontal auf eine Autotür prallen oder rittlings auf einer Kühlerhaube zu sitzen. Ich kann mir schöneres vorstellen. Und so erleide ich also regelmäßig mittelschwere bis große Herzinfarkte, mein Herz setzt in regelmäßigen Abständen kurzzeitig aus oder beschleunigt zumindest seinen Takt oder ich sterbe kleine und größere Tode.

Neben diesen Endzeitszenarien gibt es aber auch allerhand Situationen, in denen man einfach nur…Ja was eigentlich? Lachen muss, den Kopf schüttelt, schockiert aus der Wäsche blickt, …?

So geschah mir beispielsweise gestern Folgendes. Ich quälte mich gerade, vor Kälte bibbernd mit meinen lieben Drahtesel den Berg hoch. Im Rücken spürte ich ein herannahendes Auto.  Nichts Besonderes in einer Großstadt und noch dazu auf einer Hauptverkehrsstraße, dachte ich und strampelte weiter. Aber das Auto blieb hinter mir, anstatt mich zu überholen. Ich dachte mir meinen Teil, immerhin fuhr ich auf einer dreispurigen Straße und alle Spuren waren frei. Warum überholt der nicht einfach? Naja, sein Problem. Ich strampelte und kämpfte mit den Tränen, die mir der kalte Fahrtwind in die Augen trieb. Und dann hupte es hinter mir. Und ich? Schüttelte gedanklich fassungslos den Kopf. „Davon geht’s auch nicht schneller, oder erwartest du, dass ich augenblicklich vom Rad springe? Würde dir aber auch nichts bringen, wäre ich immernoch auf der Spur, also fahr doch einfach vorbei du Honk!“ Also ist es denn zu fassen? Aber er tat es nicht, sondern tuckerte so lange hinter mir her, bis etwas weiter oben am Berg ein Radweg begann auf den ich ausweichen konnte. Selbst Schuld dachte ich mir, denn noch immer war kein einziges anderes Auto an mir vorbeigefahren und demnach auch keines an ihm, was ihn hätte daran hindern können mich zu überholen. Vielleicht ist er neurotisch dachte ich mir und grinste in mich hinein. Soll es ja geben. Ehrlich! Oder kennt ihr nicht die Geschichten von Menschen, die beispielsweise den Tick haben immer auf einer Linie laufen zu müssen, oder eben keine Linie betreten zu dürfen. Vielleicht hatte er ja den Spleen unbedingt diese Fahrspur benutzen zu müssen. Denn nein, er bog an der Kreuzung nicht rechts ab.

Aber das Allerschlimmste daran ist ja… es steckt an. Man wird auch selbst zum Verkehrsrowdy, zum Fahrneurotiker, zum Ungeduldigen.  So ertappe ich mich hin und wieder dabei, wie ich ungeduldig Slalom um ausparkende Autos fahre, wenn diese sich mal wieder gegenseitig beim Ausparken blockieren und ein nahendes Aufgeben im Kampf ‚Wer schlägt sich nun zuerst seine Presche‘ nicht in Sicht ist. Ja Mensch, ich hab’s eben eilig und es inzwischen ist es draußen ja auch wieder a…kalt. Und die sitzen da drinnen in einem warmen Auto und kommen eh kein Stück vor und zurück. Also schlängele ich mich eben gekonnt hindurch. Ich weiß, dass ist keine Entschuldigung und so macht man sich hin und wieder wohl auch selbst zum Freiwild.

Ich habe deshalb bereits des Öfteren überlegt, ob ich mir zumindest eine dieser wunderschönen Kopfbedeckungen zulege. Ja genau, ich meine einen Fahrradhelm. Aber irgendwie habe ich da traumatische Erinnerungen an meine Kindheit. Ich war nämlich unfreiwillige Besitzerin eines Styroporfahrradhelms, der nicht nur unförmig und monströs war, sondern zu allem Überfluss auch noch mit neonorangem, filzähnlichem Bezug. Grauenhaft. Und ich würde mal behaupten in der Not auch nicht wirklich Schutz bietend. Mein Bruder hingegen hatte ein wunderbar sportliches Modell. Nun könnte ich mir ja heute auch ein sportlicheres Modell zulegen oder eines dieser Hipster-Modelle, mit denen grad all die hippen Rennradfahrer durch die Stadt cruisen. Aber irgendwas hemmt mich. Was nur?

Ich werde also noch einmal tief in mich gehen, all die Erlebnisse auf mich niederprasseln lassen und dann entscheiden ob es mir wichtiger ist mit wenig Ballast und hübsch anzusehen durch die Stadt zu schlingern, oder aber mich zumindest minimal geschützt in die Gefahrenzone zu begeben.

Trends haben (k)ein Verfallsdatum

ZUM PODCAST

Gerade erlitt ich einen mittelschweren Lachkrampf, aus dem ich mich nur mühsam wieder erlösen konnte. Der Grund für meine überschwängliche Erheiterung war eine Email meiner Schwester. Oder besser gesagt ein angehängtes Foto. Eingescannt extra für mich. Errettet aus den Untiefen des mütterlichen Schreibtisches.

Aus Datenschutzgründen werde ich dieses Foto hier natürlich nicht veröffentlichen, aber das ist auch gar nicht notwendig, denn wer weiß ob ein Anderer soviel Freude daran hätte wie ich. Ich will es nur kurz skizzieren. Meine Schwester und ich. Keine 10 Jahre. Die Gesichter ziert ein bunter Schminkschmetterling. Das ist schonmal komisch genug. Während meine Schwester dazu nett in die Kamera lächelt, habe ich die Augen weit aufgerissen als hätte ich einen Geist gesehen. Man muss Angst haben, dass mir die Augäpfel herausfallen. Aber keine Sorge, das ist wohl damals nicht geschehen, immerhin besitze ich sie noch, also die Augäpfel. Aber das nur am Rande. Zurück zum Thema. Ich schaue also wie die Kuh wenn`s Blizt und ich habe auch eine vage Vermutung warum. Die Friese. Das Grauen schlechthin. Der tiefste Osten lässt grüßen. Oben kurz, unten lang – OBKUUNLA. Oder besser bekannt als VOKUHILA. Yiha… Was haben mir meine Eltern da nur angetan, diese Trendsetter ;) Ich sehe gelinde gesagt beschissen aus… Angesichts dessen ist es doch aber wunderbar, das diese Tatsache heute eine solche Erheiterung in mir auslösen kann. Denn was noch viel viel besser ist: Ich fühle mich schlagartig wunderschön. Also im Hier und Jetzt. Na und wenn das mal bei miss-super-selbstkritisch-sophie nichts ist…

Während ich das Foto so betrachtete, freute ich mich also, dass dieser Trend vorbei ist. Doch dann schossen mir Bilder in den Kopf. Aktuelle Bilder. Und ich musste mir eingestehen: Nein, dieser Trend kommt gerade wieder. Er erlebt einen Relaunch. Schon meine Mam pflegte immer zu sagen: „Alles kommt wieder.“ Scheinbar hat sie recht. Wir leben nun schon lange genug auf dieser Welt, dass mode- und stylingtechnisch so gut wie alles schon einmal dagewesen ist. Zumindest irgendwie in einer ähnlichen Art und Weise. Wenn auch vielleicht heute mit anderen Nuancen und Attitüden.

Interessant dabei ist nämlich der Wandel der Menschen, der in den sogenannten Trends steckt. Gab es damals nichts anderes, ist es heute frei gewählt. Das Angebot an Mode und Stil ist ja unendlich. Und dennoch: Gerade diejenigen unter ihnen, die dem Trend entfliehen wollen und etwas ganz Besonderes ausdrücken wollen, sind genau mittendrin. Sie wollen aus der Masse herausstechen und gehen in selbiger unter. Die Hipster. Herzlich willkommen im Leben eines ‚Möchtegern‘. Haben diese vor ein paar Jahren noch über z.B. taillierte Hosen die Nase gerümpft, sind sie es nun, die diese hocherhobenen Hauptes zur Schau tragen. Und dabei wahnsinnig cool sind. Sie meinen Modebewusstsein, Esprit und Extravaganz für sich gepachtet zu haben. Entschuldigt, wenn auch ich jetzt hier einer Pauschalisierung, vielleicht sogar einem Vorurteil unterliege. Aber ich habe eben schon all zu oft beobachtet, dass sich eben diese Hipster für das Non-Plus-Ultra halten. Sie stellen Aussehen über alles Andere und kommen damit einmal mehr oberflächlich daher. Ich muss hinzufügen: Ich habe absolut nichts gegen mode- und stylingbewusste Menschen. Aber es gibt auch Grenzen. Und diese sind eben dann erreicht, wenn man mit/durch Mode & Styling ausgrenzt und/oder abwertet. Natürlich sind nicht alle Trendsetter so. Und ich wähle extra den Begriff abwertet, denn bewerten tun wir alle irgendwie. Denn der Mensch ist nun einmal wie er ist und findet alles was nicht der ‚Norm‘ entspricht erst einmal komisch. Stellt sich nur die Frage: Was ist die ‚Norm‘? Gibt es so etwas wie eine ‚Norm‘ überhaupt? Oder sollte man eher sagen: Das Individuum findet erst einmal alles befremdlich, was nicht den eigenen ästhetischen Empfindungen entspricht? Ja, das passt vielleicht besser. Wie dem auch sei und Trend hin oder her: Meiner Meinung nach soll doch einfach jeder sein wie er will. Also lieber Hipster: hippe. Also lieber Nerd: nerde. Also liebe graue Maus: mause. :)

Ich weiß nur eines: Ich muss nicht jeden Trend mitmachen. Und ‚Vokuhila‘ werde ich mir mit Sicherheit nie selbst antun :D Werde aber auch niemanden verurteilen, der es sich ‚antut‘. Geschmack ist eben Geschmackssache. Aber ich werde hin und wieder mal in den Untiefen der Vergangenheit stöbern. Die kleinen Schätze liegen im Detail. Vielleicht fällt neben dem einen oder anderen belustigenden Foto, neben der einen oder anderen erheiternden Erinnerung, auch das eine oder andere re-moderne Stylingfundstück an. Und wenn nicht, ist es doch immerhin herrlich wenn die Mamas und Papas, die Omas und Opas, etc. von alten-neugewordenen Trends und kindlichen Schandtaten – wie die Tendfrisur zeigt, nicht unbedingt auf dem eigenen Mist gewachsen – berichten. Wie sie dann plötzlich aus ihrer Lethargie erwachen und noch einmal jung sind… Herrlich. Da ist es doch nur zu begrüßen wenn Trends kein Verfallsdatum haben. Das verbindet Generationen :)

Media-Morphose

Foto: © Andreas Bauer, 2010

Da schwingen sie Reden über den Wunsch, das Streben nach Individualität. Empören sich über Uniformität. Zeigen gleichwohl aber das Bedürfnis nach Übereinstimmung und Konformität. Sie schließen ihre Türen hinter sich. Und lernen aus der Flimmerkiste. Und dann fügen Sie sich. Hinein in eine Rollestruktur, ein Normengefüge. Passen sich an, anstatt auszubrechen. Übernehmen, anstatt sich zu verändern. Und was bleibt ist das Zeugnis einer Zeit. Einer Gesellschaft. Einer Schicht. Formengleichheit statt Formenvielfalt.

Neuanfang

Foto: © Andreas Bauer, 2012

Der laue Wind bläst durch die Straßen und streichelt die Stadt. Der Geruch von nassem Staub liegt in der Luft. Kleine Tropfen platschen auf den Asphalt. Verwandeln ihn in eine spiegelnde Fläche. Wischen den Schmutz der Großstadt hinfort. Sorgen für Frische und Glanz. Für einen Augenblick. Lassen die Stadt ruhen. Für einen Neuanfang. Damit sie morgens mit neuer Pracht erstrahlen kann.

Humor macht sexy

ZUM PODCAST

Gerade las ich die Schlagzeile: „Humor macht sexy.“ Was für ein Klopper. Mir jedenfalls schossen sogleich etliche Fragen in den Kopf und tanzen dort nun lustig Polka. Machen wirklich ausnahmslos alle Arten von Humor sexy oder nur bestimmte? Inwiefern wirkt Humor sexy? Und, und, und…. Wissbegierig konsumierte ich also den Artikel und musste dabei, wie so oft, einfach nur den Kopf schütteln. Interessant ist nämlich, wie der Artikel dieses eigentlich jubelwürdige Ergebnis – Hallo, Humor macht sexy, dass bedeutet es ist etwas dran an der Aussage ‚Es kommt auf die Inneren Werte an!‘ – belegt. Fakt ist, der Artikel kann damit sehr wohl die humorvolle Seite eines Jeden erwecken, nämlich die Lachmuskeln.

Gehen wir also näher ins Detail der Studienergebnisse. „Sie suchen noch einen Partner? Dann lachen Sie!“, „Ihre Haare sitzen heute schlecht? Und das, obwohl Sie ein Date haben? Kein Problem, lachen Sie einfach drüber!“, um nur zwei Situationen zu zitieren, die besagter Artikel als ‚man besitzt Humor‘ ausweist. Na wunderbar… Das klingt ja wie Lachyoga. Herzlich willkommen in der Esoterik. Erstens: Lachen allein macht meiner Meinung nach noch lange keinen Humor aus! Zweitens sind 250 Probanden ebenfalls meiner Meinung nach nicht unbedingt repräsentativ. Und Drittens: Humor wirkt sicherlich anziehend, aber der Grund dafür ist bestimmt nicht die Gabe über schlecht sitzende Haare oder ähnliche alltägliche Malörchen schmunzeln zu können. Natürlich ist mir bewusst, dass besagte Situationen wohl aussagen sollen: ‚Wer Stärke und Selbstbewusstsein besitzt und über Malörchen wie diese lachen kann anstatt zu weinen, der ist bei sich selbst und wirkt damit attraktiv und eben auch sexy.‘ Aber trotzdem, warum muss man denn gleich wieder alles auf die Beziehungsschiene ziehen? Als wenn Humor nur für Partner-Suchende von Belang wäre. Und als ob es bei der Partnersuche wirklich nur auf Humor ankäme…

Aber es kommt noch besser. Männer, so die Aussage des Artikels weiterhin, würden Humor guten Aussehens vorziehen, weil Witz noch mehr als der äußerliche Zustand einer Frau ‚Jugend und Fruchtbarkeit‘ signalisiere. Hm… Und warum stehen dann so viele Männer immer nur auf die schönen Frauen? Frauen hingegen fänden humorvolle Männer attraktiver als Schöne, weil sie in verspielten Männern eher ihren Wunsch nach einem nicht aggressiven Partner erfüllt sähen. Die Chance dass diese Männer ihrem Nachwuchs also keinen Schaden zufügen ist größer als bei nicht humorvollen Männern. Also bei aller Liebe… Ihr wollt mir doch nicht erzählen, dass Frau (und eben auch Mann) beim Kennenlernen die für sich attraktiv wirkenden Männer (bzw. Frauen) ausklammert weil sie schädlich für potenziellen Nachwuchs sind?! Also ich checke jedenfalls beim ersten Kennenlernen nicht zu aller erst ab, ob das Gegenüber meinen potenziellen Nachwuchs gefährden könnte. Aber vielleicht sollte man das hin und wieder tun, denn wer den Nachwuchs gefährdet, gefährdet vielleicht auch die eigene Persönlichkeit? Hm… Sollte mir das also zu denken geben? Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich beim ersten Blick natürlich immer auch für Diejenigen interessiert, die einen optisch ansprechen (und da liegt natürlich im Auge des Betrachters, was anziehend und sexy wirkt). Aber gut, das Eine (Optik) muss ja das Andere (Humor) nicht ausschließen. Oftmals ist es aber leider nicht der Fall und man fällt erst einmal auf die nette Fassade herein, hinter der sich dann Abgründe verbergen… ;P

Fazit des Artikels ist es dann: „Lachen ist nicht nur gesund und macht sexy, sondern hilft uns auch, den perfekten Partner zu finden!“ HaHaHaHa…. in Endlosschleife. Also wirklich! Wir haben ja kapiert, dass Humor anziehend wirkt, aber ich denke da gehört weitaus mehr dazu, als die Bereitschaft über sich lachen zu können und nicht alles bierernst zu nehmen. Mir ist durchaus bewusst, dass hier lediglich steht ‚hilft‘. Und mir ist auch klar, dass der Artikel wohl weniger auf die Situation des eigentlichen, ersten Kennenlernens abzielt, als vielmehr auf ein ‚man kennt sich schon länger und lernt den anderen zu schätzen‘. Dennoch! So einfach ist das eben nicht. Oder warum gibt es so viele humorvolle Singles? Na, na?

Ein Freund offenbarte mir angesichts dieser Frage, dass Humor und Sexyness oftmals zu viel des Guten sind. Wie jetzt? Ich bekam große Kulleraugen mit tausend Fragezeichen darin. „Na humorvoll UND sexy zusammen macht Angst.“ Puh, wenn das so ist… Dann beweine ich an dieser Stelle all Diejenigen, die beides besitzen und noch keinen Partner haben. Eure Chancen durch euren Humor Jemanden anzusprechen sind also eingeschränk ;P

Schlussendlich muss ich wohl wieder einmal hinnehmen, nicht auf all meine wissbegierigen Fragen eine zufriedenstellende Antwort zu erlangen. Denn letzten Endes liegt auch hier wieder einmal Alles im Auge des jeweiligen Betrachters. Eines bleibt aber festzuhalten, dass es nichts bringt sich an bestimmten Eigenschaften zu verbeißen und diese katalogartig zu erwirtschaften, denn Perfektionismus wirkt verbissen und demnach unsexy. Und wer krampfhaft versucht Humor zu versprühen tut wahrscheinlich alles Andere als das. Und letztlich spielt wie immer vieles Zusammen. Also sollten wir uns, inklusive mir, wohl einfach über diese neue bahnbrechende Erkenntnis freuen. Juhu! Immerhin haben so also auch die schrägsten Typen die Chance Jemanden zu bezirzen. :) Es lebe der Humor!!!

Nachtrag: DIESER ARTIKEL IST MIT HUMOR ZU NEHMEN ! :)

Mystisch

Foto: © Andreas Bauer, 2011

Der morgendliche Nebel hing zwischen den Baumwipfeln und zeichnete diese nur schemenhaft ab. Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten sich durch die dicke Wolkendecke hindurch und tauchten das Szenario in ein milchiges Licht. Über den Wiesen und Seen stieg Nebel auf und waberte geistergleich empor. Zauberte Umrisse, die Vieles erahnen ließen aber nichts eindeutig zeigten. Kündigte Verwandlung an. Friedlich ruhend. Mystisch.

Handlungsunfähig

ZUM PODCAST

Es gibt Situationen im Leben eines Jeden, da muss man einfach Handeln. Tut man es nicht, hat man seine Chance verpasst. Aber es gibt Menschen, die tun genau das. Sie verkennen die Situation. Handeln – Fehlanzeige! Stattdessen labern und labern sie. Und reden letztlich alles tot. Dann ist es nicht mehr nur wahnsinnig schwierig je wieder in eine solche Situation zu kommen, sondern durchaus vorstellbar, dass das Gegenüber gar nicht mehr in diese Situation kommen möchte. Aus die Maus!

Ein Beispiel: Ein Club. Musik. Sich zum Rhythmus der Musik bewegende Körper. Zwei Menschen. Ein Blick. Knistern. Die Nacht wird zum Tag. Man wandelt gemeinsam aus dem Club. Ein lauer Sommermorgen. Die Sonne geht gerade auf und man entschließt sich spontan gemeinsam in einem See baden zu gehen. Und dann… dann müsste er kommen, der Kuss. Aber er kommt nicht. Man tut es als Zurückhaltung ab und trifft sich noch einmal. Und wieder wartet man vergebens auf den Kuss. Man trifft sich und trifft sich, und nichts passiert. Schließlich fragt man sich was da wohl los ist? Hallo, wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert. Küssen vor der Ehe ist durchaus erlaubt. Irgendwann ist die Luft raus. Dann handelt man eben doch selbst, aber dann heißt es: Schön dich kennengelernt zu haben, aber ich schau mich dann mal anderweitig um. Und was bleibt ist die Erkenntnis, dass das Gegenüber einfach nicht erkennt was ihm/ihr entgeht und natürlich die Frage, warum man selbst nicht schon viel eher einen Schlussstrich gezogen hat.

Natürlich überlegt man ob die Handlungsunfähigkeit an mangelndem Interesse liegt. Und natürlich kann dies durchaus der Fall sein. Wenn man allerdings Beiträge wie „Die Schmerzensmänner“ von Nina Pauer liest, scheint es sich hierbei mitunter eben nicht um Desinteresse zu handeln, sondern um ein rapide ansteigendes gesellschaftliches Phänomen: Die von ihr so betitelte „jungmännliche Identitätskrise“. Nicht mangelndes Interesse sondern wachsende Verunsicherung sei das Problem. Da dürfte es wohl ein Wunsch bleiben, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, das Richtige zu tun… Ein trauriges Fazit. Ich würde jedoch behaupten, dass dies nicht nur ein männliches Problem ist. Frauen stehen dem in nichts nach. Aber warum in aller Welt fällt es den Menschen heute immer schwerer Signale zu deuten und zu Handeln, richtig zu Deuten und zu Handeln? Wo ist die Abenteuerlust geblieben, der Wunsch die Welt aus den Angeln zu heben? Ein bisschen Nervenkitzel muss doch sein. Sind wir also zum Schauspieler unseres eigenen Lebens geworden? Haben wir es verlernt zu tun wonach uns ist? Oder tun wir nicht wonach uns ist, weil wir gar nicht wissen wonach uns ist? Nein, ich glaube an die Handlungsfähigkeit des Menschen, ich will daran glauben!!! Man muss es nur üben ;) Auch wenn dies bedeutet, dass man hin und wieder in Situationen gerät, in dem das Handeln lieber ein Wunschtraum im Kopf des Handelnden geblieben wären.

Denn so gibt es auch Situationen im Leben eines Jeden, da sollte man lieber nicht Handeln. Tut man es doch, wird es peinlich und/oder lästig. Aber es gibt auch hier Menschen, welche die Gabe besitzen, diese Situationen zu missdeuten. Signale erkennen – Fehlanzeige! Langsam antasten – wo denkst du hin?! Stattdessen schalten sie den Turbogang ein. Reden wird überbewertet. Sie handeln und tun genau das Gegenteil von dem was man signalisierte.

Ein Beispiel: Ein Club. Musik. Sich zum Rhythmus der Musik bewegende Körper. Zwei Menschen. Ein Blick. Das Signal: Sprich mich nicht an. Man dreht sich weg. Plötzlich steht er wieder vor einem. Man dreht sich abermals weg. Und da, was ist das? Er rubbelt tatsächlich an deinem Hintern. Man dreht sich wütend um und funkelt ihn böse an. Zugegeben, eine Ohrfeige wäre wohl ein eindeutiegeres Signal, aber man will ja nicht brutal werden. Und er? Er lächelt und weicht einem nicht mehr von der Seite. Irgendwann geht man ganz einfach, um zu entkommen. Im extremsten Fall trifft man denjenigen nach Wochen oder Monaten zufällig wieder und er redet von der verpassten Chance. Und man denkt sich: was für ’ne Chance? Was für ’ne Gelegenheit. Hätte ich gewollt, hätte ich gewollt…

Bleibt wohl einzuräumen, dass der Ausgang diverser Geschichten natürlich nicht  allein an einer einzelnen Person hängt. Die Kombi macht den Braten fett. Und die richtige Kommunikation wohl den Rest. So mag es also sein, dass man – selbst wenn man es anders denkt – uneindeutige Signale sendet. Mag ebenfalls sein, dass das Gegenüber gleichfalls auf die Initiative wartet. Und mag auch sein, dass man an ein Gegenüber geraten ist, was gar nicht wirklich will. Und ja, ich gebe es ja auch zu: Es ist nicht ganz einfach, das Eine vom Anderen zu unterscheiden und dann auch noch das Richtige zu tun. Aber es sollte doch nicht Unmöglich sein!!! Mit etwas mehr Direktheit und weniger „ersteinmal alles Abchecken“ und Hinhalten wäre wohl allen geholfen. Auch ich habe erst kürzlich aus einer solchen Situation gelernt: Verschwende nicht die Zeit damit herauszufinden was der Andere will, sondern werde dir klar was du willst und dann handele danach. Alles andere ist vertane Liebesmüh, denn zwei Handlungsunfähige ergeben eben keinen Handlungsfähigen. Also packen wir doch die Gelegenheiten beim Schopf und feiern die Feste wie sie kommen.

Trennung 2.0 – Beziehungsstatus: Zwischen den Stühlen

ZUM PODCAST

Ein Beziehungsaus war noch nie einfach. Aber in Zeiten von Facebook und Co. ist eine Trennung oftmals nicht nur schmerzlicher denn je, sondern auch um einiges langwieriger als noch zu Zeiten ohne Internet.

Man hat sich verbal voneinander verabschiedet, die Güter getrennt, sich physisch aus dem Leben des Anderen ausgeklinkt… Aber das bedeutet heute noch lange nicht, dass man nichts mehr vom Expartner erfährt. Denn Facebook und Co. machen es möglich auch nach der Trennung am Leben des Anderen teilzuhaben. In Erfahrung zu bringen, wo sich der Expartner herumtreibt, mit wem er sich trifft, was ihn bewegt, ob er gar einen neuen Partner hat… So habe ich erst letztens Aussagen gehört wie: „Mein Ex hat seinen Beziehungsstatus bei Facebook geändert. Jetzt hat er wohl abgeschlossen.“ oder „Ich hätte nicht aufs Profil meiner Ex gehen sollen. Jetzt geht’s mir scheiße!“ Ja, was um alles in der Welt habt ihr denn angenommen? Das ihr darüber hinweg seid? Dass es nichts mehr ausmacht? War es pure Neugierde? Oder einfach nur ein Hang zur Selbstkasteiung? Was der Grund in den einzelnen Fällen auch sein mag, man fühlt sich danach doch nur wie erschlagen. Die Denkmurmel springt wieder an und pumpt Gedanken in die Venen. Das Herz rast. Und man durchlebt Vieles noch einmal. Steht am Ende erneut am Anfang…

Ein psychisches Lebewohl findet also oftmals nicht statt und führt auch nach dem Beziehungsende zu Gefühlen wie Eifersucht, Wut und Verletzung. Das macht den Prozess der Abnabelung nicht nur zähflüssig wie Gummi, sondern schmerzt auch viel länger als es müsste. Man verschließt sich vor neuen Kontakten, schließlich hängt man noch immer irgendwie wie ein zappelnder Fisch am Haken. Man igelt sich so richtig in seinem Leid ein. Auf die Idee, dass der Expartner eventuell absichtlich falsche Dinge postet um den Anderen zu kränken oder aus der Reserve zu locken, kommen Viele nicht.

Studien zufolge – und da sei mal außen vor gelassen, wie repräsentativ sie  sind – schaffen es nämlich die Wenigsten, den Expartner bei Facebook zu löschen. Allenfalls zu einem Blockieren können sie sich durchringen. Erschreckend! Denn auch das ist doch nur ein Vorgaukeln von Unabhängigkeit, wo man sich doch die Hintertür offenhält, jederzeit wieder am Leben des Anderen teilhaben zu können. Und so bleibt die Versuchung groß. Der Geist hängt an etwas was nicht mehr ist, verhindert die Weiterentwicklung. Und der Schmerz ist schier endlos.

Verarbeiten? Kaum möglich. Abschließen? Undenkbar. Fakt ist aber: So kommt man nie wirklich darüber hinweg, denn ein Neuanfang ist nur möglich, wenn man einen klaren Cut macht. Also fragt man sich doch: Warum tun sich Menschen das an? Warum tun sie sich so gern selbst weh, suhlen sich im Kummer? Ist es die Angst davor, wenn man das Herzeleid loslässt, gar nichts mehr zu haben?

Bin ich froh, dass ich nicht bei Facebook bin, dachte ich mir… Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. Blöd nämlich, wenn der Ex dann plötzlich über den Bildschirm flimmert… Gut, dass mein Verarbeitungsprozess ohne Facebook und Co. bereits lange abgeschlossen ist und ich es somit sportlich nehmen kann. Aber es zeigt doch einmal mehr: Heute ist man wirklich nirgends mehr sicher ;)

Sprücheklopfer

ZUM PODCAST

Es gibt Sprüche die sind lustig. Es gibt Sprüche die sind schlagfertig. Und es gibt Sprüche die sind einfach nur zum Schreien. Weil man sie immer wieder hört, weil sie eingebildet klingen, oder weil sie einfach unüberlegt und geschmacklos sind. So wurde ich erst letztens wieder in einem Club gefragt: „Sag mal kennen wir uns nicht irgendwoher?“ Wer kennt diesen Spruch nicht und – Asche auf mein Haupt – ich habe diesen Spruch sicher auch schon gebracht. Aber dann war es auch wirklich der Fall. Kommt ja eben hin und wieder vor, dass man meint den Einen oder Anderen schon einmal gesehen zu haben. In den meisten Fällen kommt diese Frage aber nur aus mangelnder Kreativität oder aus Verlegenheit. Aus Verlegenheit ist auch noch irgendwie „süß“, aber gepaart mit einem vor Selbstbewusstsein strotzenden, selbstverliebten Menschen finde ich diesen Spruch einfach nur zum wegrennen. Eine Freundin erzählte mir, sie habe da einen ganz besondere Antwort, mit der sie in solchen Fällen jede weitere Annäherung sogleich unterbindet: „Kann sein, ich arbeite in einer Klinik für Geschlechtskrankheiten.“ Autsch…

Das ist also eine Möglichkeit einem lästigen „Sprücheklopfer“ zu begeben. Mit den eigenen Waffen schlagen und ebenfalls Sprüche klopfen. Was für ein Fest, wenn in einem solchen Moment ein passender Spruch ins Gehirn schießt und sich seinen Weg übers Sprachzentrum nach außen bahnt. Was für eine Freude, wenn dem Gegenüber dann die Gesichtszüge entgleiten. Nein, eigentlich bin ich nicht schadenfroh, aber es gibt doch hin und wieder Situationen in denen ich nicht übel Lust habe zu kontern und das mitunter nicht zimperlich. Zwei weitere Varianten einem „Sprücheklopfer“ entgegenzutreten sind: Erstens, das Ignorieren – die wohl einfachste und durchaus auch effektive Variante um Jemanden abzuschütteln. Allerdings nicht bei ganz hartgesottenen Fällen. Diese sind nämlich in der Regel so von sich selbst überzeugt, dass sie glauben es würde sich dabei um ein Spiel handeln und man signalisiere nur „nein“, meine aber „ja.“ Die zweite Möglichkeit ist es, blöd zu gucken und irgendwas Unüberlegtes zu entgegnen – die wohl häufigste, weil intuitivste Variante.

Gleichwohl ist das Voranpreschen mit derbem Kontern nicht immer die beste Wahl. Eher sollte man sehr genau prüfen, welche Reaktion für welchen „Sprücheklopfer“ angebracht ist…

Denn da gibt es auch die gutgemeinten Sprüche. Jene, womit der „Sprücheklopfer“ seine eigentliche Anteilnahme ausdrücken möchte, es aber hinter irgendwelchen Floskeln versteckt, weil er/sie das Thema nicht direkt ansprechen mag. So zum Beispiel die liebe Family. So höre ich jedes Mal wenn man mich sieht: „Kind, du bist schon wieder dünner geworden.“ Fakt ist: Wenn das der Tatsache entsprechen würde, wäre ich bereits nicht mehr existent. Bin ich aber. Und wie. Also alles halb so wild und auch nur ein Spruch der aus ihrem Drang heraus entsteht, unbedingt etwas zu meinem Äußeren sagen zu müssen. Deshalb verfehlt er aber zumeist auch die gewünschte Wirkung, denn ähnlich wie bei „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“, geht dieser Spruch bei mir ins eine Ohr hinein, dreht ein paar Kreise im Gedankenkarussel, und geht dann unkommentiert zum anderen Ohr wieder hinaus. Nicht die feine Art, aber was soll man da schon jedes Mal drauf antworten? „Da bin ich auf den Rad wenigstens schön windschnittig.“, „Dafür spar‘ ich beim Duschen Wasser!“, oder „Aber sehen kannste mich schon noch?“. Wohl etwas zu hart für meine liebe Family, sie meint es ja nur gut. Und die Family darf ihre Anteilnahme auch mal mit Sprücheklopfen ausdrücken. Bei Anderen hingegen kann es durchaus witzig werden, die Auswirkungen dieser Antworten zu testen: Schnappatmung und verdutzte Gesichter :)

Und da wären wir schon beim nächsten Spruch: „Was machst du denn für ein Gesicht?“ Was ist denn das für eine blöde Frage?! Als ob ich mich selbst sehen könnte. Da helfen also nur Antworten wie: „Ich habe versucht gleich blöd zu schauen wie du.“ Oder Gegenfragen wie: „Was mache ich denn für ein Gesicht?“ Allein das reicht meistens schon aus, um das Gegenüber ins Stottern zu bringen.

Also merken: Wirklich lästigen „Sprücheklopfern“ legt man das Handwerk nur, indem man ihre eigenen Waffen aufgreift. Bei allen Anderen sollte man ein Auge zudrücken. Immerhin wird man sich auch selbst irgendwann man in der Lage befinden in die Kategorie des „Sprücheklopfers“ gerutscht zu sein. Und dann hofft man ja auch, dass das Gegenüber Gnade vor Recht ergehen lässt.